Keine Gehaltsangabe, keine Bewerbung?
Wie wichtig sind Gehaltsangaben in Stellenanzeigen wirklich für Bewerbende? Eine aktuelle Studie zeigt, welche Erwartungen Kandidatinnen und Kandidaten an Gehaltstransparenz im Recruiting haben – und warum fehlende Angaben Unternehmen Bewerbungen kosten können.
Gehalt transparent machen: Bewerbende wollen Klarheit statt Ratespiel schon vor dem Vorstellungsgespräch.
Foto: Smarterpix/ymgerman
Viele Bewerbende wünschen sich mehr Offenheit beim Thema Gehalt – und zwar schon in der Stellenanzeige. Laut einer Studie der Königsteiner gruppe fehlt es dort häufig an klaren Angaben zur Bezahlung. Für die Untersuchung befragte das Marktforschungsunternehmen bilendi im Auftrag des HR-Dienstleisters 1.028 Kandidatinnen und Kandidaten.
Mehr als zwei Drittel der Befragten (68 %) möchten, dass Unternehmen bereits in der Ausschreibung konkrete Gehaltszahlen nennen. Noch deutlicher ist die Erwartung beim Gehaltsrahmen: 82 % wünschen sich zumindest eine ungefähre Spanne.
Mit Blick auf den Equal Pay Day, der in diesem Jahr am 27. Februar auf die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern aufmerksam machte, zeigt die Studie außerdem: Der Wunsch nach Gehaltstransparenz ist kein reines Frauenthema. Frauen und Männer liegen hier fast gleichauf. Während 69 % der Frauen und 67 % der Männer konkrete Gehaltsangaben bevorzugen, erwarten jeweils 82 % zumindest einen Gehaltsrahmen.
„Gehaltstransparenz ist kein reines Frauenthema, auch wenn sie rund um den Equal Pay Day vor allem aus Perspektive der Frauen diskutiert wird. Es ist ein Anliegen beider Geschlechter und ein klar formulierter Anspruch an das Recruiting ausschreibender Arbeitgeber. In Nachbarländern gehören Gehaltszahlen in Stellenanzeigen seit langem zur gängigen Praxis. Letztlich ist es nur eine Frage der Zeit bis das auch in Deutschland der Fall sein wird“, kommentiert Nils Wagener, Geschäftsführer der Königsteiner Gruppe zu den Ergebnissen der Studie.
Besonders groß ist das Bedürfnis nach klaren Zahlen bei jüngeren Bewerbenden. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen wünschen sich 72 % exakte Gehaltsangaben in Stellenanzeigen.
Unklare Gehaltsangaben schrecken Bewerbende ab
Vage Formulierungen zum Gehalt können Unternehmen Bewerbungen kosten. Das zeigt ebenfalls die Studie der königsteiner gruppe, für die das Marktforschungsunternehmen bilendi mehr als 1.000 Kandidatinnen und Kandidaten befragt hat.
Wenn in Stellenanzeigen nur allgemeine Aussagen wie „Wir bieten ein attraktives Gehalt“ oder „Sie erhalten eine faire Bezahlung“ stehen, wirkt das auf viele Interessierte eher abschreckend. Für 16 % der Befragten ist eine solche Formulierung sogar ein klarer Grund, sich gar nicht erst zu bewerben. Weitere 29 % geben an, dass sie ihre Bewerbung in diesem Fall zumindest noch einmal überdenken würden.
Auffällig sind dabei die Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Insgesamt reagieren 51 % der männlichen Bewerber kritisch auf unklare Gehaltsangaben – sie verzichten entweder direkt auf eine Bewerbung oder ziehen das zumindest in Betracht. Bei Frauen liegt dieser Anteil mit 40 % deutlich niedriger.
Besonders sensibel reagieren jüngere Bewerbende: In der Altersgruppe der Jüngeren geben 59 % an, dass ungenaue Aussagen zum Gehalt ihre Entscheidung gegen eine Bewerbung beeinflussen können.
Gehalt wird im Vorstellungsgespräch ohnehin thematisiert
Ein weiteres Argument vieler Bewerbender für mehr Gehaltstransparenz liegt auf der Hand: Das Thema kommt im Bewerbungsprozess ohnehin zur Sprache. Mehr als drei Viertel der Befragten (76 %) geben an, dass sie das konkrete Gehalt spätestens im Vorstellungsgespräch aktiv ansprechen würden. Klare Angaben bereits in der Stellenanzeige könnten daher für beide Seiten Zeit sparen und Erwartungen früh klären.
Über die Studie
Für die Studie befragte das Kölner Marktforschungsunternehmen bilendi im Auftrag der königsteiner gruppe im September 2025 deutschlandweit 1.028 berufstätige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Alle Teilnehmenden hatten in den zwölf Monaten zuvor mindestens ein Bewerbungsverfahren durchlaufen.
Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei 43,5 Jahren. 48 % waren Männer, 52 % Frauen.
Debatte auf LinkedIn: Transparenz oder falsche Anreize?
Ein Blick in die Kommentarspalten auf LinkedIn zeigt allerdings ein ambivalentes Stimmungsbild. Während viele Nutzerinnen und Nutzer es als klaren Vorteil sehen, die Gehaltsspanne schon vor einer Bewerbung zu kennen – schließlich ist es frustrierend, nach mehreren aufwendigen Vorstellungsgesprächen erst am Ende festzustellen, dass es finanziell nicht passt –, warnen andere vor möglichen Nebenwirkungen.
Sie argumentieren, dass konkrete Gehaltssummen in Stellenanzeigen Kandidatinnen und Kandidaten schnell dazu verleiten könnten, allein wegen eines höheren Gehalts den Arbeitgeber zu wechseln. Entscheidend sollten aus ihrer Sicht eher Aufgabe, Motivation und Entwicklungsperspektiven sein. Denn rein monetäre Motivation, so das Argument, hält selten langfristig.
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