Equal Pay Day 2026: Wer verhandelt, wer verdient – und wer verliert
Viele Frauen in Deutschland zögern noch immer, über ihr Gehalt zu sprechen – oder eine Gehaltserhöhung zu verlangen. Gleichzeitig wirft der Equal Pay Day jedes Jahr ein Schlaglicht auf die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen.
Equal Pay Day 2026: Frauen arbeiten bis zum 27. Februar quasi umsonst – Zeit für mehr Gehaltstransparenz.
Foto: Smarterpix/AndreyPopov
Nur wenige Frauen in Deutschland sprechen über Geld – oder handeln. Das zeigt eine aktuelle Gehaltsumfrage: Lediglich 22 % der Frauen planen, in diesem Jahr beim Arbeitgeber nach einer Gehaltserhöhung zu fragen. Bei den Männern liegt der Anteil etwas höher bei 27 %.
Noch spannender: Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten (51 %) geht davon aus, dass das Unternehmen von sich aus die Gehälter anpasst. Doch auch hier ist die Zuversicht der Frauen geringer als die der Männer. Während 59 % der Männer glauben, dass ihr Gehalt proaktiv steigt, sind es bei den Frauen nur 42 %.
Die Zahlen spiegeln deutlich die anhaltende Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen wider – ein Thema, das am 27. Februar beim Equal Pay Day wieder in den Fokus rückt.
„Unsere Zahlen zeigen: Viele Frauen agieren beim Thema Gehalt zurückhaltender, obwohl sie objektiv gute Argumente auf ihrer Seite haben. Arbeitgeber sollten ungeachtet der aktuellen wirtschaftlichen Lage darauf reagieren und ihrerseits daran arbeiten, die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen abzubauen. Denn nur transparente und fair zahlende Arbeitgeber werden von qualifizierten Fachkräften als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen“, erklärt Thomas Hense, Geschäftsführer von jobtensor die Ergebnisse der Untersuchung.
Zwei Drittel finden Arbeitgeber attraktiver, die Gehälter offenlegen
Weniger als ein Drittel der Beschäftigten (32 %) ist überzeugt, dass Männer bei ihrem Unternehmen grundsätzlich mehr verdienen als Frauen. Die Hälfte geht dagegen von einer fairen Bezahlung aus. Interessant: Bei den Frauen sehen 38 % die Gehaltsverteilung als ungerecht, bei den Männern nur 23 %.
Die klare Botschaft der Mitarbeitenden: Transparenz ist wichtig. Fast zwei Drittel (65 %) finden Arbeitgeber attraktiver, die ihre Gehälter offenlegen. Besonders stark ist der Wunsch bei Frauen – hier sind es sogar 70 %, die sich offene Gehaltsinformationen wünschen. Damit geben die Mitarbeitenden ihren Unternehmen eine deutliche Handlungsanleitung: Wer offen über Gehälter spricht, gewinnt Vertrauen und Attraktivität.
Für die Umfrage hat das Marktforschungsunternehmen bilendi im Auftrag von jobtensor.com bundesweit 1.056 Beschäftigte befragt, wie sie in diesem Jahr mit ihrem Gehalt umgehen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 45 Jahren, die Hälfte waren Frauen, die andere Hälfte Männer. Die Befragung fand im Januar 2026 statt.
Equal Pay Day: Viele Beschäftigte kennen das Datum nicht
Wie bereits erwähnt: Am 27. Februar 2026 ist in Deutschland Equal Pay Day. Das Datum zeigt symbolisch, wie groß der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen ist: Bis zu diesem Tag arbeiten Frauen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen quasi „umsonst“.
Trotzdem ist der Begriff vielen Beschäftigten unbekannt – besonders Frauen. 63 % von ihnen haben noch nie davon gehört, bei den Männern sind es 46 %. Nur 15 % der Frauen können erklären, worum es an diesem Tag geht, bei den Männern sind es 25 %.
Die Zahlen stammen aus einer repräsentativen Umfrage der Arbeitgeber-Vergleichsplattform kununu, für die 1.033 Beschäftigte befragt wurden.
Wissen hängt stark vom Bildungsgrad ab
Der Equal Pay Day wird in Deutschland seit 2008 begangen. Dennoch kennen ihn aktuell 53 % aller Beschäftigten nicht. Auch der Begriff „Gender Pay Gap“ ist vielen unbekannt: 56 % der Befragten können ihn nicht einordnen, darunter 65 % der Frauen und 47 % der Männer.
Der Bildungsgrad spielt eine große Rolle: Unter Menschen mit Hochschulabschluss kennen 71 % den Equal Pay Day, bei Beschäftigten ohne Abitur sind es nur 31 %.
Wer verhandelt erfolgreich?
Auch beim Thema Gehalt zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen:
- Überdurchschnittliches Gehalt: 56 % der Männer finden, sie sollten „überdurchschnittlich viel Geld verdienen“, bei den Frauen sind es nur 46 %.
- Verhandelbarkeit: 48 % der Männer glauben, dass ihr Gehalt in ihrer Branche und Position gut verhandelbar ist, bei den Frauen sind es 36 %.
- Erfahrung: 56 % der Männer haben ihr Gehalt schon einmal verhandelt, bei den Frauen sind es 49 %.
- Erfolg: Unter denjenigen, die verhandelt haben, gaben 49 % der Männer an, bei der letzten Verhandlung die gewünschte Gehaltserhöhung erreicht zu haben, bei den Frauen nur 39 %.
Auch für diese Umfrage wurde das Marktforschungsinstitut bilendi beauftragt. Es befragte 1.033 Menschen im Alter von 18 bis 65 Jahren. 51 % der Teilnehmenden waren Frauen, 49 % Männer. Die Befragung fand im Februar 2026 statt.
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