62 % sehen demokratiekritische Parteien als Risiko für ihr Unternehmen
Eine Studie zeigt: 62 % der Führungskräfte sehen demokratiekritische Parteien als Risiko für Unternehmen und betonen die Bedeutung politischer Stabilität.
Das unterschätzte Risiko für die Wirtschaft: Demokratie wird zum Schlüsselfaktor.
Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Robert Schmiegelt
Steigende Energiekosten, Fachkräftemangel und Bürokratie gelten als klassische Risiken für Unternehmen. Doch viele Führungskräfte sehen inzwischen noch einen weiteren Unsicherheitsfaktor: politische Kräfte, die demokratische Grundprinzipien infrage stellen.
Eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag der Europäischen Bewegung Deutschland zeigt: 62 % der befragten Führungskräfte betrachten demokratiekritische Parteien oder politische Akteure als Risiko für den wirtschaftlichen Erfolg ihres Unternehmens. Zugleich sehen 78 % einen direkten Zusammenhang zwischen demokratischer Stabilität und wirtschaftlichem Erfolg.
Demokratiekritische Parteien als Risiko
Die Europäische Bewegung, ein überparteilicher Zusammenschluss von Organisationen, der sich für ein geeintes Europa einsetzt, wollte von den befragten Führungskräften wissen, ob Parteien oder politische Akteure, die demokratische Grundsätze infrage stellen, ein Risiko für den wirtschaftlichen Erfolg ihres Unternehmens darstellen.
62 % der Befragten sehen darin ein entsprechendes Risiko, während 29 % dies nicht so einschätzen. 9 % gaben an, dazu keine Meinung zu haben.
Auch die EU-Mitgliedschaft wird mehrheitlich positiv bewertet: 58 % der Führungskräfte sehen darin einen Vorteil für ihr Unternehmen. 27 % bewerten die Mitgliedschaft neutral im Hinblick auf den wirtschaftlichen Erfolg. Lediglich 13 % sehen eher Nachteile als Vorteile durch die Zugehörigkeit zur Europäischen Union.
Was Führungskräften an Demokratie besonders wichtig ist
Laut der Umfrage stehen für Führungskräfte in Deutschland vor allem der Schutz von Grund- und Freiheitsrechten, Rechtsstaatlichkeit sowie eine unabhängige Justiz und freie, faire Wahlen im Mittelpunkt, wenn es um zentrale Aspekte der Demokratie geht.
Eine klare Mehrheit befürwortet, dass Unternehmen sich öffentlich zu demokratischen Grundsatzfragen positionieren. Auch öffentliche Aussagen gegen Extremismus oder antidemokratische Bewegungen werden überwiegend positiv bewertet.
Deutlich zurückhaltender zeigen sich die Befragten jedoch bei parteipolitischen Äußerungen: Das öffentliche Loben oder Kritisieren einzelner Parteien sehen die meisten Führungskräfte eher skeptisch.
78 % sehen Demokratie als Erfolgsfaktor für Unternehmen
78 % der Führungskräfte in Deutschland sehen einen direkten Zusammenhang zwischen demokratischer Stabilität und dem wirtschaftlichen Erfolg ihres Unternehmens.
- 44 %: Demokratie ist eine wichtige Grundlage für Planungssicherheit, Investitionen und wirtschaftliche Entwicklung
- 9 %: Demokratische Stabilität ist sogar geschäftskritisch
- 25 %: Nur indirekter Zusammenhang, etwa über ein stabiles wirtschaftliches Umfeld
- 17 %: Wichtig für die Gesellschaft, aber kaum relevant für den Unternehmenserfolg
- 5 %: Keine Angabe oder kein Urteil möglich
Diese Umfrage zeigt, dass deutsche Führungskräfte stabile demokratische und politische Rahmenbedingungen als Grundlage für Investitions- und Planungssicherheit betrachten. Genau diese Sorge spiegelt sich auch in der aktuellen Debatte um die von der US-Regierung angeordnete Sperrung leistungsfähiger KI-Modelle wider: Der Fall verdeutlicht, wie politische Entscheidungen plötzlich den Zugang zu Schlüsseltechnologien beeinflussen und damit neue Risiken für Unternehmen schaffen können.
(mit dpa)
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