KI im Engineering: Warum Dokumente erst der Anfang sind
Wo KI im technischen Alltag ankommt, ist oft unspektakulär: bei Dokumenten. Eine Umfrage im Auftrag von Adobe zeigt, welche Aufgaben Ingenieure schon abgeben und woran das Vertrauen noch scheitert.
Künstliche Intelligenz unterstützt Ingenieurinnen und Ingenieure zunehmend bei der Bearbeitung technischer Dokumente.
Foto: NongEngEng/Smarterpix
Wo KI im technischen Arbeitsalltag ankommt, zeigt sich oft bei unspektakulären Aufgaben: Dokumente durchsuchen, Berichte bearbeiten oder E-Mails formulieren. Eine Untersuchung von Adobe Acrobat zeigt, dass 42 % der Beschäftigten in Ingenieurwesen und Produktion KI für die Arbeit mit Dokumenten nutzen. Eine weitere Studie der Futurum Group im Auftrag von IFS zeigt, wie Unternehmen KI-Agenten einsetzen wollen, um wiederkehrende Aufgaben zu übernehmen und fehlende Arbeitskapazitäten auszugleichen.
Inhaltsverzeichnis
- KI übernimmt erste Dokumentenaufgaben
- KI-Agenten sollen Arbeitskapazitäten schaffen
- Autonome KI bleibt bislang begrenzt
- KI-Agent findet alten Fehler in Teilenummer
- Wie stark Ingenieure KI nutzen
- Vertrauen bleibt eine Hürde
- KI verändert die Verteilung von Aufgaben
- So wurden die KI-Studien durchgeführt

KI übernimmt erste Dokumentenaufgaben
Über alle Branchen hinweg erwarten die Befragten einen deutlichen Produktivitätsgewinn durch KI. 67 % geben an, dass sie mit KI bis zu acht Stunden Arbeitszeit pro Woche einsparen können.
Häufig geht es um Aufgaben, die bereits zum Arbeitsalltag gehören. 29 % nutzen KI zum Erstellen oder Bearbeiten von E-Mails, Berichten oder PDFs. Weitere 25 % setzen KI für Übersetzungen und die Lokalisierung von Inhalten ein.
Damit kommt KI vor allem bei wiederkehrenden und administrativen Tätigkeiten zum Einsatz. Die Systeme unterstützen Beschäftigte bei der Verarbeitung von Informationen, ohne deren Arbeit vollständig zu übernehmen.
Für Ingenieurinnen und Ingenieure betrifft das etwa technische Dokumente, Berichte oder umfangreiche Informationssammlungen. Gerade dort kann die Suche nach bestimmten Angaben viel Zeit beanspruchen.
KI-Agenten sollen Arbeitskapazitäten schaffen
In der Industrie geht der Einsatz über einzelne Dokumentenaufgaben hinaus. Unternehmen untersuchen zunehmend, ob KI-Agenten komplette Abläufe übernehmen können. Die Futurum Group hat dazu im Auftrag von IFS untersucht, wie Unternehmen sogenannte digitale Arbeitskräfte einsetzen wollen.
Damit sind KI-Agenten gemeint, die betriebliche Abläufe überwachen, Aufgaben selbstständig ausführen und innerhalb vorgegebener Regeln Entscheidungen treffen können.
Die Studie zeigt zugleich, warum das Thema für Unternehmen interessant ist: Beschäftigte in der Industrie verbringen demnach 41 % ihrer Arbeitszeit mit manuellen und wiederholenden Aufgaben.
Für 77 % der befragten Entscheider haben fehlende personelle Kapazitäten bereits dazu geführt, dass strategische Vorhaben verschoben oder abgesagt wurden. In der DACH-Region lag der Anteil bei 73 %.
Somya Kapoor, CEO von IFS Loops, bezeichnet die begrenzten Arbeitskapazitäten deshalb als „erhebliches betriebliches Problem“. Digitale Arbeitskräfte könnten nach ihrer Einschätzung helfen, diese Engpässe abzufedern: „Sie erlauben es Unternehmen, Arbeitskapazitäten freizumachen, statt einfach nur um die Engpässe herumzuarbeiten.“
66 % der befragten Unternehmen wollen nach der Studie in den kommenden zwölf Monaten in digitale Arbeitskräfte investieren. In der DACH-Region sind es 57 %.
Autonome KI bleibt bislang begrenzt
Von vollständig autonomen Systemen ist die Industrie allerdings noch entfernt. Nur 5,7 % der befragten Entscheider trauen KI zu, vollständig autonom zu handeln. 10 % der Unternehmen geben zugleich an, bereits überwiegend autonome KI einzusetzen. In der DACH-Region sind es 12 %.
Die beiden Werte beziehen sich auf unterschiedliche Fragen der Untersuchung und sind deshalb nicht unmittelbar miteinander vergleichbar.
In vielen Anwendungen bleibt der Mensch eingebunden. KI-Agenten übernehmen klar definierte, wiederkehrende Aufgaben. Bei Freigaben, Entscheidungen oder fachlichen Einschätzungen greifen Beschäftigte ein.
Für Ingenieurinnen und Ingenieure kann sich dadurch die Verteilung der Arbeit verändern. Routinetätigkeiten lassen sich an KI-Systeme abgeben, während Fachleute Ergebnisse prüfen und bei komplexeren Entscheidungen eingreifen.
KI-Agent findet alten Fehler in Teilenummer
Wie solche Systeme eingesetzt werden können, zeigt ein Beispiel des Elektronikfertigers Kitron Group. Nach Angaben von IFS führt das Unternehmen bis Ende 2026 an 13 Standorten digitale Arbeitskräfte für den Purchase-to-Order-Prozess ein.
Die Systeme werden in die bestehende Software integriert und arbeiten innerhalb der bereits definierten Regeln und Freigabeprozesse.
Während des Roll-outs stieß ein KI-Agent nach Angaben von IFS auf einen zehn Jahre alten Fehler bei einer Teilenummer. In den bisherigen manuellen Abläufen war die Abweichung demnach unbemerkt geblieben.
Der Fall zeigt, dass KI-Agenten nicht nur einzelne Arbeitsschritte automatisieren können. Sie können auch Abweichungen in bestehenden Abläufen erkennen – sofern sie Zugriff auf die entsprechenden Daten und Prozesse haben.
Wie stark Ingenieure KI nutzen
Die Nutzung von KI unterscheidet sich je nach Branche. In Wirtschaft, Beratung und Management verwenden 46 % der Beschäftigten KI zum Erstellen oder Bearbeiten von Dokumenten. In der Finanzbranche sind es 36 %.
Im Ingenieurwesen und in der Produktion liegt der Anteil bei 42 %. Dort stehen technische Dokumente und andere informationsintensive Aufgaben im Mittelpunkt.
Im Marketing zeigt sich ein anderes Einsatzmuster. 36 % der Beschäftigten nutzen KI für Marketing- und Vertriebsaktivitäten, etwa zur Content-Erstellung, Personalisierung oder für visuelle Inhalte.
Von einer flächendeckenden Nutzung kann dennoch keine Rede sein: 26 % der Befragten geben an, bei der Arbeit überhaupt keine KI-Tools einzusetzen.
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Vertrauen bleibt eine Hürde
Mit der Nutzung von KI rückt auch die Frage nach Zuverlässigkeit und Sicherheit in den Mittelpunkt.
Für 26 % der Befragten sind Datenschutz und Datensicherheit die größte Herausforderung. 21 % nennen die Genauigkeit von KI-generierten Inhalten und mögliche Fehler als wichtigste Sorge.
Im technischen Umfeld können fehlerhafte Angaben direkte Folgen für nachfolgende Arbeitsschritte haben. Das gilt etwa für Produktspezifikationen, Normen oder technische Dokumentationen. Die Prüfung durch Fachleute bleibt deshalb ein wichtiger Teil des Einsatzes.
Auch bei Männern und Frauen unterscheiden sich die Angaben nur geringfügig. 28 % der Männer und 24 % der Frauen sehen Datenschutz und Datensicherheit als größte Herausforderung. Einschränkungen durch unternehmensinterne KI-Regeln nennen 15 % der Männer und 13 % der Frauen.
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KI verändert die Verteilung von Aufgaben
Die beiden Untersuchungen zeigen unterschiedliche Stufen des KI-Einsatzes: Bei der Dokumentenarbeit unterstützt KI bereits bei konkreten Aufgaben. KI-Agenten gehen einen Schritt weiter und können mehrere Arbeitsschritte innerhalb eines Prozesses übernehmen.
Für Ingenieurinnen und Ingenieure bedeutet das nicht automatisch, dass ganze Tätigkeiten verschwinden. Verändern kann sich aber, welche Aufgaben sie selbst ausführen und welche Systeme übernehmen.
Bei wiederkehrenden Abläufen kann KI Arbeit abnehmen. Fachwissen bleibt dort gefragt, wo Ergebnisse eingeordnet, kontrolliert und Entscheidungen getroffen werden müssen. Wie weit Unternehmen solche Systeme einsetzen, hängt deshalb auch davon ab, welche Prozesse sich automatisieren lassen und welche Verantwortung beim Menschen bleiben soll.
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So wurden die KI-Studien durchgeführt
Der Bericht „Der Aufstieg von KI-Dokumenten“ basiert auf einer Befragung von 1500 Menschen in Deutschland, die 3Gem im Auftrag von Adobe Acrobat im April 2026 durchgeführt hat. Zusätzlich wurden Google-Ads-Suchdaten über DataForSEO ausgewertet.
Für die Analyse bündelte Adobe Suchbegriffe zu aufgabenbezogenen Keyword-Clustern. Damit sollten typische Dokumenten-Workflows abgebildet und die Daten für den deutschsprachigen Raum eingeordnet werden.
Auf eine Trennung zwischen Suchanfragen mit und ohne KI-Bezug wurde verzichtet. Adobe begründet dies damit, dass auch allgemein formulierte Suchanfragen bereits eine konkrete KI-Nutzungsabsicht widerspiegeln können.
Die vollständige Analyse inklusive Methodik ist bei Adobe Acrobat abrufbar.
Die Angaben zu KI-Agenten und digitalen Arbeitskräften stammen aus der Untersuchung der Futurum Group im Auftrag von IFS.
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