IT-Jobmarkt dreht sich: Diese Fachkräfte werden trotz Stellenflaute gesucht
IT-Fachkräftelücke schrumpft: Nur noch 79.000 IT-Stellen sind offen. Gefragt bleiben Administration, Softwareentwicklung und KI-Kompetenzen.
KI dürfte IT-Fachkräfte nicht überflüssig machen, verändert nach Einschätzung vieler Unternehmen aber Aufgaben und gesuchte Kompetenzen.
Foto: Gorodenkoff/SmarterpixI
Die Lage auf dem deutschen IT-Arbeitsmarkt hat sich deutlich verändert. Unternehmen schreiben weniger Stellen aus, zugleich ist die von Bitkom ermittelte Zahl unbesetzter IT-Stellen seit dem Rekordjahr 2023 stark gesunken.
Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom können aktuell rund 79.000 Stellen für IT-Fachkräfte nicht besetzt werden. Im Jahr 2023 waren es noch 149.000, 2025 lag die Zahl bei 109.000. Innerhalb von drei Jahren ist die Zahl der unbesetzten IT-Stellen damit um rund 47 % gesunken.
Inhaltsverzeichnis
- 97 % der Unternehmen melden Probleme bei der Personalsuche
- IT-Administration und Softwareentwicklung besonders gefragt
- Cybersicherheitsexperten nicht ganz vorn auf der Liste
- Künstliche Intelligenz erreicht die IT-Abteilungen
- Unternehmen erwarten zusätzlichen Bedarf an KI-Kompetenzen
- Mehrheit rechnet nicht mit einem Abbau von IT-Stellen durch KI
- Erfahrene IT-Fachkräfte und Führungskräfte könnten betroffen sein
- KI könnte klassische Einstiegsaufgaben übernehmen
- Soft Skills gewinnen im KI-Zeitalter an Bedeutung
- Wissensmanagement und IT-Sicherheit als KI-Einsatzfelder
- Weiterbildung bleibt wichtigste Maßnahme gegen den Fachkräftemangel
- Quereinstieg und Nachwuchsförderung gegen den IT-Fachkräftemangel
- Unternehmen verlangen Unterstützung von der Politik
- So wurde die Bitkom-Studie durchgeführt
Der Bitkom spricht dennoch von einer weiterhin angespannten Situation. 78 % der befragten Unternehmen beobachten laut Bitkom derzeit einen Mangel an IT-Fachkräften. Lediglich 14 % bewerten das verfügbare Angebot als ausreichend, 5 % sehen ein Überangebot.
Eine dauerhafte Entspannung erwarten die meisten Betriebe nicht. 76 % gehen davon aus, dass sich der IT-Fachkräftemangel in den kommenden Jahren wieder verschärfen wird. 15 % rechnen mit einer gleichbleibenden Situation und lediglich 8 % mit einem weiteren Rückgang.
„Gut qualifizierte IT-Fachkräfte bleiben auch in der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage gefragt“, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.
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97 % der Unternehmen melden Probleme bei der Personalsuche
97 % der befragten Unternehmen mit IT-Stellen berichten von Problemen bei der Personalsuche. Dabei geht es laut Bitkom nicht allein um die Zahl der Bewerbungen, sondern auch um die Qualifikationen der Kandidatinnen und Kandidaten.
31 % der Unternehmen geben demnach an, praktisch keine Bewerbungen auf offene IT-Stellen zu erhalten. 47 % bemängeln fehlende Deutschkenntnisse, 43 % eine zu geringe fachliche Qualifikation und 32 % fehlende Soft Skills. Bei 33 % erfüllen die Bewerberinnen und Bewerber nach Einschätzung der Firmen die Anforderungen an Kenntnisse neuer Technologien nicht.
„Gerade in der IT verändern sich die gefragten Kompetenzen besonders schnell“, sagt Wintergerst. „Deshalb ist entscheidend, dass Beschäftigte ihr Wissen kontinuierlich weiterentwickeln und Unternehmen die nötige Weiterbildung ermöglichen.“
IT-Administration und Softwareentwicklung besonders gefragt
Unternehmen mit offenen IT-Stellen suchen derzeit vor allem Fachkräfte für klassische IT-Aufgaben. Bei 26 % der Betriebe mit vakanten Stellen fehlen Beschäftigte für IT-Administration und Systembetrieb. Fachkräfte für Softwareentwicklung und Softwarearchitektur werden von 17 % gesucht, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Cloud und Infrastruktur von 14 %.
12 % suchen Personal für den Bereich künstliche Intelligenz. Dahinter folgen IT-Sicherheit mit 11 %, IT-Beratung mit 9 %, Data Science mit 7 % sowie Qualitätssicherung und Testing mit 6 %. IT-Projektmanagement und IT-Koordination werden von 4 % der Unternehmen mit offenen IT-Stellen genannt.
Cybersicherheitsexperten nicht ganz vorn auf der Liste
Damit konzentriert sich die Nachfrage bislang nicht ausschließlich auf neue KI-Berufe. Auch der Betrieb bestehender Systeme, die Entwicklung von Software und der Ausbau der technischen Infrastruktur bleiben wichtige Aufgabenfelder. Verwundert zeigte sich Wintergerst darüber, dass Spezialisten mit Cybersicherheits-Kenntnissen erst an fünfter Stelle genannt werden. Die aktuellen Ereignisse würden zeigen, wie wichtig dieser Bereich ist.
Künstliche Intelligenz erreicht die IT-Abteilungen
Künstliche Intelligenz wird inzwischen in vielen IT-Teams eingesetzt. 42 % der Unternehmen mit IT-Stellen nutzen KI bereits in ihrer IT-Abteilung oder bei der Arbeit ihrer IT-Fachkräfte. Weitere 36 % planen den Einsatz, 13 % diskutieren darüber. Für lediglich 7 % ist KI in der IT aktuell kein Thema.
Von einem flächendeckenden Einsatz kann allerdings noch nicht gesprochen werden. Unter den Unternehmen, die bereits mit KI arbeiten, setzen 43 % die Technologie nur vereinzelt ein. 46 % verwenden sie in einigen Bereichen und 7 % in fast allen Bereichen.
„KI kann in der IT zu einem echten Produktivitätstreiber werden“, so Wintergerst. „Sie kann Routineaufgaben übernehmen, Prozesse beschleunigen und IT-Fachkräfte entlasten, so dass mehr Zeit für komplexe und strategische Aufgaben bleibt.“
Unternehmen erwarten zusätzlichen Bedarf an KI-Kompetenzen
Mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz steigt bei vielen Unternehmen nach Angaben von Wintergerst der Bedarf an entsprechenden Fachkenntnissen. 49 % der Betriebe mit IT-Stellen erwarten eine stärkere Nachfrage nach IT-Fachkräften mit KI-Wissen. 19 % gehen auf jeden Fall von einem zusätzlichen Bedarf aus, 30 % halten ihn eher für wahrscheinlich.
Fast ebenso viele Unternehmen rechnen allerdings nicht mit einer höheren Nachfrage. 48 % erwarten keinen zusätzlichen Bedarf an KI-Fachkräften. Davon antworteten 17 % mit „auf keinen Fall“ und 31 % mit „eher nicht“.
„Auch wenn die Nachfrage nach KI-Experten derzeit noch zurückhaltend ist, erwartet die Hälfte der Unternehmen einen zusätzlichen Bedarf. Je stärker KI in den IT-Teams Einzug hält, desto wichtiger werden Spezialistinnen und Spezialisten, die damit umgehen können“, sagt Wintergerst.
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Mehrheit rechnet nicht mit einem Abbau von IT-Stellen durch KI
Bislang habe KI nur in wenigen Unternehmen zum Abbau von Arbeitsplätzen geführt. Von den Betrieben, die KI bereits in ihrer IT einsetzen, hätten 10 % vereinzelt IT-Stellen gestrichen. Einen umfangreicheren Stellenabbau meldete laut Wintergerst keines der befragten Unternehmen. 85 % haben laut Umfrage durch KI bisher keine IT-Stellen abgebaut.
Für die Zukunft erwartet rund ein Drittel der Unternehmen mit IT-Stellen Veränderungen bei der Beschäftigung. 11 % gehen fest davon aus, Stellen infolge des KI-Einsatzes abzubauen, weitere 21 % halten dies eher für wahrscheinlich. Dagegen rechnen 65 % nicht mit einem Stellenabbau. Darunter antworteten 24 % mit „eher nicht“ und 41 % mit „auf keinen Fall“.
„KI ist eine disruptive Technologie. Sie wird Berufsbilder und Tätigkeiten verändern – und auch Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt erzeugen“, erklärt Wintergerst. „KI übernimmt zwar einzelne Aufgaben, gleichzeitig entstehen neue Anforderungen und Tätigkeitsfelder. Ein Abbau an der einen Stelle kann deshalb mit zusätzlichem Bedarf an anderer Stelle einhergehen.“
Erfahrene IT-Fachkräfte und Führungskräfte könnten betroffen sein
KI kommt nach Angaben der befragten Unternehmen unter anderem dort zum Einsatz, wo offene Stellen nicht besetzt werden können. Von den Firmen, die bereits IT-Stellen abgebaut haben oder künftig damit rechnen, geben 35 % an, dass KI freie Stellen ersetzt, für die sie keine Beschäftigten mehr finden können oder einstellen wollen.
In einzelnen Unternehmen kann der KI-Einsatz auch bereits besetzte Arbeitsplätze betreffen. Von den Firmen, die entsprechend verfahren, bauen 47 % Stellen erfahrener IT-Fachkräfte ab. Bei 30 % sind Führungskräfte im IT-Bereich betroffen, bei 25 % Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger.
KI könnte klassische Einstiegsaufgaben übernehmen
Deutlicher als bei der Zahl der Arbeitsplätze dürften die Veränderungen bei den Tätigkeitsprofilen ausfallen. 74 % der Unternehmen erwarten, dass die strategische Steuerung und Kontrolle von KI für IT-Fachkräfte wichtiger werden. 63 % gehen davon aus, dass Kenntnisse über KI und entsprechende Werkzeuge künftig in allen IT-Berufen benötigt werden.
61 % rechnen laut Bitkom damit, dass der Weiterbildungsdruck für IT-Fachkräfte zunimmt. Ebenso viele Unternehmen erwarten, dass Routineaufgaben zunehmend wegfallen. 55 % gehen davon aus, dass dies auch klassische Einstiegsaufgaben betrifft. Damit könnte sich insbesondere der Berufseinstieg in die IT verändern, wenn Tätigkeiten, über die Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger bislang praktische Erfahrungen sammeln, automatisiert werden. 38 % der Unternehmen gehen davon aus, dass KI einzelne IT-Berufe und Berufsbilder weitgehend ersetzt.
„KI kann Aufgaben übernehmen, die bislang etwa von Entwicklerinnen und Entwicklern erledigt wurden. Das bedeutet aber nicht, dass IT-Fachkräfte überflüssig werden. KI verändert ihre Aufgaben und die gefragten Kompetenzen – und schafft zugleich neue Tätigkeitsfelder“, sagt Wintergerst.
Soft Skills gewinnen im KI-Zeitalter an Bedeutung
Mit dem Einsatz von KI verbinden die Unternehmen auch mögliche Produktivitäts- und Qualitätssteigerungen. 31 % erwarten eine steigende Produktivität, 30 % eine höhere Qualität der Arbeitsergebnisse.
Neben technischen Kenntnissen könnten andere Fähigkeiten wichtiger werden. 29 % der Unternehmen gehen davon aus, dass Soft Skills für IT-Fachkräfte künftig eine größere Bedeutung haben werden als fachliche Kompetenzen. Dazu können beispielsweise Kommunikationsfähigkeit, Zusammenarbeit und die Vermittlung komplexer technischer Zusammenhänge gehören.
Wissensmanagement und IT-Sicherheit als KI-Einsatzfelder
Am häufigsten verwenden Unternehmen KI derzeit für das Wissensmanagement und die interne Informationssuche. 21 % setzen die Technologie dafür bereits ein. Von den Unternehmen, die noch keine KI in ihrer IT-Abteilung nutzen, prüfen 37 % einen Einsatz in diesem Bereich.
Bei der IT-Sicherheit verwenden bislang lediglich 3 % KI-Anwendungen. 36 % erwägen jedoch, die Technologie künftig einzusetzen. Für die Automatisierung von Routineaufgaben in der Datenanalyse und Auswertung nutzen 9 % bereits KI, weitere 27 % denken darüber nach.
Ebenfalls 9 % setzen KI bei Softwaretests und Fehleranalysen ein. Weitere 16 % prüfen entsprechende Anwendungen.
Weiterbildung bleibt wichtigste Maßnahme gegen den Fachkräftemangel
Um ihren Bedarf an IT-Fachkräften zu decken, setzen Unternehmen nach eigenen Angaben unterschiedliche Instrumente ein. Jeweils 34 % nutzen Weiterbildungsprogramme oder arbeiten mit der Bundesagentur für Arbeit zusammen. 31 % kooperieren mit Universitäten, 28 % betreiben Nachwuchsförderung im IT-Bereich und 22 % arbeiten mit Schulen zusammen.
19 % setzen verstärkt KI ein, um ihren Fachkräftebedarf zu decken. 18 % greifen auf externe IT-Fachkräfte zurück. Lediglich 4 % unternehmen derzeit nichts, um ihren Bedarf an IT-Personal zu decken. Im Durchschnitt nutzen die Unternehmen drei verschiedene Maßnahmen.
Quereinstieg und Nachwuchsförderung gegen den IT-Fachkräftemangel
Ein Teil der Unternehmen versucht nach Angaben des Bitkom, bislang weniger stark berücksichtigte Beschäftigtengruppen für IT-Aufgaben zu gewinnen. 20 % setzen auf Programme, mit denen ältere Beschäftigte länger im Beruf gehalten werden sollen. 17 % bieten Programme für den Quereinstieg an.
15 % nutzen spezielle Rekrutierungs- und Fördermaßnahmen für Frauen, 10 % haben Diversitäts- und Inklusionsprogramme. Nur 6 % rekrutieren verstärkt IT-Fachkräfte aus dem Ausland.
Unternehmen verlangen Unterstützung von der Politik
Die Unternehmen sehen auch die Politik in der Pflicht. 64 % geben an, dass ihnen eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit helfen würde, ihren IT-Fachkräftebedarf zu decken. 58 % wünschen sich eine stärkere Förderung der Fachkräfteeinwanderung, 52 % den Erhalt der Vertrauensarbeitszeit und 49 % eine Reform des Statusfeststellungsverfahrens für Selbstständige.
47 % sprechen sich dafür aus, Hochschulen als Orte der beruflichen Weiterbildung zu stärken. 46 % fordern ein bundesweites Pflichtfach Informatik, 45 % eine stärkere Berufsorientierung an Schulen und 40 % einen Ausbau der frühen MINT-Bildung.
So wurde die Bitkom-Studie durchgeführt
Grundlage der Ergebnisse sind zwei repräsentative telefonische Befragungen, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Befragt wurden 853 beziehungsweise 602 Unternehmen ab drei Beschäftigten in Deutschland. Die Erhebungen fanden zwischen Kalenderwoche 18 und Kalenderwoche 25 des Jahres 2026 statt.
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