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Krise der Autoindustrie: Jetzt stellt sich die IG Metall quer

03. August 2026

Barbara Resch, IG Metal
Barbara Resch, Bezirksleiterin der IG Metall Baden-Württemberg, warnt vor einer Verlagerung des Krisendrucks auf die Beschäftigten der Autoindustrie. Foto: picture alliance/dpa | Marijan Murat
Die IG Metall kritisiert längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich und warnt vor einer weiteren Zuspitzung der Auto-Krise. Statt Sparzwang seien Zukunftsstrategien gefordert, betont Gewerkschaftschefin Barbara Resch.
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Die Debatte um Arbeitskosten, Sparprogramme und Produktionsverlagerungen verschärft den Konflikt zwischen Unternehmen und Beschäftigten in der deutschen Automobilindustrie. Die IG Metall warnt vor einer zunehmenden Zuspitzung der Lage – insbesondere im Südwesten.

Inhaltsverzeichnis

„Die Lage wird immer prekärer“

Sparprogramme, Produktionsverlagerungen und der steigende Druck auf die Produktivität setzen die Industrie in Baden-Württemberg weiter unter Druck. Besonders die Automobilbranche steht nach Einschätzung von Baden-Württembergs IG-Metall-Chefin Barbara Resch vor wachsenden Herausforderungen. „Die Lage wird immer prekärer“, sagte die Bezirksleiterin der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. „Die Beschäftigten lassen sich nicht erpressen“, sagte sie weiter.

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Zusätzlichen Zündstoff lieferte zuletzt Mercedes-Benz. Der Stuttgarter Autobauer verschärfte seinen Sparkurs und kündigte eine „Produktivitätsoffensive für Deutschland“ an. Damit entfachte das Unternehmen zugleich eine bundesweite Debatte über Arbeitskosten. In einem Schreiben an die Beschäftigten in Deutschland schlug der Vorstand unter anderem vor, für das gleiche Geld mehr zu arbeiten. Daraufhin kam es an mehreren Mercedes-Standorten bundesweit zu Protesten der Belegschaft.

IG Metall warnt vor struktureller Krise der Industrie

Nach Einschätzung von Baden-Württembergs IG-Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch steckt die Industrie nicht in einer vorübergehenden Konjunkturflaute, sondern in einer tiefgreifenden strukturellen Krise, die zusätzlich von geopolitischen Verwerfungen geprägt sei. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte sie, es sei derzeit kein Ende der schwierigen Lage in Sicht. Gleichzeitig nehme die Nervosität insbesondere im Management zu, ebenso wie der Druck auf die Gewerkschaft.

Resch widersprach zudem der Forderung, sinkendes Wachstum durch niedrigere Arbeitskosten auszugleichen. Die Annahme, dass sich die Krise durch längere Arbeitszeiten oder geringere Kosten lösen lasse, sei aus ihrer Sicht ein Trugschluss. Damit gewinne man allenfalls Zeit, behebe die eigentlichen Probleme jedoch nicht.

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Auch die aktuelle Debatte über mögliche Zugeständnisse der Beschäftigten weist Resch entschieden zurück. Arbeitgeber zeichneten derzeit das Bild, dass Arbeitnehmer nur auf etwas verzichten müssten, damit die Wirtschaft wieder in Schwung komme. „Gerade setzen die Arbeitgeber das Narrativ, die Arbeitnehmer müssten mal auf etwas verzichten, dann gehe es wieder bergauf“, sagte die Gewerkschafterin. Ihre Reaktion darauf sei eindeutig: „Ich lasse mich nicht für dumm verkaufen.“ Zwar herrsche bei der Analyse der Krise weitgehend Einigkeit. Entscheidend sei jedoch, die richtigen politischen und wirtschaftlichen Hebel in Bewegung zu setzen. Klar sei für Resch: „Mehr Arbeiten zum gleichen Gehalt ist nicht das richtige Anti-Krisen-Instrument.“

IG Metall fordert Zukunftsstrategie statt Verlagerungsdrohungen

Trotz der angespannten Lage zeigt sich die IG Metall nach den Worten von Bezirksleiterin Barbara Resch grundsätzlich kompromissbereit. Der Gewerkschaft sei bewusst, dass die Automobilindustrie vor erheblichen Herausforderungen stehe, etwa durch Überkapazitäten und den wachsenden Wettbewerb aus China. Drohungen mit Produktionsverlagerungen seien jedoch der falsche Weg. „Aber jetzt einfach dumpf zu sagen, wenn ihr nicht spurt, dann produzieren wir eben woanders, das funktioniert nicht“, sagte Resch.

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Stattdessen sieht sie die Unternehmensführungen in der Verantwortung, tragfähige Zukunftskonzepte für die deutschen Standorte zu entwickeln. Entscheidend sei, wie Deutschland bei Zukunftstechnologien wie autonomem Fahren und Fahrzeugsoftware wieder eine führende Rolle einnehmen könne. „Was ist mit dem autonomen Fahren? Was ist mit der Software im Auto? Welche Ideen haben wir, dass wir das modernste Auto der Welt bauen? Was muss passieren, damit das hier gemacht werden kann? Und welche weiteren Innovationen können wir hier lokalisieren?“, fragte die IG-Metall-Chefin.

Resch räumte zugleich ein, dass hohe Standortkosten die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen belasteten. Vor allem Energiepreise und Bürokratie seien ein ernstes Problem. Gleichzeitig kritisierte sie, dass aus ihrer Sicht zu wenig unternommen werde, um diese Herausforderungen anzugehen. „Ich habe allerdings den Eindruck, dass daran noch zu wenig gearbeitet wird.“ Die Politik müsse bessere Rahmenbedingungen schaffen, während die Arbeitgeber den Standort Deutschland nicht weiter schlechtreden sollten.

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Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen

Mit Blick auf die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie im Herbst appellierte Resch an beide Tarifparteien, ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssten Arbeitgeber und Gewerkschaften zeigen, dass sie tragfähige Kompromisse erzielen können. Dabei seien alle Beteiligten gefordert, da man sich in den vergangenen Jahren zu sehr auf den bisherigen Erfolgen ausgeruht habe, räumte sie ein.

Wie groß der Druck auf die Branche inzwischen ist, zeigen auch die Zahlen des Arbeitgeberverbands Südwestmetall. Ende des vergangenen Jahres arbeiteten demnach noch 938.700 Menschen in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg. Im Laufe des Jahres gingen nach Verbandsangaben 32.450 Arbeitsplätze in der Schlüsselbranche verloren. (mit dpa)



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