Mechatronik

Die menschliche Schnittstelle zum Kunden

Maschinenbauer, Elektrotechniker, Informatiker – Mechatroniker sind von allem ein bisschen. Vor allem aber Spezialisten für mechatronische Systeme. Erik Görres adaptiert Abstandsregelsysteme von Groß- auf Kleinserienfahrzeuge. Mechatroniker machen Autofahren sicherer.

Erik Goerres

Erik Goerres

Foto: Werkfoto

Es sind oft die kleinen Dinge, die den großen Unterschied machen. Leben retten zum Beispiel. Weil elektronischer Stabilitätsprogramme (ESP) das können, werden sie Pflicht: Ab Oktober 2014 müssen alle Neufahrzeuge innerhalb der Europäischen Union mit dem Schleuderschutzsystem ausgestattet sein.

Bosch hat ESP entwickelt und ab 1995 in Serie produziert. ESP ist eine Kombination aus Mechanik, Elektronik und Informatik. Aus diesen drei Begriffen setzt sich das Wort Mechatronik zusammen.

Mechatronische Systeme nehmen Informationen auf, Mini-Computer berechnen Soll- und Ist-Zustand und setzen daraufhin Aktionen in Gang. Droht ein Auto in Schieflage zu geraten, errechnet der Computer im Steuergerät den notwendigen Bremsvorgang an einem oder allen Rädern. Dieser Befehl läuft über den Can-Bus, die zentrale Datenleitung im Auto, an die Hydraulik und steuert über ein weiteres mechatronisches System die Bremse in der notwendigen Stärke an. Geschafft! Mechatronik macht Autofahren sicherer. Erik Görres, 31, ist einer dieser modernen Lebensretter.

Mechatronik verknüpft mechanische, elektronische und informationstechnische Disziplinen

Die Mechatronik ist ein interdisziplinäres Gebiet der Ingenieurwissenschaften, das mechanische, elektronische und informationstechnische Disziplinen verknüpft. In Deutschland gibt es das Studienfach seit 1993. Vor zehn Jahren waren es gerade mal 1000 Studenten, heute sind es 15 000. Görres hat 2004 sein Studium an der Hochschule Bochum angefangen, er war im dritten Jahrgang.

2008 schaffte er sein Ingenieur-Diplom und parallel dazu einen Master an der Partnerhochschule in England. Das Studium war für ihn keine Unbekannte mit ungewissem Ausgang: Nach dem Abitur hatte er eine dreijährige Berufsausbildung zum Mechatroniker gemacht. „Die Kombination unterschiedlicher Disziplinen hat mich schon damals gereizt. Das Studium war daher eine logisch-konsequente Weiterbildung.“ Und eine Investition in die Zukunft: Mechatronik ist eine zukunftsweisende Schlüsseltechnologie für viele Branchen.

Görres hatte im Studium den Schwerpunkt Automotive und dementsprechend seine Praktika gewählt. Bei einer Hochschulmesse unterhielt er sich mit Firmenvertretern von Bosch Engineering. Das ist eine hundertprozentige Tochter des Bosch-Konzerns. Vor 13 Jahren mit zwei Handvoll Mitarbeitern gegründet, hat die GmbH heute 1700 Beschäftigte in acht Ländern. Die Gesellschaft ist ein Entwicklungsdienstleister, der Bosch-Systeme aus Großserienfahrzeugen auf Kleinserien- und Nischenprodukte anpasst.

Mechatronik ist eine zukunftsweisende Schlüsseltechnologie für viele Branchen

Angefangen hat das Unternehmen mit Sportwagen, heute werden auch Radarsensoren, wie sie in Abstandsregelsystemen von Autos genutzt werden, auf Schienenfahrzeuge adaptiert, damit Loks sicherer rangieren können. Den Konzern bezeichnet Görres als einen „riesigen Laden“, mit seinen weltweit über 300 000 Mitarbeitern. Bosch Engineering sei eine überschaubare Einheit mit Dienstleistungsmentalität und Dynamik. „Für junge Ingenieure gibt es viele interessante Projekte.“ Das Durchschnittsalter liegt bei rund 35 Jahren und die Auftragsbücher sind voll.

Erik Görres hat 2008 bei Bosch Engineering in Abstatt angefangen, einem Vorort von Heilbronn. Zunächst arbeitete er in ESP-Projekten und wechselte dann zu Fahrerassistenzsystemen. Aktuell adaptiert er ein Abstandsregelsystem aus einer Großserien-Oberklasse-Limousine auf ein Kleinserien-Geländefahrzeug, ebenfalls der gehobenen Klasse. Ein Radarsensor misst den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Wird das langsamer, verringert auch das eigene Auto seine Geschwindigkeit.

Weil ein Geländewagen aber deutlich schwerer ist, als ein Straßenfahrzeug, muss der Bremsvorgang stärker sein. Auch die Beschleunigung, wenn es zügig weiter geht. Solche Anpassungen nimmt Görres vor.

Was sich auf dem Papier einfach anhört, ist im Auto deutlich komplizierter, weil alle Systeme im Fahrzeug miteinander kommunizieren und munter Daten austauschen: Videokameras zur Verkehrszeichenerkennung, Motorsteuerung zum Beschleunigen, ESP beim Bremsen. „Ich muss bei meinen Modifikationen viele Systeme im Auto berücksichtigen.“ Knapp zwei Jahre wird er an dem Projekt arbeiten. Sich selbst bezeichnet Görres als „ein bisschen Maschinenbau-, ein bisschen Elektrotechnik-Ingenieur und ein bisschen Informatiker“. Ein Nachteil sei das nicht, eher ein Vorteil, „denn man hat den großen Überblick“. Das ist ihm wichtig.

Mechatronik-Ingenieur Görres: „Ich brauche sehr viel von meinem Wissen aus dem Studium Tag für Tag bei der Arbeit“

Sein Studium sei extrem verdichtet gewesen und die Professoren hätten den Anspruch gehabt, nicht nur an der Oberfläche zu kratzen, sondern dass die Absolventen das elementare Wissen der drei Mechatronik-Disziplinen beherrschen. „Ich brauche sehr viel von meinem Wissen aus dem Studium Tag für Tag bei der Arbeit.“ Hinzu kämen Teamfähigkeit und organisatorisches Geschick, um die Projekte strukturiert abarbeiten zu können. Seit etwa einem Jahr ist Görres technischer Projektkoordinator. „Die menschliche Schnittstelle zum Kunden“, wie er sagt. Projekte managen macht ihm Spaß. Auch der verbale Austausch mit Kunden und Kollegen. „Ich fühle mich wohl in der Projektlaufbahn und will mich dort weiterentwickeln.“

Wohl fühlt sich der gebürtige Solinger auch in seiner neuen schwäbischen Wahlheimat. Seit etwa einem Jahr ist Görres technischer Projektkoordinator. „Die menschliche Schnittstelle zum Kunden“, wie er sagt. Projekte managen macht ihm Spaß.

Auch der verbale Austausch mit Kunden und Kollegen. „Ich fühle mich wohl in der Projektlaufbahn und will mich dort weiterentwickeln.“ Das verbindet und so werden aus Kollegen oft Freunde. Dann macht die Arbeit noch mehr Spaß. 

Von Peter Ilg

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