Interview zum Thema Hochschule

BTU-Präsident Zimmerli: „Eine Fusion ist die teuerste Variante“

Die Zusammenlegung der BTU Cottbus und der FH Lausitz würde die Stärken der beiden Hochschulen zunichte machen, fürchtet Walther Chr. Zimmerli, Präsident der BTU. Der zu erwartende Bevölkerungsrückgang sei der letzte Strohhalm der Fusions-Befürworter.

VDI nachrichten: Herr Professor Zimmerli, die brandenburgische Wissenschaftsministerin will die Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus und die (Fach-)Hochschule Lausitz fusionieren (VDI nachrichten 18. 5. 12) Was spricht dafür?

Zimmerli: Gar nichts. Die Stärken der beiden Hochschulen liegen gerade darin, dass sie unterschiedliche Profile haben. Eine Fusion würde diese Unterschiede nur verwässern.

Welches Profil hat die BTU?

In der Forschung hat die BTU fünf Schwerpunkte, die international anschlussfähig sind. Das sind die Themen Energie, Umwelt, Bauen, Material sowie als Querschnittsbereich Informations- und Kommunikationstechnik. Diese Schwerpunkte knüpfen an Aufgaben an, die sich in unserer Region stellen, z. B. durch den ressourcenbewussten Umbau von Städten oder die Rekultivierung von Tagebauen, mit denen die BTU international anerkannte Forschungsergebnisse erreicht. Angesichts dieser Erfolge die BTU mit der Hochschule Lausitz zu fusionieren, wäre eine willkürliche Entscheidung.

Das Ministerium argumentiert mit der rückläufigen Bevölkerungszahl in Brandenburg.

Das trifft allenfalls für die Hochschule Lausitz zu, deren Studierende überwiegend aus der Region kommen. Das gilt aber nicht für die BTU. An unserer Universität steigt die Studierendenzahl, seit 2007 ist sie von 4644 auf 6752 gewachsen. Darunter sind mehr als 1000 Studierende aus dem Ausland. Das hängt auch damit zusammen, dass wir gezielt überregionales Marketing betreiben. Auch künftig wird die Zahl der Einschreibungen vermutlich steigen, weil zudem auch in Brandenburg die Studierneigung zunimmt. Kurz: Das Argument der Demografie scheint mir der letzte Strohhalm zu sein, an den sich die Fusions-Befürworter klammern.

Der BTU wird vorgeworfen, sie sei nicht ausgelastet. Wie passt das zu den steigenden Studentenzahlen?

Die BTU ist nicht überall gleichmäßig ausgelastet. Das ist auch verständlich, weil es bundesweit bekanntlich nicht einfach ist, Studierende für MINT-Fächer zu rekrutieren. Dennoch zeigen auch in der Elektrotechnik, im Maschinenbau und in der Informatik die Studierendenzahlen nach oben.

In der Hochschule wie in der Stadt gibt es Proteste gegen eine Fusion. Ist die BTU nicht reformfähig?

Dieser Eindruck ist völlig falsch. Das kann man schon daran erkennen, dass es die BTU war, die vorgeschlagen hat, mit der Hochschule Lausitz gemeinsame wissenschaftliche Einrichtungen zu gründen. Vorbild könnte das David-Gilly-Institut für Bauingenieurwesen sein, das die BTU gemeinsam mit der Hochschule Lausitz mit Mitteln der Stiftung Mercator und der VolkswagenStiftung aufgebaut hat. Ich könnte mir eine noch intensivere Kooperation vorstellen, z. B. die Zusammenlegung der Fakultäten Architektur/Bauingenieurwesen. Dennoch: Kooperation an sich ist noch kein Qualitätsmerkmal. Das gilt auch für Universitäten und Fachhochschulen, die unterschiedliche Aufgaben haben. Die Unternehmen wollen wissen, ob sie einen stärker an der Forschung oder in der Praxis ausgebildeten Ingenieur eingestellt haben.

Bestärkt der Umstand, dass die BTU nicht Mitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist, die Fusionspläne?

Ganz im Gegenteil: Eine Fusion würde die Aufnahme in die DFG dramatisch gefährden. Die Mitgliedschaft in der DFG ist an Kennziffern gekoppelt, z. B. an die Promotionsquote, an Drittmitteleinwerbungen oder Publikationen. Wenn 120 Universitäts- und 100 Fachhochschulprofessoren zusammengelegt werden, wird sich die Promotionsquote halbieren, weil Fachhochschulen eben bisher nicht promovieren dürfen. Auch die Drittmittelquote würde sich verschlechtern. Die BTU hat im vergangenen Jahr 34 Mio. € Drittmittel eingeworben, von denen rund 3,4 Mio. € von der DFG kamen. Drittmittel zur Projektfinanzierung vergibt die DFG auch an Hochschulen, die nicht Mitglied der Forschungsgemeinschaft sind. Mittelfristig wollen wir auf 5 Mio. € an DFG-Mitteln kommen. Das wäre eine Quote, die für den DFG-Antrag hilfreich wäre.

Das Budget der fusionierten Hochschule soll nach Aussagen der Ministerin nicht gekürzt werden. Stimmt Sie das nicht versöhnlich?

Die Zusammenlegung wäre – ob das die Ministerin zugibt oder nicht – ein Versuch zur Kostensenkung. Der fusionierten Hochschule sollen 66 Mio. € im Jahr aus Landesmitteln zur Verfügung stehen. Das ist so viel, wie beide Hochschulen jetzt auch bekommen. Doch davon wird man die 220 Professuren nicht bezahlen können, weil bei einer Fusion zusätzliche Kosten anfallen. Außerdem wird bei dieser Rechnung vergessen, dass an der BTU jetzt schon 26 der insgesamt 120 Professuren nicht besetzt sind. An der FH Lausitz ist die Zahl zwar etwas geringer zusätzliche Professuren wird es bei einer Fusion sicher nicht geben.

Das Land Brandenburg ist hoch verschuldet und muss Ausgaben kürzen. Können Sie sich dem entziehen?

Nein. Allerdings wäre eine Fusion die bei Weitem kostspieligste Variante, zumal neue Angebote geschaffen werden sollen, z. B. für Bewerber, die kein Abitur haben. Auch soll nach den Plänen des Ministeriums ein gemeinsames Forschungskolleg gegründet werden, um FH-Absolventen den Zugang zur Promotion zu eröffnen. Die Fusion einer Universität mit einer Fachhochschule ist – entgegen anderslautenden Meldungen – auch in Lüneburg nicht geglückt. Am Anfang steigen die Kosten dramatisch, und die Studierendenzahlen sinken, weil keiner gerne Versuchskaninchen ist.

Wird durch die sogenannten Bologna-Reformen die Annäherung von Universitäten und Fachhochschulen nicht unvermeidlich?

Nein. Das Motiv von Bologna war, die Mobilität in Europa zu erhöhen. Diese Reformen vereinfachen eine Kooperation, aber sie allein tasten die unterschiedlichen Profile von Fachhochschulen und Universitäten nicht an. Und eine Rechtfertigung für die Zusammenlegung von Universitäten und Fachhochschulen lässt sich aus den Bologna-Reformen schon gar nicht ableiten. Die Fusion zwischen der BTU und der FH Lausitz würde letztlich zu einer Gesamthochschule führen. Damit würden die Stärken der beiden jetzigen Hochschulen zunichte gemacht. Das kann sicher nicht das Ziel sein. 

Von Hartmut Steiger

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