1,4 GW Leistung 22.04.2026, 11:00 Uhr

Wasserstoff aus Brasilien: Milliardenchance für Siemens und Co.?

Brasilien hat auf der Hannover Messe ein Wasserstoff-Projekt für 2 Mrd. € angekündigt. Thyssenkrupp, Siemens und Co. sollen dabei Schlüsselrollen spielen. Was bisher bekannt ist.

Lula und Merz Hannover Messe

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva (li.) und Bundeskanzler Friedrich Merz (re.) beim Eröffnungsrundgang der Hannover Messe 2026. Brasilien ist in diesem Jahr Partnerland der Messe.

Foto: Deutsche Messe AG

Brasilien ist in diesem Jahr Partnerland der Hannover Messe – und Deutschland rollt den roten Teppich aus. Am Dienstag fiel eine der größten Ankündigungen der gesamten Messe: Die Unternehmen Brazil Green Energy (BGE) und Green Investors präsentierten ihr Projekt „Morro Pintado“ im Bundesstaat Rio Grande do Norte, ein Wasserstoff-Komplex mit einer Investitionssumme von rund 2 Mrd. € und einer Leistung von über 1 GW.

Für Deutschland besonders spannend: An dem Vorhaben sind laut einer Pressemitteilung der Projektierer unter anderem Thyssenkrupp Uhde, Siemens und die Deutsche Bahn an Bord. Damit könnte Brasilien ein weiteres Land werden, in dem eine grüne Wasserstoffwirtschaft mit deutscher Beteiligung entsteht. Erst im Januar hatte Merz mit Premierminister Narendra Modi im indischen Ahmedabad den bislang größten Liefervertrag für grünes Ammoniak begleitet. Folgt jetzt Südamerika?

Brasilien im Rampenlicht: Der Rahmen

Am Sonntag hatten Merz und Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva die Hannover Messe eröffnet. Am Montag folgten Regierungskonsultationen mit 15 Ministern auf jeder Seite: Deutschland sagte dabei rund 700 Mio. € für Klimaprojekte und nachhaltige Mobilität in Brasilien zu, beide Seiten vertieften die Kooperation bei kritischen Rohstoffen.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Handtmann Reutlingen GmbH-Firmenlogo
Elektrokonstrukteur / Electrical Design Engineer (m/w/d) EPLAN P8 Handtmann Reutlingen GmbH
Reutlingen Zum Job 
Egger Holzwerkstoffe Brilon GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Absolvent / Nachwuchsingenieur (w/m/d) Technik und Produktion Egger Holzwerkstoffe Brilon GmbH & Co. KG
Universität Bayreuth-Firmenlogo
W3-Professur für Chemische Verfahrenstechnik Universität Bayreuth
Bayreuth Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieur (w/m/d) für Energie- und Gebäudetechnik Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 
Stadtverwaltung Frankenthal-Firmenlogo
Bereichsleiter (m/w/d) Gebäude und Grundstücke Stadtverwaltung Frankenthal
Frankenthal (Pfalz) Zum Job 
Stadt Offenburg-Firmenlogo
Techniker*in Straßenbau - Bauüberwachung und Genehmigungsverfahren (m/w/d) Stadt Offenburg
Offenburg Zum Job 
Hochschule Angewandte Wissenschaften München-Firmenlogo
Professur für Regelungstechnik sowie Modellbildung und Simulation (W2) Hochschule Angewandte Wissenschaften München
München Zum Job 
Scheidt & Bachmann GmbH-Firmenlogo
Energietechnikerin / Projekttechnikerin (m/w/d) Energie- und Gebäudetechnik Scheidt & Bachmann GmbH
Mönchengladbach bei Düsseldorf Zum Job 
Sprint Sanierung GmbH-Firmenlogo
Bauingenieur / Betriebswirt / Bautechniker / Handwerksmeister als Niederlassungsleiter (m/w/d) Sprint Sanierung GmbH
Berlin-Ahrensfelde Zum Job 
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektleiter Wohnungsbau (m/w/d) Energetische Modernisierung Allbau Managementgesellschaft mbH
Clariant Produkte (Deutschland) GmbH-Firmenlogo
Projektmanager (M/W/D) - Engineering & Process Technology Clariant Produkte (Deutschland) GmbH
Burgkirchen an der Alz Zum Job 
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Leiter Geschäftsbereich Planung / Bau (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Immobilien Management Essen GmbH (IME)-Firmenlogo
(Senior) Projektkoordinator (m/w/d) Hochbau & Stadtentwicklung Immobilien Management Essen GmbH (IME)
HUESKER Synthetic GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bau- oder Umweltingenieur (m/w/d) HUESKER Synthetic GmbH & Co. KG
Gescher Zum Job 
KRONOS TITAN GmbH-Firmenlogo
RCM Ingenieur - Schwerpunkt Elektrotechnik - (m/w/d) KRONOS TITAN GmbH
Leverkusen Zum Job 
Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR)-Firmenlogo
Betriebsingenieur:in Müllheizkraftwerk (w/m/d) Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR)
Hochschule für angewandte Wissenschaften München-Firmenlogo
Professur für Fertigungstechnik (W2) Hochschule für angewandte Wissenschaften München
München Zum Job 
Forschungszentrum Jülich GmbH-Firmenlogo
Wissenschaftliche:r Koordinator:in der Graduiertenschule HITEC im Bereich Energie- und Klimaforschung (w/m/d) Forschungszentrum Jülich GmbH
Jülich Zum Job 
Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW-Firmenlogo
Ingenieurin / Ingenieur (w/m/d) als Projektleitung Elektrotechnik im Bundesbau Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW
GEBHARDT Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Project System Engineer Electrical (m/w/d) GEBHARDT Fördertechnik GmbH
Sinsheim Zum Job 

Zudem stellte Merz in Aussicht, das deutsch-brasilianische Handelsvolumen in den kommenden Jahren zu verdoppeln. Ab dem 1. Mai tritt zudem das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten vorläufig in Kraft.

Hier wird Ihnen ein externer Inhalt von youtube.com angezeigt.
Mit der Nutzung des Inhalts stimmen Sie der Datenschutzerklärung von youtube.com zu.

Was über das Projekt bekannt ist

Vor diesem Hintergrund ist die Wasserstoff-Ankündigung vom 21.4. zu sehen. Allzu viel ist bislang nicht über das Projekt bekannt, doch die wichtigsten Eckdaten stehen.

Die Anlage soll in Areia Branca entstehen, rund 280 km nordwestlich der Landeshauptstadt Natal an der Atlantikküste. Geplant ist ein integrierter Komplex aus erneuerbarer Stromerzeugung und Wasserstoffproduktion:

  • Erneuerbare Stromkapazität: 1.400 MW aus Wind- und Solarenergie
  • Wasserstoffproduktion: rund 80.000 t pro Jahr
  • Derivate: 438.000 t jährlich – grüner Ammoniak, E-Methanol und in einer zweiten Phase grüner Harnstoff
  • Infrastruktur: Ein eigenes Hafenterminal für den Export

Ein konkreter Zeitplan für den Baubeginn oder eine finale Investitionsentscheidung (FID) wurden bislang nicht kommuniziert.

Flankiert wurde die Ankündigung von der Unterzeichnung eines Kooperationsvertrags im Rahmen des Programms H2Uppp. Das vom Bundeswirtschaftsministerium finanzierte Förderprogramm unterstützt Public-Private-Partnerships für grünen Wasserstoff in Entwicklungs- und Schwellenländern. Der Schwerpunkt liegt dabei aktuell auf Brasilien.

Umgesetzt wird es von der GIZ, kofinanziert durch die EU-Initiative Global Gateway. Unter dem Dach von H2Uppp laufen bereits mehrere deutsch-brasilianische Pilotprojekte, darunter Vorhaben von Wilo, Messer Cutting Systems, dem TÜV Rheinland und SAP. Anfang 2026 hatte die GIZ zudem einen eigenen Call for Proposals mit explizitem Brasilien-Fokus ausgeschrieben.

Hafen Rio de Janeiro aus der Luft
Der Hafen von Rio de Janeiro: Brasilien will künftig auch grünen Wasserstoff und Derivate über seine Atlantikhäfen exportieren. Foto: picture alliance / dts-Agentur

Was die deutschen Konzerne beitragen könnten

Die Pressemitteilung nennt bekannte deutsche Unternehmen als „Industriepartner“, ohne ihre Rollen im Detail aufzuschlüsseln. Aus den Firmenprofilen und bisherigen Beteiligung lässt sich aber ableiten, wer wofür infrage kommt:

  • Thyssenkrupp Uhde ist der wahrscheinlichste Kandidat für die Prozesstechnik der Derivate-Produktion. Der Dortmunder Anlagenbauer hat seit den 1950er Jahren weltweit über 130 Ammoniakanlagen errichtet und gehört zu den führenden Lizenzgebern für Ammoniak-, Methanol- und Harnstoffsynthese – exakt die drei Produkte, die in Morro Pintado entstehen sollen. Auch im Importwesen ist Uhde aktiv: Gemeinsam mit Uniper hat das Unternehmen im November einen Rahmenvertrag über bis zu sechs kommerzielle Ammoniak-Cracker geschlossen, mit denen importiertes Ammoniak in Europa wieder in Wasserstoff aufgespalten werden soll. Zudem ist der Thyssenkrupp Konzern schon fest im brasilianischen Markt verankert: Lula zeigte sich in Hannover interessiert an vier Fregatten von Thyssenkrupp Marine Systems, zusätzlich zu den vier bereits im Bau befindlichen.
  • Siemens könnte die Netzanbindung, Steuerungstechnik oder Automatisierung des Komplexes übernehmen. Die Elektronik und Digitalisierung der Anlagen wäre ein klassisches Einsatzfeld für den Technologiekonzern bei Großprojekten dieser Art.
  • Die Deutsche Bahn soll laut der Pressemitteilung eine Rolle in der „europäischen Logistikstruktur“ spielen. Gemeint ist vermutlich der Transport der erzeugten Derivate nach ihrer Ankunft in europäischen Häfen.

Konkrete Auftragswerte oder Lieferverträge wurden für keines der Unternehmen genannt.

Warum Brasilien?

Brasilien gehört zu den attraktivsten Standorten weltweit für die Produktion von grünem Wasserstoff. Der Energiemix des Landes besteht zu rund 85 % aus erneuerbaren Quellen – vor allem Wasserkraft, zunehmend aber auch Wind und Solar. Im Nordosten, wo Morro Pintado entstehen soll, ergänzen sich Wind- und Solarressourcen besonders gut: Konstante Passatwinde und starke Sonneneinstrahlung ermöglichen hohe Volllaststunden. Das schlägt sich in den Kosten nieder: McKinsey bezifferte die möglichen Produktionskosten für grünen Wasserstoff in Brasilien 2021 auf rund 1,50 US-Dollar pro kg bis 2030.

Die brasilianische Regierung flankiert den Aufbau mit dem Nationalen Wasserstoffprogramm (PNH2) und einem Gesetzentwurf für Steueranreize. Für das Projekt Morro Pintado kommt ein weiterer Faktor hinzu: Brasilien importiert einen Großteil seiner Düngemittel, wobei rund ein Drittel des Harnstoffs aus dem Nahen Osten stammen. Die Harnstoffproduktion in Morro Pintado könnte einen signifikanten Teil des nationalen Bedarfs decken und das Land so unabhängiger von Importen über die Straße von Hormus machen. Das dürfte dem Projekt gerade jetzt innenpolitische Unterstützung sichern.

Überhaupt spielt geopolitische Kontext eine Rolle: In einer Zeit, in der sich die Weltordnung „grundlegend verändert“, wie Merz in Hannover sagte, positioniert sich Brasilien als strategischer Partner für eine Diversifizierung der Lieferketten. Die Kooperation bei kritischen Rohstoffen soll riskante Abhängigkeiten verringern.

Einordnung: Große Versprechen, offene Fragen

Die Ankündigung auf der Hannover Messe ist eindrucksvoll. Doch bei genauerem Hinsehen bleiben zentrale Fragen offen.

  • Die beiden Investoren – Brazil Green Energy und Green Investors – sind bislang kaum öffentlich in Erscheinung getreten. Über ihre Kapitalbasis, ihren Track Record oder bestehende Projekte lässt sich wenig finden.
  • Eine finale Investitionsentscheidung und der Zeitplan stehen noch aus. Die deutschen Konzerne sind als Technologiepartner gelistet, und nicht als Investoren. Ihre Beteiligung wird also davon abhängen, ob das Projekt tatsächlich finanziert wird.

Sollte Morro Pintado realisiert werden, wäre es für thyssenkrupp Uhde und Co. das nächste Großprojekt in einer wachsenden Pipeline – und für Deutschland eine weitere potenzielle Importquelle für grünen Wasserstoff und seine Derivate. Übrigens ist Brasilien nicht das einzige südamerikanische Land, das grüne Wasserstoffderivate exportieren will: Auch in Chile und Uruguay gibt es Projekte für die Produktion von E-Methanol, das als Schiffskraftstoff nach Europa exportiert werden soll.

Die Ankündigung wirkt also aus mehreren Gründen plausibel und weckt Hoffnungen für günstigere Wasserstoffpreise und neue Absatzchancen für deutsche Unternehmen. Doch bis das Projekt konkret wird, dürften noch einige Monate ins Land ziehen.

(Mit Material der dpa)

Ein Beitrag von:

  • Magnus Schwarz

    Magnus Schwarz schreibt zu den Themen Wasserstoff, Energie und Industrie. Nach dem Studium in Aachen absolvierte er ein Volontariat und war mehrere Jahre als Fachredakteur in der Energiebranche tätig. Seit Oktober 2025 ist er beim VDI Media.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.