Unterschätzte Gefahr 19.06.2015, 11:51 Uhr

Asbest: Auch Fasern in Fliesenklebern und Spachtelmassen sind gefährlich

Handwerker und Heimwerker sind weit stärker gesundheitsschädlichen Asbestbelastungen ausgesetzt als bislang bekannt. Nach Erkenntnissen des VDI und des Gesamtverbands für Schadstoffsanierung (GVSS) entweichen bei Renovierungsarbeiten viele krebsauslösende Fasern aus asbesthaltigen Fliesenklebern, Spachtelmassen und Putzen. 

Sanierung eines Hallenbades: Beim Abschlagen alter Fliesen können Asbestfasern freiwerden. Fliesenkleber enthielt bis 1993 teilweise Asbestfasern.

Sanierung eines Hallenbades: Beim Abschlagen alter Fliesen können Asbestfasern freiwerden. Fliesenkleber enthielt bis 1993 teilweise Asbestfasern.

Foto: Bernd Wüstneck/dpa

„Fliesenkleber und Spachtelmassen galten bisher als relativ ungefährlich“, sagte GVSS-Vorsitzender Christoph Hohlweck den VDI nachrichten. Diese Materialien gehören zu den fest gebundenen Asbestprodukten, die normalerweise keine Fasern freisetzen. Doch bei Sanierungs-, Renovierungs- oder Abbrucharbeiten werden die Fasern mit dem Staub in die Luft gewirbelt und können sich in der Lunge festsetzen und Krebs auslösen. Dieses Gefahrenpotenzial sei bisher unterschätzt worden, so Hohlweck.

Betroffen sind bis 1995 gebaute Häuser

Laut GVSS wurden in einem Viertel aller Gebäude in Westdeutschland, die vor 1995 errichtet wurden, Asbestprodukte verwendet. 1993 wurden diese Materialien verboten, gerieten aber immer noch aus Restbeständen in Umlauf. In Ostdeutschland wurden solche Produkte dagegen gar nicht verwendet. Wie stark die Belastung wirklich ist, zeigen Tests nun dank verbesserter Analysemethoden: So setzt das Abschlagen von Fliesen auf asbesthaltigem Kleber bis zu 77.000 Fasern pro m3 frei. Wird der Fliesenkleber abgeschliffen, wurden sogar bis zu einer Million Fasern pro m3 in der Atemluft gemessen.

Dass Asbest eine tödliche Gefahr ist, macht die Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung deutlich. Sie registrierte in den vergangenen drei Jahren jährlich rund 1500 Todesfälle im Zusammenhang mit Asbest und 3700 neue Fälle von Asbestose oder Mesotheliom. Dabei handelt es sich aber nur um anerkannte Fälle aus dem Arbeitsleben. Experten schätzen die Zahl der insgesamt Betroffenen deutlich höher ein. Die Zeit vom Einatmen der Faser bis zum Ausbruch einer Krankheit kann bis zu 40 Jahre betragen.

Vor Sanierung auf Asbest untersuchen 

Das Problem: Handwerker und Heimwerker, die ihre Wohnung renovieren, können gar nicht erkennen, ob alte Putzoberflächen und Fliesenkleber Asbest enthalten. „Die kann man augenscheinlich von Produkten ohne Asbest nicht unterscheiden“, so Hohlweck in den VDI nachrichten. Deshalb raten die VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik und GVSS dazu, ein Haus vor der Sanierung immer auf Asbestprodukte zu untersuchen. Solange unsicher ist, ob Asbest im Gebäude verbaut wurde, sollten zur Vorsorge Schutzmaßnahmen getroffen werden. 

  • Axel Mörer-Funk

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