Atommüll lagern in Onkalo 17.06.2026, 11:21 Uhr

100.000 Jahre Sicherheit: Wie Finnland das erste Endlager der Welt gebaut hat

Finnland könnte Ende 2026 das weltweit erste Endlager für abgebrannte Brennelemente in Betrieb nehmen. So soll Onkalo 100.000 Jahre sicher bleiben.

Geologe Tuomas Pere in einem Einlagerungstunnel des Endlagers Onkalo

Geologe Tuomas Pere in einem Einlagerungstunnel des Endlagers Onkalo auf der finnischen Insel Olkiluoto. In rund 430 Metern Tiefe sollen hier künftig abgebrannte Brennelemente für Zehntausende Jahre sicher eingeschlossen werden.

Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | James Brooks

Das Wichtigste in Kürze

  • Onkalo in Finnland könnte Ende 2026 oder Anfang 2027 als erstes tiefengeologisches Endlager für abgebrannte Brennelemente den Betrieb aufnehmen.
  • Die Anlage liegt 400 bis 430 m tief in rund 1,9 Milliarden Jahre altem Grundgestein auf der Halbinsel Olkiluoto.
  • Das Sicherheitskonzept basiert auf mehreren Barrieren: Gusseisenbehälter, Kupferkapseln, Bentonit-Ton und das umgebende Gestein.
  • Die radioaktiven Abfälle sollen dort für mindestens 100.000 Jahre sicher von Mensch und Umwelt getrennt bleiben.
  • Insgesamt bietet Onkalo Platz für rund 6500 t Uran aus abgebrannten Brennelementen finnischer Kernkraftwerke.
  • Trotz umfangreicher Sicherheitsnachweise wird vor allem die Langzeitbeständigkeit der Kupferkapseln weiterhin wissenschaftlich diskutiert.

An Finnlands Westküste entsteht ein Bauwerk, das für einen Zeitraum ausgelegt ist, der jede menschliche Planung sprengt. Während Brücken, Tunnel oder Kraftwerke meist für einige Jahrzehnte oder höchstens wenige Jahrhunderte ausgelegt werden, soll das finnische Endlager Onkalo hochradioaktive Abfälle für mindestens 100.000 Jahre sicher einschließen.

Damit könnte Finnland Ende 2026 oder Anfang 2027 als erstes Land weltweit ein tiefengeologisches Endlager für abgebrannte Brennelemente in Betrieb nehmen. Nach Jahrzehnten der Forschung, Planung und Bauarbeiten nähert sich das Projekt seinem wichtigsten Meilenstein: der Einlagerung der ersten hochradioaktiven Brennelemente. Für viele Fachleute gilt Onkalo schon heute als eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte der Nukleartechnik.

Stellenangebote im Bereich Immobilien, Bau, Finanzierung

Immobilien, Bau, Finanzierung Jobs
Messe Berlin GmbH-Firmenlogo
Teamleiter:in (m/w/d) Einkauf für Bau- und Planungsleistungen Messe Berlin GmbH
Klinikum Leverkusen Service GmbH-Firmenlogo
Mitarbeiter (m/w/d) für das Bauprojektmanagement Klinikum Leverkusen Service GmbH
Leverkusen Zum Job 
Ruhrbahn GmbH-Firmenlogo
Referent (w/m/d) Multiprojektmanagement Ruhrbahn GmbH
Hamburg Wasser-Firmenlogo
Ingenieur Projektleitung Großprojekte Wasserwerke (m/w/d) Hamburg Wasser
Hamburg Zum Job 
Sweco GmbH-Firmenlogo
Teamleitung Verkehr & Wasser (w/m/x) Sweco GmbH
Hannover Zum Job 
Bundesbau Baden-Württemberg-Firmenlogo
Bauingenieur / Architekt / Risikoingenieur (m/w/d) Bundesbau Baden-Württemberg
Freiburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau - Außenstelle Hagen Die Autobahn GmbH des Bundes
GSW Gemeinschaftsstadtwerke GmbH Kamen, Bönen, Bergkamen-Firmenlogo
Planungsingenieur für Rohrnetze (m/w/d) für das Team Planung und Bau im Geschäftsbereich 6 Netze GSW Gemeinschaftsstadtwerke GmbH Kamen, Bönen, Bergkamen
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) konstruktiver Ingenieurbau - Außenstelle Netphen Die Autobahn GmbH des Bundes
Netphen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Straßenplanung und Straßenentwurf - Außenstelle Netphen Die Autobahn GmbH des Bundes
Netphen Zum Job 
VDZ Service GmbH-Firmenlogo
Auditor (m/w/d) für die Validierung von Umweltmerkmalen und für die Produktzertifizierung VDZ Service GmbH
Düsseldorf Zum Job 
TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH-Firmenlogo
Sachverständige/-r (m/w/d) Explosionsschutz TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH
Frankfurt am Main-Höchst Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Experte (w/m/d) Vertrags- und Nachtragsmanagement Die Autobahn GmbH des Bundes
Firmengruppe Max Bögl-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Planung Ingenieurbau Firmengruppe Max Bögl
Sengenthal Zum Job 
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH-Firmenlogo
Senior Projektleiter TGA (m/w/d) Schwerpunkt Versorgungs-/Elektrotechnik INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH
Celle, Wolfsburg, Salzgitter Zum Job 
EGN Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH-Firmenlogo
Projektmanager (m/w/d) Anlagenbau / Umwelttechnik EGN Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH
Viersen Zum Job 
Hamburg Wasser-Firmenlogo
Projektleiterin als Ingenieurin Mittel- und Niederspannungstechnik (m/w/d) Hamburg Wasser
Hamburg-Rothenburgsort Zum Job 
Stadtverwaltung Frankenthal-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker - Technische Rechnungsprüfung (m/w/d) Stadtverwaltung Frankenthal
Frankenthal (Pfalz) Zum Job 
ETS Efficient Technical Solutions GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) HKLS ETS Efficient Technical Solutions GmbH
Wuppertal Zum Job 
ETS Efficient Technical Solutions GmbH-Firmenlogo
Bauleiter / Obermonteur (m/w/d) HLKS ETS Efficient Technical Solutions GmbH
Wuppertal Zum Job 

430 m unter der Erde beginnt eine andere Welt

Wer die Anlage auf der Halbinsel Olkiluoto besucht, sieht zunächst wenig Spektakuläres. Zwischen Wald, Granitfelsen und Ostseeküste führt eine spiralförmige Rampe tief in den Untergrund. Erst dort unten wird sichtbar, warum Ingenieure und Geologen aus aller Welt auf dieses Projekt blicken.

Das Endlager liegt rund 400 bis 430 m unter der Erdoberfläche. Eine etwa fünf Kilometer lange Rampe verbindet die Oberfläche mit dem unterirdischen Bereich. Hinzu kommen mehrere Schächte für Personal, Materialtransporte und die Belüftung. Im Endausbau soll das Tunnelsystem eine Gesamtlänge von rund 50 km erreichen.

Die Planer wählten den Standort nicht zufällig aus. Das umgebende kristalline Gestein ist rund 1,9 Milliarden Jahre alt und zählt zu den geologisch stabilsten Regionen Europas. Entscheidend war jedoch nicht allein das Alter des Gesteins. Über Jahrzehnte hinweg untersuchten Fachleute Wasserwege im Untergrund, Gesteinsspannungen, Klüfte und mögliche Auswirkungen zukünftiger Eiszeiten.

Die Wahl der Lagertiefe war dabei ein Balanceakt. In geringeren Tiefen spielen wasserführende Klüfte eine größere Rolle. Tiefer im Untergrund steigen dagegen die Spannungen im Gestein deutlich an. Die heutige Lage gilt deshalb als guter Kompromiss zwischen langfristiger Stabilität und beherrschbaren Baubedingungen.

Auch der Tunnelbau selbst lieferte wertvolle Erkenntnisse. Die Stollen wurden überwiegend durch Sprengvortrieb aufgefahren. Nach jedem Bauabschnitt untersuchten Geologinnen und Geologen den freigelegten Fels, dokumentierten Wasserzutritte und erfassten geologische Besonderheiten. Auf diese Weise entstand Schritt für Schritt ein immer genaueres Modell des Untergrunds.

Eine Kupferkapsel für abgebrannte Brennelemente während eines Tests im Endlager Onkalo. Die Behälter bilden eine zentrale Sicherheitsbarriere und sollen die radioaktiven Abfälle über Zehntausende Jahre vor Korrosion und Umwelteinflüssen schützen. Foto: picture alliance / Lehtikuva | LEHTIKUVA

Vier Schutzschichten sollen den Atommüll einschließen

Das Sicherheitskonzept basiert auf dem sogenannten KBS-3-Verfahren, das ursprünglich in Schweden entwickelt wurde. Die Grundidee ist einfach: Nicht eine einzelne Schutzschicht soll die radioaktiven Stoffe zurückhalten, sondern mehrere voneinander unabhängige Barrieren.

Zunächst werden die abgebrannten Brennstäbe in einen massiven Einsatz aus Gusseisen eingebracht. Dieser sorgt dafür, dass die Behälter auch hohen mechanischen Belastungen standhalten können.

Anschließend erhält jeder Behälter eine rund 5 cm dicke Hülle aus Kupfer. Das Metall gilt unter den Bedingungen tief im Fels als besonders widerstandsfähig gegen Korrosion.

Danach beginnt der Weg in die Tiefe. In den Einlagerungstunneln befinden sich senkrechte Bohrlöcher mit einer Tiefe von rund 8,5 m. Dort werden die Kupferkapseln einzeln abgesenkt. Insgesamt sollen später etwa 3250 solcher Behälter im Untergrund eingelagert werden.

Onkalo: Die wichtigsten Fakten

  • Standort: Olkiluoto, Finnland
  • Tiefe: 400 bis 430 m
  • Wirtsgestein: Kristalliner Gneis, rund 1,9 Milliarden Jahre alt
  • Tunnelsystem: etwa 50 km im Endausbau
  • Kapazität: rund 6500 t Uran aus abgebrannten Brennelementen
  • Anzahl der Endlagerbehälter: etwa 3.250
  • Einlagerungsdauer: rund 100 Jahre
  • Sicherheitsnachweise: bis zu 1 Million Jahre
  • Barrieren: Gusseisen, Kupfer, Bentonit und Grundgestein
  • Geplanter Betriebsstart: Ende 2026 oder Anfang 2027

Warum ein unscheinbarer Ton eine Schlüsselrolle spielt

Die eigentliche Besonderheit des Systems ist jedoch nicht die Kupferkapsel, sondern ein Material, das auf den ersten Blick wenig spektakulär wirkt: Bentonit. Dabei handelt es sich um einen speziellen Ton, der bei Kontakt mit Wasser stark aufquillt. Die Kapseln werden vollständig von diesem Material umgeben.

Der Bentonit erfüllt mehrere Aufgaben gleichzeitig. Er verschließt kleine Hohlräume und Klüfte, stabilisiert die Behälter und reduziert Wasserbewegungen im unmittelbaren Umfeld der Kapseln auf ein Minimum.

Das ist wichtig. Denn langfristig gilt nicht die Strahlung selbst als größte Herausforderung, sondern die Frage, ob Wasser radioaktive Stoffe über sehr lange Zeiträume transportieren könnte.

Genau deshalb untersuchten die Forschenden die Grundwasserverhältnisse in Olkiluoto über Jahrzehnte hinweg. Ziel war es, einen Bereich zu finden, in dem sich Wasser nur äußerst langsam bewegt.

Auch die Wärme musste berücksichtigt werden

Selbst Jahrzehnte nach ihrem Einsatz im Reaktor erzeugen abgebrannte Brennelemente noch Wärme. Diese sogenannte Nachzerfallswärme spielte bei der Planung eine wichtige Rolle.

Würden die Behälter zu dicht nebeneinander liegen, könnte sich das umliegende Gestein stärker erwärmen. Vor allem der Bentonit darf bestimmte Temperaturen nicht überschreiten, weil sich seine Eigenschaften sonst dauerhaft verändern könnten.

Deshalb wurden die Abstände zwischen den Bohrlöchern und den Tunneln mithilfe umfangreicher Simulationen festgelegt. Auch aus diesem Grund verbringen die Brennelemente zunächst viele Jahre in Zwischenlagern, bevor sie überhaupt für die Endlagerung infrage kommen.

Versuchsanlage für die Endlagerung abgebrannter Brennelemente auf dem Gelände des Kernkraftwerks Olkiluoto
Versuchsanlage für die Endlagerung abgebrannter Brennelemente auf dem Gelände des Kernkraftwerks Olkiluoto. Hier wurden Verfahren und Sicherheitskonzepte getestet, die heute im weltweit ersten tiefengeologischen Endlager Onkalo zum Einsatz kommen. Foto: picture alliance/dpa | Emmi Korhonen

Wartungsfrei für eine Million Jahre

Nach heutigen Planungen wird Onkalo rund 6500 t Uran aus abgebrannten Brennelementen aufnehmen. Die Einlagerung soll etwa 100 Jahre dauern.

Noch läuft die Anlage im Testbetrieb. Die Betreiber erproben sämtliche Abläufe mit nicht-radioaktiven Testelementen. Die endgültige Betriebsgenehmigung der finnischen Aufsichtsbehörde STUK steht derzeit noch aus. Erst danach dürfen die ersten abgebrannten Brennelemente aus den Kernkraftwerken Olkiluoto und Loviisa eingelagert werden.

Ist das Lager eines Tages vollständig befüllt, beginnt die letzte Phase. Die Tunnel werden schrittweise mit Bentonit und Gesteinsmaterial verfüllt und anschließend dauerhaft verschlossen.

Von diesem Zeitpunkt an soll das Endlager ohne menschliche Hilfe funktionieren. Es benötigt weder eine Energieversorgung noch regelmäßige Wartung oder ständige Überwachung. Die Sicherheit beruht allein auf dem Zusammenspiel von Kupferkapseln, Bentonit und dem umgebenden Fels.

Die finnische Strahlenschutzbehörde STUK bewertete Sicherheitsanalysen für Zeiträume von bis zu einer Million Jahren. Dabei berücksichtigten die Fachleute unter anderem zukünftige Eiszeiten, Veränderungen des Grundwassers, Korrosionsprozesse und geologische Veränderungen.

Warum Onkalo weltweit einzigartig ist

Onkalo ist das erste tiefengeologische Endlager für abgebrannte Brennelemente, das kurz vor dem regulären Betrieb steht. Die Anlage wurde für Zeiträume geplant, die weit über die gesamte bekannte Menschheitsgeschichte hinausreichen. Nach der Einlagerung soll das Endlager ohne Energieversorgung, Wartung oder menschliche Eingriffe funktionieren. Die Sicherheit basiert auf mehreren Barrieren aus Gusseisen, Kupfer, Bentonit und dem umgebenden Felsgestein.

Ganz ohne Diskussionen kommt auch Onkalo nicht aus

Obwohl die Anlage noch auf die endgültige Betriebsgenehmigung wartet, gilt Onkalo international bereits als Referenzprojekt für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle. Wissenschaftliche Diskussionen gibt es dennoch weiterhin.

Vor allem die Frage, wie sich Kupfer über sehr lange Zeiträume in sauerstoffarmem Tiefengrundwasser verhält, wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Einige Forschende befürchten, dass Korrosionsprozesse schneller ablaufen könnten als in den bisherigen Modellen angenommen.

Die Betreiber verweisen dagegen auf das Mehrbarrierensystem. Selbst wenn eine Kupferhülle irgendwann beschädigt würde, sollen Bentonit, Gestein und die äußerst langsamen Wasserbewegungen im Untergrund weiterhin verhindern, dass größere Mengen radioaktiver Stoffe an die Oberfläche gelangen.

Ein Bauwerk für eine Zeit nach uns

Genau das macht Onkalo so außergewöhnlich. Die Ingenieurinnen und Ingenieure planen nicht für die nächsten Jahrzehnte, sondern für Zeiträume, die länger sind als die gesamte bekannte Menschheitsgeschichte.

Ob das Konzept tatsächlich über Zehntausende oder gar Hunderttausende Jahre funktioniert, wird niemand überprüfen können. Die Menschen, die das Endlager heute planen und bauen, werden das Ergebnis ihrer Arbeit niemals erleben.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.