Kohlekraftwerk in Sachsen-Anhalt 21.11.2025, 08:54 Uhr

Kraftwerksbrand in Schkopau: So kritisch war die Lage

Brand im Kraftwerk Schkopau: Was geschah im Kohlebunker, wie reagierten Einsatzkräfte und wie gefährlich war die Lage wirklich?

Kraftwerk Schkopau

Blick auf das Kohlekraftwerk Schkopau. Am 20. November kam es dort zu einem Brand. Wie gefährlich war dieser?

Foto: picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt

Im Kohlekraftwerk Schkopau im Saalekreis brach am Donnerstag ein Brand aus – zunächst ein Schwelbrand, später offenes Feuer im Block A. Der Betrieb wurde sofort eingestellt. Laut Betreiber bestand zu keinem Zeitpunkt Gefahr für Mitarbeitende oder Anwohner. Die Anlage bleibt vorerst außer Betrieb, Ursache noch ungeklärt. Wir schauen uns an, was genau passiert ist und wie gefährlich die Situation war, insbesondere mit Blick auf den Kohlestaub.

Was ist genau passiert?

Am Donnerstagvormittag meldete das Kraftwerk eine Rauchentwicklung in Block A – zunächst als Schwelbrand im Bereich eines Kohlebunkers. Um etwa 14:30 Uhr entwickelte sich der Vorfall zu einem offenen Brand, wie Sprecher Torsten Höpfl erklärte.

Der Einsatz der Feuerwehr war umfangreich. Insgesamt wurden bis zu 170 Einsatzkräfte mobilisiert. Im Frühstadium waren es rund 50 Kameradinnen und Kameraden. Der Brandort: ein Kohlelager bzw. Kohlebunker, in dem ein Förderband offenbar einen Glimmbrand auslöste.

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Die Löscharbeiten erschwerten insbesondere Kohlestaubablagerungen. Deshalb kam auch großer Schaum-Einsatz zum Tragen. Laut Kreisbrandmeister Marcus Heller war die Staubexplosions-Gefahr ein Thema für die Einsatzkräfte.

Die Bevölkerung wurde über die Warn-App NINA informiert, unter anderem wegen des „weithin sichtbaren Feuerscheins“. Am Abend war die Website des Betreibers vorübergehend nicht erreichbar – technische Ursache noch unklar.

Technische Einordnung: Bedeutung der Anlage

Das Kraftwerk in Schkopau ist das größte Braunkohlekraftwerk in Sachsen-Anhalt. Es verarbeitet jährlich bis zu etwa fünf Millionen Tonnen Braunkohle aus dem Tagebau Profen und erzeugt damit Strom und Prozessdampf für Industrie und Haushalte. Zwei Blöcke sind vorhanden, mit geplanter Stilllegung im Jahr 2034.

Wichtig zu wissen: Eine Abschaltung hat nicht nur Auswirkungen auf Strom- und Wärmelieferung, sondern kann auch Prozesse in angrenzender Industrie betreffen – wenn etwa Prozessdampf aus dem Kraftwerk entfallen würde. Dass hier laut Betreiber keine unmittelbare Versorgungsrisiko auftrat, spricht für eine robuste Netz- und Infrastruktur-Vorsorge.

Gefährdungslage: Wie bedrohlich war der Brand?

Laut Betreiber bestand „zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung für Mitarbeitende, Anwohner oder Umwelt.“ Dennoch sind einige technische Risikofaktoren hervorzuheben:

  • Kohlestaub: Staub aus Braunkohle kann unter bestimmten Bedingungen explosionsfähig sein, insbesondere in geschlossenen Räumen oder bei hoher Staubkonzentration. Dass Kohlestaub die Lösch- und Sicherungsarbeiten erschwerte, deutet auf eine potenzielle Gefährdung hin.
  • Offenes Feuer im Brennraum: Nachdem aus dem Schwelbrand ein offenes Feuer wurde, stieg das Risiko für strukturelle Schäden oder Ausbreitung – insbesondere in einem Kohlelager mit Förderbändern und großer Staubansammlung.
  • Stilllegung bis zur vollständigen Kontrolle: Die Anlage wurde komplett abgeschaltet – das reduziert Risiken für Kaskadeneffekte im Betrieb.

Die Einschätzung „keine Gefahr“ erscheint nachvollziehbar unter der Voraussetzung, dass zügig und kompetent gehandelt wurde. Dennoch bleibt anzumerken: In Großanlagen wie dieser ist das Potenzial für sekundäre Effekte – z. B. Brandraucher, Staubverteilung, thermische Belastung von Anlagenkomponenten – höher als in kleinen Anlagen.

Warum Kohlestaub so problematisch ist

Kohlestaub birgt ein hohes Risiko, hier ein kurzer Überblick über die Dimensionen:

Risiko Technischer Hintergrund Relevanz in Schkopau
Staubexplosion Fein verteilter Staub mit Sauerstoff kann explosionsfähig sein. Wurde von Einsatzleitung ausdrücklich erwähnt.
Wiederentzündung Kohle speichert Wärme → Glutnester über Stunden. Deswegen 50–170 Einsatzkräfte über viele Stunden.
Löschen fast nur mit Schaum sinnvoll Wasser dringt schlecht in Staubschichten ein und kann Staub aufwirbeln. Entspricht den Berichten.

Ursache und offene Fragen

Die Ursachenermittlung steht noch am Anfang. Laut Eingangsberichten liegt der Ausgangspunkt bei einem Kohlebunker-Förderband, das einen Glimmbrand ausgelöst habe.

Offene Fragen bleiben:

  • Wie lange lief der Schwelbrand unentdeckt, bevor das offene Feuer entstand?
  • In welcher Umgebung (Belüftung, Staubkonzentration, mechanischer Einfluss) entstand der Glimmbrand?
  • Welche Brandschutz- und Staubvermeidungsmaßnahmen waren im Kohlebunker etabliert, und wo lagen ggf. Schwächen?
  • Gab es Vorzeichen wie erhöhte Temperaturen oder ungewöhnliche Staubansammlungen?

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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