765 t Spannbeton in 30 Stunden: So entsteht die neue A4-Unterführung
765 t Spannbeton, neun Fertigträger und zwei Autokrane: So entsteht bei Bad Hersfeld innerhalb von 30 Stunden eine neue A4-Unterführung.
Am 24. Juli um 23 Uhr wird die Autobahn 4 bei Bad Hersfeld in beide Richtungen voll gesperrt. Fertigteile im XXL-Format werden während der Sperrung mit Autokranen eingesetzt. (Symbolbild)
Foto: picture alliance / CHROMORANGE | MICHAEL BIHLMAYER
Neun Betonträger, jeder 36,50 m lang und 85 t schwer: Am letzten Juliwochenende montiert die Autobahn GmbH bei Bad Hersfeld den Überbau einer neuen Unterführung. Zwei Autokrane bewegen die Bauteile jeweils gemeinsam im Tandemhub. Für die insgesamt 765 t Spannbeton steht ein Sperrfenster von 30 Stunden zur Verfügung.
Die Arbeiten gehören zur grundhaften Erneuerung der A4 im Abschnitt Bad Hersfeld-Ost. Dort ersetzt ein größeres Rahmenbauwerk die alte Unterführung Helfersgraben. Das bisherige Tonnengewölbe stammt aus dem Jahr 1939.
Am 24. Juli um 23 Uhr wird die Autobahn 4 bei Bad Hersfeld in beide Richtungen voll gesperrt. Die Fahrbahnen würden am Sonntagmorgen um 5 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben, teilte die Autobahn GmbH des Bundes mit. Der Verkehr wird umgeleitet.
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Neun Träger für die Fahrtrichtung Erfurt
Die neue Unterführung besteht aus zwei getrennten Teilbauwerken. Die erste Hälfte für die Richtungsfahrbahn Kirchheim wurde bereits im Mai 2025 errichtet. Damals setzte das Montageteam sieben vorgespannte Betonfertigträger ein.
Nun folgt das Teilbauwerk für die Fahrtrichtung Erfurt. Dafür wird die A4 von Freitag, 24. Juli, 23 Uhr, bis Sonntag, 26. Juli, 5 Uhr, vollständig gesperrt. Innerhalb dieses Zeitfensters sollen neun weitere Fertigträger eingebaut werden. Warum das zweite Teilbauwerk zwei Träger mehr erhält als das erste, geht aus den veröffentlichten Projektinformationen nicht hervor.
Jeder Träger ist länger als ein zehnstöckiges Gebäude hoch und bringt 85 t auf die Waage. Zusammen erreichen die neun Bauteile ein Gewicht von 765 t. Sie bilden die tragende Grundlage des Überbaus, auf dem später die Richtungsfahrbahn Erfurt verläuft.
Zwei Krane bewegen jeden Träger gemeinsam
Für den Einbau kommen zwei Autokrane zum Einsatz. Sie heben jeden Fertigträger gemeinsam an und legen ihn in der vorgesehenen Position ab. Bei einem solchen Tandemhub müssen beide Krane ihre Bewegungen eng aufeinander abstimmen. Die Last darf sich während des Hubs nicht unkontrolliert auf eine der beiden Maschinen verlagern.
Welche Krantypen eingesetzt werden, wie groß ihre Ausladung ist und an welchen Punkten die Träger angeschlagen werden, hat die Autobahn GmbH nicht veröffentlicht. Für die Krane werden eigene Standflächen hergestellt. Die Unterführung Helfersgraben bleibt deshalb vom 20. bis 31. Juli auch für Fußgänger gesperrt.
Wie der Ablauf praktisch aussieht, zeigte der Einbau des ersten Teilbauwerks im Mai 2025. Damals wurden die Fertigträger per Schwertransport angeliefert, von zwei Kranen aufgenommen und zwischen den Widerlagern positioniert. Für jeden der sieben Träger waren nach Angaben des örtlichen Bauleiters etwa eine bis eineinhalb Stunden vorgesehen.
Fertigteile verkürzen die Arbeiten über der Autobahn
Der eigentliche Überbau entsteht nicht vollständig während der Vollsperrung. Die vorgespannten Betonträger werden vorgefertigt zur Baustelle gebracht. Vor Ort konzentriert sich die Arbeit zunächst auf Transport, Hub und genaue Positionierung.
Dadurch lassen sich die großen tragenden Bauteile innerhalb eines begrenzten Sperrfensters montieren. Die Autobahn GmbH hat allerdings keine Variantenuntersuchung veröffentlicht. Ob die Fertigteilbauweise im konkreten Fall vor allem wegen der Bauzeit, der Verkehrsführung oder aus anderen konstruktiven Gründen gewählt wurde, lässt sich aus den Projektunterlagen nicht ableiten.
Nach dem Einhub ist das Teilbauwerk noch nicht fertig. Die nebeneinanderliegenden Träger müssen in den weiteren Bauphasen zum vollständigen Überbau ergänzt werden. Details zur Verbindung der Fertigteile und zum Aufbau der späteren Fahrbahnplatte nennt die aktuelle Mitteilung nicht.
Größerer Ersatz für ein Bauwerk von 1939
Das alte Tonnengewölbe wurde im Zuge der A4-Erneuerung zurückgebaut und durch ein deutlich größeres Rahmenbauwerk ersetzt. Ein lokaler Baustellenbericht beschreibt zudem, dass der bislang enge beziehungsweise verrohrte Helfersgraben künftig offen durch die neue Unterführung geführt werden soll.
Das Bauwerk ist Teil eines weit größeren Ausbaus. Der Abschnitt Bad Hersfeld-Ost ist 6,8 km lang. Die Autobahn erhält dort einen frostsicheren Fahrbahnaufbau, durchgehende Standstreifen und zusätzliche Fahrstreifen in Steigungsbereichen. Hinzu kommen neue Brücken, rund 1,4 km Lärmschutzwände und lärmarmer Gussasphalt.
Die Unterführung Helfersgraben gehört zum rund 4 km langen ersten Teilbauabschnitt. Dieser befindet sich seit August 2021 im Bau und soll nach aktueller Planung im ersten Quartal 2027 abgeschlossen werden. Für den gesamten Abschnitt Bad Hersfeld-Ost ist die Fertigstellung bis Ende 2031 vorgesehen.
Vollsperrung schützt Verkehr und Montage
Während die Träger an den Kranhaken hängen, darf kein Verkehr unter den Bauteilen hindurchfahren. Zugleich benötigen die Schwertransporte und Großkrane ausreichend Platz für Anfahrt und Positionierung.
Der Verkehr in Richtung Erfurt wird deshalb an der Anschlussstelle Bad Hersfeld über die B62 zu einer Betriebsumfahrung bei Sorga geleitet. In Gegenrichtung verläuft die Umleitung auf derselben Strecke. Für den Schwerverkehr mit Ziel Kassel wird während der Sperrung das Lkw-Fahrverbot auf Teilen der B400 und B7 aufgehoben, sodass eine Ausweichroute über die A44 zur Verfügung steht.
Am Sonntagmorgen soll der Verkehr wieder über die A4 rollen. Bis dahin müssen neun Träger ihre endgültige Position erreicht haben. Aus 765 t einzelner Fertigteile entsteht so innerhalb von 30 Stunden die tragende Basis für das zweite Teilbauwerk der neuen Unterführung.
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