Frauen im Ingenieurberuf

Schenck Process: „Egal, ob Rock oder Hose“

Schenck Process hat keine schnellen Autos oder schicken Smartphones zu bieten. Aber dem Maschinenbauunternehmen gelingt, was andere nicht schaffen: Die dualen Hochschulstudenten des Betriebs sind zu 40 % weiblich. Was reizt die jungen Frauen an den Prozessen hinter den Produkten?

Die Einstellung macht’s. Für Pia Heintz-Kästner, Direktorin des Personalmanagements bei Schenck Process, ist die Sache klar: Ihr Unternehmen ist bei den jungen Frauen so beliebt, weil Schenck Process ihnen eine Karriere in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) zutraut. „Die Frauen kommen alle aus dem MINT-Bereich und entscheiden sich sehr zielgerichtet für das technische Studium“, sagt Heintz-Kästner. „Von unseren Dualen Hochschul(DH)-Studentinnen hat noch keine die Ausbildung abgebrochen.“ Gäbe es mehr Frauen in den technischen Disziplinen, würde Schenck Process noch viel mehr einstellen – aber der Reihe nach.

Als Heintz-Kästner in den 1990er-Jahren die erste Ingenieurin einstellte, war das „eine Revolution“, wie sie sagt. Die Kollegen brachten völlig haltlose Argumente vor und demonstrierten in jeder Unterhaltung ihre eigene Unsicherheit. Die resolute Personaldirektorin schüttelt lachend ihre grauen Locken. „Nach einigen Wochen hatte sich die Frau als Vertriebsingenieurin bewiesen“, triumphiert sie, „und allen war völlig egal, ob sie Rock oder Hose trägt.“

Schenk Process: 40 % der dualen Hochschulstudenten sind Frauen

Seit die erste Ingenieurin zu Schenck Process kam, sind 18 Jahre vergangen. Eine Frauenquote wurde nie eingeführt. Trotzdem sind knapp 40 % der dualen Hochschulstudenten Frauen.

Eine davon: Mareike Kallenbach. Während ihres dualen Studiums war sie eine von acht Frauen unter 140 Mechatronikstudenten. Ende Oktober wurde die 23-Jährige von Schenck Process übernommen: Drei Jahre lang pendelte sie alle drei Monate zwischen der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim und Schenck Process in Darmstadt hin und her. Eine entbehrungsreiche Zeit, in der Kallenbach lernte, sich selbst zu disziplinieren.

Wer sich für ein duales Hochschulstudium entscheidet, muss in Regelstudienzeit abschließen. Der Ausbildungsplan lässt keine größeren Verzögerungen zu. Auch wer Klausuren nachschreiben muss, kann dies nur in einem vorgegebenen Zeitfenster tun. Das duale Hochschulstudium ist anstrengend.

„Doch gerade für Mädels ist es im technischen Bereich interessant, weil man frühzeitig Praxiserfahrung sammelt und erkennt, ob das gewählte Fach das richtige ist. Zudem lernt man, in der Männerdomäne zu bestehen“, wirbt Kallenbach. Sie selbst habe bei einer Ausbildungsmesse von diesem Studium erfahren und sich daraufhin Schenck Process als Praxisbetrieb ausgesucht.

Schenk Process: Personalverantwortliche wünscht sich mehr Mut von Frauen

Über solche Geschichten freut sich die Personalverantwortliche Heintz-Kästner. In ihrer beruflichen Tätigkeit hat sie oft beobachtet, dass Frauen sich permanent infrage stellen. Sie wünscht sich mehr Mut von jungen Frauen und fordert, dass die Eltern und Schulen mehr tun, um Technikaffinität auch bei Mädchen zu fördern. „Jemand muss ihnen zeigen, dass die MINT-Bereiche Berufsoptionen bieten.“ Dahingehend werde zwar viel getan, aber die Berufswahl laufe noch häufig nach Stereotypen ab.

„Wenn Frauen den Schritt in dieses Studium wagen, stellen sie sich aber nicht mehr infrage“, berichtet Heintz-Kästner. 20 % der Ingenieurinnen bei Schenck Process seien Teamleiterinnen.

Sie rät den Frauen, ihren Exotenstatus ins Positive zu verkehren. „An eine Ingenieurin im Vertrieb“, gibt sie zu bedenken, „kann sich ein Kunde zu 100 % erinnern.“ Dem pflichtet Kallenbach bei. Seit Ende Oktober ist sie als Applikationsingenieurin im technischen Vertrieb eingestellt. Zu ihren Aufgaben zählt die Erstellung individueller Angebote, d. h. Kallenbach überlegt sich für jeden Kunden passgenaue technische Lösungen.

„Der direkte Kundenkontakt, rauszufahren und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, hat mir von Beginn an Spaß gemacht“, sagt Kallenbach. Viele Kunden, die sie zum ersten Mal besucht, seien überrascht, einer Frau gegenüberzustehen, aber daran gewöhnte sich die Mechatronikerin schnell.

Kallenbach ist Bachelorabsolventin. Ob sie noch einen Master draufsetzt, ist unklar. Heintz-Kästner hält das für unnötig, um Karriere zu machen. Die Verunsicherung der jungen Leute, der Bachelor reiche nicht fürs Arbeitsleben, verdirbt ihr die gute Laune. „In Deutschland fällt das Pendel immer auf eine Extremseite. Die Studenten heute werden zu Lebenslauf-Optimierern gemacht, die durch das Studium rasen, ohne sich sozial engagieren oder ins Ausland gehen zu können“, ärgert sie sich.

Sie hätte sich mehr Bedacht gewünscht, als die deutschen Politiker dem im Ausland hochanerkannten Diplom den Rücken kehrten. Es sei aber wie es ist, sagt Heintz-Kästner, und lacht wieder. „Wir nehmen jedenfalls gern Bachelor und sehr gerne DH-Studenten.“ Qualität könne man in der Industrie eben nicht an Titeln festmachen.

Schenk Process bietet dualen Studenten die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen

Schenck Process bietet den Mitarbeitern bereits während der Studienzeit Entwicklungsmöglichkeiten. Mareike Kallenbach war während ihrer Studienzeit bereits zweimal im Ausland. In Australien arbeitete sie eine Praxisphase lang an einem Projekt mit. Für ihre Bachelorarbeit besuchte sie eine Woche lang verschiedene Zementwerke in Indien. Heintz-Kästner begrüßt die internationale Ausrichtung ihrer jungen Mitarbeiterin: „Wir sind ein internationales Unternehmen. Mir ist es daher wichtig, dass die jungen Leute während ihrer Ausbildungszeit ins Ausland gehen.“

Für das Unternehmen lohnt sich der organisatorische Aufwand: Die internationalen Standorte freuen sich über einen Besuch der jungen Deutschen. „Das duale Ausbildungskonzept ist einzigartig“, sagt Heintz-Kästner. Egal, wohin die Studenten gingen: Jeder profitiere von den gut ausgebildeten Kollegen, die sowohl praktische Erfahrung als auch vertiefte Theoriekenntnisse mitbringen.

Die Investitionen in einen DH-Studenten lohnen sich für das Unternehmen jedoch nur, wenn sich der Student nach Abschluss des Studiums als Mitarbeiter rekrutieren lässt. Ein DH-Student kostet Schenck Process zwischen 65 000 € und 70 000 € während des dreijährigen Studiums, inklusive drei Monaten Vorpraktikum. „Natürlich sind wir traurig, wenn ein Student nach seiner DH-Ausbildung das Unternehmen verlässt. Und auch ein wenig sauer“, bestätigt Heintz-Kästner. Ein Grund für Führungskräfte aber, sich an die eigene Nase zu fassen. „Wenn das passiert, müssen sich die Verantwortlichen sehr genau fragen, warum sich jemand gegen das Unternehmen entscheidet.“

Mareike Kallenbach wird Schenck Process vorerst als Mitarbeiterin erhalten bleiben. Die Prozesse hinter den Produkten sind für sie jeden Morgen direkt nachvollziehbar: ihr Müsli könnte schließlich mit einer Anlage von Schenck Process abgefüllt worden sein. 

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