Anzeige

Morphing-Flügel im Test: Das Ende klassischer Landeklappen?

16. April 2026

Der unbemannte Versuchsflieger PROTEUS (links) mit seinen verformbaren Morphing-Flügeln steht neben dem Forschungsflugzeug ISTAR
Der unbemannte Versuchsflieger PROTEUS (links) mit seinen verformbaren Morphing-Flügeln steht neben dem Forschungsflugzeug ISTAR – beide Plattformen nutzt das DLR zur Erprobung neuer Flugtechnologien. Foto: DLR, (Creative Commons Lizenz BY-NC-ND 3.0)
Schluss mit Landeklappen: Das DLR testet Morphing-Flügel mit KI-Steuerung. Wie adaptive Strukturen die Aerodynamik und Sicherheit künftiger Jets erhöhen.
Anzeige
Anzeige


In der Luftfahrt zählt jedes Kilogramm und jeder Prozentpunkt an Effizienz. Ein Team des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) verfolgt deshalb einen Ansatz, der ein zentrales Problem der Aerodynamik löst: den zusätzlichen Widerstand durch starre Steuerflächen. Im Projekt „morphAIR“ haben Forschende eine Flügelstruktur entwickelt, die ihre Form während des Fluges kontinuierlich anpasst. Damit rücken Bauteile wie klassische Querruder und Landeklappen in den Hintergrund.

Inhaltsverzeichnis

Abschied von Spalten und Stufen

Bisherige Flugzeuge nutzen mechanische Klappen, um den Auftrieb zu steuern. Fahren diese aus, entstehen unweigerlich Lücken und Stufen im Profil der Tragfläche. Das erzeugt zusätzlichen Luftwiderstand und begünstigt lokale Strömungsabrisse. Das DLR setzt stattdessen auf das sogenannte HyTEM-Konzept (hyperelastic trailing edge morphing). Hierbei besteht die Hinterkante des Flügels aus einem hochflexiblen Material.

Anzeige
Anzeige

Zehn kleine Antriebe sind über die gesamte Spannweite verteilt. Sie verformen das Profil präzise und stufenlos. Martin Radestock, Projektleiter am DLR-Institut für Systemleichtbau, erklärt die Vorteile: „Das HyTEM-Konzept ersetzt klassische Klappen und Querruder durch ein intelligentes System mit mehreren kleinen und über die Flügelspannweite verteilten Antrieben. Diese können die Profile an zehn Stellen präzise anpassen, ohne dass Lücken zwischen den Bereichen entstehen.“ Durch die glatte, durchgängige Oberfläche sinkt der Profilwiderstand. Gleichzeitig lässt sich der Auftrieb gezielter einstellen.

Ein Flugzeug mit direktem Blick auf die Strömung

Damit das System weiß, wie es sich verformen muss, braucht es Daten. Das DLR-Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik hat das Versuchsflugzeug „PROTEUS“ so ausgelegt, dass es aus wenigen Sensordaten die vollständige Druckverteilung auf der Flügeloberfläche rekonstruiert.

Weicht die tatsächliche Strömung von den erwarteten Zuständen ab, erkennt das System dies unmittelbar. Lokale Störungen identifiziert die Technik so frühzeitig und gleicht sie gezielt aus. Das Flugzeug reagiert damit nicht erst auf ein instabiles Verhalten, sondern bereits auf dessen aerodynamische Ursachen.

Anzeige
Anzeige

KI-Regelung koordiniert verteilte Aktuatoren

Die Steuerung eines Flügels mit zehn variablen Zonen ist deutlich komplexer als bei klassischen Systemen. Hier setzt das DLR auf eine KI-gestützte Flugregelung. Ein lernfähiger Algorithmus koordiniert die zahlreichen Aktuatoren und passt ihre Bewegungen kontinuierlich an.

Ein entscheidender Punkt: Das System wird nicht erst im Flug adaptiv. Bereits im Training simulieren die Fachleute gezielt Ausfälle einzelner Antriebe und Störungen. So lernt die KI, auch unter veränderten Bedingungen stabil zu reagieren. Fällt im Betrieb ein Aktuator aus, erkennt die Software dies und verteilt die Aufgaben auf die verbleibenden Elemente.

Anzeige
Anzeige

Martin Radestock betont den aerodynamischen Nutzen: „Durch die kontinuierliche Form sinkt der Profilwiderstand. Zudem kann der Auftrieb, der induzierte Luftwiderstand und die Steuerung des Flugzeugs gezielt beeinflusst werden.“

Erfolgreiche Premiere in Cochstedt

Am Nationalen Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme in Cochstedt musste die Technik zeigen, was sie kann. Die Fachleute rüsteten das unbemannte Testflugzeug PROTEUS nacheinander mit zwei verschiedenen Flügelsätzen aus:

  • einem herkömmlichen Referenzflügel
  • dem Morphing-Flügel aus Faserverbundmaterial

Die ersten Tests verliefen erfolgreich. Ziel war zunächst der Nachweis der Flugfähigkeit und der Systemintegration. Auch wenn PROTEUS ein unbemanntes System ist, sind die Daten für die Auslegung künftiger Kleinflugzeuge relevant. Mit Fluggeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h und einer Flächenbelastung von rund 70 kg/m² bewegen sich die Parameter bereits in einem realistischen Anwendungsbereich.

Ausblick: Skalierung und nächste Tests

Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen. Für 2026 plant das DLR weitere Versuchsflüge. Dann soll PROTEUS mit einer Gesamtmasse von rund 70 kg abheben, um die Skalierbarkeit des Konzepts auf größere Systeme zu untersuchen. Die Ergebnisse fließen in das Folgeprojekt „UAdapt“ (Unmanned Aircraft Wing Adaption) ein. Ziel ist es, adaptive Tragflächen für künftige Luftfahrzeuge serienreif zu machen – mit geringerem Luftwiderstand, besserer Steuerbarkeit und erhöhter Ausfallsicherheit.



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST Ingenieure GmbH & Co. KG

04.10.2026
Bielefeld
Senior Projektingenieur (m/w/d) – EMSR-Technik – Projektmanagement
REUTERS INGENIEUR GmbH

04.10.2026
Hofheim
Technische*r Angestellte*r (Techniker*in oder Ingenieur*in) Werkstofftechnik, Physiktechnik, Maschinenbau
Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP)

04.10.2026
Garching
Ingenieurin (m/w/d) / Techniker (m/w/d) der Mess- und Regelungstechnik für Gebäudeautomation
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH)

04.10.2026
Eutin, Lübeck
Leitung Entwicklung (w/m/d) Mechatronische Systeme / Industrielle Sicherheits- und Automatisierungstechnik
Bernstein AG

04.10.2026
Porta Westfalica
Planungsingenieur (w/m/d) und Projektsteuerung – Verkehrsinfrastruktur und Gleisplanung
Ruhrbahn GmbH

04.10.2026
Essen
Gruppenleiter:in Automatisierungstechnik
TraveNetz GmbH

04.10.2026
Lübeck
Bauleiter (m/w/d) Rohrsanierung / Kanalsanierung
Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG

04.10.2026
München, Neumarkt in der Oberpfalz, Nürnberg, Regensburg
Vertriebsingenieur / Projektingenieur (m/w/d) im Außendienst – Südbayern
DEPRAG SCHULZ GMBH u. CO. KG

04.10.2026
verschiedene Einsatzorte
Bauingenieur / Verkehrsingenieur (w/m/d) Straßenplanung/Straßenbauprojekte
Die Autobahn GmbH des Bundes

04.10.2026
Nürnberg
Strategic Account Manager (m/f/x)
via Richard Hönig Wirtschaftsberatungen

04.10.2026
München
Automatisierungsingenieur / SPS-Ingenieur (m/w/d)
Gebrüder Lödige Maschinenbau GmbH

04.10.2026
Paderborn
Projektleitung Haustechnik / Technische Gebäudeausrüstung (TGA) – Neubau & Modernisierung (w/m/d)
STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH

04.10.2026
Berlin
Entwicklungsingenieur Leistungselektronik (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

04.10.2026
Wedel
Industrial Engineer / Fertigungsplaner – Arbeitsvorbereitung (m/w/d)
ELAC SONAR GmbH

05.10.2026
Kiel
Senior Solution Architect Integration Platform (m/w/d)
WIRTGEN GmbH

05.10.2026
Windhagen
Senior Solution Architect Enterprise Cloud Platform (m/w/d)
WIRTGEN GmbH

05.10.2026
Windhagen
Software-Ingenieur (m/w/d) Elektrotechnik – mobile Arbeitsmaschinen
WIRTGEN GmbH

05.10.2026
Windhagen
Werkleiter (w/m/d)
WITTENSTEIN SE

05.10.2026
Igersheim
TGA-Ingenieur (m/w/d) in Leverkusen
Dohm Pharmaceutical Engineering

05.10.2026
Leverkusen

Weitere Artikel



Firmenprofile

Anzeige
Anzeige