Management

Wertschöpfung durch Wertschätzung

Nahrhafte Kost, Zeit und Raum für Bewegung sowie ein ergonomisch eingerichtetes Büro sind die wichtigsten Merkmale guten Gesundheitsmanagements. Falsch! Wichtiger ist eine Unternehmenskultur der Wertschätzung, in der Mitarbeiter nicht als Kostenfaktoren, sondern als Mitmenschen betrachtet werden.

Die deutsche Wirtschaft ist im Aufwind. Die körperliche und seelische Fitness der Berufstätigen ist es nicht. Belastung und Stress am Arbeitsplatz nähmen zu, konstatierte Melanie Huml, Staatssekretärin im bayerischen Gesundheitsministerium, vor einigen Monaten auf der Fachtagung „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“.

Möglichkeiten, dieses Problems Herr zu werden, gebe es einige: Maßnahmen zur Stressreduzierung, Bewegung am Arbeitsplatz, gesundes Kantinenessen oder eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Der Einsatz lohnt sich: Betriebliche Gesundheitsförderung verbessert nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter“, sagte Huml.

Allein mit Obst, Gemüse und ergonomischen Bürostühlen ist aber längst noch keine dauerhafte Gesundung gewonnen, weiß auch die Politikerin. Grundvoraussetzung für Leistungsfähigkeit und Motivation seien die Faktoren Sicherheit, angemessene Bezahlung und nicht zuletzt Wertschätzung, fügte Nikolaus Melcop an, Präsident der Psychotherapeutenkammer Bayern.

Aber was ist Wertschätzung? Vielleicht das: „Na, Müller, wie geht es Ihnen? Was macht die Familie?“ Nun ja, der Vorgesetzte hat per Smalltalk einen Anfang gemacht, aber wahre Wertschätzung ist mehr als das Herunterleiern netter Floskeln. „Sie hat immer einen individuellen Charakter, und wenn wir Wertschätzung begegnen, dann vermittelt uns dies gute Gefühle und hebt unsere Stimmung“, urteilt Renate Hauser, Dozentin und Personal-Coach für Führungskräfte.

Wertschätzung geht über den Wert der Effizienz hinaus

Geringschätzung äußert sich selten durch die Holzhammermethode, wie durch massive Kritik. Sie wirkt meist subtiler. „Oft kommt sie durch einen Mangel an Achtsamkeit und Einfühlungsvermögen, an Zuverlässigkeit, Respekt und Fairness zum Ausdruck“, beobachtet Renate Hauser einen bedenklichen Trend. „Mitmenschlichkeit und Wärme sind keine Selbstverständlichkeit. Nicht zuletzt fehlt es an der Anerkennung erbrachter Leistungen.“

Wertschätzung gehe über den Wert der Effizienz hinaus. „Es ist die Achtung vor dem Wert und der Würde eines Menschen an sich. Bleibt sie aus, kann dies nicht nur zur Kränkung, sondern zu einer gravierenden persönlichen Verletzung führen.“

Mit Sozialromantik habe das nichts zu tun, bekräftigt Renate Hauser. Denn die Liste der Folgen sei lang, wenn Mitarbeitern die Wertschätzung versagt bleibt: ein Verlust von Einsatzbereitschaft und Kreativität, Dienst nach Vorschrift, innere Kündigung, Frustration, Resignation bis hin zum Burn-out.

Und Demotivation sei ansteckend: „Die Teeküchen verwandeln sich in Gerüchteküchen.“ Der Reiz, es denen da oben heimzuzahlen, wächst. Betroffen sind nicht nur die, deren Leistung nicht gewürdigt wird, sondern das ganze Unternehmen. „Wertschöpfung durch Wertschätzung“ werde somit zur betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit. Höchstleistungen seien nur von motivierten Mitarbeitern zu erwarten.

Die Frage nach dem Sinn der Arbeit rückt zunehmend in den Hintergrund

Renate Hauser aber bezweifelt, dass sich dieses Denken in den Köpfen der Manager angesichts der Priorisierung von Umsatz, Rendite und Shareholder Value in absehbarer Zeit durchsetzen wird: „Führungskräfte wie Mitarbeiter wirken auf mich bisweilen wie Gefangene eines Systems, obwohl immer deutlicher wird, dass dieses System an seine Grenzen gelangt ist.“ Die Frage nach dem Sinn von Arbeit gerate bei dem blinden Streben nach Kennzahlen vollends in den Hintergrund.

„Führen wird oft mit Kontrolle verwechselt“, beanstandet der Kasseler Arbeitspsychologe Oliver Sträter. In 70 % aller Fälle verstehe sich der Vorgesetzte als Kontrolleur seines „Untergebenen“ und nicht als kooperierender „Mit-Arbeiter“. Während sich der Beaufsichtigte verweigert, wächst das Misstrauen des Chefs. Er überprüft den Mitarbeiter immer stärker, um ihn auf die „richtige“ Bahn zu lenken und bewertet ihn immer negativer. Der Stress für den Mitarbeiter steigt, die Folgen sind bekannt.

Wertschätzung ist eine Herzensangelegenheit

Wertschätzung sei kein Thema für Seminare, betont Stephan Schröer, der der Abtei Königsmünster 25 Jahre als Abt vorstand. Der gelernte Diplom-Kaufmann war verantwortlich für eine Bruderschaft mit 60 Mönchen und einen Wirtschaftsbetrieb mit 150 Beschäftigten. Die meisten Manager glaubten, sich Werte über Techniken aneignen zu können. „Aus meiner Sicht schließen sich die Begriffe ,Wertschätzung“ und ,Technik“ aus“, sagte Schröer der Zeitschrift „praeview“. „Techniken sind ergebnisorientiert und basieren auf einer direkten Instrumentalität: Ich als Führungskraft gebe jemandem eine bestimmte Dosis Wertschätzung und er wird dann zufriedener und engagierter arbeiten. Ich würde davor warnen, das so zu sehen.“

Wer jemanden wirklich wertschätze, tue das nicht aus Kalkül, sondern, weil er so empfinde. Wertschätzung sei eine Herzensangelegenheit. Die Kultur des Kümmerns, der Motivation und der Entwicklung von Mitarbeitern müsse zur originären Aufgabe werden, operative Aufgaben könnte ein für die wirtschaftlichen Belange zuständiger Experte übernehmen.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, so denkt es sich Schröer, müssten Führungskräfte gereifte Persönlichkeiten sein. „Wenn Sie sich junge Manager anschauen, können Sie sie manchmal gar nicht mehr unterscheiden: Sie tragen dieselben Anzüge, Krawatten und haben auch ähnliche Gesichter. Da würde ich mir eher ,Typen“ wünschen. Und den Managern würde ich sagen: ,Bitte lernt doch erst mal, selbst zu leben, dann werdet ihr gut führen – und infiziert nicht den ganzen Laden mit eurer Unreife“.“

Von Wolfgang Schmitz

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