Jobkiller oder Retter? Wie die Industrie auf humanoide Roboter blickt
Humanoide Roboter übernehmen gefährliche Aufgaben und entlasten Fachkräfte. Doch die Belegschaften fürchten um ihre Jobs. Welche Perspektive nehmen Unternehmen ein?
Ein humanoider Roboter übernimmt in einer Produktionshalle gefährliche und körperlich belastende Arbeiten wie Schweißen und den Transport schwerer Werkstücke und gilt als mögliche Lösung gegen Fachkräftemangel und zur Verbesserung der Arbeitssicherheit in der Industrie.
Foto: Smarterpix/BiancoBlue
Ein menschlich wirkender Roboter schweißt bei großer Hitze Metallteile, transportiert schwere Werkstücke durch die Produktion oder übernimmt gefährliche Aufgaben mit Schadstoffen.
Inhaltsverzeichnis
Einsatzgebiete in der industriellen Produktion
Humanoide Roboter – also menschenähnliche Maschinen mit künstlicher Intelligenz – kommen bereits heute in der industriellen Fertigung zum Einsatz. Unternehmen nutzen sie vor allem dort, wo Arbeit körperlich belastend, monoton oder riskant ist.
Die deutsche Industrie bewertet diese Entwicklung überwiegend positiv. 58 % der Unternehmen sind der Auffassung, dass humanoide Roboter helfen können, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Gerade in Zeiten, in denen qualifiziertes Personal schwer zu finden ist, gewinnen automatisierte Lösungen zunehmend an Bedeutung.
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Beitrag zur Arbeitssicherheit in Fabriken
Auch beim Thema Arbeitssicherheit sehen viele Betriebe klare Vorteile: 68 % der Industrieunternehmen glauben, dass humanoide Roboter dazu beitragen können, Arbeitsunfälle zu reduzieren. Indem gefährliche Tätigkeiten von Maschinen übernommen werden, sinkt das Risiko für menschliche Mitarbeitende deutlich.
Diese Einschätzungen basieren auf einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Befragt wurden 555 Industrieunternehmen in Deutschland mit jeweils mehr als 100 Beschäftigten – durchgeführt im Umfeld der Hannover Messe.
Einschätzung der Industrie: Roboter als Teil der Lösung
„Geopolitische Unsicherheiten, die wirtschaftliche Lage und der demographische Wandel setzen die deutsche Industrie unter Druck“, kommentiert Bitkom-Vizepräsidentin Dr. Tanja Rückert. „Humanoide Roboter können hier Teil der Lösung sein: Sie können die Unternehmen leistungsfähiger machen und Aufgaben dort übernehmen, wo Arbeiten besonders gefährlich und risikobehaftet sind oder Personal fehlt.“
In der deutschen Industrie sind humanoide Roboter bislang noch selten im praktischen Einsatz. Lediglich 6 % der Unternehmen nutzen sie bereits in der Produktion. Gleichzeitig befindet sich die Technologie vielerorts in der Einführungsphase: 10 % der Unternehmen planen konkret den Einsatz, während 8 % das Thema aktuell intern diskutieren.
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Zukunftsperspektiven und Akzeptanz in Unternehmen
Trotz der noch geringen Verbreitung ist der Blick in die Zukunft deutlich optimistischer. Insgesamt können sich 97 % der Industrieunternehmen vorstellen, dass humanoide Roboter langfristig in größerem Umfang in der Produktion eingesetzt werden könnten.
Innerhalb der Belegschaften zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Aus Sicht der Unternehmen überwiegt derzeit noch Skepsis gegenüber der neuen Technologie. 62 % geben an, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dem Einsatz humanoider Roboter eher zurückhaltend gegenüberstehen. Als möglicher Grund gilt unter anderem die Sorge, dass Arbeitsplätze durch Automatisierung ersetzt werden könnten.
Voraussetzung für erfolgreiche Einführung: Einbindung und Weiterbildung
Auch aus der Industrieverbands-Perspektive wird diese Entwicklung eingeordnet: Rückert betont, dass die Technologie bei richtiger Anwendung den Menschen unterstützen, die Produktivität steigern und damit die Wettbewerbsfähigkeit stärken könne. Dadurch ließen sich Arbeitsplätze sichern oder sogar neue schaffen. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass Unternehmen ihre Beschäftigten frühzeitig einbeziehen, Sorgen ernst nehmen und mögliche Berührungsängste durch gezielte Aus- und Weiterbildung abbauen.
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