Arbeiten unter Tage 01.07.2026, 16:24 Uhr

In Rüdersdorf fährt jetzt ein autonomer Lader durch den Berg

Cemex setzt in Rüdersdorf einen autonomen Elektro-Untertage-Lader ein. Der Aramine L140B lädt, fährt und kippt Material ohne Fahrer ab.

Der batterieelektrische Aramine L140B transportiert Material durch den Untertagebereich

Ohne Fahrer in der Kabine: Der batterieelektrische Aramine L140B transportiert Material durch den Untertagebereich bei Cemex.

Foto: Aramine

In Rüdersdorf bei Berlin fährt ein Untertage-Lader jetzt ohne Fahrer durch den Berg. Der Baustoffkonzern Cemex und das Berliner Robotikunternehmen sensmore haben im dortigen Kalksteinbetrieb einen batterieelektrischen Lader automatisiert und direkt in den laufenden Produktionsprozess integriert.

Die Maschine übernimmt einen kompletten Arbeitszyklus: Sie fährt, lädt gelöstes Material auf, transportiert es durch die untertägigen Strecken und kippt es am Fördersystem wieder ab. Ein Bediener sitzt dabei nicht mehr in der Kabine.

Wo es eng zugeht, hat der Lader seine Stärken

Der Aramine L140B ist für enge untertägige Bereiche ausgelegt. Mit seiner kompakten Bauweise eignet er sich für Fahrstrecken, in denen große Bergbaumaschinen kaum sinnvoll arbeiten können. Fachlich handelt es sich um einen LHD-Lader. LHD steht für Load-Haul-Dump: aufnehmen, transportieren, abkippen.

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Das System auf einen Blick

Maschine: Aramine L140B
Typ: batterieelektrischer LHD-Lader
Nutzlast: 1,3 t
Schaufelvolumen: 0,7 m³
Breite: rund 1,1 m
Einsatzort: Untertagebereich im Kalksteinbetrieb Rüdersdorf
Aufgabe: Laden, Transportieren und Abkippen von Material
Besonderheit: Einbindung in Förderband, Sicherheitsfunktionen, Netzwerk und Bedienoberflächen

In Rüdersdorf endet dieser Zyklus direkt am Förderband. Genau dort wird der Einsatz interessant. Denn der Fortschritt liegt nicht allein darin, dass der Lader autonom fährt. Autonome und ferngesteuerte Maschinen sind im modernen Bergbau kein völlig neues Thema mehr. Interessant ist, dass die Maschine hier nicht auf einer abgesperrten Teststrecke unterwegs ist, sondern in einen realen Produktionsablauf eingebunden wurde.

Sensmore hat dafür Maschinensteuerung, Sicherheitsfunktionen, Netzwerk, Bedienoberflächen, Förderband und Ablaufsteuerung miteinander verbunden. Der Lader fährt also nicht einfach allein durch den Berg. Er arbeitet als Teil eines vernetzten Untertageprozesses. Aus einem kompakten Elektro-Lader wird so ein autonomes Produktionssystem.

Warum Rüdersdorf?

Rüdersdorf ist ein historisch gewachsener Kalksteinstandort bei Berlin. Genau das macht den Einsatz interessant: Cemex testet den autonomen Lader nicht in einem abgeschotteten Versuchsfeld, sondern in einem bestehenden Baustoffbetrieb.

Dort zählen vor allem die Bedingungen des Alltags:

  • enge untertägige Strecken
  • wiederkehrende Lade- und Transportzyklen
  • begrenzte Sicht und wenig Platz
  • hohe Anforderungen an Sicherheit und Verfügbarkeit
  • möglichst wenig Personal in gefährdeten Bereichen

Der Lader soll genau diese Aufgabe übernehmen: Material bewegen, ohne dass ein Fahrer in der Maschine sitzen muss.

Was die Maschine unter Tage leisten muss

Ein autonomer Untertage-Lader hat eine deutlich härtere Aufgabe als ein fahrerloses Transportsystem in einer sauberen Werkshalle. Unter Tage ändern sich die Bedingungen ständig:

  • Staub und Feuchtigkeit
  • schlechte oder wechselnde Sicht
  • enge Konturen
  • unebene Fahrbahnen
  • kaum Ausweichmöglichkeiten
  • kein GPS-Signal
  • schwierige Funkverbindungen

Trotzdem muss der Lader seinen Arbeitszyklus zuverlässig ausführen. Er muss erkennen, wo er fährt, wo Material liegt und wo er seine Schaufel füllen kann. Er muss wissen, welche Bereiche freigegeben sind und wo Sperrzonen beginnen. Und er muss am Förderband erst dann abkippen, wenn der Prozess dafür bereit ist.

Hinzu kommt die Sicherheit. Die Maschine muss Hindernisse erkennen, im Zweifel stoppen und mit der übrigen Infrastruktur kommunizieren. Autonomie bedeutet unter Tage deshalb nicht nur: Der Lader fährt allein. Er muss sich in einen kontrollierten Produktionsablauf einfügen.

Genau hier verläuft die Grenze zur klassischen Fernsteuerung. Bei einer Fernsteuerung bleibt der Mensch unmittelbar in den Fahr- und Ladeprozess eingebunden. Er steuert die Maschine zwar aus sicherer Entfernung, muss aber viele Arbeitsschritte weiterhin aktiv ausführen.

Bei einem autonomen Zyklus verschiebt sich diese Rolle. Der Bediener sitzt nicht mehr in der Kabine, sondern überwacht den Ablauf, greift bei Bedarf ein und wird stärker zum Prozessbediener. Für den Untertagebau ist das ein wichtiger Schritt. Die Arbeit verschwindet nicht. Aber sie verlagert sich aus dem Gefahrenbereich heraus.

Vom Fahrerplatz zum Leitstand: Fachkräfte verfolgen am Laptop, wie der autonome Aramine L140B seinen Arbeitszyklus ausführt. Foto: Aramine

Was der Elektroantrieb unter Tage so wertvoll macht

Der Aramine L140B ist kein Gigant. Genau das ist hier der Punkt. Mit rund 1,1 m Breite ist er für enge untertägige Strecken ausgelegt. Dort wären größere Bergbaumaschinen oft zu sperrig oder nur eingeschränkt manövrierfähig.

Der batterieelektrische Antrieb ist unter Tage ein konkreter Vorteil. Dieselmaschinen bringen Abgase, Wärme und Lärm in den Arbeitsbereich. Das belastet die Beschäftigten und erhöht die Anforderungen an Bewetterung, Arbeitsschutz und Betriebsorganisation.

Ein batterieelektrischer Lader kann diese Belastungen im direkten Arbeitsbereich reduzieren. Gegenüber Dieseltechnik sinkt die lokale Luftbelastung, auch die Abwärme fällt geringer aus. Gerade in engen Strecken kann das den Betrieb vereinfachen.

Trotzdem sollte man den Begriff „emissionsfrei“ nicht zu weit treiben. Der Lader arbeitet lokal abgasfrei. Klimaneutral ist er deshalb nicht. Stromerzeugung, Batterieproduktion, Wartung und Herstellung der Maschine gehören weiterhin zur Gesamtbilanz.

Bei einem Zementstandort wie Rüdersdorf liegen die großen CO₂-Fragen ohnehin an anderer Stelle, vor allem beim Klinkerbrand und bei der Prozesswärme. Der autonome Elektro-Lader löst dieses Kernproblem nicht. Er verbessert aber einen klar umrissenen Teilprozess unter Tage.

Mehr Produktivität, weniger Risiko

Cemex nennt zwei zentrale Gründe für den Einsatz des autonomen Laders: Sicherheit und Produktivität. Wiederkehrende Lade- und Transportaufgaben eignen sich grundsätzlich gut für Automatisierung. Sie laufen nach klaren Mustern ab, binden Personal und finden oft dort statt, wo die Bedingungen schwierig sind:

  • wenig Platz
  • schlechte Sicht
  • Staub und Lärm
  • wiederkehrende Fahrwege
  • körperlich belastende Arbeit
  • erhöhtes Risiko bei jedem Aufenthalt unter Tage

Übernimmt der Lader solche Zyklen selbstständig, kann Cemex zusätzliche Räumleistung schaffen, ohne im gleichen Maß mehr Menschen in den Untertagebereich schicken zu müssen.

Nach Angaben der beteiligten Unternehmen kann der automatisierte L140B länger autonom arbeiten als im bemannten Betrieb. Belastbar einordnen lässt sich das aber erst mit unabhängigen Betriebsdaten. Entscheidend wären reale Zykluszeiten, Netto-Verfügbarkeit, Störungen, Batteriewechsel und Wartungsaufwand.

Klar ist dennoch: Wiederkehrende Lade- und Transportzyklen gehören zu den Aufgaben, bei denen Automatisierung unter Tage besonders naheliegt. Sie sind monoton, sicherheitskritisch und binden Personal in schwierigen Bereichen.

Autonome Maschinen ersetzen keine bergbauliche Erfahrung. Sie können aber monotone und riskante Tätigkeiten übernehmen. Für Beschäftigte verschiebt sich damit die Rolle: weg vom Fahren in engen Strecken, hin zu Überwachung, Wartung und Prozesssteuerung.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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