Hochschule

Unis und Fachhochschulen reagieren auf den Ansturm

Der Ansturm der Studierenden an den Unis und Fachhochschulen durch den doppelten Abiturjahrgang und den Wegfall der Wehrpflicht führt zu Engpässen – räumlich und im Lehrbetrieb gleichermaßen. Auch Ingenieurstudiengänge sind überlaufen, vor allem der Maschinenbau. Es gibt kaum noch Studiengänge ohne Numerus clausus.

Die Technische Universität (TU) Braunschweig sorgte Ende Oktober für Aufsehen. Medienwirksam begrüßte TU-Präsident Jürgen Hesselbach zum Semesterauftakt die gut 3300 Erstsemester im Fußballstadion der Eintracht Braunschweig. Abgesehen vom Reiz des ungewöhnlichen Ortes für die Erstsemesterbegrüßung war es die schiere Platznot, die Präsident und Studierende ins Stadion trieb.

Denn die Zahl der Studienanfänger, die meisten zukünftige Ingenieure, ist in Braunschweig, verglichen mit dem Vorjahr, um 25 % gestiegen. Die doppelten Abiturjahrgänge und der Wegfall des Wehrdienstes machen sich bemerkbar. Das Audimax war schon in den letzten Jahren viel zu klein geworden. Für die vielen, die keinen Platz darin fanden, gab es Live-Übertragungen via Leinwand in andere Hörsäle.

Unis und Fachhochschulen müssen zusätzliche Räume anmieten

Auch hat die TU bereits für ihre Lehrveranstaltungen außerhalb des Campus zusätzliche Räume angemietet – unter anderem einen großen Kinosaal und die Stadthalle für Klausurprüfungen. „Wir haben zum Glück flexible Dozenten und Studenten, die sich darauf eingelassen haben“, sagt TU-Sprecherin Elisabeth Hoffmann. Das Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh geht davon aus, dass 2011 bis zu 500 000 junge Menschen ein Studium aufgenommen haben. Das wären knapp 60 000 mehr als 2010. Das betrifft auch die ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge. Dort ist vor allem der Maschinenbau überlaufen, auch Architektur und Umwelttechnik sind sehr nachgefragt. Viele Hochschulen haben deshalb kaum noch Studiengänge ohne Numerus clausus

Zwar fließen Mittel aus dem Hochschulpakt II – 5 Mrd. € stellt allein der Bund für die Jahre 2011 bis 2015 zusätzlich zur Bewältigung des Studierendenstroms zur Verfügung: für zusätzliches Lehrpersonal und neue Räume. Doch haben die Hochschulen bei den zuständigen Ministerien oft bereits so viele andere dringende Bau- und Sanierungsmaßnahmen angemeldet, dass meistens erst einmal dieser Stau abgebaut wird, ehe neue Räumlichkeiten für den großen Ansturm gebaut werden können.

Es sei denn, ein Landeshochschulbauprogramm hilft, wie in Hessen. Die Technische Universität Darmstadt, deren Studierendenzahl sich von 2007 bis 2011 um 7000 auf 24 000 erhöht hat, kann mithilfe des Programms „Heureka“ den Bau einer neuen Universitäts- und Landesbibliothek und eines neuen Hörsaal- und Medienzentrums realisieren.

Außerdem wird mit Mitteln des Hochschulpaktes eine gut hundert Jahre alte historische Maschinenhalle zum Hörsaal umgebaut.

Doch abgesehen davon, dass sich auf dem Campus der TU derzeit viele Kräne drehen, versucht die Hochschulleitung, die vorhandenen Hörsäle und Seminarräume optimal zu nutzen: „Man muss auch flexibel bei der zeitlichen Planung der Lehrveranstaltungen sein: Wir beginnen beispielsweise mit den ersten Lehrveranstaltungen schon um acht Uhr, lassen sie pünktlich – also c.t. statt s.t. – beginnen und verkürzen die Pausen zwischen den Veranstaltungen.

Dadurch gewinnen wir in diesem Raum Zeit für eine weitere Lehrveranstaltung“, sagt Christian Siemens, Sprecher der TU Darmstadt.

Optimale Raumausnutzung in Fachhochschulen und Unis notwendig

Die Fachhochschule Dortmund, die in diesem Wintersemester Rekordzahlen vor allem bei den Architekturstudenten verzeichnet, setzt ebenfalls auf eine optimale Raumausnutzung. „Das heißt, dass auch unbequeme Zeiten für Vorlesungen und Seminare genutzt werden sollen, etwa die Abendstunden und möglicherweise auch die Samstage“, erklärt Hochschulrektor Wilhelm Schwick. Denn die Hochschulpakt-Mittel vom Land Nordrhein-Westfalen will er lieber „in Beine statt Steine“, sprich zusätzliches Personal investieren.

Auch die TU Darmstadt hat ein Paket weiterer Maßnahmen geschnürt: Dazu gehören verschärfte Zulassungsbeschränkungen.

Dies berücksichtigt die TU auch bei ihrer Studienberatung: „Angesichts des großen Andrangs auf Fächer wie Maschinenbau oder Umweltingenieurwissenschaften versuchen wir, Studienbewerber dahingehend zu beraten, auch nach links und rechts zu schauen und andere Studiengänge in Betracht zu ziehen, die langfristig zu einem ähnlichen Berufsziel führen können,“ erläutert Siemens.

Zum anderen hat auch Darmstadt personell aufgestockt: So werden einige Stellen von Professoren, die in den kommenden zwei, drei Jahren in Ruhestand gehen, doppelt besetzt. Darüber hinaus wurden befristet zusätzliche wissenschaftliche Mitarbeiter eingestellt. Für die TU Berlin dagegen kommt Letzteres nicht infrage, wie Wolfgang Huhnt, Vizepräsident für Studium und Lehre, betont. „Lecturer-Stellen sind wie ein Abstellgleis für wissenschaftliche Mitarbeiter, die keine Professur bekommen haben. Eine Sackgasse, in der sie keine Chance haben, sich durch Forschungsleistungen zu profilieren. Doch genau das braucht eine Universität.“

Unis und Fachhochschulen müssen personell aufstocken

Ohnehin reichten die augenblicklichen Finanzen nur für sieben zusätzliche Mitarbeiterstellen an der gesamten TU. Die Hochschule stehe „mit dem Rücken zur Wand“.

Das sagt Huhnt, selbst Bauingenieur, auch den interessierten Abiturienten, für die die TU in eine Info-Veranstaltungsreihe konzipiert hat. 2013 entlässt auch Berlin doppelte Abiturjahrgänge – und die TU will die künftigen Studienbewerber darauf vorbereiten.

Das macht die Situation zwar nicht besser, gibt den jungen Leuten aber die Chance, schon jetzt über Alternativen zum möglicherweise überlaufenen Lieblingsfach nachzudenken.  

Von Mareike Knoke

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