Auf 6350 m²: Berlin stapelt Schwimmbad, 375 Wohnungen und einen Dachpark
Zwei 25-m-Becken, 375 Apartments und ein Dachpark: Berlin nutzt ein nur 6350 m² großes Grundstück konsequent in der Vertikalen.
So soll das Quartier Holzmarkt 51 in Berlin-Friedrichshain aussehen. Im zweigeschossigen Sockel entsteht die öffentliche Schwimmhalle mit zwei 25-m-Becken, darüber sind rund 375 Studierendenapartments sowie Büroflächen geplant.
Foto: Eller + Eller Architekten
Auf vergleichsweise geringer Grundstücksfläche entsteht in Berlin-Friedrichshain ein ungewöhnliches Gebäudeensemble. Im Sockel zieht eine öffentliche Schwimmhalle mit zwei 25-m-Becken ein. Darüber entstehen rund 375 Apartments für Studierende sowie Büroflächen. Hinzu kommen Einzelhandel und öffentlich zugängliche Grün- und Dachflächen.
Am 24. August 2026 erfolgte der Spatenstich für das Projekt „Holzmarkt 51“. Rund 170 Mio. € sind für das Vorhaben vorgesehen. Anfang 2030 soll das neue Quartier fertig sein.
Inhaltsverzeichnis
- Berlin baut Wohnungen direkt über eine öffentliche Schwimmhalle
- 375 Apartments, Büros und Einzelhandel auf engem Raum
- Öffentliche Grünflächen wandern auf den Sockel
- Die Baustelle liegt direkt an der Berliner Stadtbahn
- Vorgefertigte Bauteile sollen die Bauzeit verkürzen
- Das alte Schwimmbad war seit 2018 geschlossen
- Ein Modell für knappe Innenstadtflächen
Berlin baut Wohnungen direkt über eine öffentliche Schwimmhalle
Das Herzstück des Neubaus liegt im zweigeschossigen Sockel. Dort entsteht die neue Schwimmhalle Holzmarktstraße. Nach aktuellen Angaben erhält sie zwei 25 m lange Becken. Gegenüber dem alten Bad soll sich die Wasserfläche damit verdoppeln. Die getrennten Wasserflächen sollen ermöglichen, dass Schul-, Vereins- und Freizeitsport parallel stattfinden können.
Über der Schwimmhalle geht das Gebäude weiter. Der Sockel dient als gemeinsame Basis für die darüberliegenden Gebäudeteile mit Studierendenwohnungen und Büros. Damit entsteht nach Angaben der Projektpartner Berlins erste öffentliche Schwimmhalle, die mit Wohnungen überbaut wird.
Konstruktiv treffen dabei sehr unterschiedliche Nutzungen aufeinander. Ein Hallenbad benötigt große zusammenhängende Räume, darüber liegen kleinteilige Wohnungsgrundrisse. Wie die Tragwerksplaner diese unterschiedlichen Raster zusammenführen, ist bislang nicht öffentlich dokumentiert. Zu Spannweiten, Abfangkonstruktionen oder dem genauen Deckenaufbau liegen derzeit keine belastbaren Angaben vor.
375 Apartments, Büros und Einzelhandel auf engem Raum
Neben der Schwimmhalle sind rund 375 Apartments für Studierende, etwa 4600 m² Bürofläche und rund 1500 m² Einzelhandel vorgesehen.
Eller + Eller beschreibt einen in der Höhe gestaffelten Wohnbereich sowie einen elfgeschossigen Gebäudeteil für Büros. Im Sockel sollen neben dem Zugang zur Schwimmhalle verschiedene Gewerbenutzungen untergebracht werden.
Gerade diese Kombination macht Holzmarkt 51 interessant: Öffentliche Infrastruktur, Wohnen, Arbeiten und Gewerbe werden auf demselben Grundstück miteinander verzahnt, statt jeweils eigene Flächen zu beanspruchen.
Öffentliche Grünflächen wandern auf den Sockel
Weil am Boden nur begrenzt Freiflächen bleiben, verlagert das Projekt einen Teil des öffentlichen Außenraums auf das Gebäude. Teile des Sockeldachs sollen öffentlich zugänglich und begrünt werden.
Eller + Eller plant dort unter anderem größere Bäume, Sitzmöglichkeiten und weitere Aufenthaltsbereiche. Hinzu kommen begrünte Innenhöfe. Das Dach übernimmt damit nicht nur eine konstruktive Funktion, sondern wird selbst Teil des nutzbaren Stadtraums.
Die Baustelle liegt direkt an der Berliner Stadtbahn
Auch die Bauphase ist anspruchsvoll. Das Grundstück liegt dicht bebaut an der Holzmarktstraße und unmittelbar an der Berliner Stadtbahn.
Die Projektbeteiligten nennen die begrenzten Flächen auf der Baustelle, die komplexe Fassadengeometrie und die Nähe zur Bahntrasse als besondere Anforderungen an die Realisierung.
Gerade bei einer solchen Innenstadtbaustelle muss die Logistik eng getaktet werden. Material und Bauteile können nur begrenzt zwischengelagert werden, Anlieferung und Montage müssen entsprechend aufeinander abgestimmt sein.
Vorgefertigte Bauteile sollen die Bauzeit verkürzen
Für den Neubau ist ein Systembau mit überwiegend vorgefertigten Komponenten vorgesehen. Eller + Eller nennt als Ziele eine kürzere Installations- und Bauzeit sowie geringere Belastungen für das Umfeld.
Wie weit Vorfertigung im Wohnungsbau gehen kann, zeigt ein anderes Berliner Großprojekt. An der Landsberger Allee werden beim Quartier „Weiße Taube“ mehr als 3000 vorgefertigte Stahl-Beton-Hybridmodule zu rund 1550 Wohnungen zusammengesetzt. ingenieur.de hat untersucht, wie Europas größtes Modulbauprojekt funktioniert.
Holzmarkt 51 ist allerdings kein vergleichbarer Raummodulbau. Die Architekten sprechen lediglich von einem Systembau mit überwiegend vorgefertigten Komponenten. Angaben zum genauen Vorfertigungsgrad wurden bislang nicht veröffentlicht.
Welche Chancen und Grenzen solche Bauweisen grundsätzlich haben, zeigt unser Hintergrundbeitrag zum seriellen Bauen in Deutschland.
Mit der baulichen Realisierung ist PORR beauftragt. Das Bauprojektmanagement übernimmt Hitzler Ingenieure, Generalplaner ist Eller + Eller Architekten.
Das alte Schwimmbad war seit 2018 geschlossen
Der Standort wird schon seit Jahrzehnten zum Schwimmen genutzt. Das alte Hallenbad wurde 1976 eröffnet und 2018 geschlossen. Nach Angaben der Berliner Bäder-Betriebe war die Schwimmhalle nicht mehr sanierungsfähig.
Am 13. Juli 2026 begann der Rückbau. Der oberirdische Abbruch sollte bis Mitte August abgeschlossen werden, die unterirdischen Arbeiten bis Mitte September. Danach kann der Neubau vollständig übernehmen.
Ein Modell für knappe Innenstadtflächen
Hinter Holzmarkt 51 stehen zwei landeseigene Unternehmen: die Berlinovo Immobilien Gesellschaft und die Berliner Bäder-Betriebe. Sie kombinieren auf dem Grundstück öffentliche Sportinfrastruktur mit Wohnungsbau und wirtschaftlich nutzbaren Flächen.
Das Projekt zeigt damit vor allem eines: Bei knappen innerstädtischen Grundstücken lässt sich zusätzliche Nutzfläche nicht nur durch höhere Gebäude gewinnen, sondern auch durch die gezielte Überlagerung unterschiedlicher Funktionen. Bis Anfang 2030 soll das rund 170 Mio. € teure Ensemble fertiggestellt sein.
Quellen
- Berliner Bäder-Betriebe:
Bauprojekt „Holzmarkt 51“ – Abriss der alten Schwimmhalle, 20.07.2026.
Primärquelle zu rund 375 Studierendenapartments, 4.600 m² Bürofläche, 1.500 m² Einzelhandel, Dachbegrünung und Bauablauf. - Berliner Bäder-Betriebe:
Anwohnerveranstaltung zum Baustart „Holzmarkt 51“.
Primärquelle zu den zwei Becken, den aktuellen Nutzungsflächen und der geplanten Fertigstellung Anfang 2030. - Eller + Eller Architekten:
Holzmarktstraße 51, Berlin.
Projektbeschreibung zu Gebäudekonzept, zweigeschossigem Sockel, öffentlich nutzbaren Dachflächen und Systembau mit vorgefertigten Komponenten. - rbb/Tagesschau:
Mit Wohnungen überbaute Schwimmhalle entsteht in Friedrichshain, 25.08.2026.
Aktueller Bericht zum Spatenstich, zwei 25-m-Becken, rund 170 Mio. € Projektvolumen und rund 6.300 m² Grundstücksfläche.
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