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Oxfords neues Herzstück: Das größte Passivhaus Großbritanniens

27. März 2026

Schwarzman Centre for the Humanities in Oxford
Schwarzman Centre for the Humanities in Oxford: Der Neubau kombiniert spätklassizistische Fassaden aus Kalkstein und Ziegel mit Passivhaus-Technologie. Foto: picture alliance / Photoshot | Hufton + Crow / Avalon
Technik-Fokus: Das Schwarzman Centre in Oxford vereint 26 Standorte in einem Passivhaus-Riesen. So funktioniert die hocheffiziente Gebäudehülle.
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Wer an Oxford denkt, hat meist alte Gemäuer und muffige Bibliotheken im Kopf. Doch die Realität sieht mittlerweile anders aus. Die University of Oxford bündelt mit dem Schwarzman Centre zum ersten Mal große Teile ihrer Geisteswissenschaften an einem zentralen Ort. Bisher waren die Fakultäten über mehr als 20 Standorte in der ganzen Stadt verstreut. Das sorgte für reichlich Reibungsverluste – sowohl beim Organisieren als auch beim Forschen.

Finanziert hat das Ganze der Investor Stephen A. Schwarzman mit einer Spende von rund 185 Millionen Pfund. Sein Anspruch war klar: Ein funktionales Zentrum schaffen und gleichzeitig zeigen, wie nachhaltiges Bauen im großen Stil funktioniert. Herausgekommen ist das größte Passivhaus in Großbritannien.

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Inhaltsverzeichnis

Zwischen Sternwarte und Moderne

Der Neubau ist Teil des Radcliffe Observatory Quarter. Das ehemalige Krankenhausareal wird seit den 2000er-Jahren Stück für Stück zum Wissenschaftscampus umgebaut. Die Lage ist knifflig: Direkt daneben steht die historische Sternwarte von 1773, auf der anderen Seite finden sich moderne Institutsbauten.

Hopkins Architects haben sich für einen interessanten Mittelweg entschieden: Ein spätklassizistisches Gewand, das aber mit industrieller Präzision gefertigt wurde. Das Ergebnis sieht von außen nach Oxford-Tradition aus, ist technisch gesehen aber ein Hochleistungsrechner aus Stein und Glas.

Die Key-Facts der Fassade:

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  • Materialmix: Clipsham-Kalkstein trifft auf handgeformte Ziegel aus Yorkshire.
  • Klassik-Zitate: Arkaden, Gesimse und Blindfenster kaschieren die massive Technik im Inneren.
  • Fertigung: 324 großformatige Paneele wurden im Werk produziert. Das sorgt für eine Luftdichtheit, die man mit Kelle und Mörtel auf der Baustelle niemals hinbekommen würde.

Unten wird es spannend

In Oxford gibt es eine ungeschriebene Regel: Häuser sollten nicht höher als vier oder fünf Stockwerke sein. Das Raumprogramm für das Schwarzman Centre war allerdings massiv. Neben den Fakultäten für Theologie oder Linguistik mussten Forschungsinstitute, eine riesige Bibliothek und vier Veranstaltungssäle untergebracht werden.

Die Architekten haben deshalb nach unten verdichtet. Ein großer Teil der Veranstaltungsflächen liegt unter der Erde. So bleibt die Silhouette des Gebäudes bescheiden, während die Nutzfläche maximiert wird.

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Und wie sieht es oben aus?

Im Zentrum steht die „Great Hall“ – ein Atrium, das über vier Etagen reicht. Es ist kein schlichter Flur, sondern ein Ort, an dem sich Forschende und Studierende tatsächlich treffen und arbeiten.

Die Kuppel ist ein technisches Meisterwerk aus gekreuzten Holzbalken und integrierten Lamellen zur Verschattung. Sie flutet das Gebäude bis in die unteren Ebenen mit natürlichem Licht.

Das Projekt in Zahlen

Diese Kennzahlen zeigen die Dimension des Vorhabens:

  • Gesamtfläche: Über 25.000 m² Geschossfläche (≈ 3,5 Fußballfelder)
  • Investition: Rund 185 Mio. Pfund (≈ 220 Mio. Euro)
  • Kapazität: Sieben Fakultäten, zwei Institute, sieben Bibliotheken
  • Bibliothek: Regalkapazität für über 6 Meilen (≈ 9,6 km) Literatur
  • Öffentlich zugänglich: Rund 16 % der Fläche – ungewöhnlich für Oxford

So funktioniert die hocheffiziente Gebäudehülle

Dass das riesige Gebäude einen U-Wert von gerade einmal 0,12 W/m²K (inklusive Fenster) erreicht, ist bemerkenswert. Die Ingenieurteams setzten auf sogenannte „Modern Methods of Construction“ (MMC). Die Fassade besteht aus 324 großformatigen Paneelen, die im Werk unter kontrollierten Bedingungen vorgefertigt wurden.

Der Schichtaufbau der Paneele von innen nach außen:

  • Tragschicht: 100 mm Stahlbeton für die thermische Masse.
  • Dichtebene: Eine präzise verklebte Dampfsperre sorgt für die enorme Luftdichtheit.
  • Kerndämmung: Eine lückenlose Schicht aus Hochleistungsdämmstoffen (ca. 200–250 mm).
  • Vorsatzschale: 50 mm Kalkstein oder Ziegel als Witterungsschutz.

Der entscheidende Vorteil der Vorfertigung: Die Dreifachverglasung wurde bereits im Werk thermisch getrennt in die Paneele integriert. Das minimiert Wärmebrücken an den Fensteranschlüssen – eine Fehlerquelle, die auf konventionellen Baustellen kaum zu kontrollieren ist. Das Ergebnis ist eine Luftdichtheit von 0,16 h-1, was weit unter dem Passivhaus-Limit von 0,60 h-1 liegt.

Akustik im Passivhaus-Korsett

Unter dem Atrium befinden sich vier Säle, darunter der weltweit erste Konzertsaal mit Passivhaus-Zertifikat. Hier standen sich Akustik und Bauphysik direkt gegenüber. Damit keine Vibrationen stören, wurden die Säle als „Box-in-Box“-Konstruktion ausgeführt und mechanisch vom Haupttragwerk entkoppelt.

Raumtyp Kapazität Technische Herausforderung
Konzertsaal 500 Plätze Stille Belüftung & Nachhallkontrolle
Theater 300 Plätze Optimale Sprachverständlichkeit
Black Box / Kino je ca. 100 Maximale akustische Isolierung

Die Belüftung ist hier das kritische Element. Klassische HVAC-Systeme sind oft zu laut. Im Schwarzman Centre sorgen speziell abgestimmte Luftströme und Schalldämpfer dafür, dass die Frischluftzufuhr die akustische „stille Leinwand“ der Säle nicht beeinträchtigt.

Das Gebäude als intelligentes System

Das Passivhaus-Konzept funktioniert nur durch ein radikales Energiemanagement. Das Gebäude ist komplett elektrifiziert und nutzt hocheffiziente Luft-Wärmepumpen in Kombination mit Photovoltaik.

  • Wärmerückgewinnung: Insgesamt 22 Lüftungsgeräte mit Rotationswärmetauschern holen über 80 % der thermischen Energie aus der Abluft zurück.
  • Sensorik: Über 1000 Räume werden in Echtzeit überwacht. CO2-Sensoren regeln die Lüftung dynamisch nach der tatsächlichen Belegung.
  • Verschattung: Bewegliche Lamellen in der Atriumkuppel blockieren die solare Wärmelast, bevor die Kühllast im Inneren steigt.

Öffentliches Kulturprogramm startet im April 2026

Nach dem offiziellen Spatenstich im Februar 2023 und einer archäologisch bedingten Pause – man fand Bestattungen aus dem 17. Jahrhundert – wurde die Gebäudehülle Ende 2024 fertiggestellt. Die akademische Übergabe fand Ende 2025 statt, während das öffentliche Kulturprogramm im April 2026 startet.



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