Wer wird als Nächstes gekündigt? Die Zahlen verraten überraschende Muster
Manchmal fühlt es sich wie ein Schlag ins Gesicht an: Der Job, auf den man sich jahrelang verlassen hat, ist plötzlich weg. Wer sollte sich Sorgen machen? Die Regionen, Branchen und Profile mit dem höchsten Risiko.
Jobverlust auf dem Radar: Wer muss als Nächstes gehen?
Foto: Smarterpix/YuriArcurs
Inhaltsverzeichnis
Jedes Jahr verlieren in Deutschland Tausende Menschen ihren Arbeitsplatz – doch Kündigung ist nicht gleich Kündigung. Während einige Branchen regelmäßig von Entlassungswellen erschüttert werden, trifft es andere Beschäftigtengruppen nur selten. Auch der Zeitpunkt spielt eine entscheidende Rolle: Bestimmte Monate und wirtschaftliche Phasen gelten als besonders kündigungsanfällig. Doch was bedeutet das für die Betroffenen konkret? Wer ist besonders gefährdet, wann wird am häufigsten gekündigt – und mit welcher Abfindung können Arbeitnehmer realistisch rechnen?
Antworten auf diese Fragen liefert der Kündigungsatlas 2025 des Verbraucherportals Allright. Die Auswertung basiert auf 2500 realen Kündigungsfällen aus ganz Deutschland und bietet exklusive Einblicke in Muster, Risiken und Chancen rund um Kündigungen.
Im Durchschnitt sind gekündigte Arbeitnehmer 41 Jahre alt und seit gut viereinhalb Jahren im Unternehmen. Eigentlich ein Alter, das für Erfahrung, Routine und Stabilität steht. Doch ein genauer Blick zeigt: Kündigungen verteilen sich auffällig oft auf die Ränder des Berufslebens. Kündigungen passieren also nicht nur in der „unsicheren Mitte“, sondern häufen sich gerade am Anfang und am Ende der Karriere. Wer neu startet oder dem Ruhestand näherkommt, ist also längst nicht so geschützt, wie viele denken.
Kündigungen kennen kein Alter
Besonders betroffen sind:
- Berufseinsteiger: In rund 6,2 % der Fälle kam das Aus bereits innerhalb der ersten sechs Monate im Job
- Ältere Beschäftigte: Ebenfalls 6,2 % der Kündigungen trafen Arbeitnehmer ab 60 Jahren
- Mitarbeiter in der Karriere-Mitte: Mit durchschnittlich 41 Jahren und mehreren Jahren Betriebszugehörigkeit bilden sie zwar die größte Gruppe – sind aber keineswegs automatisch sicher
Kündigungen treffen Männer häufiger – Frauen verlieren finanziell mehr
Ein Blick auf die Daten des Verbraucherportals Allright zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. 61 % der Kündigungen trafen Männer, während 31 % Frauen betrafen. Der Rest entfällt auf nicht näher ausgewiesene Fälle.
Auch der Familienstand spielt eine Rolle:
- 46,7 % der gekündigten Arbeitnehmer waren ledig
- 45,4 % waren verheiratet
- 7,5 % geschieden
- 0,4 % waren verwitwet
Gerade bei betriebsbedingten Kündigungen sind solche sozialen Faktoren rechtlich relevant. Arbeitgeber müssen bei der sogenannten Sozialauswahl unter vergleichbaren Mitarbeitern Kriterien wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit und Unterhaltspflichten berücksichtigen. Die Zahlen zeigen jedoch: In der Praxis schützt das nicht alle Gruppen gleichermaßen.
Besonders deutlich wird das beim Gehalt. Zum Zeitpunkt der Kündigung verdienten Männer im Schnitt 4545,73 € brutto im Monat. Frauen kamen dagegen nur auf 3230,22 € – ein Unterschied von über 1300 €.
Der Gender-Pay-Gap endet also nicht mit dem Arbeitsvertrag – er wirkt selbst beim Jobverlust weiter. Für Frauen bedeutet das häufig geringere Abfindungen und niedrigere Ansprüche auf Arbeitslosengeld.
Der Tag, an dem niemand Post vom Chef will
Wenn man vorher wüsste, wann Kündigungen am häufigsten ausgesprochen werden, würde man an manchen Tagen wohl besonders ungern ins Büro gehen. Doch was sagt die Statistik?
Der Blick in die Allright-Daten zeigt ein klares Wochenmuster: Der Montag ist der Kündigungstag Nummer eins. An keinem anderen Wochentag werden so viele Kündigungen überreicht.
So verteilen sich Kündigungen über die Woche:
- Montag: 23,2 %
- Mittwoch: 20,6 %
- Dienstag: 19,8 %
- Donnerstag: 18,4 %
- Freitag: 15,8 %
- Samstag: 1,4 %
- Sonntag: 0,8 %
Selbst das Wochenende ist also nicht völlig kündigungsfrei – auch wenn Kündigungen dort deutlich seltener ausgesprochen werden.
Doch nicht nur der Wochentag, auch der Zeitpunkt im Monat folgt einem festen Muster. Mehr als die Hälfte aller Kündigungen (51,6 %) wird zum Monatsende ausgesprochen. Weitere 29,5 % erfolgen in der Monatsmitte, während nur 18,9 % der Kündigungen in den ersten zehn Tagen eines Monats ausgesprochen werden.
Der Grund dafür ist meist pragmatisch: Gesetzliche und vertragliche Kündigungsfristen sehen häufig eine Beendigung zum Monatsende vor. Für viele Arbeitnehmer heißt das: Die schlechteste Nachricht kommt oft genau dann, wenn der Monat ohnehin schon endet.
Wo der Jobverlust besonders häufig zuschlägt
Der Allright Kündigungsatlas zeigt nicht nur, wer wann seinen Job verliert – sondern auch wo. Dabei werden deutliche regionale Unterschiede sichtbar. Kündigungen sind in Deutschland keineswegs gleichmäßig verteilt, sondern häufen sich in bestimmten Bundesländern.
An der Spitze stehen die wirtschaftsstarken und bevölkerungsreichen Länder:
- Nordrhein-Westfalen: 17,2 %
- Bayern: 17,1 %
- Baden-Württemberg: 14,1 %
Diese Regionen sind geprägt von einer hohen Dichte an Industrie- und Dienstleistungsunternehmen – genau jene Branchen, die besonders häufig von Umstrukturierungen, Sparprogrammen oder Standortverlagerungen betroffen sind. Wo viele Menschen arbeiten, werden am Ende auch mehr Kündigungen ausgesprochen.
Deutlich seltener kommt es dagegen in kleineren und strukturschwächeren Bundesländern zu Kündigungen. In Mecklenburg-Vorpommern entfielen lediglich 1,9 % aller Fälle, in Bremen und im Saarland sogar nur jeweils 0,8 %. Das dürfte vor allem an der geringeren Unternehmensdichte und niedrigeren Beschäftigtenzahl liegen.
Trotz dieser Unterschiede gilt jedoch: Kündigungen sind ein bundesweites Phänomen. Kein Bundesland ist völlig verschont – unabhängig von Region, Wirtschaftskraft oder Branchenfokus.
Natürlich spielt auch die Branche eine entscheidende Rolle. In den vergangenen Monaten wurde besonders häufig über Kündigungen in der Automobilbranche berichtet – und genau hier lassen sich die regionalen Hotspots klar ausmachen. Wo große Automobilhersteller, Zulieferer und Produktionsstandorte sitzen, schlagen Entlassungswellen besonders deutlich durch. Bundesländer mit starker Autoindustrie tauchen deshalb nicht zufällig an der Spitze der Kündigungsstatistik auf. Die Zahlen zeigen: Branchenkrisen bleiben selten abstrakt – sie lassen sich regional ziemlich genau auf der Landkarte nachzeichnen.
Ein Beitrag von: