Strandplage wird zum Rohstoff 28.08.2025, 19:31 Uhr

Macht Seetang die Betonherstellung nachhaltiger?

Seetang belastet Strände. Forschende nutzen es nun als Alternative zu Blähton, um Beton leichter und nachhaltiger zu machen.

Seetang am Strand

Seetang ist am Strand eine Plage. Als Alternative zu Blähton könnte es nun eine neue Karriere starten.

Foto: Smarterpix / ArkadijSchell

Sargassum-Algen gelten vielerorts als Plage, könnten aber in der Bauindustrie nützlich werden. Brasilianische Forschende zeigen, dass sich Blähton und Beton mit Algen leichter und ökologischer herstellen lassen. Entscheidend ist die Kombination mit Mikrowellentechnik beim Brennen. Auch für Platten und Ziegel bietet sich der Ansatz an.

Eine Plage am Strand – ein Schatz im Labor

Wer an karibische Strände denkt, stellt sich weißen Sand und türkisfarbenes Wasser vor. Doch seit einigen Jahren türmen sich dort braune Algenteppiche. Sargassum, eine Braunalge, die eigentlich im offenen Atlantik treibt, wird massenhaft an die Küsten gespült. Für Einheimische und Touristen ist das ein Problem. Die Haufen stinken, setzen beim Verrotten Gase wie Schwefelwasserstoff oder Methan frei und gefährden die Gesundheit. Gleichzeitig leiden Fischerei und Artenvielfalt. Bisher landeten die tonnenweise gesammelten Algen meist auf Deponien – ohne Nutzen.

Forschende in Brasilien wollten das ändern. Ihr Ziel: aus der lästigen Biomasse ein nützliches Baumaterial machen. Denn wo andere nur Müll sehen, wittern Ingenieurinnen und Ingenieure eine Ressource.

Stellenangebote im Bereich Immobilien, Bau, Finanzierung

Immobilien, Bau, Finanzierung Jobs
Stadt Hemer-Firmenlogo
Architekt/in bzw. Ingenieur/in (w/m/d) für unseren Hochbau in Vollzeit oder Teilzeit Stadt Hemer
Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Verkehr und Mobilitätswende-Firmenlogo
Projektingenieur:in Brückenbau Hamburg Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Verkehr und Mobilitätswende
Hamburg Zum Job 
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Fachgruppenleiter / Fachgruppenleiterin (w/m/d) Klimatechnik im Gebäudemanagement Baden-Baden SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
Baden-Baden Zum Job 
TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Mitarbeiter Montage Sondermaschinenbau - Mechanik (m/w/d) TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Office Group Planen & Bauen GmbH-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) Office Group Planen & Bauen GmbH
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Bauleitung und Bauüberwachung von Autobahnprojekten Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 
Kölner Verkehrs-Betriebe AG-Firmenlogo
Bauleiter*in Tiefbau / Fahrleitung Kölner Verkehrs-Betriebe AG
Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) für Bauprojekte Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Experte / Expertin Bauwesen (w/m/d) in der Abteilung Gebäudemanagement / Verwaltung Mainz SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
Schöpflin Stiftung-Firmenlogo
Head of Operations (m/w/d) Schöpflin Stiftung
Lörrach Zum Job 
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Technischer Angestellter (m/w/d) Nachhaltigkeitsmanagement im Bereich Hochbau KLEBL GmbH
Neumarkt Zum Job 
Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr-Firmenlogo
Bauingenieur - Sachgebietsleitung Kreisstraßenmanagement (w/m/d) Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr
Humboldt-Universität zu Berlin Abteilung Haushalt und Personal Referat Personalwirtschaft III C 6-Firmenlogo
Ingenieur*in Nachrichtentechnik (m/w/d) Humboldt-Universität zu Berlin Abteilung Haushalt und Personal Referat Personalwirtschaft III C 6
ista SE-Firmenlogo
Projektingenieur - Technische Gebäudeausrüstung und Energiedienstleistungen (m/w/d) ista SE
Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln, München Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Straßenplanung und Entwurf Die Autobahn GmbH des Bundes
Dillenburg Zum Job 
über Tröger & Cie. Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Zweigniederlassungsleiter Großprojekte West (m/w/d) über Tröger & Cie. Aktiengesellschaft
Nordrhein-Westfalen Zum Job 
über Kienbaum Consultants International GmbH-Firmenlogo
Leitung (m|w|d) Hoch- und Ingenieurbau über Kienbaum Consultants International GmbH
Baden-Württemberg Zum Job 
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben-Firmenlogo
Betriebsmanagerin / Betriebsmanager (Elektroingenieurin / Elektroingenieur) (w/m/d) Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
Freiburg Zum Job 
Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH-Firmenlogo
Kalkulator Tiefbau (m/w/d) für den Bereich Wasser/Abwasser Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH
Halle (Saale) Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) konstruktiver Ingenieurbau Die Autobahn GmbH des Bundes

Beton leichter machen – mit Meeresalgen

Am Fachbereich Biosystemtechnik der Universität von São Paulo (USP) nahm ein Team um João Adriano Rossignolo die Sache in die Hand. Gemeinsam mit Kolleg*innen der Bundesuniversität von São Carlos testeten sie, wie sich Sargassum in die Herstellung von Blähton einbinden lässt. Dieser gebrannte Ton dient im Bauwesen als Zuschlagstoff für leichten Beton oder in Platten, die für bessere Wärmedämmung sorgen.

„Normalerweise wird Sargassum gesammelt und ohne praktischen Nutzen auf Deponien entsorgt. Deshalb haben wir uns entschlossen, nach einer Möglichkeit zu suchen, diese große Menge an Biomasse an den Stränden zu nutzen“, sagt Rossignolo.

Die Forschenden mischten Algenanteile von 20 % und 40 % in ihre Proben. Zum Vergleich gab es auch Varianten ohne Seetang. Anschließend wurden die Mischungen geformt und in Öfen gebrannt – entweder klassisch oder mit Mikrowellenunterstützung.

Was der Brennofen verriet

Beim Sintern, also dem Verdichten des Materials durch Hitze, zeigte sich ein klarer Trend: Je höher der Anteil an Seetang, desto leichter wurde der Blähton. Vor allem bei 40 % schrumpfte die Dichte spürbar. Leichteres Material bedeutet auch weniger Gewicht für den späteren Beton. Das kann beim Bau von Hochhäusern oder Brücken entscheidend sein.

Allerdings hielt nicht jede Variante den Belastungstests stand. Nur die Proben aus dem Mikrowellenofen erfüllten bei allen Temperaturen die Anforderungen an die Druckfestigkeit. Offenbar sorgt die Mikrowellentechnik für eine dichtere und gleichmäßigere Struktur.

Umweltbilanz schlägt herkömmlichen Blähton

Neben der Technik war auch die Ökobilanz entscheidend. Das Team verglich die Lebenszyklen: vom Rohstoffabbau bis zur Entsorgung. Das Ergebnis: Mischungen mit Sargassum schnitten besser ab als herkömmlicher Blähton. Sie verbrauchen weniger endliche Rohstoffe und steigern die Energieeffizienz.

Die Forschenden sehen darin eine doppelte Chance. Zum einen könnte man ein Abfallproblem an den Stränden entschärfen. Zum anderen ließen sich Baustoffe nachhaltiger herstellen.

Mehr als nur Beton

Die Idee beschränkt sich nicht auf Blähton. Die Gruppe untersuchte auch andere Anwendungen: Partikelplatten für Möbel und Bau oder Faserzementziegel. Dabei ersetzten sie Kalkstein durch Sargassum-Asche. „Die Ergebnisse waren überraschend, da wir 30 % Sargassum in den Platten verwenden und 100 % des Kalksteins durch seine Asche ersetzen konnten“, berichtet Rossignolo. Die Materialien erfüllten die Standards – und zeigten sogar eine verbesserte Haltbarkeit.

Auch interessant:

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.