Port Polska 07.08.2026, 21:00 Uhr

Polens längster einröhriger Bahntunnel: PORR montiert 3200-t-TBM

PORR montiert in Łódź eine 3200 t schwere TBM mit 14 m Durchmesser. Der Vortrieb des 4,6 km langen, zweigleisigen Tunnels startet 2027.

Blick auf die Startkammer Retkinia in Łódź

Blick auf die Startkammer Retkinia in Łódź: Mit dem 450-t-Portalkran werden die Komponenten der rund 3200 t schweren Tunnelbohrmaschine in den Schacht abgesenkt und dort montiert.

Foto: PORR S.A.

In Łódź hat die Montage einer 3200 t schweren Tunnelbohrmaschine (TBM) begonnen. Der österreichische Baukonzern PORR will damit ab Anfang 2027 einen rund 4,6 km langen Bahntunnel unter der dicht bebauten Großstadt auffahren. Nach Angaben des Bauherrn entsteht damit Polens längster und breitester einröhriger Bahntunnel, der in einem einzigen Abschnitt aufgefahren wird.

Montage in der Startkammer Retkinia

Eine Maschine dieser Größenordnung lässt sich nicht am Stück auf die Baustelle transportieren. Stück für Stück verschwinden die Komponenten der TBM derzeit in der Startkammer Retkinia im Westen von Łódź. Dort werden sie unter Tage zusammengefügt:

  • Gesamtgewicht: rund 3200 t
  • Schneidrad-Durchmesser: ca. 14 m
  • Schneidrad-Gewicht: rund 420 t
  • Erste Sektionen: etwa 19 m lang und rund 215 t schwer

Ein Portalkran senkt die TBM-Komponenten in die Startkammer ab. In den bereits platzierten Sektionen befinden sich unter anderem Stromversorgung, Hydraulik, Steuerung und Teile des Materialtransports. Sie gehören zu den Nachläufern, die später hinter dem eigentlichen Bohrschild durch den Tunnel gezogen werden.

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Das Schneidrad soll vollständig montiert in einem einzigen Hub in die Startkammer abgesenkt werden.

Portalkran mit rund 500 t getestet

Um die schweren Bauteile sicher bewegen zu können, ließ die staatliche Projektgesellschaft Centralny Port Komunikacyjny (CPK) einen Portalkran mit einer Nenntragfähigkeit von 450 t errichten. Vor Freigabe der Arbeiten musste die Anlage ihre Belastbarkeit nachweisen.

Bei der technischen Abnahme durch die polnische Aufsichtsbehörde hängten die Verantwortlichen wassergefüllte Lastsäcke mit einer Gesamtmasse von rund 500 t an den Kran. Das entspricht etwa 110 % der regulären Tragfähigkeit.

Nach dem vollständigen Zusammenbau folgen Funktionstests und die Vorbereitung des eigentlichen Vortriebs.

Eine der rund 215 t schweren Nachläufer-Sektionen der Tunnelbohrmaschine wird mit dem Portalkran in die Startkammer Retkinia in Łódź abgesenkt. Foto: PORR S.A.

Eine Röhre für zwei Gleise

Der von PORR aufzufahrende Abschnitt misst rund 4,6 km zwischen den Schächten Retkinia und Fabryczna. Beide Gleise verlaufen in einer gemeinsamen Tunnelröhre.

  • Geschwindigkeit: bis zu 160 km/h im Tunnel
  • Bohrdurchmesser: ca. 14 m; der nutzbare Innendurchmesser der ausgebauten Röhre fällt kleiner aus
  • Ausbau: Vorgefertigte Betonsegmente werden hinter dem Bohrschild zu geschlossenen Tunnelringen zusammengesetzt

Beim Vortrieb löst das rotierende Schneidrad den Boden an der Ortsbrust. Hinter dem Bohrschild setzt die TBM vorgefertigte Betonsegmente, sogenannte Tübbinge, zu Tunnelringen zusammen. Fördersysteme transportieren gleichzeitig das gelöste Material aus dem Tunnel.

Welcher Schildtyp und welches Stützverfahren genau zum Einsatz kommen – etwa Erddruck-, Flüssigkeits- oder Variable-Density-Schild –, hat CPK bislang nicht öffentlich spezifiziert.

Geotechnik unter dicht bebautem Stadtgebiet

Die Trasse verläuft je nach Abschnitt etwa 23 bis 34 m unter der Oberfläche. Beim maschinellen Tunnelbau können Bodenverluste oder Schwankungen des Stützdrucks Setzungen auslösen. Unter Gebäuden, Straßen und Versorgungsleitungen können bereits geringe Bewegungen problematisch werden.

CPK sieht deshalb mehrere Sicherungs- und Überwachungsmaßnahmen vor:

  • Beweissicherung: Erfassung des Zustands der Gebäude im Einflussbereich vor Beginn der Arbeiten
  • Geodätisches Monitoring: kontinuierliche Überwachung möglicher Bewegungen während der Bauarbeiten
  • Spezialtiefbau: geotechnische Verstärkungen an besonders sensiblen Bauwerken

Ein Schwerpunkt liegt am Kulturzentrum nahe dem Bahnhof Łódź Fabryczna. Dort wurden die Fundamente mit Mikropfählen und Jet-Grouting-Säulen, also im Düsenstrahlverfahren hergestellten Bodensäulen, verstärkt. Die Maßnahmen sollen das Bauwerk beim Bau der etwa acht Geschosse tiefen Zielkammer und beim späteren Durchgang der TBM sichern.

Blick aus der Startkammer Retkinia: Der 450-t-Portalkran positioniert eine der Nachläufer-Sektionen der Tunnelbohrmaschine für die Montage unter Tage. Foto: PORR S.A.

Fünf Schächte für Technik und Evakuierung

Da beide Gleise in einer Röhre verlaufen, kommt dem Rettungskonzept besondere Bedeutung zu. Zum PORR-Auftrag gehören fünf Not- und Technikbauwerke entlang der Strecke. Sie sind über Treppen mit der Oberfläche verbunden und in das Evakuierungskonzept eingebunden.

PORR installiert außerdem die betriebliche Infrastruktur. Dazu gehören Stromversorgung, Telekommunikation, Wasser- und Abwassersysteme sowie Brandschutz- und Rauchabzugsanlagen.

Durchgehende Wege im Tunnel sollen für Evakuierungen und Wartungsarbeiten genutzt werden.

Feste Fahrbahn statt Schotter

Bei den Gleisen setzt PORR auf das konzerneigene System Slab Track Austria. Nach Angaben des Unternehmens kommt diese feste Fahrbahn erstmals in einem polnischen Eisenbahntunnel zum Einsatz.

Die Schienen liegen dabei nicht auf Schwellen in einem Schotterbett, sondern auf vorgefertigten Betontragplatten. PORR nennt als Vorteile eine hohe Gleislagegenauigkeit, eine lange Lebensdauer sowie vergleichsweise geringe Geräusch- und Vibrationswirkungen.

Beschädigte Tragplatten können nach Angaben des Unternehmens bei Bedarf vollständig ausgetauscht werden.

Vortrieb startet 2027

Der eigentliche Tunnelvortrieb soll nach dem aktuellen Zeitplan im ersten Quartal 2027 beginnen. Ursprünglich hatte CPK bei der Vertragsunterzeichnung im Juni 2025 noch das vierte Quartal 2026 genannt. Einen Grund für die Verschiebung nennt die Projektgesellschaft in ihrer aktuellen Mitteilung nicht.

Meilenstein Geplanter Zeitraum
Vortriebsstart in Retkinia Q1 2027
Erreichen der Zielkammer bei Łódź Fabryczna 2028
Innenausbau und technische Ausrüstung bis 2029
Abschluss und Abnahme 2029

Das Auftragsvolumen beträgt rund 2,17 Mrd. Złoty brutto beziehungsweise 1,76 Mrd. Złoty netto. PORR selbst rundet den Nettowert auf 1,7 Mrd. Złoty beziehungsweise mehr als 400 Mio. €. Für die Ausführung sind vier Jahre vorgesehen.

Teil der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke

Der Tunnel gehört zur geplanten Bahnstrecke Nr. 85. Sie soll Warschau über den neuen Flughafen des Infrastrukturprogramms Port Polska mit Łódź verbinden und sich von dort in Richtung Wrocław und Poznań verzweigen.

Außerhalb des Stadttunnels soll die Neubaustrecke für Geschwindigkeiten von bis zu 350 km/h ausgelegt werden. Im Tunnel unter Łódź sind bis zu 160 km/h vorgesehen.

Der Abschnitt zwischen Warschau und Łódź soll nach derzeitigem Stand 2032 gemeinsam mit dem neuen Flughafen in Betrieb gehen. Die westlichen Äste in Richtung Wrocław und Poznań sollen bis Ende 2035 folgen.

Der Tunnel selbst führt unter Łódź hindurch und bindet die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke unterirdisch durch das Stadtgebiet.

Quellen

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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