Management

Die Gebrüder mit der guten Nase für Geschäfte

Von der Generation X mit dem ausgeprägten Null-Bock-Feeling sind die Feldmann-Gebrüder aus Recklinghausen weit entfernt. Sie bauen ein Imperium auf.

Ein regelmäßiger Blick in die Wirtschafts- und Börsenteile der Zeitungen zwingt die Frage fast auf: Von welchem Teufel muss man eigentlich geritten sein, um heutzutage ausgerechnet in der Baubranche Karriere machen zu wollen? Die Jungunternehmer Thorsten Feldmann, 33 Jahre alt und Bau-Ingenieur, und sein 27-jähriger Bruder Christoph haben sich das vorgenommen – und ein gutes Stück des Weges bereits geschafft. Den Jahresumsatz der Betriebs haben sie nach eigenen Angaben innerhalb von vier Jahren um sagenhafte 1000 % auf 150 Mio. DM gesteigert, statt 80 Mitarbeitern stehen inzwischen rund 250 Maurer, Straßenbauer und Tiefbauer, aber auch Bauingenieure, CAD-Spezialisten, Planungs-Fachleute und Juristen auf der Gehaltsliste.
Aus der lokalen Feldmann Bau GmbH ist die schon jetzt überregional bedeutende Feldmann AG mit insgesamt rund 500 Mitarbeitern geworden. Der Börsengang und die internationale Expansion sind für 2002 geplant. „Wir haben die richtigen Ideen zur richtigen Zeit“, heißt eine der Antworten von Christoph Feldmann, wenn er nach dem Geheimnis des bisherigen Erfolgs gefragt wird. Grundsätzlich ist es Christoph, der die Antworten gibt.
„Aufgabenteilung“ nennt Christoph das. Er selbst habe zwei linke Hände, könne „nicht einmal einen Nagel in die Wand schlagen“, gibt er freimütig zu. Schöngeist und Ästhetik sind auch nicht unbedingt seine Welt. Von der Waldorf-Schule hat er sich als 14-Jähriger verabschiedet, um Handelsschule und später das Wirtschaftsgymnasium zu besuchen. Das BWL-Studium hat er abgebrochen: „Mein Managementseminar heißt learning by doing“. Mit dem Lernen dieser Art hat er früh angefangen. Schon als 19-Jähriger verdiente Selfmademan Christoph angeblich die ersten 50 000 DM – mit dem Verkauf einer Villa mit Mietwohnrecht. Bruder Thorsten, der Ingenieur, ist da ganz anders.

Der introvertierte „Hausmeier“ hält den Blick auf die Kosten

Er ist es, der Ideen in technische Lösungen umsetzt und dabei auch künstlerische Aspekte nicht vernachlässigt. Ruhig und besonnen achtet er bei den Projekten der Feldmann AG darauf, dass alle beteiligten Gewerke reibungslos zusammenarbeiten, dass fachliche und personelle Synergien genutzt werden und dass die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Thorsten ist der introvertierte „Hausmeier“ im Geschwister-Duo. Gemeinsam mit den drei anderen Vorstandsmitgliedern bereitet er lieber den nächsten Planungscoup vor. Die Arbeitsteilung funktioniert. Die Feldmann-Brüder haben in den zurückliegenden vier Jahren noch viele „Ideen zur richtigen Zeit“ gehabt und realisiert. Von dem 1972 vom Vater gegründeten Betrieb ist kaum etwas übrig geblieben, dafür aber umso mehr hinzu gekommen. Das Unternehmen besteht heute aus sechs Sparten: Bau, Bauträger, Immobilien, Hotelmanagement, Kinos und Schulbetriebe. Die Idee dahinter heißt saisonales Ressourcenmanagement: Im Sommer ist Bau- und Reisezeit, im Winter ist Baustopp, da laufen die Kinos gut. Und gelernt wird immer.
Möglich wurde der Um- und Ausbau zu einem Multi-Unternehmen unter anderem, weil sich Firmengründer Theodor Feldmann mit 49 Jahren komplett aus der Firma zurückzog, nach Mallorca ging und dort heute Villen baut und verkauft. Der Generationswechsel habe „voller gegenseitigem Respekt“ und „sehr harmonisch“ stattgefunden, erinnern sich die Brüder. Dennoch habe es „viele Wehen“ gegeben. Der Vater habe aber im Herbst 1996 für sich erkannt, dass der von den Söhnen eingeschlagene Wachstumskurs nicht seiner sein würde. Eine Alternative gab es nicht – die hätte nur Betriebsschließung heißen können. Wachstum oder Untergang – nach dieser Maxime ticken die Uhren der Baubranche schon seit einigen Jahren, sagen die Brüder. Die Probleme im Geschäftsfeld seien allgegenwärtig. Der breite Mittelstand der Branche ächze unter leeren Staatskassen und existenzbedrohendem Wettbewerb.
Das Erfolgsgeheimnis ihrer Feldmann AG sehen die beiden Brüder in ihrer Strategie der Diversifizierung. Multiplexkinos werden bewusst in der Provinz gebaut und betrieben, genauso wie Hotels. Die sind im Low-Budget-Bereich angesiedelt und befinden sich stets in der Nähe von Einzelhandelszentren – möglichst den eigenen.
Aber auch der Erhalt lebendiger Innenstädte steht auf der Prioritätenliste der Brüder. „Wir überblicken als Bauträger mit eigenen Architekten und Stadtplanern, eigenem Bauunternehmen, eigener Vermarktungsgesellschaft und eigener Betreibergesellschaft die gesamte Wertschöpfungskette“. Doch das Herzblut von Kaufmann Christoph und Ingenieur Thorsten scheint am Wohnungsbau zu hängen.

Schaffe, schaffe, Häusle baue – mit einem Firmendarlehen

Die Eigenheime finden auch bei den Mitarbeitern Akzeptanz. Firmendarlehen machten es möglich. „Bislang sieben Mitarbeiter haben sich auch Eigenheim-mässig mit uns verbunden“, sagt „Hausmeier“ Thorsten. Diese Bindung gelte auch umgekehrt. Entlassungen, in der Baubranche eher an der Tagesordnung, gibt es bei den Feldmann-Brüdern nicht. Das verbiete ihnen nach eigenen Angaben ihr Unternehmensleitbild. Und das heiße Verantwortung. „Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen merkwürdig, aber wir sind wirklich stockkonservativ und traditionell“, versichert Christoph Feldmann.
Man nimmt es beiden Jung-Unternehmern ab. Christoph, Typ Schwiegersohn, der regelmäßig joggt und für den die Marathon-Distanz kein Problem ist, nennt als Beleg für soziale Verantwortung den Umgang mit älteren Mitarbeitern. Sie werden in der Unternehmenssparte „Schulbetriebe“ für Ersatzarbeitsplätze fit gemacht, wenn ihr Rücken schlapp macht oder auch Mal ein Betriebsteil still gelegt wird. Im Gegenzug für diese Fürsorge erwartet er aber auch Leistung.
Von jungen Mitarbeitern zeigt er sich überwiegend enttäuscht: „Wir brauchen dringend Auszubildende in der Baubranche, aber wir kriegen sie einfach nicht. Keiner ist mehr bereit, sich auch mal die Hände schmutzig zu machen.“ Da wundert es nicht, dass sich die Feldmanns die Internationalisierung auf ihren Projektplan geschrieben haben. Ingenieur und „Hausmeier“ Thorsten meint, damit alle Hände voll zu tun zu haben. Ökonom Christoph hat noch eine Parallel-Karriere im Sinn: Struktur- und Städtebaupolitik im Landtag. REGINA C. HENKEL

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