Elbtower nach Kühnes Tod: Das größere Problem sind nicht seine Millionen
Nach dem Tod Klaus-Michael Kühnes steht die Elbtower-Rettung erneut im Fokus. Doch vor allem das geplante Naturkundemuseum bringt den Plan ins Wanken.
Seit fast drei Jahren steht der Elbtower still. Trotz neuer Investoren und 595 Mio. € aus Hamburg ist weiterhin kein Baustart in Sicht.
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Klaus-Michael Kühne wollte zu denen gehören, die den Hamburger Elbtower doch noch fertigbauen. Nun ist der Unternehmer im Alter von 89 Jahren gestorben. Für das seit fast drei Jahren stillstehende Hochhaus stellt sich damit eine neue Frage: Fehlt dem Investorenkonsortium jetzt ein wichtiger Geldgeber? Nach bisherigem Stand offenbar nicht. Die größeren Probleme des Elbtowers liegen ohnehin an anderer Stelle.
Kühne starb in der Nacht zum 24. August 2026 in Schindellegi in der Schweiz. Das bestätigte Kühne+Nagel am Montagmorgen. Er gehörte zu den prominenten Investoren, die den rund 100 m hohen Rohbau übernehmen und zu Ende bauen wollten.
Zum Anfang 2026 vom Bundeskartellamt freigegebenen Gemeinschaftsunternehmen zählen außerdem der Hamburger Immobilienentwickler Dieter Becken, die Signal Iduna, Drogerieunternehmer Dirk Roßmann und das Bauunternehmen Adolf Lupp. Becken verhandelt seit Dezember 2024 mit Insolvenzverwalter Torsten Martini über den Kauf des halbfertigen Hochhauses. Eine Einigung gibt es bislang nicht. Welche Folgen Kühnes Tod für die Zukunft des Elbtowers hat, lässt sich noch nicht abschließend sagen.
Inhaltsverzeichnis
- Kühnes Geld soll abgesichert sein
- Der 595-Mio.-€-Plan wackelte schon vor Kühnes Tod
- Signal Iduna: Ohne Museum kein Weiterbau
- Kühne selbst zweifelte lange am Elbtower
- Aus 245 m sollen nur noch 199 m werden
- Was ist mit den Setzungen an den Bahnanlagen?
- Was entscheidet jetzt über die Zukunft des Elbtowers?
Kühnes Geld soll abgesichert sein
Nach Informationen der „Hamburger Morgenpost“ soll Kühne sein Engagement für den Elbtower bereits vor längerer Zeit über die Kühne-Stiftung abgesichert haben. Sein langjähriger Vertrauter Karl Gernandt, Mitglied des Stiftungsrats, sei eng in die Planungen für den Weiterbau eingebunden gewesen. Eine öffentliche Bestätigung der Kühne-Stiftung oder des Investorenkonsortiums dazu liegt bislang nicht vor.
Interessant ist dabei ein Detail: Kühne selbst hatte im Frühjahr 2025 noch ausdrücklich von seiner Kühne-Holding gesprochen.
Damals war die Investorensuche längst nicht so weit wie heute. Kühne äußerte erhebliche Zweifel am Projekt. Für die Fertigstellung würden rund 400 Mio. € benötigt, erklärte er. Seine Kühne-Holding könne maximal 100 Mio. € beisteuern. Außerdem fehlten weitere Investoren und Mieter.
Diese Aussagen sind auch in einer Drucksache der Hamburgischen Bürgerschaft dokumentiert. Seitdem hat sich die Lage verändert. Mit Signal Iduna und Roßmann kamen weitere finanzstarke Partner hinzu. Das Bundeskartellamt gab das gemeinsame Unternehmen im Januar 2026 frei.
Ob Kühnes ursprünglich über die Holding vorgesehenes Engagement inzwischen tatsächlich auf eine andere Konstruktion übertragen oder zusätzlich über die Stiftung abgesichert wurde, ist öffentlich nicht dokumentiert. Deshalb lässt sich derzeit vor allem eines festhalten: Einen durch Kühnes Tod verursachten Finanzierungsausfall beim Elbtower gibt es bislang nicht.
Dass die Kühne-Stiftung bei Hamburger Großprojekten eine bedeutende Rolle spielt, zeigt auch die geplante neue Oper am Baakenhöft. Wie das Projekt finanziert werden soll und welchen Anteil die Stiftung trägt, haben wir im ingenieur.de-Beitrag zur neuen Hamburger Oper ausführlich beschrieben. Aus dieser Konstruktion lässt sich allerdings nichts über die rechtliche Struktur von Kühnes Elbtower-Beteiligung ableiten.
Der 595-Mio.-€-Plan wackelte schon vor Kühnes Tod
Das akutere Problem liegt an anderer Stelle: beim geplanten Naturkundemuseum. Hamburg verhandelt darüber, rund 46.000 m² Sondereigentumsfläche einschließlich mitgenutzter Gemeinschaftsflächen im fertigen Elbtower zu erwerben. Der maximale Kaufpreis liegt bei 595 Mio. €. Diese Summe wird häufig als staatliche Rettung des Elbtowers dargestellt. Formal ist das ungenau.
Hamburg will nicht 595 Mio. € auf die Baustelle überweisen, damit die Investoren weiterbauen können. Die Verkäuferseite soll die vereinbarten Museumsflächen vollständig planen und bauen und sie mangelfrei, genehmigt, funktionsfähig, betriebsbereit und schlüsselfertig übergeben. Erst anschließend wäre die Stadt zur Zahlung verpflichtet. Auch die Hamburgische Bürgerschaft müsste dem Erwerb noch zustimmen.
Trotzdem wäre der Einstieg der Stadt für das Gesamtprojekt von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Mit dem Museum hätte der Elbtower einen großen und langfristig abgesicherten Nutzer. Deshalb lässt sich durchaus von einem 595-Mio.-€-Rettungsplan sprechen – solange klar bleibt, dass die Summe ein Kaufpreis und kein Baukostenzuschuss ist. Und genau dieser Plan steht inzwischen infrage.
Signal Iduna: Ohne Museum kein Weiterbau
Wie abhängig das aktuelle Modell vom Naturkundemuseum ist, machte Signal-Iduna-Chef Torsten Uhlig bereits im April deutlich. Sein Unternehmen will nach Informationen des NDR offenbar einen dreistelligen Millionenbetrag in den Elbtower investieren. Uhlig erklärte zugleich ausdrücklich, der Weiterbau sei nur möglich, wenn das Naturkundemuseum in den Elbtower komme.
Vier Monate später ist genau das unsicherer geworden. Am 21. August erklärte Hamburgs Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein im Haushaltsausschuss, es gebe bei den Verhandlungen keinen neuen Stand. Finanzsenator Andreas Dressel verwies auf gestiegene beziehungsweise veränderte Zinsen und Baukosten. Die Rahmenbedingungen seien nicht einfacher geworden.
Noch deutlicher wurde SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf. Er hält die Wahrscheinlichkeit, dass das Naturkundemuseum tatsächlich in den Elbtower einzieht, mittlerweile für „momentan sehr gering“. Zusätzliche finanzielle Zugeständnisse der Stadt schloss er aus.
Damit ergibt sich ein grundlegender Konflikt: Ein Mitglied des Investorenkonsortiums bezeichnet das Museum als Voraussetzung für den Weiterbau. Die Hamburger SPD hält genau dieses Museum im Elbtower inzwischen für wenig wahrscheinlich und will die finanziellen Bedingungen nicht nachbessern.
Das ist derzeit die größere Gefahr für den Rettungsplan als Kühnes Tod.
Kühne selbst zweifelte lange am Elbtower
Die Entwicklung hat dabei eine gewisse Ironie. Ausgerechnet Kühne gehörte zu denen, die den Elbtower zwischenzeitlich besonders skeptisch betrachteten.
Im März 2025 sagte er, er glaube nicht, dass sich das Projekt noch realisieren lasse. Zu diesem Zeitpunkt ging er von einem Kapitalbedarf von rund 400 Mio. € aus. Seine Holding wollte maximal 100 Mio. € beitragen. Außerdem bemängelte er fehlende Investoren und Mieter.
Ein Teil dieser Probleme wurde danach zumindest auf dem Papier gelöst. Mit Roßmann und Signal Iduna stehen zusätzliche Investoren bereit. Für den Hotelbereich gibt es ebenfalls konkrete Pläne: Die Primestar Group erhielt vom Konsortium den Zuschlag für ein Hilton Hamburg Elbtower mit 195 Zimmern und Suiten. Die Eröffnung war bislang spätestens für 2029 vorgesehen.
Das allein reicht jedoch nicht. Denn der Kauf des Rohbaus ist weiterhin nicht abgeschlossen und ein Termin für die Wiederaufnahme der Bauarbeiten existiert nicht.
Aus 245 m sollen nur noch 199 m werden
Auch die ursprüngliche Architektur wurde inzwischen angepasst. Der von David Chipperfield Architects entworfene Elbtower sollte zunächst 245 m hoch werden. Die aktuelle Planung sieht nur noch rund 199 m vor. Zwölf Bürogeschosse sollen entfallen. Hamburg geht dadurch von einer um etwa 46 m reduzierten Gebäudehöhe aus.
Am 26. Februar 2026 veröffentlichte das Hamburger Transparenzportal einen positiven Bauvorbescheid für die Änderung der Kubatur und die Zulässigkeit des Naturkundemuseums.
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung nötig: Ein Bauvorbescheid ist keine Baugenehmigung. Er beantwortet vorab konkrete baurechtliche Fragen und bindet die Behörde hinsichtlich dieser Entscheidungen. Eine Genehmigung für sämtliche Änderungen des Projekts ersetzt er nicht.
Zeitdruck durch ein kurzfristiges Auslaufen der bestehenden Genehmigung besteht ebenfalls nicht. Hamburg verlängerte deren Geltungsdauer im Februar 2026 bis zum 23. März 2029.
Mit knapp 200 m bliebe der Elbtower trotzdem eines der höchsten Gebäude Deutschlands. Welche technischen Herausforderungen Hochhäuser dieser Größenordnung etwa bei Tragwerk, Windlasten, Fassaden und Aufzügen mit sich bringen, zeigt der ingenieur.de-Beitrag über den 180 m hohen Wohnturm Danubeflats in Wien.
Was ist mit den Setzungen an den Bahnanlagen?
Ein weiteres Thema begleitet das Projekt seit Jahren: die unmittelbar benachbarten Bahnanlagen. Bereits mit einer Teilbaugenehmigung von 2021 wurde ein Monitoring vorgeschrieben, das mögliche Setzungsfolgen an den angrenzenden Bauwerken frühzeitig erfassen soll. Während des Baustopps wurden dabei eng definierte Grenzwerte für Differenzsetzungen, Kantungen und Verwindungen überschritten.
Das klingt zunächst dramatischer, als es nach Einschätzung der Fachleute war. Sachverständige bewerteten die gemessenen Veränderungen laut Hamburger Baubehörde hinsichtlich Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit als unkritisch. Schäden an den Bahnanlagen waren der Behörde nicht bekannt.
Erledigt ist das Thema trotzdem nicht. Vor einer Wiederaufnahme setzungsrelevanter Arbeiten gelten weiterhin Vorgaben zu möglichen Kompensationsmaßnahmen. Die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen erklärte am 7. April 2026, die dafür geforderten Nachweise müssten vorgelegt werden, sobald die Arbeiten wieder aufgenommen werden sollen.
Bis dahin waren keine entsprechenden Unterlagen des Bauherrn eingereicht worden. Gleichzeitig erklärte die Behörde, ihr sei noch nicht bekannt, ob überhaupt Kompensationsmaßnahmen erforderlich sein werden und welcher Art sie gegebenenfalls sein müssen.
Die Setzungen sind damit kein belegtes Statikproblem des Elbtowers. Vor einem Weiterbau bleiben aber technische Nachweise und gegebenenfalls Maßnahmen an den benachbarten Bahnbauwerken erforderlich.
Was entscheidet jetzt über die Zukunft des Elbtowers?
Fast drei Jahre nach dem Baustopp sind viele Bausteine für einen Neustart vorhanden. Es gibt ein finanzstarkes Investorenkonsortium, einen Hotelbetreiber, eine verkleinerte Planung und einen positiven Bauvorbescheid. Hamburg ist grundsätzlich bereit, Museumsflächen für bis zu 595 Mio. € zu erwerben. Trotzdem wird nicht gebaut.
Kühnes Tod ändert daran zunächst wenig. Nach derzeitigem Informationsstand gibt es keinen Beleg dafür, dass dadurch zugesagtes Kapital wegfällt. Ob sein Engagement tatsächlich wie berichtet über die Kühne-Stiftung abgesichert ist und wie die Beteiligung rechtlich organisiert wurde, muss sich allerdings noch klären.
Für den Elbtower sind momentan andere Fragen wichtiger. Erstens muss das Konsortium den Kauf des Rohbaus abschließen. Zweitens braucht es eine tragfähige Gesamtfinanzierung. Und drittens muss geklärt werden, ob Hamburg das Naturkundemuseum tatsächlich im Elbtower unterbringen wird.
Gerade der letzte Punkt ist kritisch. Signal Iduna hat den Einzug des Museums zur Voraussetzung für den Weiterbau erklärt. Die Hamburger SPD hält dieses Szenario inzwischen für wenig wahrscheinlich und lehnt weitere finanzielle Zugeständnisse ab.
Der Tod Klaus-Michael Kühnes erzeugt damit eine neue Unsicherheit – aber er ist nach dem derzeitigen Stand nicht das Problem, an dem der Elbtower zu scheitern droht.
Das Problem ist, dass ausgerechnet der Baustein wackelt, der den Weiterbau wirtschaftlich möglich machen sollte: Hamburgs bis zu 595 Mio. € teures Naturkundemuseum.
Quellen
- Kühne+Nagel: Kühne+Nagel trauert um Klaus-Michael Kühne, 24.08.2026
- Hamburger Morgenpost: Kühnes Engagement für den Elbtower soll abgesichert sein, 24.08.2026
- NDR: Elbtower – Verhandlungen mit Investoren stocken, 22.08.2026
- NDR: Signal Iduna hält Weiterbau nur mit Naturkundemuseum für möglich, 10.04.2026
- Freie und Hansestadt Hamburg: Eckpunkte für das Naturkundemuseum im Elbtower, 14.10.2025
- Hamburgische Bürgerschaft: Drucksache 23/94 zu Elbtower, Bahnanlagen und Kühnes Finanzierungszusage
- Transparenzportal Hamburg: Bauvorbescheid zur geänderten Kubatur und Museumsnutzung, 26.02.2026
- Transparenzportal Hamburg: Verlängerung der Genehmigung bis 23.03.2029
- Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen: Monitoring und Grenzwerte an den Bahnanlagen, 24.04.2025
- Primestar Group: Hilton Hamburg Elbtower mit 195 Zimmern geplant, 23.01.2026
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