Berufsbild für Ingenieure 05.03.2026, 14:00 Uhr

Was macht ein Regulierungsmanager in der Energiewirtschaft?

Der Beruf des Regulierungsmanagers ist noch vergleichsweise jung. Nachdem er anfangs von Quereinsteigern mit kaufmännischer und wirtschaftlicher Ausbildung dominiert wurde, ergreifen ihn mittlerweile immer mehr Ingenieurinnen und Ingenieure.

Graphen und Balken: Der Beruf des Regulierungsmanagers beruht auf Zahlen.

Graphen und Balken: Der Beruf des Regulierungsmanagers beruht auf Zahlen.

Foto: DCStudio/Smarterpix

Kaum etwas ist in Deutschland so stark reguliert – und das soll etwas heißen – wie der Energiemarkt. In der Stadtwerkestudie 2025, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gemeinsam mit EY im Sommer 2025 veröffentlichte, berichteten die befragten Stadtwerke, „dass die zunehmende Dichte und Frequenz der Vorgaben personelle und finanzielle Ressourcen binden, die für zentrale Transformationsprojekte dringend benötigt würden“. 

Insbesondere zunehmende Berichtspflichten und komplexe Regelwerke würden die Umsetzung operativer Maßnahmen ausbremsen. „Vereinzelte Bemühungen zum Bürokratieabbau werden dadurch konterkariert, dass an anderer Stelle zusätzliche Meldepflichten etabliert werden, wie durch die Ausweitung der Qualitätsregulierung durch die Bundesnetzagentur oder die Einführung neuer quartalsweiser Abfragen“, so Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Neues Berufsbild im Zuge der Regulierung der Strom- und Erdgasnetze

Auf der einen Seite würgen Regulationen und Bürokratie, so der allgemeine Tenor, Wirtschaftstätigkeit und Innovationskraft ab. Auf der anderen Seite könnte man sie mit Fug und Recht als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen umschreiben: Der Beruf des Regulierungsmanagers ist einer, den es bei einem weit weniger regulierten Energiemarkt so wohl nicht gäbe. „Mit der Einführung der Regulierung im Bereich der Strom- und Erdgasnetze im Jahr 2005 entwickelte sich ein vollkommen neues Berufsbild: das des Regulierungsmanagers“, so Dirk Schramm, Geschäftsführender Gesellschafter des Ingenieurbüros für Energiewirtschaft (IFE), das in Zusammenarbeit mit der Hochschule Schmalkalden ein Weiterbildungsangebot zum „Regulierungsmanager*in (FH)“ konzipierte.

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Regulierungsmanagerinnen und -manager werden wohlgemerkt auch in anderen Branchen wie Pharma, Finanzen oder Rüstung eingesetzt – ebenfalls Wirtschaftsbereiche mit feinstziselierter gesetzlicher Steuerung. Man kennt sie auch unter dem englischen Titel Regulatory Affairs Manager. Verlässliche Zahlen darüber, wie viele Menschen in Deutschland als Regulierungsmanager bzw. im Regulierungsmanagement arbeiten, gibt es nicht.

Wo arbeiten Regulierungsmanager?

Arbeitgeber von Regulierungsmanagern in der Energiewirtschaft sind hauptsächlich Stadtwerke und Netzbetreiber. Bei den Stadtwerken Düsseldorf entwickelte sich das Berufsbild ab dem Jahr 2002, bis 2009 die Einheit „Netzregulierung“ gebildet wurde. Damals stellten Mitarbeitende mit juristischen und kaufmännischen Qualifikationen die Mehrheit. Die Zahl der Beschäftigten hat sich seitdem stetig erhöht, heute arbeiten auch viele Ingenieurinnen und Ingenieure im Regulierungsmanagement. Energieversorger EnBW teilt mit, dass die Mitarbeitenden im  Regulierungsmanagement in verschiedenen Bereichen tätig sind, darunter im Assetmanagement, in der Rechtsabteilung und in kaufmännischen Bereichen.

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Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen für Regulierungsmanager in der Energieversorgung stieg nach Angaben von Index Research von 182 im Jahr 2019 auf 265 im Jahr 2025. Die Zahl der ausschreibenden Firmen erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 96 auf 120. Zu diesen Ergebnissen kommt die Personalmarktforschung in einer Analyse von 196 Printmedien, 322 Online-Jobbörsen, dem Jobportal der Bundesagentur für Arbeit und über 900.000 Firmenwebseiten.

Welche Aufgaben haben Regulierungsmanager in der Energiewirtschaft?

Ziel von Regulierungsmanagern in der Energiewirtschaft ist es letztlich, unter den geltenden gesetzlichen Vorgaben den maximalen wirtschaftlichen Spielraum auszunutzen und Erlöse für das Unternehmen zu sichern. Konkret prüfen sie beispielsweise, ob eine potenzielle Strompreiserhöhung regulatorisch möglich ist oder unter welchen Voraussetzungen sich der Netzausbau in einer bestimmten Region lohnt. „Die Branche ist sehr reguliert“, bestätigt Judith Werner, Regulierungsmanagerin bei den Stadtwerken Hettstedt in Sachsen-Anhalt.

Die wichtigsten Aufgaben im Regulierungsmanagement:

  • Monitoring: „Ich monitore, ob sich Gesetze geändert haben, ob es neue Gesetze gibt, welche Auswirkungen sie auf den Netzbetrieb haben, auf Investitionsplanung, auf die Erlösobergrenze“, erzählt Judith Werner. Der Energiemarkt ist permanent in Bewegung, ununterbrochen Gegenstand der politischen Debatte. Regulierungsmanager müssen jederzeit auf dem neuesten Stand sein. Einen guten Draht zu den Verbänden wie dem BDEW zu halten, sei dabei laut Werner hilfreich, diese dienten als verlässliche Informationsquelle.
  • Umsetzung: Das Regulierungsmanagement ermittelt und meldet die Erlösobergrenzen, also die Höchstbeträge, die Betreiber von Strom- und Gasnetzen jährlich über Netzentgelte einnehmen dürfen. Es berechnet und prüft die Netzentgelte, bereitet die Kostenprüfungen durch die Bundesnetzagentur vor und stellt sicher, dass alle gesetzlichen Änderungen unmittelbar im operativen Geschäft umgesetzt werden. Zu den Aufgaben gehört es, Netzzustandsberichte, Netzausbaupläne, Strukturdaten im Rahmen des jährlichen Monitoringberichtes oder Versorgungsunterbrechungen im Rahmen der Qualitätsregulierung zu veröffentlichen.
  • Korrespondenz: „Man arbeitet eng zusammen mit Netzbetrieben, Controlling, IT, Management“, so Judith Werner. Für die Regulierungsbehörden müssen Berichte erstellt werden, und das mitunter sehr zügig unter eng gefassten Fristen. „Man muss sehr schnell reagieren auf Anfragen von Regulierungsbehörden“, so Werner. In letzter Zeit seien viele Anfragen eingetroffen, die kurzfristig hätten beantwortet werden müssen.
  • Beratung: „Die strategische Beratung des Management spielt eine sehr große Rolle“, so Werner. Das Knowhow des Regulierungsmanagements kann Grundlage für strategische Entscheidungen sein, zum Beispiel in Bezug auf den Netzausbau, Wasserstoffprojekte, Speicher oder Digitalisierungsprojekte. Auch muss das Unternehmensmanagement in Kenntnis darüber gesetzt werden, ob die regulatorischen Vorgaben im Unternehmen auch umgesetzt wurden. „Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Das war mir vorher gar nicht so klar“, schmunzelt Quereinsteigerin Werner.

Welche Fähigkeiten brauchen Regulierungsmanager?

Beim Regulierungsmanager handelt es sich um eine fachübergreifende Schnittstellenfunktion mit operativ-strategischer Ausrichtung, in der Fachwissen, Zahlenaffinität und eine großzügige Prise Soft Skills vonnöten sind. Bei den Stadtwerken Düsseldorf etwa bearbeitet „die eine Hälfte der Mitarbeitenden im Regulierungsmanagement schwerpunktmäßig kaufmännische Aufgabenstellungen, die andere Hälfte im wesentlichen wirtschaftsingenieurliche Themen“.

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„Zur Steuerung des Regulierungsprozesses innerhalb von Stadtwerken und Energieversorgungsunternehmen sind Persönlichkeiten gefragt, die über eine ganzheitliche, generalistische Sicht auf die komplexen Zusammenhänge verfügen“, meint Dirk Schramm. „Insbesondere kommunikationsstarke Ingenieur*innen und Wirtschaftsingenieur*innen mit Interesse am Datenmanagement sowie Spaß an einer interdisziplinären Zusammenarbeit mit Kolleg*innen aus anderen Fachbereichen finden im Regulierungsmanagement eine spannende, aber auch herausfordernde Perspektive“, so Tanja Albrecht von den Stadtwerken Düsseldorf.

Das sind die wichtigsten Skills:

  • Zahlenverständnis: Regulierungsmanager haben die Zahlen fest im Blick. Der Energiemarkt dreht sich um Netzentgelte, Erlösobergrenzen, Effizienzvergleiche, Betriebs- und Instandhaltungskosten, Abschreibungsdauern und Preisindizes. „Ich beschäftige mich viel mit Daten“, sagt Judith Werner, ihr Hauptwerkzeug ist das Datenverarbeitungsprogramm Excel. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz könnte die Abläufe in Zukunft grundlegend verändern und optimieren, eine vollständige Automatisierung des Berufes erscheint aus heutiger Sicht aber unrealistisch. 
  • Techniknähe: „Technisches Verständnis ist auf jeden Fall hilfreich“, sagt Werner. „Ich konnte mir vorher nichts darunter vorstellen“, sagt die gelernte Bankkauffrau etwa über die Bedeutung des Lastgangs, den zeitlich aufgeschlüsselten Energieverbrauch eines Konsumenten oder Unternehmens, der typische Muster identifiziert und die Energiebeschaffung optimieren kann. Der Umgang mit Flexibilitäten im Verteilnetz sowie die anschlusstechnische Integration dezentraler erneuerbarer Erzeugungseinrichtungen sind weitere Beispiele für die Bedeutung technischer Thematiken im Regulierungsmanagement.
  • Soft Skills: Regulierungsmanager sind Ansprechpartner nach innen und nach außen, zum Beispiel für das Management und die IT-Abteilung, stehen in ständigem Austausch mit den Behörden. Sie müssen Zusammenhänge gut und verständlich erklären, bisweilen ausgleichend und diplomatisch auftreten. Weitere vorteilhafte Attribute sind Frustrationstoleranz, Ausdauer, Vertrauenswürdigkeit und eine strategisch-analytische Denkweise. Außerdem Belastbarkeit, da das Regulierungsmanagement Schwankungen unterliegt und sich Phasen mit hoher Arbeitsbelastung mit jenen geringer Intensität abwechseln.

Wie wird man Regulierungsmanager?

Ein technisches, wirtschaftswissenschaftliches oder rechtswissenschaftliches Hochschulstudium ist eine gute Basis. Generell ist der Job – im Gegensatz zu seinem Anwendungsgebiet – weitgehend unreguliert und ein typischer Quereinsteigerberuf. Auch Judith Werner ist eine Quereinsteigerin. Die 43-Jährige hatte eine Ausbildung zur Bankkauffrau absolviert, danach Wirtschaftsrecht studiert und in einer Wirtschaftsprüfung gearbeitet, bevor sie den Branchenwechsel in die Energiewirtschaft vollzog und im Regulierungsmanagement landete.

Für Mitarbeitende von Energieunternehmen gibt es mittlerweile eine Reihe von Kursen und Lehrgängen privater Anbieter, die im Schnelldurchgang das Basiswissen vermitteln. Auch manche Energieunternehmen treten als Anbieter in Erscheinung. Beispiel Rhenag: Der Versorger aus Köln will anhand von Übungen, Fallstudien und Vorträgen Mitarbeitende fit für den Job machen. Der fünftätige Lehrgang kostet rund 5000 €. 

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Als bislang einzige Hochschule bietet die HS Schmalkalden in Thüringen eine berufsbegleitende Hochschulweiterbildung an, die im Wintersemester 2016/17 erstmals ausgerichtet wurde und sich ausdrücklich an Mitarbeitende von Energieunternehmen sowie Quereinsteiger und Berufstätige, die sich auf ein neue Position vorbereiten oder Wissen vertiefen wollen, richtet. Das interdisziplinäre Studium dauert zwei Semester und umfasst sechs Blockveranstaltungen, die die Studierenden vor Ort auf dem Campus oder am Bildschirm über ein Online-Konferenzsystem wahrnehmen können. 

Fünf Studiengänge fanden bislang statt, die Teilnehmerzahl verdoppelte sich annähernd von zwölf im Debütjahrgang 2016/17 auf 22 im Wintersemester 2024/25. Von 25 bis 60 Jahre sind nahezu alle Altersgruppen vertreten. 30 % der Absolventinnen und Absolventen des Weiterbildungsstudiengangs der HS Schmalkalden sind Ingenieurwissenschaftler.

Ein Beitrag von:

  • Sebastian Wolking

    Sebastian Wolking ist freier Journalist in Hamburg und schreibt seit über 15 Jahren für die VDI Nachrichten. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themen Arbeitsmarkt und Karriere.

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