Forschen mit Abwasser 19.01.2026, 12:30 Uhr

Biobeton aus Urin: Baustoff mit Potenzial

Biobeton aus menschlichem Urin soll CO₂ sparen. Forschende testen den Baustoff jetzt unter realen Bedingungen.

Biobeton, hergestellt mithilfe von menschlichem Urin: den neuartigen Baustoff haben Forschende aus drei Instituten der Universität Stuttgart entwickelt. Foto: ILEK / IMB / ISWA/Universität Stuttgart

Biobeton, hergestellt mithilfe von menschlichem Urin: den neuartigen Baustoff haben Forschende aus drei Instituten der Universität Stuttgart entwickelt.

Foto: ILEK / IMB / ISWA/Universität Stuttgart

Beton ist allgegenwärtig. Straßen, Brücken, Gebäude – kaum ein Baustoff prägt unsere Umwelt stärker. Gleichzeitig ist Beton ein Klimaproblem. Rund 4 Mrd. t Zement verarbeitet die Bauindustrie jedes Jahr. Gebrannt wird bei etwa 1450 °C. Das kostet Energie und setzt große Mengen Treibhausgase frei. An der Universität Stuttgart arbeiten Forschende deshalb an einer ungewöhnlichen Alternative: Biobeton aus menschlichem Urin.

Was zunächst nach Provokation klingt, folgt einer nüchternen Logik. Urin fällt täglich in großen Mengen an. Er enthält chemische Bestandteile, die sich technisch nutzen lassen. Genau das macht ihn für die Baustoffforschung interessant.

Ein anderer Weg zum Stein

Im Zentrum steht ein biotechnologisches Verfahren namens Biomineralisierung. Dabei übernehmen Bakterien die Arbeit, für die sonst Hochöfen nötig sind. Sie lösen chemische Reaktionen aus, bei denen mineralische Strukturen wachsen. Das Ergebnis ist ein fester, steinähnlicher Baustoff – ganz ohne Zement.

Stellenangebote im Bereich Immobilien, Bau, Finanzierung

Immobilien, Bau, Finanzierung Jobs
ECB Gesellschaft zur Optimierung der Nutzung regenerativer Energien mbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur:in (Tiefbau/Fernwärme) (m/w/d) ECB Gesellschaft zur Optimierung der Nutzung regenerativer Energien mbH & Co. KG
Bad Endorf Zum Job 
TenneT-Firmenlogo
Servicetechniker Instandhaltung Umspannwerke (m/w/d) TenneT
Bayreuth Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung Konstruktiver Ingenieurbau (m/w/d) Hennigsdorf Die Autobahn GmbH des Bundes
Hennigsdorf Zum Job 
DELTA Gruppe-Firmenlogo
Fachplaner / Projektleiter Versorgungstechnik (m/w/d) DELTA Gruppe
Regensburg, Geisenhausen, Landshut Zum Job 
BG ETEM-Firmenlogo
Ingenieur/-in (m/w/d) für den Außendienst als Aufsichtsperson BG ETEM
Region Minden Zum Job 
BG ETEM-Firmenlogo
Ingenieur/-in (m/w/d) für den Außendienst als Aufsichtsperson I BG ETEM
Region Norden/Westen Berlin Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur / Wirtschaftsingenieur (m/w/d) Straßenbau, Schwerpunkt Bauabrechnung Die Autobahn GmbH des Bundes
IGS Ingenieure GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektmitarbeiter:in (m/w/d) im Bau- und Vertragsmanagement IGS Ingenieure GmbH & Co. KG
Duisburg, Hamburg, München, Stuttgart, Weimar⁠⁠⁠⁠⁠⁠ Zum Job 
IGS Ingenieure GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauüberwachung / Bauoberleitung (m/w/d) im Konstruktiven Ingenieurbau und Straßenbau IGS Ingenieure GmbH & Co. KG
Hochheim/Main, München, Stuttgart⁠⁠⁠⁠⁠⁠. Zum Job 
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung'-Firmenlogo
Ingenieurin/Ingenieur (w/m/d) in der Fachrichtung Elektrotechnik Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung'
Stadt Erkelenz-Firmenlogo
Leitung Abwasserbetrieb / Amtsleitung Tiefbau (w/m/d) Stadt Erkelenz
Erkelenz Zum Job 
GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Sportstätten GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH
PTV Transport Consult GmbH-Firmenlogo
Projektleiter*in Verkehrsplanung & Verkehrstechnik (m/w/d) PTV Transport Consult GmbH
Düsseldorf Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieur Straßenausstattung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Pädagogische Hochschule Heidelberg-Firmenlogo
Mitarbeiter*in (m/w/d) Strategische Entwicklung und Begleitung des 'Campus der Zukunft' Pädagogische Hochschule Heidelberg
Heidelberg Zum Job 
Intego GmbH-Firmenlogo
Servicetechniker / Field Service Engineer (m/w/d) - Einsatz in Kalifornien (USA) Intego GmbH
Erlangen Zum Job 
Staatliches Hochbauamt Heidelberg-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Tiefbau / Ver- und Entsorgung / Baubetrieb Staatliches Hochbauamt Heidelberg
Heidelberg Zum Job 
Staatliches Hochbauamt Heidelberg-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Bergbautechnik / Tiefbau Staatliches Hochbauamt Heidelberg
Heidelberg Zum Job 
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Bauprojektleiter (m/w/d) Allbau Managementgesellschaft mbH
Stadt Weinheim-Firmenlogo
Ingenieur*in (w/m/d) im Bereich Landschaftsarchitektur, Landschafts- oder Freiraumplanung für die Gestaltung städtischer Außen- und Freianlagen Stadt Weinheim
Weinheim Zum Job 

„Das verschlingt viel Energie und setzt große Mengen Treibhausgase frei“, sagt Lucio Blandini, Leiter des Instituts für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK), mit Blick auf die klassische Zementherstellung. Sein Team sucht gezielt nach Verfahren, die mit weniger Energie auskommen und sich dennoch technisch kontrollieren lassen.

Sand, Bakterien und viel Geduld

Der Herstellungsprozess beginnt unspektakulär. Sand bildet die Basis. Hinzu kommt ein Pulver mit Bakterien. Diese Mischung füllen die Forschenden in eine Schalung. Danach folgt der entscheidende Schritt: Über drei Tage wird das Material automatisiert mit Urin gespült, der zuvor mit Calcium angereichert wurde.

„Biobeton wird durch Biomineralisierung hergestellt. Das ist ein biotechnologisches Verfahren, bei dem lebende Organismen mithilfe chemischer Reaktionen anorganisches Material produzieren“, erklärt Maiia Smirnova, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ILEK. Die Bakterien bauen den im Urin enthaltenen Harnstoff ab. Dabei entsteht Carbonat. Zusammen mit Calcium wachsen Calciumcarbonat-Kristalle. Diese verbinden die Sandkörner zu einem festen Körper.

Chemisch ähnelt das Ergebnis natürlichem Kalksandstein. Die Form geben die Schalungen vor. Aktuell sind Bauteile mit einer Tiefe von bis zu 15 cm möglich.

Was der Biobeton aushält

Für den Einsatz im Bau zählt vor allem die Druckfestigkeit. Hier zeigen die bisherigen Tests ein differenziertes Bild. Mit technischem Harnstoff erreichten die Forschenden Werte von über 50 MPa. Mit synthetisch stabilisiertem Urin lagen die Ergebnisse bei rund 20 MPa. Echter menschlicher Urin brachte bislang etwa 5 MPa.

Der Grund ist bekannt. In realem Urin bleiben die Bakterien nicht über die gesamte Prozessdauer aktiv. Genau daran arbeitet das Team nun weiter. Denn für Mauerwerk in zwei- bis dreigeschossigen Gebäuden wären etwa 30 bis 40 MPa ausreichend.

Parallel laufen Untersuchungen zur Dauerhaftigkeit. Frost- und Tauwechseltests sollen zeigen, ob sich der Biobeton auch für den Außenbereich eignet.

Urin ist da – aber nicht getrennt

Ein weiterer Knackpunkt ist die Logistik. Für 1 m³ Biobeton werden rund 26.000 l Urin benötigt. Das funktioniert nur, wenn der Stoff gezielt gesammelt wird. Die Forschenden denken deshalb in Abwasserteilstromen. Orte mit vielen Menschen bieten sich an: Flughäfen, Messegelände, Großveranstaltungen.

Ein konkreter Praxistest ist bereits geplant. Am Flughafen Stuttgart soll Urin getrennt erfasst, aufbereitet und direkt für die Biobetonproduktion genutzt werden. Ziel ist es, das Verfahren außerhalb des Labors zu erproben.

Sammeln für die Forschung

Einen Vorgeschmack darauf gibt es schon Anfang 2026. Während der Tourismusmesse CMT in Stuttgart sammeln die Beteiligten Urin von Camper*innen mit Trenntoiletten. Unterstützt wird die Aktion von Arwinger und Kompotoi.

„Als Hersteller von Trenntoiletten liegt uns die sinnvolle Nutzung von Ressourcen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft besonders am Herzen“, sagt Sven Mahn, Geschäftsführer von Arwinger. Jojo Casanova von Kompotoi beschreibt den Perspektivwechsel so: „Dass daraus sogar Biobeton entstehen kann, war auch für uns ein Aha-Moment.“

Kein Ersatz, sondern eine Ergänzung

Die Forschenden dämpfen überzogene Erwartungen. Der Biobeton soll klassischen Beton nicht verdrängen. „Wir verstehen den Baustoff vielmehr als intelligente Ergänzung für ausgewählte Anwendungen“, sagt Blandini. Denkbar sind etwa Bausteine, nichttragende Wände oder spezielle Bauelemente.

Das Projekt „SimBioZe“ bündelt Kompetenzen aus Leichtbau, Mikrobiologie und Abwassertechnik. Gefördert wird es vom Land Baden-Württemberg. Neben dem Baustoff selbst geht es auch um Kreisläufe. Urin soll nicht nur entsorgt, sondern als Ressource genutzt werden – möglicherweise auch für weitere Produkte wie Düngemittel.

Ein Beitrag von:

  • Bettina Reckter

    Bettina Reckter ist Diplom-Ökotrophologin und langjährige Wissenschaftsjournalistin. Sie schreibt über Biotechnologie, Chemie, Medizintechnik und Umwelt.

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.