KI und Jobs 03.07.2026, 08:00 Uhr

BWA-Chef Müller schlägt Alarm: „Der Arbeitsmarkt steht im Feuer“

Droht Deutschland eine neue Welle massiver Arbeitsplatzverluste? Immer mehr Experten warnen vor einem doppelten Strukturbruch durch Energiekrise und künstliche Intelligenz.

Stellenabbau Symbolbild

Job-Kahlschlag durch KI und Energiekrise? Neue Warnung erschüttert den Arbeitsmarkt.

Foto: picture alliance / SULUPRESS.DE | Torsten Sukrow / SULUPRESS.DE

Die Energie- und die KI-Krise könnten in Deutschland zu einem Arbeitsplatzabbau historischen Ausmaßes führen, warnt die Bonner Wirtschafts-Akademie (BWA). Eine aktuelle Umfrage des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), wonach Unternehmen noch in diesem Jahr planen, nahezu 30 % aller Stellen zu streichen, sei laut BWA nur der Anfang einer deutlich tiefergehenden Entwicklung.

BWA-Geschäftsführer Harald Müller skizziert ein deutliches Warnszenario: „Die Kombination aus Energie- und KI-Krise wird Hunderttausende von Arbeitsplätzen sowohl in der Industrie als auch im Büro vernichten.“

Diese Entwicklung komme zusätzlich „on top“ zu bereits erwarteten Jobverlusten in der Automobilindustrie, so die BWA. Mit dem Begriff „KI-Krise“ beschreibt die Bonner Wirtschafts-Akademie die rasant zunehmende Automatisierung von Büroarbeit durch KI-Systeme sowie den möglichen Einsatz humanoider Roboter in der Industrieproduktion.

Internationale CEOs erwarten massive Personalanpassungen

BWA-Chef Harald Müller verweist auf eine aktuelle Umfrage der Beratungsfirma Mercer in den USA unter rund 1000 CEOs. Demnach rechneten 99 % der befragten Unternehmenslenker damit, dass Künstliche Intelligenz künftig zu spürbaren Einschnitten beim Personal führen werde.

Laut den Ergebnissen schätzen die Führungskräfte, dass aktuell rund die Hälfte der Arbeitsleistung in ihren Unternehmen noch vollständig ohne KI-Unterstützung erbracht werde. In den kommenden Jahren dürfte dieser Anteil jedoch deutlich sinken: Nach der Einführung von KI und damit verbundenen Umstrukturierungen werde er voraussichtlich nur noch bei etwa 35 % liegen.

Müller fasst die Entwicklung indirekt dahingehend zusammen, dass rund zwei Drittel der Arbeitsplätze, die nicht durch Rationalisierung wegfallen, künftig mit Künstlicher Intelligenz ausgestattet würden. Daraus leite er die Einschätzung ab, dass sich eine vergleichbare Entwicklung auch in Deutschland abzeichnen könnte.

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Angst vor Arbeitsplatzverlust nimmt deutlich zu

Der aktuelle „Global Talent Trends 2026“-Report, für den rund 12.000 Personen befragt wurden – darunter CEOs sowie Personalverantwortliche – zeigt einen deutlichen Anstieg der Verunsicherung im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz. Während sich 2024 noch 28 % der Beschäftigten durch KI bedroht fühlten, ist dieser Wert inzwischen auf 40 % gestiegen.

BWA-Chef Harald Müller hat nach eigenen Gesprächen mit zahlreichen Personalverantwortlichen den Eindruck gewonnen, dass der sogenannte Angstfaktor in vielen Unternehmen unterschätzt werde. Er beschreibt die Entwicklung indirekt so, dass in Belegschaften zunehmend ein passiver Widerstand gegen KI entstehe, da viele Beschäftigte befürchteten, durch die Technologie selbst ersetzt zu werden. Diese Unsicherheit führe seiner Einschätzung nach dazu, dass KI-Projekte nicht primär an technischen Hürden scheiterten, sondern häufig an mangelnder Akzeptanz innerhalb der Belegschaften.

Dabei betont Müller wörtlich: „Der Angstfaktor wird in den Firmen völlig unterschätzt“.

Zugleich macht er deutlich, dass aus seiner Sicht eine erfolgreiche KI-Transformation nur gelingen könne, wenn Unternehmen auf transparente Kommunikation, umfassende Qualifizierungsmaßnahmen und die aktive Einbindung der Beschäftigten setzen.

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BWA fordert aktive Gestaltung der KI-Transformation

BWA-Geschäftsführer Harald Müller richtet einen deutlichen Appell an Politik und Gewerkschaften, den durch Künstliche Intelligenz ausgelösten Wandel der Arbeitswelt aktiv zu begleiten und nicht ausschließlich der Wirtschaft zu überlassen. Nach seiner Einschätzung würden die absehbaren Folgen für den Arbeitsmarkt ein erhebliches Ausmaß erreichen und eine klare politische Reaktion erforderlich machen.

Auch gegenüber den Gewerkschaften spricht er eine Empfehlung aus, sich konstruktiv in die KI-Transformation einzubringen. Aus seiner Sicht werde eine reine Ablehnung des technologischen Wandels nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen. Zudem warnt er indirekt davor, dass eine verzögerte Einführung von KI-Technologien die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen schwächen und letztlich sogar zusätzliche Arbeitsplatzverluste nach sich ziehen könne.

Zugleich betont er die Notwendigkeit, den „Spagat zwischen demografischem Wandel und KI-Einführung hinzukriegen.“ Konkret verweist er darauf, dass der Renteneintritt der Babyboomer-Generation und der zunehmende Fachkräftemangel durch KI zumindest teilweise kompensiert werden könnten, ohne dass Produktivität verloren gehe. Bis 2036 werde nach seinen Berechnungen ein Großteil der Babyboomer – rund 20 Millionen Beschäftigte – aus dem Erwerbsleben ausscheiden, während lediglich etwa 12 Millionen jüngere Arbeitskräfte nachrückten. KI könne, so seine Einschätzung, dabei helfen, diese Lücke zumindest teilweise zu schließen.

Gleichzeitig macht Müller darauf aufmerksam, dass hohe Energiekosten in Deutschland zu einer verstärkten Verlagerung industrieller Produktion ins Ausland führen könnten. Dieser Effekt lasse sich durch KI-Entwicklung nicht ausgleichen, sondern könnte die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sogar weiter verschärfen.

Wörtlich warnt er: „Der Arbeitsmarkt steht im Feuer“ Und ergänzt: „und das ist erst der Anfang.“

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Humanoide Roboter könnten Arbeitswelt grundlegend verändern

Eine gemeinsame Studie der Bonner Wirtschafts-Akademie (BWA) und der Gewerkschaft IGBCE kommt zu dem Ergebnis, dass die sogenannte „Physical AI“ – also Künstliche Intelligenz in der physischen Welt – zunehmend an Bedeutung gewinnt. Gemeint sind damit insbesondere humanoide Roboter, die perspektivisch in der Lage sein könnten, körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten in Betrieben zu übernehmen.

Die Erhebung zeigt zudem eine breite Erwartungshaltung in der Arbeitswelt: 62 % der befragten Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter gehen davon aus, dass humanoide KI-Systeme künftig betriebliche Aufgaben nicht nur unterstützen, sondern eigenständig planen und ausführen können. Dabei handelt es sich um menschenähnlich konstruierte, mit KI ausgestattete Maschinen.

Mehr als ein Drittel der Teilnehmenden (36 %) rechnet sogar damit, dass diese Entwicklung bereits innerhalb der kommenden zehn Jahre Realität wird.

Die BWA Akademie („Consulting, Coaching, Careers“) ist seit über 25 Jahren in der Personalentwicklung, Beratung und im Coaching tätig. Sie begleitet Unternehmen und Beschäftigte bei Veränderungen, Qualifizierungen und im Beschäftigtentransfer.

Nach eigenen Angaben versteht sich die BWA als neutraler Vermittler zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften.

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Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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