Regieren alte Männer die Zukunft kaputt?
Gestalten alte Männer die Zukunft? Innovation entsteht oft im Verborgenen: Junge Talente treiben Fortschritt voran, brauchen aber mehr Sichtbarkeit und Einfluss.
Kreative Kinder: Ingenieure der Zukunft?
Foto: panthermedia.net/Dmyrto_Z
Aktuell kann man den Eindruck gewinnen, dass nur noch Männern jenseits der 70 zugetraut wird, die Welt zu regieren und in die Zukunft zu führen. In Politik, Wirtschaft und Technologie sitzen viele der sichtbarsten Entscheider in einem Alter, in dem frühere Generationen längst ihren Ruhestand genossen. Wer die Nachrichten verfolgt, gewinnt zunehmend den Eindruck, Zukunft sei inzwischen eine Angelegenheit der Vergangenheit geworden. Doch diese Schlussfolgerung ist zu einfach.
Tatsächlich entsteht Zukunft selten dort, wo die Kameras stehen. Sie entsteht in Entwicklungsabteilungen, Forschungslaboren, Start-ups, Hochschulen und Werkhallen. Sie entsteht dort, wo Ingenieurinnen und Ingenieure neue Materialien entwickeln, Produktionsprozesse effizienter machen oder intelligente Systeme programmieren. Und dort tut sich aktuell eine Menge. An Standorten mit starken Hochschulen, Aachen zum Beispiel, entstehen tolle Unternehmen, gegründet aus einer guten Idee, viel Engagement und dem Mut, die Herausforderung der Zukunft anzugehen. Die junge Generation hat eine Menge zu bieten, allerdings häufig zu wenig Einfluss und Sichtbarkeit.
Junge Generation: Sichtbarkeit herstellen!
In einer Zeit exponentieller technologischer Entwicklungen ist aktuelles Wissen genauso wertvoll wie jahrzehntelange Erfahrung. Die Frage sollte also immer lauten: Wer hat etwas Relevantes beizutragen? Und nicht: Wer hat etwas zu sagen?
Für Jung und Alt ergibt sich daraus eine Verantwortung. Es reicht nicht, darauf zu warten, eingeladen zu werden. Sichtbarkeit entsteht selten automatisch. Wer Einfluss gewinnen möchte, muss Position beziehen. Fachliche Expertise ist dabei eine wichtige Währung, Mut sich zu positionieren eine weitere. Junge Ingenieurinnen und Ingenieure sollten ihre Ideen nicht nur entwickeln, sondern auch vertreten. In Fachgremien, Berufsverbänden, Innovationsprojekten oder öffentlichen Debatten. Sie sollten Netzwerke aufbauen, ihre Arbeit sichtbar machen und lernen, technische Zusammenhänge verständlich zu erklären. Denn gute Ideen setzen sich nicht allein deshalb durch, weil sie gut sind. Sie brauchen Menschen, die für sie eintreten.
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Altersdiversität bezieht sich nicht nur auf Ältere
Gleichzeitig müssen Unternehmen und Institutionen ihre Perspektive verändern. Altersdiversität bedeutet nicht nur, ältere Beschäftigte länger im Berufsleben zu halten. Sie bedeutet auch, jungen Talenten früher Verantwortung zu übertragen. Die größten Innovationen entstehen meist dann, wenn Erfahrung und neue Perspektiven zusammentreffen. Wer Zukunft gestalten will, sollte diejenigen beteiligen, die in ihr leben werden.
Die Zukunft braucht Erfahrung. Aber sie braucht genauso Neugier, Mut und den Blick auf das, was noch möglich ist. Und diese Eigenschaften haben kein Verfallsdatum. Sie beginnen aber oft sehr viel früher als mit 70.
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