Wasserschloss in Velbert 23.11.2025, 18:10 Uhr

Brand in Schloss Hardenberg: Einsturzgefahr und offene Fragen

Nach dem Brand in Schloss Hardenberg prüft das THW die Statik. Was jetzt über Tragfähigkeit, Ermittlungen und Wiederaufbau entscheidet.

Nur die Grundmauern sind noch sichtbar im ausgebrannten Dachstuhl von Schloss Hardenberg

Nur die Grundmauern sind noch sichtbar im ausgebrannten Dachstuhl von Schloss Hardenberg. Das THW prüft nun die Statik.

Foto: picture alliance/dpa | Christoph Reichwein

Schloss Hardenberg in Velbert-Neviges wurde am 21. November durch einen Großbrand schwer beschädigt. Der Dachstuhl stürzte ein, das barocke Gebäude ist einsturzgefährdet. Der geschätzte Sachschaden liegt bei mindestens 10 Millionen Euro. Das THW untersucht aktuell die Tragfähigkeit der Mauern, da die Hitze Naturstein und Mörtel stark belastet hat. Erst nach dieser Freigabe kann die Brandursachenermittlung durch Polizei und LKA beginnen. Das Schloss sollte 2026 als Naturerlebniszentrum wieder eröffnen. Trotz des Rückschlags planen die Verantwortlichen den Wiederaufbau.

Dramatische Stunden: Vom Vollbrand zur Ruine

In den frühen Morgenstunden des 21. November entdeckte eine Polizeistreife das Feuer über Schloss Hardenberg. Innerhalb weniger Minuten eskalierte die Lage: Der gesamte Dachstuhl stand in Vollbrand. Die alarmierte Feuerwehr Velbert sah sich sofort mit einer extrem schnellen Brandausbreitung konfrontiert. Eine gezielte Brandbekämpfung wurde dadurch von Anfang an stark erschwert.

Rund 80 Einsatzkräfte kämpften mit Drehleitern gegen die Flammen. Drohnen lieferten Wärmebilder, um Glutnester in der Konstruktion aufzuspüren. Doch die Hitze hatte bereits massive Schäden angerichtet. Teile des Dachstuhls stürzten ein.

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Marcel Borowski, Pressesprecher der Feuerwehr Velbert, beschrieb die Betroffenheit der Helfenden: „Der Dachstuhl ist zur Zeit einsturzgefährdet. Die Einsatzkräfte sind sehr betroffen, wir sind zum großen Teil selbst Nevigeser, das ist für uns selbst ein herber Verlust.“

Die Einsatzleitung löste die Warn-App NINA für mehrere Städte aus, da der Rauch weit über den Ort zog. Die Löscharbeiten konzentrierten sich darauf, die offenen Flammen zu ersticken und ein Übergreifen auf weitere Gebäudeteile zu verhindern. Zweieinhalb Tage nach dem Ausbruch meldete die Feuerwehr am 23. November das Ende ihres Einsatzes, nachdem die letzten Glutnester gelöscht waren.

Zwei Feuerwehrmänner versuchen das Feuer im Schloss Hardenberg zu löschen

Zwei Feuerwehrmänner versuchen das Feuer im Schloss Hardenberg zu löschen.

Foto: picture alliance/dpa | Marcel Borowski

Das Statik-Dilemma: Eine tickende Zeitbombe

Der massivste Schaden ist der Verlust des Daches und die extreme Belastung der tragenden Mauern. Historische Gebäude reagieren auf solche Brände besonders empfindlich. Die Hitze eines Vollbrandes wirkt zerstörerisch auf Naturstein, Mörtel und Holz. Diese Materialien verlieren dabei einen Teil ihrer Tragfähigkeit.

Das Technische Hilfswerk (THW) hat einen Fachberater entsendet. Die Aufgabe ist heikel und dringend: Er muss die Standsicherheit der Wände, Decken und der verbliebenen Reste des Dachstuhls prüfen. Diese Untersuchungen bei historischen Bauten dauern oft mehrere Tage, weil die Gefahrenlage komplex ist. Das THW trägt bei der Begutachtung ein hohes Risiko.

  • Veränderte Lastverteilung: Durch den Einsturz des Dachstuhls wirken völlig neue Kräfte auf die Außenmauern. Die Lasten, für die das Bauwerk konzipiert war, haben sich abrupt verschoben.
  • Thermische Spannungen: Naturstein dehnt sich bei extremer Hitze aus und zieht sich bei der schnellen Kühlung durch Löschwasser ruckartig zusammen. Diese Temperaturschocks können Mikrorisse im Mauerwerk erzeugen, die erst später sichtbar werden und die Stabilität gefährden.
  • Zusätzliche Wasserlast: Das Löschwasser erhöht das Gewicht auf alte Holzbalkendecken. Die zusätzliche Last kann die Decken im Inneren des Schlosses zum Versagen bringen.
  • Lückenhafte Baupläne: Für ein Bauwerk, dessen Geschichte bis ins 12. Jahrhundert reicht, fehlen oft vollständige Unterlagen. Das erschwert es, die exakten Traglinien und Schwachpunkte der Konstruktion schnell zu identifizieren.

Ein herber Schlag für das Naturerlebniszentrum

Das Schloss Hardenberg, erstmals urkundlich im Jahr 1354 erwähnt, sollte im kommenden Jahr als Naturerlebniszentrum neu eröffnet werden. Seit 2023 liefen umfangreiche Bau- und Sanierungsarbeiten. Das barocke Ensemble, das seit Jahrhunderten nahezu ungestört erhalten geblieben ist, sollte moderne Wissensvermittlung mit historischer Bausubstanz verbinden.

Die geplanten Gesamtkosten für die Sanierung beliefen sich auf 13,4 Millionen Euro. Nun müssen die Verantwortlichen die Pläne neu bewerten. Die Polizei schätzt den Sachschaden bereits auf über 10 Millionen Euro. Der immaterielle Schaden sei jedoch unermesslich, so Bürgermeister Dirk Lukrafka: „Das Schloss ist ein enorm wertvoller Teil unserer Stadtgeschichte.“

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Trotz des Rückschlages ist der Wille zum Wiederaufbau klar formuliert. Bürgermeister Lukrafka bekräftigte: „Es steht außer Frage, dass wir das Schloss wieder aufbauen müssen. Dafür schauen wir jetzt, was von der Bausubstanz noch erhalten ist.“ Er fügte hinzu: „Wir werden alle Energien bündeln, das historische Ensemble wieder komplett herzustellen.“

Die nächsten Schritte: Eine technische Herausforderung

Für die Stadt Velbert, den Kreis Mettmann und die beteiligten Planungsbüros steht eine immense technische Aufgabe bevor. Der Zeitplan sieht mehrere Phasen vor:

  1. THW-Analyse der Tragfähigkeit: Die Sicherheit hat oberste Priorität. Die Experten prüfen die Standsicherheit der verbliebenen Bausubstanz.
  2. Brandursachenermittlung: Polizei und LKA untersuchen unterstützt von einem externen Sachverständigen, wie das Feuer ausbrechen konnte. Mögliche Brandherde, verwendete Materialien und technische Defekte stehen im Fokus.
  3. Gutachten zur Sanierungsfähigkeit: Ingenieurbüros werden digitale Modelle erstellen und Simulationen durchführen. Diese Berechnungen sollen zeigen, wie tief die Hitze in das Mauerwerk eingedrungen ist. Sie bestimmen, welche Partien noch stabilisiert werden können und welche erneuert oder abgetragen werden müssen.
  4. Entscheidung über den Wiederaufbau: Die Stadt muss prüfen, ob die veränderten Kosten, die möglichen Fördermittel und ein realistischer Zeitplan den Wiederaufbau ermöglichen.

Die Erfahrung mit ähnlichen Bränden in historischen Natursteinbauten zeigt, dass der Zustand des Mauerwerks entscheidend ist. Ist die Hitze tief in den Kern des Gesteins eingedrungen, muss eventuell ein größerer struktureller Eingriff als geplant erfolgen oder gar ein Teilabriss in Erwägung gezogen werden. Die detaillierte Analyse wird noch Tage dauern. Sie entscheidet darüber, ob das Gebäude in seiner jetzigen Form erhalten bleiben kann.

(mit dpa)

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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