3D und Kunst 22.04.2016, 07:55 Uhr

Huch, den Ötzi gibt es jetzt öfter

Täuschend echt und damit eine Verwechslung nicht ausgeschlossen: Den weltberühmten Gletschermann Ötzi gibt es jetzt viermal. Die drei originalgetreuen Kopien stammen aus dem 3D-Drucker. Das Besondere: Sie sind aus Harz und wurden handbemalt.

Zunächst wurde eine 3D-Kopie aus Harz von Ötzi mit dem Drucker erstellt. 

Zunächst wurde eine 3D-Kopie aus Harz von Ötzi mit dem Drucker erstellt. 

Foto: Materialise.be

Huch, den Ötzi gibt es jetzt öfter

Foto: Materialise.be

Huch, den Ötzi gibt es jetzt öfter

Foto: Materialise.be

Huch, den Ötzi gibt es jetzt öfter

Foto: Materialise.be

Huch, den Ötzi gibt es jetzt öfter

Foto: Materialise.be

Nicht nur zu Lebzeiten auch 5300 Jahre später macht Ötzi ganz schön was mit. Die Gletschermumie, die 1991 in den Ötztaler Alpen zwischen Italien Österreich gefunden wurde, ist für Forscher ein Objekt der Begierde. Denn aus ihm können sie viele Geheimnisse aus der Jungsteinzeit herauslesen. Seit 1998 wird Ötzi bei -6 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 98 % in Bozen aufbewahrt. 

Monatelange Arbeiten und ein mehrstufiger Prozess waren nötig, bis der kopierte Ötzi am Mittwoch von der Direktorin des Südtiroler Archäologiemuseums, Angelika Fleckinger, in Bozen präsentiert werden konnten. Es handelt sich um eine von Hand bearbeitete Rekonstruktion, die in Kooperation mit dem Cold Spring Harbor DNA Learning Center in New York entstanden ist.

Computertomografische Aufnahmen als Grundlage für Kopien aus dem 3D-Drucker

Als Grundlage für die originalgetreue Rekonstruktion dienten die bereits bestehenden computertomografischen Aufnahmen der Mumie. Mit diesen Daten entstand die Ötzi-Kopie als Rohling in einem 3D-Drucker, Schicht für Schicht, aus Harz und unter Luftabschluss in einem Flüssigkeitsbad. Der ungleich schwierigere Teil der Rekonstruktion des Eismannes begann, als der Rohling aus dem 3D-Drucker ausgehärtet war.

Paläo-Künstler Gary Staab bei der Arbeit. Er und sein Team waren monatelang damit beschäftigt, die Ötzi-Kopie originalgetreu zu bemalen.

Paläo-Künstler Gary Staab bei der Arbeit. Er und sein Team waren monatelang damit beschäftigt, die Ötzi-Kopie originalgetreu zu bemalen.

Quelle: BSquared Media

Dann schlug die Stunde für den vielfach ausgezeichneten US-amerikanischen Paläo-Künstler Gary Staab. Er war im vergangenen Sommer eigens nach Bozen gereist, um den originalen Gletschermann ausgiebig zu begutachten. Staab hat bereits für die wichtigsten amerikanischen Museen Rekonstruktionen ausgestorbener Lebewesen erschaffen.

Freie Rekonstrukion der Hände als Herausforderung

Gemeinsam mit seinem Team modellierte der Künstler in monatelanger Arbeit die Gestalt der Mumie nach und bemalte Ötzi von Hand. Vor allem die freie Rekonstruktion der Hände stellte das Paläo-Team um Gary Staab vor eine große Herausforderung. Denn die Hände waren von der Computertomografie nicht berücksichtigt worden. Am Schluss ergänzte Gary Staab noch in Kleinarbeit die zerfaserte Hüftverletzung am Körper des Eismannes.

Ötzi war extrem krank

Der etwa 45 Jahre alte Gletschermann, der vor rund 5300 Jahren lebte, muss nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen als extrem krank bezeichnet werden. Er war von Würmern besiedelt, litt an Durchfall und Arthritis, schleppte sich trotz Gefäßverkalkung durch die hohen Alpenberge.

Die fertige 1:1-Kopie von Ötzi.

Die fertige 1:1-Kopie von Ötzi.

Quelle: Südtiroler Archäologiemuseum / foto-dpi.com

Zudem glich sein Gebiss einem Sammelsurium abgenutzter und abgestorbener Zähne, ihn plagte Parodontose und Karies. Eine Laktoseintoleranz machte ihm das Leben schwer, seine Lungen waren schwarz vom Rauch offener Feuer.

Mehrere Attacken auf den Urmensch

Trotz all dieser Leiden und Krankheiten: Gestorben ist Ötzi daran nicht. Bei seinem Fund im September 1991 hatte der Gletschermann mehrere gebrochene Rippen und in seiner linken Schulter steckte eine Pfeilspitze. Zudem fanden Forscher heraus, dass Ötzi ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat. Ötzi starb also keines natürlichen Todes. Hat sich aber Jahrtausende lang gut gehalten. Und jetzt sogar drei Doppelgänger. 

Wanderausstellung „Mann aus dem Eis“

Zwei der Repliken aus dem 3D-Drucker gehen an Niederlassungen des DNA Learning Centers in New York. Eine Kopie bleibt zunächst beim Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen. Im Herbst 2017 geht dieser Harz-Ötzi dann als „Mann aus dem Eis“ auf Wanderschaft durch die USA und Kanada.

Ein Beitrag von:

  • Detlef Stoller

    Detlef Stoller ist Diplom-Photoingenieur. Er ist Fachjournalist für Umweltfragen und schreibt für verschiedene Printmagazine, Online-Medien und TV-Formate.

Stellenangebote im Bereich Fertigungstechnik, Produktion

HME Brass Germany GmbH-Firmenlogo
HME Brass Germany GmbH Ingenieur Metallurgie als Leitung Qualitätswesen (m/w/d) Berlin
Amcor Flexibles Singen GmbH-Firmenlogo
Amcor Flexibles Singen GmbH Ingenieur für Metallurgie und Werkstofftechnik / Manager Product Development and Metallurgy (m/w/d) Singen
Berliner Glas GmbH-Firmenlogo
Berliner Glas GmbH Entwicklungsingenieur CNC-Programmierung (m/w/d) Berlin-Neukölln
SKF GmbH-Firmenlogo
SKF GmbH Fertigungsingenieur (m/w/d) Betriebstechnik (OT) / Digitalisierung Schweinfurt
Hochschule Schmalkalden-Firmenlogo
Hochschule Schmalkalden Juniorprofessur (W1) für Fertigungstechnik / Virtuelle Prozessgestaltung Schmalkalden
Knauf Deutsche Gipswerke KG-Firmenlogo
Knauf Deutsche Gipswerke KG Prozessingenieur / CI-Koordinator (m/w/d) Schwarze Pumpe bei Cottbus
Berliner Glas Gruppe-Firmenlogo
Berliner Glas Gruppe Prozessingenieur (m/w/d) im Bereich Medizintechnik Berlin
Berliner Glas Gruppe-Firmenlogo
Berliner Glas Gruppe Produktverantwortlicher Ingenieur (m/w/d) im Bereich Medizintechnik Berlin
Berliner Glas GmbH-Firmenlogo
Berliner Glas GmbH Product Engineer (m/w/d) Berlin
Jungheinrich Logistiksysteme-Firmenlogo
Jungheinrich Logistiksysteme Projektleiter AGV (m/w/d) Technical Sales deutschlandweit

Alle Fertigungstechnik, Produktion Jobs

Top 5 3D-Druck

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.