Karriereplanung für Ingenieure 30.05.2018, 15:11 Uhr

Der Weg zum Traumjob

Der Traumjob ist für viele ein Mythos. Beate Westphal, Berufs- und Unternehmensberaterin, ist jedoch vom Gegenteil überzeugt und zeigt seit nunmehr 15 Jahren Jobsuchenden Wege zum Traumjob auf.

Träumen Sie nicht nur von einem perfekten Job, finden Sie ihn.

Träumen Sie nicht nur von einem perfekten Job, finden Sie ihn.

Foto: panthermedia.net/SIphotography

Frau Westphal, mit welchen Strategien finden Absolventen und Berufsanfänger heraus, welcher Weg zu Beginn ihrer Karriere der richtige für sie ist?

Beate Westphal: Ich lege allen Berufsanfängern die sogenannte Traumjob-Detektiv-Methode ans Herz. Durch die Beantwortung von neun Fragen aus verschiedenen Themenbereichen, wie zum Bei spiel Kompetenzen, Motivation, Träume, Menschen und Umgebung, gehen Absolventen und Berufsanfänger ihren Stärken, Interessen und Motiven auf den Grund. Das sind zum Beispiel Fragen wie ‚Wie muss die Umgebung geschaffen sein, in der ich aufblühe?’, ‚Wie sieht mein idealer Arbeitsalltag aus?’, ‚Wofür möchte ich bekannt sein?’, ‚Was treibt mich an, bestimmte Dinge zu tun?’, ‚Was interessiert mich wirklich?’ und ‚Mit wem möchte ich gerne mal einen Tag tauschen?’ Auch sollten sich Absolventen und Berufsanfänger fragen, was sie nicht wollen: ‚Was will ich nicht?’, ‚Wo nicht?’, ‚Mit wem nicht?’, ‚Wie viel nicht?’ Danach gilt es, die Antworten zu analysieren, Gemeinsamkeiten herauszufiltern und erste Traumjobs zu definieren. Man kann sich das wie eine Art ‚Traumjob-TÜV’ vorstellen.

…studierte Wirtschaftswissenschaften und Kultur- und Medienmanagement. Als Vorstandsmitglied der APRIL Stiftung gibt sie ihre langjährige Erfahrung als Berufs- und Unternehmensberaterin an Gründerinnen und Gründer weiter sowie an Menschen, die berufliche Orientierung suchen. Zudem ist sie als IT-Consultant tätig.

 

Und mithilfe dieses Traumjob-TÜVs findet sich tatsächlich der Job, der genau zu einem passt? Wie funktioniert das?

Wichtig ist es, bei der Beantwortung der Fragen, Prioritäten zu setzen. Dabei können beispielsweise zunächst die eigenen Ziele, Visionen und Werte festgelegt werden. Danach die Beziehungen, das heißt mit wem oder für wen ich arbeiten möchte, und zum Schluss macht man sich darüber Gedanken, wie hoch das Gehalt sein sollte. Flexibel sollten Berufsanfänger hinsichtlich des Arbeitsortes sein. Und auch in Bezug auf ihr Können und ihre Themen, denn gerade zu Beginn des Berufslebens ist es wichtig, offen für alles Neue zu sein. Sobald das Interesse für konkrete Unternehmen geweckt ist, gilt es, diejenigen zu fragen, die dort arbeiten oder die Firma gut kennen.

 

Worüber sollten sich Absolventen vor und kurz nach dem Berufseinstieg klar werden, um später nicht enttäuscht zu werden?

Sie sollten ihre eigenen Werte, ihre Motivation und ihre Ziele kennen und nach Job beginn nicht voreilig Schlüsse ziehen. Vielmehr sollte sich jeder, der einen neuen Job anfängt, 100 Tage Zeit geben und erst danach die ersten drei Monate im neuen Job reflektieren. Auch können Freunde hier eine wichtige Stütze sein. Denn dadurch, dass sie den nötigen Abstand haben, können sie häufig Vorkommnisse oder Gepflogenheiten in der neuen Firma, die man selbst als  seltsam oder befremdlich empfindet, relativieren. Doch Vorsicht: Ihre neuen Kollegen sind hier die falschen  Ansprechpartner, mit ihnen sollten Sie in keinem Fall über Ihre Eindrücke oder gar Bedenken sprechen.

Stadtschilder der Veranstaltungsorte der VDI nachrichten Recruiting Tage

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Wie erkennen Bewerber, welche Arbeitgeber zu ihren Motiven, Bedürfnissen und Werten passen?

Es lohnt sich, die Online-Plattform ‚Whatchado‘ auszuprobieren. Allein die 14 Fragen dort zu beantworten, kann ungemein helfen, sich selbst besser einschätzen zu können. Auch ein Blick auf die Website ‚kununu‘kann hilfreich sein, denn hier erfahren Absolventen und Berufsanfänger wie das Unternehmen, das sie interessiert, von anderen bewertet wird. Zudem sollten sich junge Ingenieurinnen und Ingenieure auch branchenspezifische Besonderheiten vor Augen führen. Hier gilt es zum Beispiel, folgende Frage für sich zu beantworten: ‚Wo will ich arbeiten – in einem Konzern, in einem Familienunternehmen oder in einem ‚Startup?’ oder ‚Arbeite ich lieber in einem Team oder eher nicht?’

 

Und den Traumjob, gibt es den überhaupt?

Ja, den gibt es tatsächlich. Aber er ist immer auf dem Prüfstand, immer im Fluss. Konkret heißt das: Ich muss mich immer wieder prüfen, ob der Job noch zu mir passt. Was mich selbst betrifft, so justiere ich alle drei Jahre neu, ob das, was ich mache, immer noch das ist, was zu mir passt.

Dieser Artikel erschien im VDI-Karriereführer, einer Sonderpublikation der VDI nachrichten. Laden Sie sich den kompletten VDI-Karriereführer 2018 kostenfrei herunter.

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