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KI und Jobersatz: Warum es keine klare Liste der Ersetzbarkeit gibt

04. August 2025

KI im Beruf
Studie zeigt: KI unterstützt Arbeitsaktivitäten, ersetzt Berufe aber nicht vollständig. Foto: PantherMedia / Yuri Arcurs
Ob ein Beruf durch KI ersetzt werden kann, lässt sich nicht pauschal sagen. Eine neue Analyse zeigt, warum einfache Listen zur Ersetzbarkeit in die Irre führen.
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Seitdem generative KI wie ChatGPT oder Copilot breit verfügbar ist, wächst die Sorge, dass Maschinen bald ganze Berufe überflüssig machen. Schlagzeilen warnen davor, dass „KI unsere Jobs frisst“ – besonders in Büros, im Journalismus oder in der Beratung. Doch was ist wirklich dran an diesen Ängsten? Welche Berufe sind tatsächlich betroffen, und in welchem Ausmaß?

Die Microsoft-Forschenden wollten herausfinden, wofür Menschen generative KI wie Bing Copilot bei der Arbeit tatsächlich nutzen. Dazu haben sie 200.000 anonymisierte Nutzergespräche mit der KI ausgewertet.

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Nicht Berufe, sondern Tätigkeiten

Ihr Ziel war nicht, die Produktivität zu messen, sondern zu verstehen, welche Arten von Tätigkeiten mit KI gemacht werden und wie erfolgreich das ist. Dafür haben sie jede Konversation danach analysiert:

  • Wobei wollte der Mensch Hilfe?
  • Was hat die KI tatsächlich gemacht?

Anschließend haben sie diese Tätigkeiten einer bekannten Berufsdatenbank (O*NET) zugeordnet – aber nicht nach Berufen, sondern nach allgemeinen Arbeitsaktivitäten (z. B. „Informationen schreiben“, „jemanden beraten“), die in vielen Berufen vorkommen können. Das hilft, genauer zu sehen, wo KI in verschiedenen Berufen relevant ist, ohne zu raten, welchen Beruf der Nutzer hat.

Wichtig war ihnen auch:

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  • Wie gut die KI die Aufgabe erfüllt hat
  • Wie viele Berufe von dieser Tätigkeit betroffen sind
  • KI-Anwendbarkeitswert ermittelt

Daraus haben sie einen KI-Anwendbarkeitswert berechnet, um zu zeigen, wie stark KI verschiedene Tätigkeiten (und damit Berufe) beeinflussen kann.

Besonders hoch bewertete Berufe haben in der Regel Aufgaben, die sich gut mit KI unterstützen lassen – etwa Informationsverarbeitung, Kommunikation oder Texterstellung.

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Diese Berufe sind stark betroffen

Hier ein Überblick über einige der Berufe mit besonders hoher KI-Anwendbarkeit:

  • Übersetzer:innen und Dolmetscher:innen: Spitzenreiter, da KI sehr effektiv bei Sprachübersetzung hilft.
  • Historiker:innen: Profitieren stark bei Recherche- und Schreibaufgaben.
  • Flugbegleiter:innen und Zugbegleiter:innen (Passenger Attendants): KI kann bei der Kommunikation mit Passagieren oder dem Informationsaustausch unterstützen.
  • Vertriebsmitarbeitende im Dienstleistungsbereich: KI hilft beim Formulieren von Angeboten, Präsentationen oder Kundenauskunft.
  • Autor:innen, Journalist:innen, Redakteur:innen und technische Redakteur:innen: Ihre Textarbeit lässt sich mit KI stark beschleunigen und erleichtern.
  • Kundendienstmitarbeitende und Telefonist:innen: Standardisierte Antworten und Gesprächsführung lassen sich mit KI effizient gestalten.
  • Reisebüroangestellte und Ticketverkäufer:innen: Profitieren durch Automatisierung von Informationsvermittlung und Buchungsprozessen.
  • Moderatoren, Radiomoderator:innen und PR-Spezialist:innen: KI unterstützt beim Erstellen von Texten, Scripten und Inhalten.
  • Mathematiker:innen, Datenwissenschaftler:innen und Statistikassistent:innen: KI hilft bei Analyse, Interpretation und Visualisierung von Daten.
  • Lehrkräfte in Wirtschaft, Bibliothekswissenschaft und Wirtschaftswissenschaften: Hier kann KI bei der Unterrichtsvorbereitung, Präsentation und Erklärung komplexer Inhalte assistieren.
  • Marktforscher:innen, Finanzberater:innen und Managementanalyst:innen: Diese Berufe profitieren durch KI-gestützte Analysen, Marktberichte und Entscheidungsgrundlagen.

Berufe mit geringer KI-Anwendbarkeit

Die Forschenden haben neben den Berufen mit hoher KI-Anwendbarkeit auch die Berufe mit dem niedrigsten AI Applicability Score ermittelt. Diese Berufe zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Tätigkeiten kaum durch generative KI unterstützt werden können – meist, weil sie stark körperlich, handwerklich oder manuell geprägt sind oder direkten menschlichen Kontakt erfordern, den KI nicht ersetzen kann.

Hier ein Überblick über die Berufe mit besonders geringer KI-Anwendbarkeit:

  • Gesundheitsberufe mit praktischen Aufgaben, z. B. Pflegehilfskräfte, Blutentnehmer:innen (Phlebotomists), chirurgische Assistenz, Zahnprothetiker:innen oder medizinische Gerätetechniker:innen: Diese Berufe erfordern manuelle Präzision und Patientenkontakt – beides ist für KI kaum umsetzbar.
  • Reinigungs- und Küchenpersonal, wie Zimmerreinigungskräfte, Abwäscher:innen oder Verpackungs- und Maschinenbediener:innen: Die Tätigkeiten sind körperlich und schwer digital zu unterstützen.
  • Handwerklich-technische Berufe, etwa Dachdeckerhelfer:innen, Betonbauer:innen, Reifenmonteur:innen oder Logistik-Fahrer:innen: Auch hier steht der körperliche Einsatz im Vordergrund, der nicht durch KI ersetzt werden kann.
  • Berufe in gefährlichen oder spezialisierten Umgebungen, wie Öl- und Gasarbeiter:innen, Feuerwehr-Vorgesetzte, Schiffstechniker:innen, Wasseraufbereitungsanlagenbediener:innen oder Dredge Operators (Baggerschiff-Fahrer): Solche Tätigkeiten benötigen physische Präsenz, Ortskenntnis und oft hohe Sicherheitsstandards.
  • Hilfskräfte im Bau und in der Produktion, wie Produktionshelfer:innen, Schleifer:innen, Brückenwärter:innen oder Schienentechniker:innen: Diese Aufgaben sind in ihrer Ausführung stark praktisch und schlecht für textbasierte KI-Anwendung geeignet.

Typisch für diese Berufe sind:

  • Sehr niedrige Werte bei „Coverage“, also fast keine Nutzung von KI in diesen Tätigkeiten.
  • Hohe „Completion“-Werte, wenn sie vorkommen, was aber kaum Gewicht hat, weil die Fälle so selten sind.
  • Eine geringe Reichweite über verschiedene Berufe hinweg („Scope“), da die Tätigkeiten sehr spezialisiert sind.

Physische, handwerkliche und betreuungsintensive Berufe sind bisher kaum von generativer KI betroffen. Die KI kann sie weder direkt übernehmen noch wesentlich unterstützen – im Gegensatz zu wissens- oder textbasierten Berufen.

KI verändert Berufe, ersetzt sie aber nicht einfach

Die Studie liefert keine Liste darüber, welche Berufe durch KI ersetzt werden, und das aus mehreren wichtigen Gründen.

Erstens zeigt die Analyse zwar, welche Arbeitsaktivitäten heute mit KI unterstützt werden können, doch das bedeutet nicht automatisch, dass diese Aufgaben vollständig automatisiert werden oder dass ganze Berufe wegfallen. Selbst wenn es eine hohe Überschneidung zwischen KI-Fähigkeiten und bestimmten Tätigkeiten gibt, übernimmt die KI diese Aufgaben nicht vollständig oder dauerhaft zuverlässig. Die Erfolgsquote ist unterschiedlich, und viele Tätigkeiten erfordern zusätzlich menschliches Urteilsvermögen, Erfahrung oder sozialen Kontext.

Zweitens analysiert die Studie nur einzelne Aufgaben innerhalb von Berufen, nicht jedoch die Gesamtheit oder das Zusammenspiel dieser Aufgaben im Alltag. In vielen Berufen entsteht der eigentliche Wert aus der Verknüpfung von Aufgaben, aus zwischenmenschlicher Kommunikation, Verantwortung oder situativem Handeln – Dinge, die sich schwer in einzelne, von KI lösbare Einheiten zerlegen lassen.

Ein weiterer Grund ist, dass sich Berufe nicht starr zusammensetzen, sondern wandelbar sind. Wenn bestimmte Aufgaben durch KI erleichtert oder automatisiert werden, können Menschen neue Aufgaben übernehmen oder sich stärker auf jene Aspekte konzentrieren, die menschliche Fähigkeiten erfordern. Das bedeutet: KI kann Berufe verändern und erweitern, ohne sie vollständig zu ersetzen.

Außerdem berücksichtigt die Studie nicht die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder betrieblichen Folgen neuer Technologien.



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