Studie: Nachwuchsförderung

Bildungsansätze für MINT-Fächer unzureichend

„Das was bislang gemacht wurde, reicht nicht aus.“ Um das Interesse von Kindern an Technik und Naturwissenschaften zu wecken, fordern Techniksoziologe Ortwin Renn und eine Studie auch Initiativen, die Erwachsenen Bedeutung und Faszination von Technik vermitteln. Zwei weitere aktuelle Erhebungen verdeutlichen die geringe Flexibilität deutscher Bildungswege.

Zahlreiche Projekte sollen junge Menschen für Studiengänge in technisch-naturwissenschaftlichen Bereichen (MINT-Berufe) motivieren.

Eine aktuelle Studie der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) unterzieht die bislang vorgelegten Ansätze einer kritischen Analyse, auch im internationalen Vergleich: „Alle Hochtechnologiestandorte haben Probleme mit der Deckung des Fachkräftebedarfs“, sagt Ortwin Renn, Lehrstuhlinhaber für Technik- und Umweltsoziologie an der Universität Stuttgart und Mitautor der Studie. „Das sehen wir nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, England, teilweise in den skandinavischen Ländern und auch in den USA. Alle Staaten haben eigene Strategien dagegen entwickelt, aber Erfolge sind statistisch bislang nicht nachweisbar. Anders gesagt: Das was bislang gemacht wurde, reicht nicht aus.“

MINT-Bildung beziehe sich nicht nur auf Talente, sie sei ein Stück Allgemeinbildung, betont Renn. „Es geht nicht nur um Nachwuchsmangel. Unsere gesamte Kultur, unser Lebensstil sind zutiefst von Wissenschaft und Technik geprägt. Wer die Grundlagen nicht kennt, ist von seiner eigenen Welt entfremdet.“

Vorurteile gegen MINT-Berufe halten sich standhaft

Öffentlichkeitswirksame Initiativen angefangen von Ausstellungen bis hin zu Science Centers, die naturwissenschaftliche Grundlagen und Erkenntnisse allgemeinverständlich vermitteln wollen, gibt es viele. Das Problem sei, dass die meisten dieser Projekte zeitlich finanziert befristet werden und nach einem Projektzeitraum von zwei bis vier Jahren wieder eingestellt werden, kritisiert Ingolf Hertel, Mitglied der Arbeitsgruppe ProMINT an der Humboldt-Universität Berlin. Wichtig seien solche Initiativen aber auf jeden Fall. Denn immer noch halte sich das Vorurteil, MINT-Berufe seien „zwar analytisch, aber langweilig“.

Nach wie vor den dringendsten Handlungsbedarf sehen die Experten aber in Kitas und Grundschulen, wo mehr und bessere naturwissenschaftliche Bildungsangebote geschaffen werden müssen. Frappierend sei auch, „dass es immer weniger Väter gibt, die mit ihren Kindern mit dem Baukasten spielen“, so Renn. Untersuchungen hätten ergeben, dass das Interesse an MINT-Fächern zu 90 % bis zum Alter von 12 Jahren geweckt wird. Wer sich bis dahin nicht für Mathematik, Physik oder Chemie begeistert, wird es später sehr wahrscheinlich auch später nicht tun. Fragwürdig sei deshalb, dass 80 % der Fördergelder, die das Interesse für MINT-Fächer wecken sollen, für über 16-Jährige ausgegeben werden.

Interesse für MINT-Themen wecken: Studie sieht in problemlösungsorientiertem Unterricht guten Ansatz

Ein Ansatz seien neue Unterrichtsformen wie das „inquiry based learning“. Anstatt Formeln stur auswendig zu lernen, würden Schüler hier an konkreten Fallbeispielen problemlösungsorientiert die nötigen Kenntnisse aneignen. Dass Theorie und Praxis weit auseinander klaffen, darauf macht Hertel aufmerksam. Im realen Schulalltag müsse zuerst erkannt werden „was die wirklichen Probleme der Lehrer sind und was man für die Lehrer tun kann“.

Hinzu kommt, dass viele Kinder und Jugendliche hierzulande an eine soziale Decke stoßen. „Deutschland ist das Land mit der geringsten sozialen Durchlässigkeit, verglichen mit den europäischen Nachbarn und Nordamerika“, heißt es im Kommentar zu einer aktuellen Studie, die das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) im Auftrag der Vodafone Stiftung erstellt hat.

WZB-Studie kritisiert Benachteiligung sozial schwächerer Schüler

Wer in eine bestimmte soziale „Klasse“ hineingeboren wird, habe wenig Chancen, im weiteren Lebensverlauf aufzusteigen. In der Nachkriegszeit seien die Chancen noch weit besser gewesen, so Reinhard Pollak vom WZB. Heute gäbe es in Deutschland deutlich mehr soziale Abstiege als früher.

Die Blockaden sind laut Studie vielfältiger Natur. So fehle es etwa in der Schule an geeigneter Nachmittagsbetreuung und Lehrer ließen sich von der sozialen Herkunft bei Notengebung und Schulempfehlung beeinflussen. Hauptschulabsolventen und Jugendliche ohne Abschluss würden vorschnell als nicht ausbildungsreif abgestempelt. Zertifikate würden im Berufsleben stärker bewertet als tatsächliche Leistungen. Das wiegt besonders schwer, weil Abschlüsse in Deutschland schwer nachholbar seien.

Das „Eurostudent“-Projekt mit Erhebungen von 2008 bis 2011, herausgegeben vom Hochschul-Informations-System, verdeutlicht die soziale Schere in Deutschland. In Portugal, der Türkei, auf Malta und Irland weisen mehr als ein Drittel aller Studierenden einen niedrigen Bildungshintergrund auf.

In Deutschland haben nur 2 % der Studierenden einen niedrigen Bildungshintergrund. Die Gruppe der Studierenden, deren Eltern einen akademischen Abschluss haben, ist in Deutschland mit einem Anteil von mehr als zwei Drittel sehr hoch. Nur in Dänemark ist der Anteil der Studierenden mit hohem Bildungshintergrund höher als in Deutschland. 

Von his/zew/C. Xuan Müller/Wolfgang Schmitz

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