16 Gebäude, ein Klimaplan: Potsdamer Platz erhält DGNB-Gold
16 Gebäude, 459.000 m² und ein Klimaziel bis 2045: Der Potsdamer Platz erhält DGNB-Gold für den nachhaltigen Betrieb seines Bestands.
Luftaufnahme des Potsdamer Platzes in Berlin: Das 12,7 ha große Quartier mit 17 Gebäuden wurde nach dem neuen DGNB-System für Bestandsquartiere mit Gold ausgezeichnet.
Foto: picture alliance / Schoening | Schoening
Der Potsdamer Platz in Berlin hat erneut ein Nachhaltigkeitszertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen erhalten. Diesmal stand jedoch nicht die Planung eines Neubauquartiers im Mittelpunkt, sondern der Betrieb eines fast 30 Jahre alten Gebäudebestands.
Die Bewertung erfolgte während der Pilotphase des neuen DGNB-Systems für Bestandsquartiere. Das Verfahren begann im Oktober 2023 und wurde im September 2025 mit der Auszeichnungsstufe Gold abgeschlossen. Drees & Sommer analysierte den Bestand, führte den Pre-Check durch und begleitete das Audit. Das Zertifikat vergab die DGNB.
Zum bewerteten Quartier gehören 17 Gebäude mit Büros, Wohnungen, Hotels, Geschäften und Gastronomie. 16 davon liegen in der Verantwortung von Brookfield Properties. Für diese Immobilien wurden Klimaschutzfahrpläne entwickelt, die bis 2045 zur Klimaneutralität führen sollen.
Potsdamer Platz: Die wichtigsten Zahlen
- 12,7 ha umfasst das zertifizierte Quartier.
- 17 Gebäude gehören zum bewerteten Areal.
- 16 Gebäude liegen in der Verantwortung von Brookfield Properties.
- 459.000 m² beträgt die Bruttogrundfläche.
- 2045 soll Klimaneutralität erreicht werden.
- September 2025 wurde die Pilotzertifizierung abgeschlossen.
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DGNB bewertet das gesamte Quartier
Die DGNB betrachtet den Potsdamer Platz nicht als bloße Ansammlung einzelner Immobilien. In die Bewertung fließen neben dem Gebäudebetrieb auch Freiräume, Mobilität, Wasserwirtschaft, wirtschaftliche Qualität und die Organisation des Quartiers ein.
Damit unterscheidet sich die Prüfung von einer klassischen Gebäudezertifizierung. Bewertet wird nicht nur, wie effizient Fassaden, Heizungen oder Lüftungsanlagen arbeiten. Entscheidend ist auch, wie die unterschiedlichen Gebäude gemeinsam betrieben und weiterentwickelt werden.
Das ist am Potsdamer Platz besonders anspruchsvoll. Hotels, Büros, Wohnungen, Geschäfte und Restaurants haben unterschiedliche Betriebszeiten und Lastprofile. Hinzu kommt ein denkmalgeschütztes Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Die Gold-Auszeichnung bedeutet nicht, dass das Quartier bereits klimaneutral ist. Sie bestätigt eine hohe Nachhaltigkeitsqualität des Bestands und bewertet die vorhandenen Prozesse für seine weitere Entwicklung. Den konkret erreichten DGNB-Erfüllungsgrad veröffentlichten die Beteiligten nicht.
Jedes Jahr 1 % weniger Verbrauch
Für die 16 von Brookfield Properties verantworteten Gebäude wurden Klimaschutzfahrpläne aufgestellt. Nach Angaben des Unternehmens sollen die Verbräuche jährlich um jeweils 1 % sinken. Das betrifft:
- Strom,
- Wärme,
- Kälte,
- Wasser.
Seit 2023 setzt das Quartiersmanagement außerdem Green Leases ein. Dabei vereinbaren Vermieter und Mieter gemeinsame Regeln für einen ressourcenschonenden Gebäudebetrieb. Dazu können der Austausch von Verbrauchsdaten, Vorgaben für Umbauten oder die Abstimmung technischer Betriebszeiten gehören.
Solche Vereinbarungen sind für die Klimabilanz relevant. Eigentümer können Heizungs-, Lüftungs- und Kälteanlagen modernisieren. Den tatsächlichen Verbrauch beeinflussen jedoch auch die Nutzer – etwa durch Raumtemperaturen, Öffnungszeiten oder elektrische Geräte.
Unklar bleibt, auf welches Basisjahr sich das Reduktionsziel von 1 % bezieht. Auch absolute Angaben zu den bisherigen Verbräuchen und Einsparungen wurden nicht veröffentlicht. Der Fortschritt auf dem Weg zur Klimaneutralität lässt sich deshalb derzeit nicht unabhängig bewerten.
Regenwasser ersetzt jährlich 20 Mio. l Trinkwasser
Ein Teil der technischen Infrastruktur entstand bereits beim Bau des Quartiers in den 1990er-Jahren. Dazu gehört ein System zur dezentralen Regenwasserbewirtschaftung.
Niederschlag von Dachflächen wird in Zisternen gesammelt, gefiltert und anschließend erneut genutzt. Das Wasser dient unter anderem zur Bewässerung der Grünanlagen und teilweise zur Toilettenspülung.
Nach Angaben des Quartiersbetreibers lassen sich dadurch jährlich rund 20 Mio. l Trinkwasser einsparen.
Zum System gehört außerdem ein etwa 1,3 ha großes künstliches Gewässer. Zisternen und Wasserflächen schaffen Rückhaltevolumen. Pumpen verteilen das Wasser, während Filter und bepflanzte Reinigungsbereiche Verunreinigungen zurückhalten.
Das Wasser fließt damit nicht sofort in die Kanalisation. Ein Teil wird im Quartier genutzt oder verdunstet. Das entlastet bei starken Niederschlägen die Entwässerung und unterstützt zugleich die Kühlung des dicht bebauten Areals.
Technik unter und zwischen den Gebäuden
- Regenwasser: Zisternen, Filter und bepflanzte Reinigungsbereiche bereiten Niederschlag für Bewässerung und teilweise für Toilettenspülungen auf.
- Trinkwassereinsparung: Nach Betreiberangaben rund 20 Mio. l pro Jahr.
- Unterirdische Logistik: Rund 5 km Versorgungswege verbinden die Gebäude mit dem zentralen Ver- und Entsorgungszentrum.
- Lieferverkehr: Etwa 160 Lkw werden täglich unterirdisch abgefertigt.
- Abwärmenutzung: Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe liefert rund 8 MW Wärme und erreicht bis zu 120 °C.
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160 Lkw fahren täglich unter das Quartier
Etwa 15 m unter der Erde befindet sich ein zentrales Ver- und Entsorgungszentrum mit einer Fläche von rund 4.800 m².
Über etwa 5 km lange unterirdische Wege ist die Anlage mit den Gebäuden des Quartiers verbunden. Nach Angaben des Betreibers ALBA werden dort täglich rund 160 Lkw abgefertigt.
Lieferungen, Abfalltransporte und weitere Logistikprozesse werden damit weitgehend unter die Erde verlagert. Oberirdische Straßen und Fußgängerbereiche bleiben von einem großen Teil des Lieferverkehrs frei.
In dem Zentrum werden mehr als 20 Abfallarten getrennt erfasst. Pro Jahr fallen rund 2.600 t Abfälle an. Speisereste aus Hotels und Restaurants werden vor dem Abtransport entwässert. Dadurch sinken Gewicht und Transportvolumen.
Die Anlage beseitigt den Lieferverkehr nicht. Sie bündelt ihn jedoch an einem zentralen Punkt und trennt die Logistik weitgehend von den öffentlich zugänglichen Flächen.
Wärmepumpe gewinnt Fernwärme aus Kälte
Auch die Energieinfrastruktur am Potsdamer Platz wird weiterentwickelt. Seit Ende 2024 ist dort eine Hochtemperatur-Wärmepumpe im Dauerbetrieb.
Die Anlage gehört nicht nachweislich zu den Klimaschutzfahrplänen der 16 Gebäude. Sie ist jedoch ein bedeutendes Infrastrukturprojekt innerhalb des Quartiers.
Die Wärmepumpe nutzt Abwärme aus der zentralen Kälteerzeugung. Diese Wärme wurde zuvor teilweise über Kühltürme an die Umgebung abgegeben.
Nun wird sie auf eine Temperatur von bis zu 120 °C gebracht und in das Berliner Fernwärmenetz eingespeist. Die Anlage erreicht eine thermische Leistung von rund 8 MW. Betreiber BEW rechnet mit einer jährlichen CO₂-Einsparung von etwa 6.500 t.
Technisch verbindet das System zwei unterschiedliche Energiebedarfe: Während die Gebäude Kälte benötigen, kann die dabei entstehende Abwärme an anderer Stelle zum Heizen genutzt werden.
Warum wurde aus Silber Gold?
Der Potsdamer Platz erhielt 2011 nach der damaligen DGNB-Systematik Silber. 2015 änderte die DGNB ihre Auszeichnungsstufen. Das frühere Silber entspricht seitdem der heutigen Stufe Gold. Die aktuelle Zertifizierung bewertet jedoch erstmals den Betrieb und die Weiterentwicklung des bestehenden Quartiers.
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Bestandsquartiere rücken stärker in den Fokus
Die DGNB-Zertifizierung von Quartieren war lange vor allem auf Neubauprojekte ausgerichtet. Mit dem neuen System können nun auch bestehende Stadt-, Business-, Gewerbe- und Industriequartiere bewertet werden.
Der Potsdamer Platz gehört zu den ersten Bestandsquartieren, die das Verfahren durchlaufen haben. Anders als bei der ersten Zertifizierung von 2011 stand diesmal nicht die Qualität der damaligen Planung im Mittelpunkt, sondern der Betrieb des inzwischen gealterten Bestands.
Ob das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 erreicht wird, entscheidet sich allerdings nicht am Zertifikat. Maßgeblich sind die tatsächlichen Verbräuche, die Entwicklung der CO₂-Emissionen und die Investitionen, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden.
Quellenverzeichnis:
- Drees & Sommer: DGNB-Zertifizierung mit Auszeichnungsstufe Gold für Bestandsquartier Potsdamer Platz
- DGNB: Das DGNB-System für Bestandsquartiere
- DGNB: Bewertung und Auszeichnung
- Berliner Regenwasseragentur: Dezentrale Regenwasserbewirtschaftung am Potsdamer Platz
- Potsdamer Platz: Nachhaltigkeit und Regenwassernutzung
- ALBA: Ver- und Entsorgungszentrum Potsdamer Platz
- BEW Berliner Energie und Wärme: Berlins Wärmewende: BEW macht am Potsdamer Platz Wärme aus Kälte
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