30.000 t Stahl fallen: RWE sprengt drei riesige Kraftwerksanlagen
RWE ließ in Voerde ein Kesselhaus und zwei Entstickungsanlagen sprengen. Für die Aktion wurde sogar der Rhein zeitweise gesperrt.
Der Sprengsatz am alten Kesselhaus B zündet in Bodennähe, danach stürzt das Gebäude in sich zusammen.
Foto: picture alliance/dpa | Christoph Reichwein
30.000 t Stahl gingen am Freitagmittag auf dem Gelände des stillgelegten Steinkohlekraftwerks Voerde zu Boden. RWE ließ zunächst das rund 90 m hohe Kesselhaus von Block B sprengen. Kurz danach folgten planmäßig zwei benachbarte Entstickungsanlagen. Zusammen bedeckten die drei Bauwerke ungefähr die Fläche eines Fußballfeldes.
Verantwortlich war die Thüringer Sprenggesellschaft, die auf dem Gelände bereits den Kühlturm und einen Schornstein zu Fall gebracht hatte. Wie viel Sprengstoff diesmal zum Einsatz kam, wie viele Sprengstellen vorbereitet wurden und wie die Zündung im Detail ablief, haben RWE und das Sprengunternehmen bislang nicht veröffentlicht.
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Erst fiel das Kesselhaus, dann folgten zwei Entstickungsanlagen
Das Kesselhaus gehörte zum früheren Kraftwerksblock B. Bei den beiden weiteren Bauwerken handelt es sich um die Entstickungsanlagen DeNOx B1 und B2. Solche Anlagen sind Teil der Rauchgasreinigung und dienen dazu, den Ausstoß von Stickoxiden zu verringern.
Nach Angaben des WDR stecken in den drei Anlagen zusammen rund 30.000 t Stahl. Zunächst wurde das Kesselhaus gesprengt, anschließend folgten die beiden DeNOx-Anlagen. Wasserkanonen sollten die Staubentwicklung nach dem Einsturz begrenzen.
Für den Rückbau des gesamten Standorts ist PORR Becker Abbruchtechnik zuständig. Das Unternehmen beziffert den umbauten Raum des Projekts auf 4,3 Mio. m³. Neben vier Kesselhäusern und Maschinenhäusern gehören Rauchgasentschwefelungs- und Entstickungsanlagen, ein Kühlturm sowie mehrere Schornsteine zum Rückbauprogramm. Becker bezeichnet das Projekt als bislang größten Kraftwerksrückbau Deutschlands.
Für die Sprengung wurde sogar der Rhein gesperrt
Rund um die drei Bauwerke galt seit 10 Uhr ein Sicherheitsradius von 350 m. In diesem Bereich durfte sich niemand aufhalten. Einzelne Gebäude an der Ahrstraße und der Frankfurter Straße mussten geräumt werden. Polizei und Sicherheitsdienste überwachten die Sperrzone.
Auch die Frankfurter Straße war zwischen Steinstraße und Friedrichstraße vollständig gesperrt. Weil das alte Kraftwerk unmittelbar am Rhein steht, betraf die Sicherheitszone außerdem die Bundeswasserstraße.
Nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts wurde der Rhein für etwa zwei Stunden für die Schifffahrt gesperrt. Die Behörde hatte vorab erwartet, dass die meisten Frachtschiffe ihre Fahrt entsprechend anpassen können. Vor der Sprengung hatte der WDR mit vier bis 40 möglicherweise betroffenen Schiffen gerechnet.
Der Rückbau läuft seit 2023
Die Sprengung von Kesselhaus und DeNOx-Anlagen ist die dritte große Sprengaktion auf dem Gelände. Im Dezember 2023 fiel zunächst der rund 160 m hohe Kühlturm. Ende 2025 folgte ein auf rund 180 m gekürzter Schornstein.
Weitere Bauwerke sollen noch verschwinden. Der Rückbau wird allerdings nicht nur durch die Größe der Anlagen bestimmt. Das Gelände grenzt an den Rhein, eine Güterbahnlinie und eine Bundesstraße. Zudem führt eine Hochspannungsleitung von Amprion über das Areal, die nach Angaben des Rückbauunternehmens während der Arbeiten geschützt werden muss.
Das Steinkohlekraftwerk Voerde wurde 2017 endgültig stillgelegt. Jahrzehntelang gehörte der Komplex mit seinen Kraftwerksblöcken, Kühlturm und hohen Schornsteinen zu den markantesten Industrieanlagen am Niederrhein.
RWE plant neues 850-MW-Kraftwerk in Voerde
Während das alte Kraftwerk verschwindet, laufen bereits die Planungen für die Nachnutzung. RWE will am Standort ein wasserstofffähiges Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerk mit rund 850 MW elektrischer Leistung errichten.
Das Vorhaben befindet sich inzwischen im Genehmigungsverfahren. Die bei der Bezirksregierung Düsseldorf eingereichten Unterlagen sehen eine GuD-Anlage mit 1600 MW Feuerungswärmeleistung vor. Sie soll technisch sowohl Erdgas als auch bis zu 100 % Wasserstoff einsetzen können. Die Unterlagen liegen seit dem 14. August öffentlich aus.
RWE plant, die Anlage bei einer möglichen Inbetriebnahme zunächst für einen Wasserstoffanteil von mindestens 50 % auszulegen und später vollständig auf Wasserstoff umzustellen. Nach bisheriger Planung könnte das Kraftwerk 2030 Strom produzieren. Eine endgültige Investitionsentscheidung gibt es jedoch noch nicht. Sie hängt unter anderem von den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie den vorgesehenen Ausschreibungen für neue Kraftwerkskapazitäten ab.
Über die Hintergründe des Projekts hat ingenieur.de bereits ausführlich berichtet: 50 % Wasserstoff, 100 % Stillstand: Warum RWE in Voerde nicht bauen kann.
Quellen
- RWE: Kesselhaus B und zwei Entstickungsanlagen werden gesprengt, 7. August 2026
- WDR: 30.000 Tonnen Stahl werden gesprengt, 20. August 2026
- Becker Unternehmensgruppe: Projektdaten zum Rückbau des Kraftwerks Voerde
- UVP-Portal: Genehmigungsverfahren für die geplante wasserstofffähige GuD-Anlage
- RWE: Planung des wasserstofffähigen 850-MW-Gaskraftwerks in Voerde, 27. Oktober 2025
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