Wettbewerb in der Robotik 08.01.2026, 10:30 Uhr

„China-Geschwindigkeit“ bei der Entwicklung von Robotern

Inzwischen setzen chinesische Roboterhersteller Innovationen schneller um als deutsche. Branchenkenner Georg Stieler, Geschäftsführer der Stieler-Technologieberatung, ordnet ein.

Roboter mit China-Flagge

In Europa staunt man über die Geschwindigkeit, die Roboterentwickler in China vorlegen. Auch 2026 bleibt das Tempo hoch.

Foto: Smarterpix/julos

VDI nachrichten: Was beeindruckt Sie aktuell im internationalen Vergleich am meisten an den Fortschritten der Robotik in China?

Stieler: Als wir vor 13 Jahren angefangen haben, in der chinesischen Robotik zu arbeiten, lag die Dichte an Industrierobotern dort noch bei 1/10 des deutschen Niveaus. Mittlerweile hat China Deutschland überholt und setzt sich neben den USA auch bei physischer KI an die Spitze der Entwicklung.

Nach unseren Berechnungen wurde in beiden Regionen 2025 etwa das Fünf- bis Sechsfache in junge Robotikunternehmen investiert wie in Europa. Wir haben in China mindestens fünf Unternehmen im Bereich physischer KI, die bisher jeweils mehr als 220 Mio. $ eingeworben haben.

Beispiele für das aktuelle Innovationstempo chinesischer Roboterhersteller

Und wie sieht es mit der technischen Umsetzung neuer Lösungen aus?

Stellenangebote im Bereich Automatisierungstechnik

Automatisierungstechnik Jobs
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
FH Münster-Firmenlogo
Professur für "Antriebssysteme im Maschinenbau" (w/m/d) FH Münster
Steinfurt Zum Job 
THOST Projektmanagement GmbH-Firmenlogo
Ingenieur*in / Projektmanager*in (m/w/d) in der Steuerung von Großprojekten im Bereich Energiewende THOST Projektmanagement GmbH
GEBHARDT Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur Schwerpunkt Mechanik (m/w/d) als Project System Engineer Mechanical GEBHARDT Fördertechnik GmbH
Sinsheim Zum Job 
European Energy A/S-Firmenlogo
Grid Connection Specialist - Wind / PV (m/w/d) European Energy A/S
Markkleeberg bei Leipzig Zum Job 
Huber SE-Firmenlogo
Ingenieur Entwicklung (m/w/d) Huber SE
Berching (zwischen Nürnberg und Ingolstadt) Zum Job 
FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH-Firmenlogo
Konstrukteur (m/w/d) - Elektromechanik FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH
Flensburg Zum Job 
TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH-Firmenlogo
Ausbildung Prüfingenieur/-in (m/w/d) bzw. Sachverständige/-r (m/w/d) für den Tätigkeitsbereich Fahrzeugprüfung und Fahrerlaubnisprüfung TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH
Schlüchtern Zum Job 
Wirtgen GmbH-Firmenlogo
Functional Safety Software Engineer (m/w/d) - für mobile Arbeitsmaschinen Wirtgen GmbH
Windhagen Zum Job 
WARO MSR-Technik GmbH-Firmenlogo
SPS-/DDC-Programmierer (m/w/d) und/oder DDC-Programmierer (m/w/d) WARO MSR-Technik GmbH
Lübeck Zum Job 
WBS TRAINING-Firmenlogo
Lernbegleiter:in / Trainer:in für SPS-Programmierung (m/w/d) WBS TRAINING
Deutschland / Homeoffice Zum Job 
Prognost Systems GmbH-Firmenlogo
Spezialist für Maschinendiagnose im Technischen Support / Elektrotechniker / Maschinenbauer (m/w/d) Prognost Systems GmbH
HEINE Optotechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Ingenieur für Automatisierung und Robotik (m/w/d) HEINE Optotechnik GmbH & Co. KG
Gilching bei München Zum Job 
noris network AG-Firmenlogo
Elektroingenieur für GLT und MSR-Technik (m/w/d) noris network AG
Nürnberg Zum Job 
noris network AG-Firmenlogo
Techniker Zutrittskontrolle & Videoüberwachung / Datacenter Engineer (m/w/d) noris network AG
Nürnberg Zum Job 
Sanofi-Aventis Deutschland GmbH-Firmenlogo
Trainee Manufacturing & Supply (all genders) Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
Frankfurt Zum Job 
General Aerospace GmbH-Firmenlogo
Industrial Engineer (w/m/d) General Aerospace GmbH
Eschbach Zum Job 
Honda R&D Europe (Deutschland) GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur (m/w/d) Fahrdynamik, Fahrversuch und Simulation Honda R&D Europe (Deutschland) GmbH
Offenbach am Main Zum Job 
J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH-Firmenlogo
Elektroingenieur (m/w/d) Produktindustrialisierung J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH
J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) Produktindustrialisierung J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH

Mittlerweile sieht man in China Dinge, die so in Europa noch nicht so gut oder überhaupt nicht funktionieren. Das Innovationstempo ist enorm hoch. Zwei Tage vor Heiligabend zeigte etwa das Start-up TARS eine Demo, in der der Roboter mit zwei Armen erst einen Faden in ein Nadelöhr einfädelte und anschließend ein Stoffbanner bestickte. Das erfordert außergewöhnliche flexible feinmotorische Fähigkeiten.

Am 4. Januar hat Galaxea Dynamics mit dem G0 Plus das weltweit erste Out-of-the-Box VLA-Model (Anm. d. Re.: KI-Modell für „Vision-Language-Action“) vorgestellt. Das Unternehmen liefert seine mobilen Dual-Arm-Roboter nun mit einem vorinstallierten offen verfügbaren VLA aus.

In der Demo „Pick Up Anything“ wurde ein kompletter Durchlauf gezeigt – vom Verstehen natürlicher Sprache über die Handlungsplanung bis zur Ausführung in der realen Umgebung – inklusive Zero-Shot-Fähigkeit. Laut Galaxea bedeutet das, dass der Roboter jedes Objekt greifen kann – egal, ob er es schon einmal gesehen hat oder nicht – und unabhängig von der jeweiligen Umgebung.

Trainiert wurde das System auf dem Galaxea Open-world Dataset (GOD), einem Datensatz mit echten Daten aus klassischen Greifaufgaben und komplexeren Interaktionen. Der Ansatz ist als Plug and Play konzipiert: Entwickler sollen das System in weniger als 30 min  zum Laufen bringen und anschließend für neue Aufgaben feinjustieren können. Diese strategische Weichenstellung könnte Galaxea mittel- bis langfristig eine Plattformrolle in der KI-gestützten Robotiksteuerung sichern.

Darüber hinaus sollte man nicht vergessen: Unter der Haut von humanoiden Robotern aus Europa und den USA stecken mehr Komponenten aus China, als das politische und mediale Klima zunächst vermuten lässt.

Welche Komponenten sind das typischerweise?

Das sind sowohl Aktuatoren, Getriebe, Lager, Motoren als auch Sensoren und Strukturteile.

Georg Stieler hat 2011 die Shanghaier Niederlassung der Stieler Technologie- und Marketing-Beratung gegründet. Mit seinem chinesischen Team arbeitet er intensiv mit ausländischen Lieferanten und Anwendern von Unternehmenssoftware, Robotern, Sensoren und CNC-Systemen sowie mit Start-ups zusammen. Foto: Stefan Höster

Georg Stieler hat 2011 die Shanghaier Niederlassung der Stieler Technologie- und Marketing-Beratung gegründet. Mit seinem chinesischen Team arbeitet er intensiv mit ausländischen Lieferanten und Anwendern von Unternehmenssoftware, Robotern, Sensoren und CNC-Systemen sowie mit Start-ups zusammen.

Foto: Stefan Höster

Auch 2026 bleibt das Entwicklungstempo der Robotik in China hoch

Welches Entwicklungstempo erwarten Sie von Chinas Roboterbranche im Jahr 2026?

Der Absatz von Industrierobotern in China ist 2025 wieder etwa 10 % gewachsen. Angesichts der relativen Schwäche in den anderen großen Märkten auf der Welt konnte China damit seinen Spitzenplatz bei den weltweiten Roboterverkäufen weiter ausbauen. Für 2026 sind wir vorsichtig optimistisch und erwarten ein Wachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich.

Die Verkäufe von kollaborativen Robotern sind schon in den letzten zwei Jahren überproportional gestiegen und das wird wohl so weitergehen. Treiber sind einfache Installation, Flexibilität, ein verhältnismäßig niedriger Energieverbrauch und neue Anwendungen insbesondere in der Produktion von Elektrofahrzeugen.

Der hohe Preisdruck wird weiter bestehen. Gleichzeitig sehen wir sowohl bei klassischen Industrierobotern als auch bei kollaborativen Robotern einen Trend zu mehr intelligenten Lösungen, etwa zu teilautonomem Schweißen.

Lesen Sie auch:
Top 5 Robotik-Trends 2026 weltweit
Prognose der International Federation of Robotics (IFR)

Top 5 Robotik-Trends 2026 weltweit

Humanoide Roboter: Neura Robotics gründet Niederlassung in China
Humanoide Roboter: 2030 steht das Millionen-Heer
Überlegener Kollege zum Preis eines Mittelklasse-Fahrzeugs

Humanoide Roboter: 2030 steht das Millionen-Heer

Humanoide Roboter und physische KI sind Innovationstreiber

Und wie sieht es bei den humanoiden Robotern aus?

Bei humanoiden Robotern und physischer KI werden wir 2026 einen Trend weg von werbewirksamen Spektakeln hin zu realen Anwendungsfällen mit kommerziellem Nutzen sehen. Investoren drängen darauf.

Während amerikanische Unternehmen wie Physical Intelligence, Skild.ai oder Google Gemini Robotics noch in Sachen Generalisierungsfähigkeit führen, könnten chinesische Anbieter wie XSquare, TARS, Agibot, Galaxea oder Galbot davon profitieren, dass sie Full-Stack-Systeme, die für  klarer definierte Aufgaben entwickelt wurden, anbieten.

Diese ermöglichen schnellere Iterationen, höhere Zuverlässigkeit und bessere Kosten-/Leistungsoptimierung, da alle Komponenten konsequent aufeinander abgestimmt werden können. Chinesische Firmen wetten ferner darauf, mit nicht perfekten Robotern mehr Echtzeit-Betriebsdaten zu sammeln und ihre Modelle damit zu verbessern.

Mit dem Börsengang von Unitree werden wir voraussichtlich recht früh im neuen Jahr einen der größten chinesischen Tech-Börsengänge seit längerer Zeit sehen. Weitere werden folgen. Gleichzeitig werden schwächere Spieler verschwinden.

Macht Deutschland bei Humanoiden denselben Fehler wie bei der Elektromobilität?

In Deutschland wird deutlich weniger Wirbel um Humanoide gemacht. Wie bewerten Sie das?

Ich sehe, dass viele in Deutschland diese Entwicklungen auch mit viel Skepsis verfolgen und sich erst einmal zurücklehnen. Das halte ich für fatal. Man sollte nicht dieselben Fehler wie bei der E-Mobilität wiederholen.

Unter welchen Umständen könnten humanoide Roboter zu ernsten Wettbewerbern für klassische mobile Roboter werden?

Anwendungsfälle aus der Intralogistik zählen neben einfachen Montage- und Prüftätigkeiten zu den ersten Anwendungen, die chinesische Hersteller von humanoiden Robotern im Jahr 2026 kommerzialisieren wollen.

Die Wettbewerbssituation zu mobilen Robotern sehe ich bisher nicht so gravierend. Mobile Roboter mit Greifarm sind das ausgereiftere Konzept. Dazu kommt, dass in vielen Anwendungen der humanoide Formfaktor ja nicht unbedingt ein Vorteil ist: Bei der Bestückung von Werkzeugmaschinen ist es oft günstiger, wenn der Roboter noch Platz für die Zwischenlagerung der entsprechenden Teile hat. Auch größere Lagerhausroboter mit Staplerfunktion werden wohl nicht von Humanoiden ersetzt werden.

Darüber hinaus sind die chinesischen Firmen mit den leistungsfähigsten KI-Modellen zur Zweiarm-Manipulation sehr undogmatisch, was die Beine angeht – alle haben auch Roboter auf Rädern im Programm.

Auf der anderen Seite werden Industrieroboter vom Fortschritt bei Vision-Language-Action-Modellen profitieren. Hier gibt es durchaus Schnittmengen mit humanoiden Robotern. So hat etwa Agibot bereits im November eine Lösung bei einem Hersteller von Elektronikprodukten gezeigt, bei der die Umrüstzeit der Roboter mittels einer Kombination aus Teleoperation und Reinforcement-Learning angeblich auf durchschnittlich 10 min reduziert werden konnte.

Übrigens: Obwohl Agibot zu den am besten finanzierten chinesischen Start-ups im Bereich physische KI gehört und auch eigene humanoide Roboter baut, kamen bei dem genannten Pilotprojekt Roboterarme von Franka Emika zum Einsatz.

Ein Beitrag von:

  • Martin Ciupek

    Martin Ciupek ist Ingenieur und Technikjournalist mit den Schwerpunkten Maschinenbau, Robotik und Automatisierungstechnik.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.