Der unterschätzte Fehler bei der Jobsuche: Warum viele nie nach Hilfe fragen
Viele machen bei der Jobsuche denselben Fehler: Sie trauen sich nicht, Kontakte anzuschreiben. Eine Studie zeigt, wie ein Perspektivwechsel Hemmungen löst.
Eine Studie zeigt: Wer erkennt, dass beide Seiten profitieren, fragt deutlich häufiger nach Rat.
Foto: Smarterpix/AntonioGuillem_1
Eine kurze Nachricht auf LinkedIn. Eine Frage an jemanden aus der Wunschbranche. Oder eine Bitte um Einblick in einen Karriereweg. Eigentlich wären solche Nachrichten schnell geschrieben – und doch werden sie von vielen nie abgeschickt. Eine neue Studie des Exzellenzclusters ECONtribute zeigt, warum das so ist – und wie sich genau diese Hürde senken lässt.
Inhaltsverzeichnis
- Karriere- und Jobsuche: Warum viele den ersten Schritt nicht machen
- Studie von ECONtribute: Ein einfacher Perspektivwechsel verändert Verhalten
- Die „Illusion der Unausgewogenheit“ im Karriere-Netzwerk
- So wurde die Studie durchgeführt
- Besonders stark bei unbekannten Kontakten und hohen Positionen
- Ein einfacher Hebel für mehr Karrierechancen
- Bedeutung für Karriereberatung und Unternehmen
Karriere- und Jobsuche: Warum viele den ersten Schritt nicht machen
Ob beim Berufseinstieg, beim Branchenwechsel oder in der aktiven Jobsuche: Viele Menschen zögern, andere um Rat zu bitten.
Typische Situationen sind schnell gefunden:
- eine LinkedIn-Nachricht an eine fremde Person
- eine Anfrage an ehemalige Kolleg*innen
- eine Bitte um Orientierung im Bewerbungsprozess
Hinter dem Zögern steckt meist die Sorge, andere zu stören oder zur Last zu fallen. Dadurch bleiben wichtige Kontakte und Informationen ungenutzt.
Studie von ECONtribute: Ein einfacher Perspektivwechsel verändert Verhalten
Die Studie des Exzellenzclusters ECONtribute unter Leitung von Professorin Dr. Anne Burmeister (Universität zu Köln) und Daniel Levin (Rutgers University) untersucht genau dieses Verhalten im Kontext von Jobsuche und Networking.
Das zentrale Ergebnis: Wenn Menschen erfahren, dass auch die beratende Person vom Austausch profitiert, steigt ihre Bereitschaft, aktiv Kontakt aufzunehmen deutlich.
Die Kontaktaufnahme erhöhte sich um fast 40 % – ohne dass die Qualität der erhaltenen Ratschläge sank.
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Die „Illusion der Unausgewogenheit“ im Karriere-Netzwerk
Die Psychologie beschreibt das Grundproblem als „Illusion der Unausgewogenheit“.
Ratsuchende gehen davon aus, dass sie selbst profitieren, während die andere Seite Zeit verliert. Diese Wahrnehmung führt dazu, dass viele gar nicht erst schreiben – selbst wenn der Kontakt über Plattformen wie LinkedIn leicht möglich wäre.
Tatsächlich zeigt die Forschung: Auch die Ratgebenden profitieren, etwa durch Wertschätzung und neue Perspektiven.
So wurde die Studie durchgeführt
Um diesen Effekt zu untersuchen, kombinierten die Forschenden mehrere Ansätze:
- zwei kontrollierte Feldexperimente mit Arbeitssuchenden
- vier Online-Experimente mit Berufstätigen aus verschiedenen Branchen
- typische Karriere- und Jobsuch-Szenarien
Im Fokus standen reale Situationen, wie sie auch bei der aktiven Kontaktaufnahme über Netzwerke wie LinkedIn auftreten.
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Besonders stark bei unbekannten Kontakten und hohen Positionen
Die Ergebnisse zeigen außerdem:
Der Effekt ist besonders ausgeprägt, wenn Menschen
- unbekannte Personen anschreiben
- oder Personen mit höherem beruflichen Status kontaktieren
Genau hier ist die Hemmschwelle in der Jobsuche normalerweise am größten – und gleichzeitig das Potenzial besonders hoch.
„Das Wissen um die Vorteile für Ratgebende ist ein wirksames Mittel, die eigenen Ängste, anderen zur Last zu fallen, zu überwinden und professionelle Chancen zum Netzwerken häufiger zu nutzen“, kommentiert Professorin Burmeister.
Ein einfacher Hebel für mehr Karrierechancen
Die Intervention selbst ist niedrigschwellig und lässt sich schnell umsetzen. Laut Studie reicht bereits eine kurze Auseinandersetzung mit dem Prinzip, um das Verhalten messbar zu verändern.
Für die Jobsuche bedeutet das konkret: mehr aktive Nachrichten, mehr Gespräche, mehr Kontakte – etwa über LinkedIn oder andere berufliche Netzwerke.
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Bedeutung für Karriereberatung und Unternehmen
Die Forschenden empfehlen, die Erkenntnisse gezielt einzusetzen:
- in Bewerbungstrainings und Karriereberatung
- beim Berufseinstieg und Onboarding
- zur Förderung von Austausch in Unternehmen
So kann Wissen schneller geteilt und über Hierarchien hinweg genutzt werden.
Der Exzellenzcluster ECONtribute der Universitäten Bonn und Köln untersucht wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen wie Ungleichheit, Digitalisierung und politische Polarisierung.
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