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45 Kilometer Pipeline: Rheinwasser soll Tagebaue im Revier fluten

17. März 2026

Spatenstich Baubeginn Rheinwassertransportleitung
Spatenstich zum Baubeginn der Rheinwassertransportleitung am Rande des Tagebaus Hambach am 17. März 2026. Foto: Tim Stockhausen
Am 17. März 2026 begann mit dem Spatenstich der Bau der Rheinwassertransportleitung. Sie bringt Rheinwasser zu den Tagebauen Hambach und Garzweiler.
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Der 17. März 2026 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des Rheinischen Reviers. Mit dem symbolischen ersten Spatenstich für die Rheinwassertransportleitung (RWTL) wurde am Braunkohlentagebau Hambach „Tag eins“ einer neuen Ära eingeläutet. Er steht dafür, dass der Bergbau endet und eine Seenlandschaft entsteht.

Das Wasser dafür kommt aus dem Rhein, 45 km von hier entfernt ist. Direkt am Aussichtsturm am Ende des Speedways: ein Festzelt, ein Trumm von Rohr, geschätzt 20 Spaten, alles auf einer Sandfläche, die sorgfältig planiert ist.

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Aufbruchstimmung: Andreas Heller, Bürgermeister des benachbarten Elsdorf, sieht Geschichte heraufziehen: „Das, was jetzt kommt, bleibt ja für immer“, gab der Elsdorfer Stadtobere zu bedenken. Im Gegensatz zum Tagebau. „Die Rheinwassertransportleitung ist ein Schlüsselprojekt für unsere Heimat.“ Statt Bergbau irgendwann: Baggerseetourismus.

Inhaltsverzeichnis

Die Rheinwassertransportleitung – was wird hier eigentlich gebaut?

Aus den heutigen Tagebauen Hambach und Garzweiler sollen eines Tages riesige Seen werden. Dazu müssen diese riesigen Gruben mit Wasser gefüllt werden. Das Wasser dazu kommt aus dem Rhein. „Wir bringen den Rhein ins Rheinischen Revier zur Befüllung der Tagebauseen und dafür verlegen wir über eine Trasse über 45 km Stahlrohrleitungen“, so Projektleiter Karsten Waschke gegenüber ingenieur.de. Rund 10.000 Rohre werden verlegt, damit ab 2030 der Tagebau Hambach befüllt werden kann. Garzweiler soll 2036 folgen.

„Die Fülldauer bis zum Erreichen des Zielwasserstandes sind knapp 40 Jahre, da sind wir so bei 2070“, erklärt Waschke. Dann werde sich einer der größten Seen in Deutschland entwickelt haben, laut Waschke vom Volumen her der zweitgrößte nach dem Bodensee mit ca. 35 km2 Fläche und einer Tiefe von bis zu 350 m. Die technischen Spezifikationen verdeutlichen den gigantischen Maßstab:

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  • Gesamtlänge der Trasse: rund 45 km von Dormagen bis Elsdorf.
  • Gesamtlänge der verlegten Rohre: ca. 110 km. Es laufen abschnittsweise bis zu drei Leitungen parallel, nämlich vom Verteilbauwerk bei Grevenbroich bis zum Entnahmebauwerk bei Dormagen. Vom Hambacher Tagebau aus bis zum Verteilbauwerk ist es eine Doppelleitung, die die ersten 7 km entlang des sogenannten Speedways führt, eine Versorgungsstraße, die ursprünglich einmal für den Abraumabtransport geschaffen wurde.
  • Rohrdimensionen: Stahlrohre mit einem Durchmesser von 2,20 m für die Hambach-Leitung; die Garzweiler-Leitung wird mit 1,40 m Durchmesser etwas kleiner dimensioniert.
  • Einzelgewicht und Länge: Ein Standardrohr wiegt 15 t bei einer Länge von 12 m.
  • Korrosionsschutz: Jedes der rund 10.000 Rohre ist innen und außen spezialbeschichtet, um die technisch garantierte Lebensdauer von 70 Jahren zu sichern.
  • Hersteller der Leitung für den Spatenstich ist der türkische Hersteller Tosçelik.

Die Rheinwassertransportleitung – eine „Meisterleistung der deutschen Ingenieurkunst“

Lars Kulik, CTO von RWE Power, betonte die Verpflichtung, die Rekultivierung nach Jahrzehnten der Belastung nun „hochwertig zu Ende zu führen“. Der Bergbauingenieur, der in Hambach bei RWE als Trainee begann, spricht mit Blick auf die RWTL von einer „Meisterleistung der deutschen Ingenieurkunst“. Was aber ist so meisterhaft daran, 45 km Wasserrohre zu verlegen?

„Die Herausfordung ist auf jeden Fall die Größe der Leitungen“, erklärt Waschke die ingenieurtechnischen Anforderungen. Mit einem Gewicht von 15 t sei das schon „etwas Besonderes, diese Leitungen bekommen Sie in der EU nicht so ohne Weiteres“. Die einzelne Leitung zum Spatenstich kommt vom türkischen Hersteller Tosçelik. Hier gelte es weltweit einzukaufen, um diese Rohre zu bekommen.

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Das Handling der Rohre ist entsprechend anspruchsvoll. „Im weiteren Projekt kann man sagen: Okay, ist ja nur eine Wasserleitung, aber die Dimension spielt eine Rolle und die Trassenlänge von 45 km durch zwei Landkreise und sechs Kommunen.“ Das erfordere viel Kommunikation, so der Projektleiter, das sei auch für Ingenieure noch einmal eine Herausforderung.

Die eigentliche Rohrverlegung müsste „wie am Schnürchen abgewickelt werden“, so Waschke. Zum einen, um pünktlich fertig zu werden, zum anderen, um die Qualität der Rohrverlegung selbst zu gewährleisten. Die jetzt schon beschichteten Rohre müssen an den Schweißstellen nachbeschichtet werden. Das sei besonders wichtig, damit wirklich bis 2100 die Rohre zur Tagebaubefüllung genutzt werden können, so Waschke.

Reicht das Wasser des Rheines überhaupt für dieses Megaprojekt?

Diese Frage wird im Rheinland seit Bekanntwerden diskutiert. VDI nachrichten berichtet 2023 bereits über die vielfältigen Ansätze, die dabei eine Rolle spielen. Auch das Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen habe sich damit beschäftigt, wie sich der Rheinpegel, beeinflusst durch den Klimawandel, entwickeln würde, weiß Projektleiter Karsten Waschke: „Die haben sogar festgestellt, dass überwiegend sogar mehr Wasser den Rhein hinunterfließt.“

Der Rhein, so Waschke, sei der größte Vorfluter, „den wir hier weit und breit haben. Der Mittelwasserabfluss liegt bei über 2000 m³/s“, so der Projektleiter. Bei Hochwasser würden 800 m3/s bis 9000 m³/s erreicht. Wir nehmen in der Spitze nur 18 m³/s ab. Wenn die Rheinwasserstände niedrig sind, nehmen wir wenig, wenn sie hoch sind, bis zu 18 m³/s.“ Im Endeffekt würde die Wasserentnahme für die Rheinwassertransportleitung den Rheinpegel nur wenige Zentimeter beeinflussen.



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