Kompexer Fußbodenaufbau 02.07.2025, 15:30 Uhr

Frankfurt Terminal 3: Blähton soll Millionen Füße tragen

Terminal 3 in Frankfurt ruht auf einem raffinierten Bodenaufbau aus Liapor-Thermobeton – Technik, Dämmung und Tragfähigkeit inklusive.

Liapor Thermoboden

Der Liapor-Thermobeton auf den Rohbetondecken der Flugsteige ist leicht, stabil und bettet die Haustechnik sicher und verlässlich ein.

Foto: Wirth Naturstein GmbH

Wenn Sie ab 2026 durch den neuen Terminal 3 am Frankfurter Flughafen gehen, betreten Sie weit mehr als nur einen schicken Bodenbelag. Was sich darunter verbirgt, ist ein technisch durchdachtes System aus mehreren Schichten – mit dem Ziel, Technik sicher zu integrieren, Lasten abzuleiten und dennoch Gewicht zu sparen. Herzstück des Aufbaus: rund 2400 Kubikmeter Liapor-Thermobeton, eingebracht zwischen Ende 2023 und Mitte 2024.

Anforderungen an den Untergrund

Die Basis für den neuen Boden bildeten die Rohbetondecken der Flugsteige J und H. Insgesamt rund 40.000 Quadratmeter Fläche mussten nivelliert werden. Es galt, Höhenunterschiede auszugleichen, einen stabilen Untergrund für den weiteren Bodenaufbau zu schaffen und gleichzeitig bereits eingebaute Versorgungsleitungen zu schützen.

Daniel Wirth von der Wirth Naturstein GmbH erklärt: „Hier ging es darum, mit einem geeigneten Baustoff einen einheitlichen Höhenausgleich auf den Rohbetondecken […] zu schaffen.“ Der Baustoff musste leicht, tragfähig und brandsicher sein. Zudem sollte er die Haustechnik sicher einbetten. Die Wahl fiel auf Liapor-Thermobeton.

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Was ist Liapor-Thermobeton?

Liapor-Thermobeton besteht aus Blähtonkugeln (Liapor), Zement, Sand, Wasser und Splitt. Blähton ist ein poröses Material mit guten Dämmeigenschaften. Das Ergebnis: Ein leichter, mineralischer Baustoff mit geringem Eigengewicht, guter Druckfestigkeit und hoher Formstabilität. Gleichzeitig erfüllt er die Anforderungen der höchsten Brandschutzklasse A1 und enthält keine gesundheitsgefährdenden Zusatzstoffe.

Der Beton dämmt nicht nur gegen Wärme und Schall, sondern ist auch unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit. Eigenschaften, die im Umfeld eines internationalen Flughafens von zentraler Bedeutung sind.

Liapor-Thermobeton – Eigenschaften im Überblick:

  • Leichtbeton mit Blähton-Zuschlägen
  • Gute Wärme- und Schalldämmung
  • Geringes Eigengewicht
  • Formstabil und druckfest
  • Nicht brennbar (Baustoffklasse A1)
  • Geeignet zur Einbettung technischer Leitungen

 

Einbau per Pumpe und Handarbeit

Die Mischung wurde direkt auf der Baustelle hergestellt. Dann wurde der Beton per Schlauchleitung über Distanzen von bis zu 80 Metern zu den Verarbeitungsstellen transportiert. Vor Ort verteilten Fachkräfte den Baustoff manuell und zogen ihn glatt.

Die Schichtdicke lag zwischen sechs und acht Zentimetern. Nach rund sieben Tagen war der Beton vollständig ausgehärtet. So entstand eine plane Fläche für den nachfolgenden Aufbau.

Der mehrlagige Bodenaufbau

Über dem Thermobeton folgten zwei Lagen Polyethylenfolie – sie dienen als Gleit- und Trennschicht. Darüber kam ein zehn Zentimeter starker Schnellzementestrich. Er ist darauf ausgelegt, dynamische Belastungen aufzunehmen, wie sie durch Rollkoffer, Reinigungsfahrzeuge oder Personenströme entstehen. Seine hohe Biegefestigkeit spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Den oberen Abschluss bilden drei Zentimeter starke Platten aus Dietfurther Jura-Kalk. Ihre helle Farbe passt zu den mit Naturstein verkleideten Wänden. So entsteht nicht nur ein belastbarer, sondern auch optisch ansprechender Bodenbelag für den Terminal.

Terminal 3 – ein Bauprojekt der Superlative

Terminal 3 umfasst insgesamt rund 176.000 Quadratmeter und wurde von der Mäckler Architekten GmbH geplant. Die Bauherrin, Fraport AG, investierte rund vier Milliarden Euro in das Projekt. Es ist damit das derzeit größte privat finanzierte Infrastrukturprojekt in Europa.

Mit dem Terminal erweitert der Flughafen Frankfurt seine Kapazität zunächst um 19 Millionen Passagiere pro Jahr. Im Vollausbau könnten es sogar 25 Millionen werden. Für die Stadt Frankfurt und den Flughafenstandort Deutschland bedeutet das eine Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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