ZVEI-Studie: So stark treibt KI die Elektro- und Digitalindustrie
Eine ZVEI-Studie zeigt: Künstliche Intelligenz treibt die Elektro- und Digitalindustrie massiv an – doch bei Datennutzung und Regulierung gibt es Nachholbedarf.
ZVEI-Umfrage zeigt: Die Elektro- und Digitalindustrie investiert verstärkt in industrielle KI und sieht darin einen zentralen Treiber für Innovation, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.
Foto: Smarterpix/BiancoBlue
„Industrielle KI-Anwendungen verändern die Unternehmen in hohem Maße“, gibt sich ZVEI-Präsident Dr. Gunther Kegel mit Blick auf eine aktuelle ZVEI-Mitgliederbefragung überzeugt. „Nahezu alle Unternehmen befassen sich mit industrieller KI und wollen ihre Wachstumschancen nutzen.“
Inhaltsverzeichnis
- Industrielle KI als Wachstumsmotor der Industrie
- Datennutzung entscheidet über den Erfolg von KI
- Mehr Datenteilen für mehr Innovation
- Bessere Regulierung für mehr Wettbewerbsfähigkeit
- Weniger Bürokratie, mehr unternehmerische Freiheit
- Geopolitik und Prognosen im Blick
- EU-Binnenmarkt gewinnt an Bedeutung
- Industrie als Schlüssel für Verteidigungsfähigkeit
- Zugang zur Verteidigungsindustrie erleichtern
- Moderne Strukturen für eine starke Industrie
- Plattform für Sicherheit und Verteidigung
Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant zu einem der wichtigsten Treiber für Innovation, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit in der Industrie. Entsprechend investieren Unternehmen verstärkt in industrielle KI: Mehr als die Hälfte kann ihre Budgets bereits konkret planen und will zwischen 10 und 25 % der Gesamtinvestitionen in entsprechende Technologien stecken.
Industrielle KI als Wachstumsmotor der Industrie
„Technologisch herrscht Aufbruchstimmung“, konstatiert Dr. Kegel. „Wir stehen nach Industrie 4.0 an der Schwelle des nächsten großen industriellen Entwicklungsschritts.“
Auch wirtschaftlich zahlt sich der Einsatz von KI schnell aus. Rund 60 % der Unternehmen erwarten, dass sich ihre Investitionen bereits innerhalb von ein bis zwei Jahren amortisieren. Damit ist klar: Industrielle KI ist längst nicht mehr nur Zukunftsvision, sondern liefert schon heute messbare Vorteile für Unternehmen.
Datennutzung entscheidet über den Erfolg von KI
Damit Unternehmen das volle Potenzial von KI ausschöpfen können, besteht jedoch noch Nachholbedarf. Darauf weist Dr. Kegel im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Hannover Messe hin. „Weiterhin ist die Bereitschaft zum Datenteilen entlang der Wertschöpfungskette unzureichend.“
Ein genauer Blick zeigt: Vor allem kleinere Unternehmen zögern beim Datenaustausch – rund 80 % geben bislang keine Daten weiter. Bei großen Unternehmen sind es lediglich etwa 10 %. Hier besteht also deutlicher Handlungsbedarf.
Mehr Datenteilen für mehr Innovation
„Wir brauchen endlich mehr gezieltes Datenteilen, das den Schutz von Know-how im Unternehmen wahrt und zugleich entstehende Wertschöpfung fair verteilt“, fordert Dr. Kegel.
Ohne bessere Rahmenbedingungen droht das Potenzial industrieller KI ungenutzt zu bleiben. Gleichzeitig könnte Europa im globalen Wettbewerb – insbesondere gegenüber China – an Boden verlieren. Deshalb sei es entscheidend, auch die regulatorischen Voraussetzungen zu verbessern.
Bessere Regulierung für mehr Wettbewerbsfähigkeit
Dr. Kegel macht deutlich, dass die KI-Regeln im EU AI Act stärker an den Bedürfnissen der Industrie ausgerichtet werden müssen. Nur so könne die europäische Industrie ihre Stärken voll entfalten und langfristig wettbewerbsfähig bleiben.
Neben der KI sieht der ZVEI auch in anderen Bereichen Herausforderungen. Vor allem die hohe Regulierungsdichte belastet Unternehmen zunehmend und bremst Innovationen aus.
Weniger Bürokratie, mehr unternehmerische Freiheit
„Die Bundesregierung ist im Obligo – der Reformstau muss endlich aufgelöst werden“, fordert der ZVEI-Präsident.
Dr. Kegel betont, dass Deutschland mehr Spielraum für Unternehmen schaffen müsse. Dazu gehören niedrigere Steuern, weniger bürokratische Hürden – etwa durch den Abbau von „Gold Plating“ – sowie eine konsequente Elektrifizierung, um die Wirtschaft widerstandsfähiger zu machen.
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Geopolitik und Prognosen im Blick
Gerade angesichts globaler Unsicherheiten seien diese Maßnahmen wichtiger denn je. Gleichzeitig bleibt der ZVEI vorsichtig optimistisch: Für 2026 wird ein Produktionswachstum von 2 % erwartet – vorausgesetzt, die geopolitische Lage stabilisiert sich.
Die Auftragseingänge liegen aktuell über dem Vorjahr, mögliche Auswirkungen internationaler Konflikte sind jedoch noch nicht vollständig absehbar.
EU-Binnenmarkt gewinnt an Bedeutung
„In diesen weltpolitisch herausfordernden Zeiten erkennen wir den hohen Wert des EU-Binnenmarkts. Hier spiegelt sich ein auffällig starker Anstieg, während das Geschäft mit dem Rest der Welt schwieriger wird“, betont Dr. Kegel.
Europa sollte daher gezielt daran arbeiten, seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und gleichzeitig widerstandsfähiger gegenüber globalen Krisen zu werden.
Industrie als Schlüssel für Verteidigungsfähigkeit
Europa und Deutschland stehen zudem vor der Aufgabe, ihre Verteidigungsfähigkeit stärker eigenständig zu sichern. Dabei wird deutlich: Diese entsteht nicht nur bei klassischen Rüstungsunternehmen, sondern entlang der gesamten industriellen Wertschöpfungskette.
Ein wichtiger Faktor ist der steigende Elektronikanteil in Verteidigungsgütern – von rund 10 % im Jahr 2000 auf voraussichtlich 25 % im Jahr 2035. Dadurch gewinnt die Elektro- und Digitalindustrie weiter an Bedeutung.
Zugang zur Verteidigungsindustrie erleichtern
Viele Unternehmen – insbesondere innovative Mittelständler – sind bereit, sich in diesem Bereich zu engagieren. Allerdings erschweren komplexe Vorschriften, hohe Sicherheitsanforderungen und aufwendige Zertifizierungen aktuell den Markteintritt.
„Diese Vorgaben sind in weiten Teilen notwendig, aber sie müssen gerade für neue Akteure aus dem zivilen Bereich besser erschließbar werden“, fordert Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung.
Moderne Strukturen für eine starke Industrie
Weber hebt hervor, dass vor allem das Beschaffungswesen modernisiert werden müsse. Schnellere Prozesse, klare Zuständigkeiten, standardisierte Vergaben und ein professionelles Lieferkettenmanagement seien entscheidend.
Zudem wird die enge Zusammenarbeit zwischen Industrie und Auftraggebern immer wichtiger. Moderne Verteidigungssysteme basieren zunehmend auf Technologien wie Sensorik, Software und Datenkommunikation – häufig entwickelt in der zivilen Industrie.
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Plattform für Sicherheit und Verteidigung
Um Unternehmen besser zu unterstützen, hat der ZVEI die Plattform „Sicherheit und Verteidigung“ gestartet. Sie hilft Mitgliedsunternehmen dabei, den Einstieg in die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zu erleichtern und ihre Position im Markt nachhaltig zu stärken.
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