Tipps für gutes Management 21.04.2026, 11:00 Uhr

Wer gut führen will, muss erzählen können

Menschen lassen sich lieber durch stimmige Geschichten zu einem gewünschten Tun inspirieren als durch Anweisungen, sachliche Darstellungen, nüchterne Erklärungen und trockene Fakten. Erzählungen, Menschliches und Emotionales haben, wissenschaftlich belegt, im Gehirn Vorfahrt. Nicht derjenige mit den besten Argumenten überzeugt, sondern derjenige, der die ansprechendste Story erzählt.

Mann mit Schlips vor Mikro

Wer Erfolg haben will, muss gute Geschichten erzählen können.

Foto: PantherMedia / Andriy Popov

„Ich bin doch kein Märchenonkel!“ Erbost sitzt der Manager in meinem Workshop. Die Arme hat er demonstrativ vor sich verschränkt. Entrüstung zeigt sich in seinem Gesicht, unwohl rutscht er hin und her. Seine Welt seien die Zahlen, sagt er, das sei sein Ding. Dabei ist es doch gerade die Welt der Zahlen und Daten, die Geschichten braucht, damit jeder in einfachen Worten versteht, was solche Konstrukte tatsächlich bedeuten.

Fakten bleiben nicht im Kopf haften

Fakten gehen zum einen Ohr herein und zum anderen wieder heraus, das wissen wir doch. Geschichten hingegen sind spannend. Und oft unvergesslich. Sie verwandeln Informationen in Motivation. Wer sich stattdessen auf seine Zahlenexpertise versteift, macht sich ersetzlich. Alles Analytische kann eine KI längst schneller. Und besser.

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Vor allem komplexe Sachverhalte brauchen griffige Narrative, um im Oberstübchen Fuß zu fassen. Wem etwas undurchsichtig erscheint, der verweigert sich und schaltet ab. Denn Zahlen, Daten und Fakten sind Schwerstarbeit für unseren Denkapparat. Gutes Storytelling hingegen vertreibt die Angst vor dem Unbekannten. Leicht und beschwingt nimmt es uns mit in einen Möglichkeitsraum, ohne uns zu bedrängen.

Facts tell. Storys sell. Also dann: Die Story zuerst!

Narratives Führen, also die Fähigkeit, Botschaften durch begleitende Erzählungen mit Bedeutung aufzuladen und annehmbar zu verpacken, wird besonders in einer sich technokratisierenden Arbeitswelt zunehmend entscheidend. Überzeugungskraft ist das zentrale Kommunikationselement eines Leaders der Zukunft. Sprich: Er brilliert durch Narrative. Sie sind das wertvollste Führungsinstrument in seinem Werkzeugkasten.

Emotionales Gedöns hat am Arbeitsplatz aber doch nichts zu suchen? Dieser Mythos stammt aus dem tiefsten letzten Jahrhundert, als man damals begann, industrielle Fertigungsprozesse mit Zeiterfassungsmethoden zu messen. In den Fabrikhallen und Büros war sogar das Reden während der Arbeit verboten. Man sah nur die Zeit, die ein kurzes Pläuschchen vermeintlich kostet, nicht aber den Auftrieb, den so etwas bringt.

Wer zielstark führen will, braucht Erzählexpertise

Erzählungen machen etwas mit uns, was Ansagen, Appellen und rein sachlichen Argumenten niemals gelingt: Sie berühren. Sie bewegen. Sie spülen Verhärtetes weich. Sie sorgen für Aufmerksamkeit, Anschlussfähigkeit und Bereitschaft. Sie schaffen emotionale Verbundenheit. Und sie stiften Sinn. Sie erlauben es auf gefahrlose Weise, Alternativen geistig zu durchleben, bis wir sie schließlich für möglich halten.

So benötigen Führungskräfte jede Menge Geschichten, die ihre Vorhaben unterstützen. Sie binden in ihre gesamte Kommunikation immer mal wieder eine erhellende, bewegende, anekdotische Erzählung ein. Dazu sammeln sie systematisch Geschichten, die gut zu ihrer Arbeit passen. Am besten performen eigens für den Zweck entwickelte Storys, in denen durchscheint, was der Kern ihres Denkens und Handelns ist.

Wie der Aufbau einer guten Geschichte gelingt

Der Aufbau einer gutgemachten Erzählung folgt einem Kürzel namens ATE:

  • Die Ausgangssituation (A): In der Einleitung werden die Hauptfigur(en), der Handlungsort sowie der suboptimale Status quo beziehungsweise die zentrale Problemstellung eingeführt.
  • Die Transformation (T): Das ist der Hauptteil. Er erzählt vom mehr oder weniger steinigen Weg der Lösungsfindung. Es gibt Irrläufe, Sackgassen und Komplikationen, oder ein Konflikt spitzt sich zunächst dramatisch zu.
  • Das Ergebnis (E): Im Schlussteil wird der Tiefpunkt überwunden, die Trendwende gelingt, das Problem wird gelöst und die Geschichte findet ein Happy End.

Solche Geschichten handeln von persönlichen Erfahrungen, vom Herangehen an eine verzwickte Aufgabenstellung und von Schlüsselmomenten im eigenen Leben.

PR-Storys und Start-Ziel-Siege sind uninteressant

Der Ablauf der Story führt entlang eines Spannungsbogens von einer suboptimalen Ausgangslage über ein Auf und Ab von Blockaden, Umwegen, Fehlgängen und Beinahe-Abstürzen zum glorreichen Happy End. Start-Ziel-Siege sind uninteressant. Und aufgehübschte PR-Storys kosten Glaubwürdigkeit. Sie werden leicht durchschaut und verspielen jedes Vertrauen.

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Eine Geschichte fesselt uns vor allem dann, wenn sie trotz aller Schwierigkeiten gut ausgeht. Wohlwollende Menschen fungieren dabei als Helfer, als treue Gefährten oder nützliche Geister, die zwar im Hintergrund bleiben, ohne die die Transformation allerdings nicht gelingt. Wie in einem guten Film zieht sich der Konflikt hin. Die Lösung kommt plötzlich und schnell.

Storys: keine Heldenepen, sondern menschlich

Bei einer gut gemachten Story geht es nicht um den glatten Durchmarsch, sondern um Höhen und Tiefen, um Widersacher, Wirrungen und Wendepunkte auf dem Weg zum Ziel. Wofür haben Sie gekämpft, was war lustig, was war traurig, worum haben Sie mit sich selbst gerungen? Wo haben Sie Fehler gemacht, woran sind Sie gescheitert, und weshalb? Das Spannende an Geschichten ist nicht die heile Welt, sondern der Konflikt.

Drama, Spannung, Humor, packen Sie alles hinein, was die Story mitreißend macht. Bei all dem geht es nicht darum, sich selbst als Held oder Heldin aufzuspielen, sondern darum, dass die Geschichte den Zuhörenden etwas bedeutet. Hüten Sie sich vor Plattitüden und Banalitäten. Gehen Sie bei der Auswahl und Tonalität nicht davon aus, was Sie selbst mögen und ihrem Ego schmeichelt. Dem Zielpublikum muss die Story gefallen.

Buchcover
Anne M. Schüller: Narrative für eine bessere Zukunft
Wie kraftvoll erzählte Geschichten unser Leben und die Arbeitswelt positiv wandeln. Verlag Vahlen 2026, 230 S., 24,90 €. Foto: Verlag Franz Vahlen

Ein Beitrag von:

  • Anne M. Schüller

    Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als führende Expertin für das Touchpoint Management und eine kundenfokussierte Unternehmensführung.

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