595-Mio.-€-Rettungsplan wackelt: Was jetzt aus dem Elbtower wird
Der Elbtower hat Investoren, einen Hotelbetreiber und einen Bauvorbescheid. Trotzdem droht der Rettungsplan am Naturkundemuseum zu scheitern.
Seit fast drei Jahren steht der Elbtower still. Trotz neuer Investoren und 595 Mio. € aus Hamburg ist weiterhin kein Baustart in Sicht.
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Es sollte eines der spektakulärsten Hochhäuser Deutschlands werden. Stattdessen endet der Elbtower seit Oktober 2023 nach rund 100 m. Fast drei Jahre später gibt es neue Investoren, einen Hotelbetreiber, einen positiven Bauvorbescheid und die Aussicht auf bis zu 595 Mio. € von der Stadt Hamburg. Gebaut wird trotzdem nicht.
Mehr noch: Der Rettungsplan, der im Herbst 2025 noch wie der Durchbruch wirkte, steht wieder infrage. Hamburg will einen großen Teil des fertigen Gebäudes für ein neues Naturkundemuseum erwerben. Doch SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf hält die Wahrscheinlichkeit, dass das Museum tatsächlich in den Elbtower einzieht, inzwischen für „momentan sehr gering“.
Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein erklärte am 21. August 2026 im Haushaltsausschuss, es gebe keinen neuen Stand bei den Verhandlungen. Finanzsenator Andreas Dressel verwies auf die Entwicklung von Zinsen und Baukosten. Ein Termin für die Wiederaufnahme der Bauarbeiten existiert weiterhin nicht.
Inhaltsverzeichnis
- Hamburg will maximal 595 Mio. € zahlen
- „Da wird es auch keinen Nachschlag geben“
- Ohne Naturkundemuseum könnte der Weiterbau kippen
- Roßmann, Kühne, Signal Iduna – und ausgerechnet Lupp
- Auch ein neues Hilton ist bereits geplant
- Aus 245 m werden 199 m
- Was die Setzungen an den Bahnanlagen bedeuten
- Vor dem Weiterbau bleiben technische Nachweise nötig
- Aus dem Prestigeprojekt wurde ein 100-m-Rohbau
- 2029 war das Ziel – einen Termin für den Weiterbau gibt es nicht
Hamburg will maximal 595 Mio. € zahlen
Im Zentrum der Verhandlungen steht das geplante Naturkundemuseum. Hamburg verhandelt über den Erwerb von rund 46.000 m² Sondereigentumsfläche einschließlich mitgenutzter Gemeinschaftsflächen. Dafür soll die Stadt höchstens 595 Mio. € bezahlen.
Das ist allerdings kein Zuschuss für die Fertigstellung des Rohbaus. Hamburg knüpft den möglichen Kauf an klare Bedingungen.
Nach Angaben des Senats soll die Verkäuferseite sämtliche Planungs-, Bau- und Lieferleistungen übernehmen und die Flächen vollständig, mangelfrei, genehmigt, funktionsfähig und betriebsbereit übergeben. Hamburg würde erst nach Fertigstellung zahlen. Das Bau- und Fertigstellungsrisiko für die Museumsflächen soll damit bei der Verkäuferseite bleiben.
Die Bürgerschaft müsste einem solchen Teileigentumserwerb außerdem noch zustimmen. Ein abgeschlossener Kaufvertrag liegt bislang nicht vor.
„Da wird es auch keinen Nachschlag geben“
Offenbar wünschen sich die Investoren angesichts der veränderten wirtschaftlichen Bedingungen weitere Zugeständnisse. Die Hamburger SPD stellt sich dagegen.
„Da wird es auch keinen Nachschlag geben“, sagte Kienscherf dem „Hamburger Abendblatt“. Der Elbtower sei ein privates Bauobjekt. Die Stadt sei bereit, über Teileigentum zu sprechen, wenn dadurch das Naturkundemuseum realisiert werden könne – allerdings zu den bereits formulierten Bedingungen.
Genau hier liegt derzeit der Konflikt. Denn das Museum ist für das Investorenmodell offenbar weit mehr als nur ein zusätzlicher Nutzer.
Ohne Naturkundemuseum könnte der Weiterbau kippen
Wie wichtig Hamburg für die Finanzierung des gesamten Projekts ist, machte Signal-Iduna-Chef Torsten Uhlig bereits im April 2026 deutlich.
Signal Iduna gehört selbst zum Investorenkonsortium und will nach Angaben des NDR offenbar einen dreistelligen Millionenbetrag in den Elbtower investieren. Uhlig sagte damals, der Weiterbau sei nur möglich, wenn das Naturkundemuseum in den Elbtower komme.
Damit bekommt die aktuelle Aussage Kienscherfs besonderes Gewicht. Im April bezeichnete ein beteiligter Investor das Museum als Voraussetzung für den Weiterbau. Vier Monate später hält der SPD-Fraktionschef den Einzug des Museums für wenig wahrscheinlich.
Das bedeutet nicht zwangsläufig das Aus für den Elbtower. Es zeigt aber, wie stark die Finanzierung des privaten Restprojekts mit dem geplanten Einstieg der Stadt verknüpft ist.
Roßmann, Kühne, Signal Iduna – und ausgerechnet Lupp
An Kapitalgebern mit bekannten Namen fehlt es inzwischen nicht. Im Januar 2026 gab das Bundeskartellamt grünes Licht für ein Gemeinschaftsunternehmen. Beteiligt sind der Hamburger Immobilienentwickler Dieter Becken, Unternehmer Klaus-Michael Kühne, die Signal Iduna, Dirk Roßmann sowie das Bauunternehmen Adolf Lupp. Das Kartellamt stufte das Vorhaben als wettbewerblich unproblematisch ein.
Die Beteiligung von Lupp ist bemerkenswert. Das Unternehmen sollte den Elbtower bereits unter Signa bauen. Im Oktober 2023 stellte Lupp die Arbeiten ein, weil Rechnungen nicht bezahlt worden waren. Heute gehört ausgerechnet dieses Bauunternehmen zu der Gruppe, die den stillgelegten Turm übernehmen und fertigstellen will.
Auch Kühne ist derzeit an mehreren prominenten Hamburger Bauprojekten beteiligt. Seine Stiftung finanziert einen erheblichen Teil der geplanten neuen Hamburger Oper am Baakenhöft.
Auch ein neues Hilton ist bereits geplant
Für einen weiteren Teil des Elbtowers gibt es ebenfalls konkrete Pläne. Die Primestar Group erhielt vom Investorenkonsortium den Zuschlag für das geplante Hotel. Vorgesehen ist das Hilton Hamburg Elbtower mit 195 Zimmern und Suiten. Es soll im Fünf-Sterne-Segment angesiedelt werden. Primestar nannte im Januar 2026 eine Eröffnung bis spätestens 2029.
Ob dieser Zeitplan noch zu halten ist, lässt sich derzeit nicht belastbar sagen. Der Verkauf des Rohbaus ist nicht abgeschlossen und ein Termin für die Wiederaufnahme der Bauarbeiten fehlt.
Das Hotel ist deshalb ein konkreter Bestandteil des Nutzungskonzepts – aber noch keine Garantie dafür, dass der Turm tatsächlich weitergebaut wird.
Aus 245 m werden 199 m
Baurechtlich ist die Neuplanung inzwischen einen Schritt weiter. Ursprünglich sollte der von David Chipperfield Architects entworfene Elbtower 245 m hoch werden. Die aktuelle Planung sieht nur noch etwa 199 m vor. Zwölf Bürogeschosse entfallen.
Am 26. Februar 2026 veröffentlichte Hamburg einen positiven Bauvorbescheid für die geänderte Kubatur und die vorgesehene Nutzung durch das Naturkundemuseum. Auch die Aussichtsplattform soll tiefer angeordnet werden als ursprünglich vorgesehen.
Ein positiver Bauvorbescheid klärt wesentliche bauplanungs- und bauordnungsrechtliche Fragen vorab. Er löst allerdings weder die Finanzierung noch den Eigentümerwechsel.
Die bestehende Baugenehmigung läuft ebenfalls nicht kurzfristig aus. Hamburg verlängerte sie am 18. Februar 2026 bis zum 23. März 2029.
Technisch bleibt der Elbtower trotz der geringeren Höhe ein außergewöhnliches Hochhausprojekt. Welche Anforderungen Tragwerk, Windlasten, Aufzüge und Gebäudetechnik bei solchen Dimensionen stellen, zeigt beispielsweise der ingenieur.de-Beitrag über den 180 m hohen Wohnturm Danubeflats in Wien.
Was die Setzungen an den Bahnanlagen bedeuten
Eine weitere Besonderheit des Standorts ist die unmittelbare Nähe zu wichtigen Bahnanlagen.
Bereits mit der Teilbaugenehmigung vom September 2021 wurde deshalb ein Monitoring angeordnet. Es soll mögliche Auswirkungen von Setzungen auf benachbarte Brücken, Gleise und andere Bahnbauwerke erfassen.
Während des bereits bestehenden Baustopps wurden sehr eng definierte Grenzwerte überschritten. Betroffen waren nach Angaben der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen Differenzsetzungen, Kantungen und Verwindungen benachbarter Bahnbauwerke.
Wichtig ist die Einordnung: Daraus lässt sich kein Statikproblem des Elbtowers ableiten.
Sachverständige Ingenieure bewerteten die gemessenen Werte hinsichtlich Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit der betroffenen Bahnbauwerke als unkritisch. Schäden an den Bahnanlagen waren der Behörde im April 2025 weder angezeigt noch bekannt. Vorsorglich wurde allerdings der Austausch weiterer Lager vorbereitet, um auf mögliche weitere Veränderungen reagieren zu können.
Hamburg hat lange Erfahrung mit anspruchsvollen Bauwerken in unmittelbarer Nähe zur Elbe. Ein anderes Beispiel ist der Alte Elbtunnel, dessen Bau und Sanierung ebenfalls besondere Lösungen für Baugrund, Wasser und bestehende Infrastruktur verlangen.
Vor dem Weiterbau bleiben technische Nachweise nötig
Das Thema der Setzungen ist damit nicht erledigt. In einem Bescheid aus dem Jahr 2025 wurde vor einer Wiederaufnahme setzungsrelevanter Bauarbeiten der Nachweis gefordert, dass gegebenenfalls notwendige Kompensationsmaßnahmen an den betroffenen Bahnbauwerken umgesetzt wurden.
Im April 2026 erklärte die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen auf eine Anfrage nach dem Hamburgischen Transparenzgesetz, entsprechende Unterlagen seien bislang nicht eingereicht worden. Wegen des anhaltenden Baustopps sei derzeit auch noch nicht abschließend bekannt, ob und welche Kompensationsmaßnahmen tatsächlich erforderlich werden.
Aus dem Prestigeprojekt wurde ein 100-m-Rohbau
Begonnen hatte die Geschichte ganz anders. Der Elbtower war eines der wichtigsten Projekte der Signa-Gruppe des österreichischen Immobilieninvestors René Benko. Am östlichen Eingang zur HafenCity sollte ein 245 m hoher Turm mit Büros, Hotel, Gastronomie und öffentlich zugänglichen Bereichen entstehen.
Im Oktober 2023 stellte Adolf Lupp die Arbeiten wegen unbezahlter Rechnungen ein. Kurz darauf gerieten zentrale Signa-Gesellschaften in die Insolvenz. Seit Dezember 2024 verhandelt Becken mit Insolvenzverwalter Torsten Martini über den Kauf des halbfertigen Hochhauses.
Zwischenzeitlich sah es danach aus, als könne der Einstieg Hamburgs die entscheidende Lücke schließen. Die Stadt braucht einen Standort für das neue Naturkundemuseum, das Konsortium einen großen Nutzer für den Elbtower.
Noch im März 2026 brachte Bürgermeister Peter Tschentscher allerdings eine gewisse Unsicherheit auf den Punkt: Die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns sei „nicht null“. Inzwischen ist diese Unsicherheit deutlich größer geworden.
2029 war das Ziel – einen Termin für den Weiterbau gibt es nicht
Auf dem Papier sind seit Ende 2025 mehrere Hürden gefallen. Das Investorenkonsortium steht. Das Bundeskartellamt hat dessen Gemeinschaftsunternehmen freigegeben. Für das Hotel gibt es einen Betreiber. Die reduzierte Planung hat einen positiven Bauvorbescheid. Und Hamburg ist grundsätzlich bereit, für die vorgesehenen Museumsflächen bis zu 595 Mio. € zu bezahlen.
Trotzdem stehen die Kräne weiterhin still. Der zentrale Unterschied zu Anfang 2026: Im April erklärte Signal-Iduna-Chef Uhlig noch, der Weiterbau sei nur mit dem Naturkundemuseum möglich. Im August hält SPD-Fraktionschef Kienscherf genau diesen Einzug für „momentan sehr gering“ wahrscheinlich. Gleichzeitig will Hamburg seine finanziellen Bedingungen nicht nachbessern.
Fast drei Jahre nach dem Baustopp ist damit nicht mehr die technische Höhe des Elbtowers die entscheidende offene Frage.
Ungeklärt ist, ob sich überhaupt ein Modell findet, mit dem der Turm weitergebaut werden kann.
Quellen
- NDR: Elbtower – Verhandlungen mit Investoren stocken, 22.08.2026
- Freie und Hansestadt Hamburg: Möglicher Standort für neues Naturkundemuseum, 14.10.2025
- NDR: Signal Iduna hält Weiterbau nur mit Naturkundemuseum für möglich, 10.04.2026
- Tagesschau: Roßmann steigt beim Elbtower ein – Bundeskartellamt gibt Gemeinschaftsunternehmen frei, 20.01.2026
- PRIMESTAR Group: Hilton Hamburg Elbtower mit 195 Zimmern geplant, 23.01.2026
- Transparenzportal Hamburg: Elbtower – Vorbescheid zur geänderten Kubatur und Museumsnutzung, 26.02.2026
- Transparenzportal Hamburg: Verlängerung der Elbtower-Baugenehmigung bis 23.03.2029
- Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen: Grenzwerte und Monitoring an den Bahnanlagen, 24.04.2025
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