Chemieingenieur: Aufgaben, Studium, Gehalt und Karriere
Chemieingenieur: Aufgaben wie Planung und Optimierung chemischer und physikalischer Prozesse im Labor und Industriebetrieb, Infos zum Studium, Voraussetzungen, Gehalt und Karriere im Überblick.
Was macht man als Chemieingenieurin oder Chemieingenieur? Wir erklären das Berufsbild kompakt und verständlich.
Foto: Smarterpix/DCStudio
Als Chemieingenieurin oder Chemieingenieur analysiert und optimiert man üblicherweise chemische und physikalische Prozesse in Labor- und Produktionsanlagen. Sie arbeiten oftmals eng mit Chemikerinnen und Chemikern zusammen und legen gemeinsam Anforderungen an neuen Verfahren und Anlagen fest und übertragen Forschungsergebnisse in die industrielle Produktion.
Chemieingenieurinnen und -ingenieure sind hauptsächlich in der Chemieindustrie, Prozessentwicklung, in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, sowie in der Energiewirtschaft tätig.
Im Unterschied zu Chemikerinnen und Chemikern liegt ihr Schwerpunkt weniger auf der Erforschung neuer Stoffe und Reaktionen als auf deren technischer Umsetzung im industriellen Maßstab. Gegenüber Verfahrensingenieurinnen und -ingenieuren ist das Chemieingenieurwesen stärker auf chemische Reaktionen, Stoffeigenschaften und die Auslegung chemischer Prozesse ausgerichtet.
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Inhaltsverzeichnis
- Welche Aufgaben hat ein Chemieingenieur?
- Wie sieht der Arbeitsalltag aus?
- Mit welchen Werkzeugen und Methoden arbeitet ein Chemieingenieur?
- Welche Voraussetzungen sind notwendig?
- Wie wird man Chemieingenieur?
- In welchen Branchen arbeiten Chemieingenieure?
- Was verdient ein Chemieingenieur?
- Welche Karrierewege gibt es?
- Jobs für Chemieingenieure
- Wie sind die Berufsaussichten?
- Abgrenzung zu ähnlichen Berufen
- Häufige Fragen
- Quellen
Welche Aufgaben hat ein Chemieingenieur?
Die tatsächlichen Aufgaben einer Chemieingenieurin oder eines Chemieingenieurs variieren je nach Arbeitgeber, Branche und Spezialisierung. Chemieingenieurinnen und Chemieingenieure erforschen, entwickeln, planen, überwachen und optimieren chemische und physikalische Prozesse in betriebs- und labortechnischen Anlagen, hauptsächlich in der chemischen Industrie.
In der chemischen Industrie
In der Chemieindustrie überwachen und kontrollieren Chemieingenieurinnen und Chemieingenieure den Herstellungsprozess von chemischen Produkten aus Rohstoffen wie Mineralien, Erdöl oder Gas. Arbeiten sie eher in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen sind sie im sogenannten chemischen Technikum tätig. Dort erarbeiten sie Grundlagen für die Übertragung chemischer Verfahren aus dem Labormaßstab in den Betriebsmaßstab. Chemieingenieurinnen und -ingenieure können beispielsweise auch die Planung und Konstruktion von verfahrenstechnischen Einrichtungen übernehmen.
Ein weiterer möglicher Tätigkeitsbereich für Chemieingenieurinnen und -ingenieure ist, Herstellungsverfahren von Nanopartikeln, Clustern oder Polymeren zu entwickeln und zu optimieren. Diese werden als Grundstoffe für die Nanotechnologie, den Einsatz katalytischer Nanopartikel oder die Herstellung von Füllstoffen, Pigmenten und Beschichtungen aus Nanopartikeln verwendet.
Prüfung des korrekten Maßstabs
Damit eine Chemieingenieurin oder ein Chemieingenieur neue technisch-chemische Verfahren entwickeln kann, müssen sie allein oder in Zusammenarbeit mit Chemikerinnen und Chemikern Versuche in kleinem Maßstab durchführen. Damit einher geht auch die Auswertung, sowie Übertragung des halbtechnischen in den technischen Maßstab. Dazu messen sie unter anderem bestimmte physikalisch-chemische Eigenschaften der Ausgangs- und der Endprodukte und die thermodynamischen und kinetischen Daten der dabei ablaufenden Phasen- und Stoffumwandlungen.
So erhalten sie die entsprechend notwendigen reaktions- und verfahrenstechnischen Bestimmungsgrößen, um die chemischen Reaktionen auf einen größeren Maßstab übertragen zu können.
Weitere mögliche Tätigkeiten eines Chemieingenieurs
Als Chemieingenieurin oder Chemieingenieur kann man auch materialtechnische Versuche durchführen, um zum Beispiel die Korrosionsfähigkeit von Stahlwerkstoffen zu bestimmen. Die Ergebnisse werden dann genutzt, um zusammen mit anderen Fachkräften, wie etwa Verfahrensingenieurinnen und -ingenieuren, die entsprechenden Großanlagen zu planen, zu projektieren, zu errichten und in Betrieb zu nehmen.
Chemieingenieurinnen und -ingenieure können auch in der Kundenberatung und im Technischen Vertrieb tätig sein, wo sie Kunden beispielsweise die sachgemäßige Verwendung der Produkte näher bringen oder neue Anwendungen unter Berücksichtigung des Kundenwunsches erproben. Sie können auch in der Materialwirtschaft oder in der Umweltberatung tätig sein, wenn eine entspreche Spezialisierung oder Weiterbildung erfolgt ist.
Wie sieht der Arbeitsalltag aus?
Der Arbeitsalltag einer Chemieingenieurin oder eines Chemieingenieurs kann variieren und zwischen Büro, Testlaboren und Industrieanlagen abwechseln, je nach dem welche Spezialisierung man hat. Während physikalisch-chemische Verfahren in Laboren und Forschungseinrichtungen erprobt und am Computer simuliert werden, werden sie zu einem späteren Zeitpunkt an realen Industrieanlagen getestet und optimiert.
Je nach Aufgabenbereich arbeiten sie beispielsweise:
- Im Büro, um mögliche chemische Verfahren zu simulieren und zu testen
- In Entwicklungs- und Prüflaboratorien, um materialtechnische Versuche durchzuführen oder neue technische Verfahren in kleinem Maßstab zu entwickeln
- In Produktionsstätten, um neue chemikalisch-technischen Verfahren aus dem kleinen Maßstab in großmaßstäbliche Anlagen zu übertragen
- Im Homeoffice, sofern Planung, Analyse oder Dokumentation es zulassen
Abhängig von Tätigkeitsbereich und Arbeitgeber können regelmäßige Dienstreisen zu Produktionsstandorten, Kunden oder Forschungseinrichtungen zum Berufsalltag gehören.
Mit welchen Werkzeugen und Methoden arbeitet ein Chemieingenieur?
Welche Werkzeuge und Methoden man als Chemieingenieur oder -ingenieurin tatsächlich nutzt, hängt stark vom jeweiligen Tätigkeitsbereich ab. Während in Forschung und Entwicklung vor allem Labor- und Analysegeräte zum Einsatz kommen, stehen in der Produktion oder Anlagenplanung eher Prozessanlagen, Simulationssoftware und Leitsysteme im Mittelpunkt. Typisch sind unter anderem:
- Labor- und Analysegeräte: etwa Chromatografie-, Spektroskopie- und andere Messsysteme zur Untersuchung von Stoffen und Prozessen
- Prozess- und Produktionsanlagen: beispielsweise Reaktoren, Kolonnen, Wärmetauscher, Pumpen und Trennanlagen
- Prozesssimulation und Modellierung: zur Auslegung, Berechnung und Optimierung chemischer Verfahren und Anlagen
- Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik: zur Überwachung und Automatisierung von Produktionsprozessen, etwa über Prozessleitsysteme
- CAD- und CAE-Anwendungen: insbesondere bei Anlagenplanung, Konstruktion und verfahrenstechnischer Auslegung
- Datenanalyse und statistische Methoden: beispielsweise für Versuchsplanung, Prozessoptimierung und Qualitätskontrolle
- Sicherheits- und Risikoanalysen: etwa HAZOP-Studien zur systematischen Untersuchung möglicher Prozess- und Anlagenrisiken
- Normen und technische Regelwerke: insbesondere zu Anlagen- und Prozesssicherheit, Umwelt- und Explosionsschutz sowie Qualitätsmanagement
Welche Voraussetzungen sind notwendig?
| Fachliche Kenntnisse | Warum sie für den Beruf wichtig sind |
| MINT-Kenntnisse | Chemie, Mathematik und Physik bilden die Grundlage, um chemische Reaktionen, Stoffeigenschaften sowie Energie- und Materialströme zu verstehen und zu berechnen. |
| Verfahrens- und Prozesstechnik | Notwendig, um chemische Verfahren zu entwickeln, auf industrielle Maßstäbe zu übertragen und Produktionsprozesse zu optimieren. |
| Mess-, Analyse- und Automatisierungstechnik | Wird benötigt, um Prozessparameter zu erfassen, chemische Reaktionen zu überwachen und Anlagen zu steuern. |
| Simulation und Datenanalyse | Numerische Simulationen und die Auswertung von Prozessdaten helfen dabei, Verfahren auszulegen, zu beurteilen und zu optimieren. |
| Sicherheits-, Qualitäts- und Umweltanforderungen | Chemische Produktionsanlagen müssen sicher betrieben werden und Vorgaben zur Produktqualität sowie zum Arbeits- und Umweltschutz erfüllen. |
| Persönliche Fähigkeiten | Warum sie im Beruf wichtig sind |
| Analytisches und logisches Denken | Komplexe chemische und technische Zusammenhänge müssen erfasst, Messdaten ausgewertet und Ursachen von Prozessproblemen erkannt werden. |
| Technisches Verständnis | Chemieingenieurinnen und -ingenieure arbeiten mit komplexen Apparaten und Produktionsanlagen und müssen deren Funktionsweise und Zusammenspiel verstehen. |
| Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein | Fehler bei der Planung oder Steuerung chemischer Prozesse können Auswirkungen auf Sicherheit, Produktqualität, Umwelt und Kosten haben. |
| Kommunikationsfähigkeit | Technische Anforderungen und Ergebnisse müssen beispielsweise mit Chemikerinnen und Chemikern, Produktion, Anlagenbau oder Kunden abgestimmt werden. |
| Interdisziplinäre Zusammenarbeit | Neue Verfahren und Anlagen entstehen meist gemeinsam mit Fachleuten verschiedener Disziplinen – von Forschung und Entwicklung bis zur Produktion. |
| Projektorganisation und selbstständiges Arbeiten | Entwicklungs-, Optimierungs- und Anlagenprojekte erfordern eine strukturierte Planung, Dokumentation und Koordination verschiedener Arbeitsschritte. |
Wie wird man Chemieingenieur?
Wer den Beruf des Chemieingenieurs ausüben möchte, braucht in der Regel ein abgeschlossenes Bachelorstudium im Bereich Chemieingenieurswesen oder einem verwandten ingenieurwissenschaftlichen Studiengang. Entsprechende Studiengänge werden an zahlreichen Fachhochschulen und Universitäten angeboten.
Die Regelstudienzeit beträgt zwischen 6 und 8 Semestern. Zunächst lernt man natur- und ingenieurwissenschaftliche Grundlagen, wie etwa Allgemeine und Anorganische Chemie, sowie die MINT-Fächer, Prozess- und Thermodynamik und Werkstoffkunde. Im Verlauf des Studiums sind auch Spezialisierungen möglich. Gängige Schwerpunkte sind beispielsweise:
- Experimentalphysik
- Molekularbiologie
- Chemietechnik
- Erforschung von Wärmetransportphänomenen
- Angewandte Chemie
- Polymerchemie
Für anspruchsvollere Fachaufgaben, Führungspositionen oder eine wissenschaftliche Karriere kann ein weiterführendes Masterstudium erforderlich sein. Wer in Forschung und Lehre arbeiten will, braucht in der Regel zusätzlich eine Promotion oder Habilitation.
Nach dem Studium gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich fachlich zu spezialisieren. Typische Weiterbildungen sind:
- Verfahrens- und Prozesstechnik
- Anlagenplanung und -bau
- Prozessautomatisierung
- Umwelt- und Energietechnik
- Qualitätsmanagement und -sicherung
- Pharma- und Lebensmitteltechnik
- Bioverfahrenstechnik
- Werkstoff- und Materialtechnik
- Betriebswirtschaft, insbesondere mit Blick auf Führungsaufgaben
In welchen Branchen arbeiten Chemieingenieure?
Chemieingenieurinnen und -ingenieure arbeiten überall dort, wo Stoffe und Materialien entwickelt, verarbeitet oder in industriellen Prozessen hergestellt werden. Entsprechend reicht das Spektrum der Arbeitgeber von der Chemie-, Pharma- und Lebensmittelindustrie über den Anlagenbau bis zur Energie- und Umwelttechnik sowie zu Forschungseinrichtungen und Ingenieurdienstleistern.
| Branche | Typische Einsatzbereiche |
| Chemie | Herstellung von chemischen Grundstoffen, Düngemitteln und Kunststoffen in Primärformen, aber auch Chemiefasern und Schädlingsbekämpfungsmitteln |
| Kosmetik | Herstellung von Wasch-, Reinigungs- und Poliermitteln |
| Kunststoff, Kautschuk, Vulkanisation | Herstellung von Verpackungsmitteln aus Kunststoffen, Bearbeitung und Veredlung von Kunststoffwaren, Herstellung von Platten, Folien, Schläuchen und Profilen aus Kunststoffen |
| Pharmazie | Herstellung von pharmazeutischen Grundstoffen, Spezialitäten und sonstigen Erzeugnissen |
| Farben und Lacke | Herstellung von Anstrichmitteln, Druckfarben und Kitten |
| Lebensmittelindustrie | Mahl- und Schälmühlen, Herstellung von Stärke und Stärkeerzeugnissen |
| Maschinenbau | Herstellung von Maschinen, zum Beispiel für die Biotechnologie |
| Agrarwissenschaften | Forschung und Entwicklung im Bereich der Biotechnologie, Biotechnologieunternehmen, Unternehmen für Umwelttechnologie |
Was verdient ein Chemieingenieur?
Das Gehalt einer Chemieingenieurin oder eines Chemieingenieurs hängt vor allem von Berufserfahrung, Branche, Region, Tarifbindung und Unternehmensgröße ab. Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit weist für Chemieingenieurinnen und -ingenieure in Deutschland Stand 2025 ein Medianentgelt von 7109 € brutto monatlich aus.
| Karrierestufe | Angabe |
| Berufseinstieg | ca. 5100 €/Monat als Orientierung am unteren Quartil |
| Mit Berufserfahrung | ca. 6788 €/Monat Median |
Das tatsächliche Einkommen hängt von mehreren Faktoren ab:
- Region: Zwischen den Bundesländern bestehen deutliche Gehaltsunterschiede. In wirtschaftsstarken Regionen mit einer großen Chemie- und Pharmaindustrie können die Gehälter über dem bundesweiten Niveau liegen.
- Branche: Die Vergütung hängt stark vom Wirtschaftszweig ab. Insbesondere große Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie zahlen häufig höhere Gehälter als beispielsweise kleinere Ingenieur- und Planungsbüros oder technische Dienstleister.
- Tarifbindung: Einen erheblichen Einfluss kann die Bezahlung nach Tarifvertrag haben. In der chemischen Industrie sind insbesondere die Tarifverträge der IGBCE und des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC) relevant; zusätzlich können Unternehmen übertarifliche Leistungen anbieten.
- Unternehmensgröße: Große Chemie-, Pharma- und Industriekonzerne verfügen häufig über höhere und stärker strukturierte Vergütungssysteme als kleine und mittelständische Unternehmen oder Ingenieurdienstleister.
- Verantwortung: Mit zunehmender Projekt-, Anlagen-, Budget- oder Personalverantwortung steigt in der Regel auch das Gehalt. Leitungsfunktionen in Produktion, Engineering oder Forschung und Entwicklung können entsprechend deutlich höher vergütet werden.
Hinweis: Der Wert von 7109 € der Bundesagentur für Arbeit ist das Median-Bruttomonatsentgelt sozialversicherungspflichtiger Vollzeitbeschäftigter in Deutschland und kein Einstiegsgehalt (Entgeltatlas der BA, Datenstand 2025).
Welche Karrierewege gibt es?
Chemieingenieurinnen und Chemieingenieure können sich sowohl fachlich spezialisieren als auch Projekt- und Führungsverantwortung übernehmen. Welche Laufbahn infrage kommt, hängt von Berufserfahrung, Qualifikation und Tätigkeitsbereich ab.
- Senior Engineer oder technische/r Spezialist/in: Vertiefung in einem Fachgebiet wie Verfahrenstechnik, Prozesssimulation, Anlagen- oder Prozesssicherheit.
- Projektleitung: Verantwortung für Entwicklungs-, Optimierungs- oder Anlagenprojekte sowie die Koordination verschiedener Fachbereiche.
- Team- oder Gruppenleitung: Führung von Teams beispielsweise in Produktion, Forschung und Entwicklung oder Engineering.
- Technische Leitung: Verantwortung für Produktionsanlagen, technische Prozesse, Sicherheit und Investitionen an einem Standort oder in einem Unternehmensbereich.
- Produktions- oder Bereichsleitung: Übernahme umfassender Verantwortung für Produktion, Personal, Budgets und strategische Entscheidungen.
- Technische Beratung: Wechsel ins Consulting, etwa für Prozessoptimierung, Anlagenplanung, Energieeffizienz oder Sicherheit.
- Selbstständigkeit: beispielsweise als beratende/r Ingenieur/in oder mit einem eigenen Ingenieur- bzw. Planungsbüro.
- Forschung und Promotion: Eine Promotion eröffnet insbesondere Karrierewege in der industriellen Forschung und Entwicklung sowie in Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen.
Jobs für Chemieingenieure
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Wie sind die Berufsaussichten?
Die Berufsaussichten für Chemieingenieurinnen und -ingenieure sind derzeit differenziert zu betrachten. Einerseits werden ihre Kenntnisse für die Digitalisierung und Dekarbonisierung industrieller Prozesse und eine effizientere Nutzung von Energie und Rohstoffen benötigt. Andererseits befindet sich die deutsche Chemieindustrie in einer schwierigen konjunkturellen und strukturellen Lage.
Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland steckt weiterhin in einer Schwächephase. Im ersten Halbjahr 2026 lag die Produktion rund 3% unter Vorjahresniveau, der Umsatz sank um 1% und die Investitionen gingen bereits im dritten Jahr in Folge zurück. Der VCI (Verein der Chemischen Industrie e.V.) berichtet zudem von unterausgelasteten Anlagen und weiterem Stellenabbau.
Trotz der angespannten Branchenlage gibt es weiterhin Stellen für Chemieingenieurinnen und -ingenieure, etwa in der Prozessentwicklung, Forschung, Anlagensicherheit und -bau und Pharmazie. Beispielsweise das Jobportal der Bundesagentur für Arbeit führte zuletzt mehrere Hundert passende Angebote. Das ist allerdings nur eine Momentaufnahme und kein Beleg für einen flächendeckenden Fachkräftemangel.
Automatisierung ersetzt den Beruf des Chemieingenieurs nicht, verändert aber die Anforderungen. Relevant werden vor allem Technologien wie:
- Digitale Zwillinge
- Numerische Simulation
- IoT-Plattformen
- Vernetzte Produktionsanlagen
- KI-gestütztes generatives Design
Zusätzliche Einsatzfelder entstehen dort, wo Produktionsprozesse energie- und ressourceneffizienter werden müssen, beispielsweise bei neuen Werkstoffen, Kreislaufprozessen, elektrifizierten Verfahren oder alternativen Rohstoffen. Gleichzeitig kann die Investitionsschwäche in Deutschland dazu führen, dass neue Anlagen und Forschungsprojekte häufiger im Ausland entstehen. Laut VCI verlagern Unternehmen Investitionen und Forschung zunehmend aus Deutschland heraus.
Für Chemieingenieurinnen und -ingenieure lässt sich aus den verfügbaren Daten kein allgemeiner, bundesweiter Fachkräftemangel ableiten. Die Nachfrage ist stark von Branche, Spezialisierung und Standort abhängig. Gute Perspektiven haben vor allem Fachkräfte, die klassische Verfahrenstechnik mit Digitalisierung, Automatisierung, Prozesssicherheit oder nachhaltiger Produktion verbinden.
Abgrenzung zu ähnlichen Berufen
| Ähnlicher Beruf | Gemeinsamkeiten | Abgrenzung zum Chemieingenieur |
| Verfahrensingenieur/in | Entwickelt, plant und optimiert industrielle Produktions- und Stoffumwandlungsprozesse. | Die Verfahrenstechnik ist breiter angelegt und umfasst auch rein physikalische, mechanische oder thermische Prozesse. Im Chemieingenieurwesen spielen chemische Reaktionen und Stoffeigenschaften eine stärkere Rolle. |
| Biotechnologieingenieur/in | Verbindet Naturwissenschaften mit Verfahrenstechnik und überträgt Prozesse in einen technischen bzw. industriellen Maßstab. | Der Schwerpunkt liegt auf biologischen Systemen und Verfahren, etwa mit Mikroorganismen, Zellen, Proteinen oder Enzymen. (Bundesagentur für Arbeit) |
| Pharmaingenieur/in / Pharmatechniker/in | Arbeitet ebenfalls an Produktionsverfahren und -anlagen und benötigt Kenntnisse aus Chemie und Verfahrenstechnik. | Die Tätigkeit ist stärker auf die Herstellung pharmazeutischer Produkte sowie die dafür geltenden Qualitäts- und Produktionsanforderungen spezialisiert. (Bundesagentur für Arbeit) |
| Chemiker/in | Beschäftigt sich mit chemischen Stoffen, Reaktionen, Analysen und der Entwicklung neuer Produkte oder Verfahren. | Chemiker/innen arbeiten stärker auf molekularer und stofflicher Ebene. Chemieingenieur/innen konzentrieren sich stärker darauf, chemische Erkenntnisse in technische und industriell skalierbare Prozesse zu übertragen. (Bundesagentur für Arbeit) |
| Ingenieur/in für Werkstofftechnik | Entwickelt und untersucht Materialien und deren Eigenschaften und kann ebenfalls in der Chemie- und Prozessindustrie tätig sein. | Im Mittelpunkt stehen Werkstoffe und deren Herstellung, Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten; beim Chemieingenieur sind es vor allem chemische und physikalische Produktionsprozesse. |
| Techniker/in für Chemietechnik | Arbeitet ebenfalls mit chemischen Produktionsverfahren, Anlagen, Qualitätskontrolle und Prozessoptimierung. | Chemietechniker/innen qualifizieren sich über eine berufliche Weiterbildung und arbeiten häufig stärker an der praktischen Umsetzung und Überwachung. Für Chemieingenieur/innen ist dagegen ein Hochschulstudium typisch; sie übernehmen häufiger Entwicklungs-, Planungs- und Auslegungsaufgaben. |
Häufige Fragen
Was macht ein Chemieingenieur?
Als Chemieingenieurin oder Chemieingenieur analysiert und optimiert man chemische und physikalische Prozesse in Labor- und Produktionsanlagen.
Wie viel verdient ein Chemieingenieur?
Das Einstiegsgehalt für einen Chemieingenieur liegt ungefähr bei 5100 € brutto/Monat. Das tatsächliche Gehalt hängt unter anderem von Branche, Berufserfahrung und Unternehmensgröße ab.
Welche Ausbildung braucht man als Chemieingenieur?
In der Regel ist ein Bachelorstudium des Chemieingenieurswesens oder eines verwandten ingenieurwissenschaftliche Studiengangs erforderlich. Für Führungspositionen oder Tätigkeiten in Forschung und Entwicklung ist ein Masterabschluss notwendig.
Wie sind die Zukunftsaussichten für den Beruf des Chemieingenieurs?
Die Berufsaussichten sind eher durchwachsen. Die konjunkturellen Schwankungen in der Chemie- und Pharmaindustrie haben auch Auswirkungen auf den Beruf des Chemieingenieurs. Langfristig verschiebt sich der Bedarf stärker in neue Kompetenzfelder, wie etwa energie- und ressourcenschonende Produktionsverfahren, alternative Werkstoffe und digitale Prozesse.
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