Jobwechsel: Wann ist es Zeit den Job zu wechseln?
Es gibt im Wesentlichen zwei gute Gründe, den Job zu wechseln. Entweder Sie sind in Ihrer aktuellen Position unzufrieden – aus welchem Grund auch immer – und wollen nur noch weg. Oder Sie sind es nicht, haben aber die Gelegenheit zum Jobwechsel, eine verlockende und vielleicht sogar einmalige Chance.
Den richtigen Zeitpunkt für einen Jobwechsel gibt es nicht. Eine berufliche Neuorientierung in der Probezeit, in der Ihnen gewahr wird, in welches Irrenhaus Sie sich begeben haben, ist genauso legitim wie nach fleißiger, jahrzehntelanger Mitarbeit in der immergleichen Firma. Sie können nach ein, zwei oder drei Jahren eine neue Stelle antreten — oder nach 35 Jahren.
Vorteile aus Bewerbersicht: Heuer sind Stellenwechsel sehr viel einfacher und auch vielversprechender als noch vor einigen Jahren. Für viele Jobs stehen immer wenige Bewerber zur Verfügung, außerdem erleichtern Online-Kanäle die Kontaktaufnahme und Stellensuche. Der Faktor Arbeitsplatzsicherheit tritt daher mehr und mehr in den Hintergrund.
Ob Sie sich letztlich für den Jobwechsel entscheiden, sollten Sie von mehreren Faktoren abhängig machen…
Wie viele Menschen wollen sich beruflich neu orientieren?
Mit den Gedanken sind viele schon woanders. Ein neuer Job ist es, der unentwegt in den Gedanken der Menschen herumschwirrt — behauptet jedenfalls die Jobbörse Stepstone. Angeblich denken 15 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland mehrmals pro Woche über einen Jobwechsel nach. Jeder zehnte sogar täglich. Auf diese erstaunlichen Zahlen ist die Stellenplattform im Rahmen einer Umfrage unter 18.000 Arbeitnehmern in Deutschland 2022 gekommen.
Laut der Wechselbereitschaftsstudie von Xing E-Recruiting und Forsa fassen vier von zehn Beschäftigten einen Wechsel ihres Arbeitsplatzes ins Auge. Von den 30- bis 39-Jährigen ist demnach sogar fast jeder Zweite bereit für einen Neuanfang. Geht man nach den Zahlen des Münchener HR-Softwareunternehmens Personio, dann wollen sechs von zehn der 18- bis 34-Jährigen in Deutschland innerhalb eines Jahres beruflich etwas Neues machen. Das Beratungsunternehmen Gallup wiederum attestiert einem Viertel aller Berufstätigen unmittelbare Wechselgelüste. Erweitert man den Wechsel-Horizont auf drei Jahre, dann planen sogar 42 Prozent der Beschäftigten einen Jobwechsel.
Und warum auch nicht? Die Perspektiven sind aktuell so gut wie selten. Doch nicht jeder Jobwechsel gelingt. Auf das Gesamtpaket und die Einzelheiten kommt es an…
Was sind gute Gründe für einen Jobwechsel?
Das sind 6 gute Gründe für einen Jobwechsel:
Was sind keine guten Gründe für einen Jobwechsel?
Aus einer Laune heraus kündigen — das ist keine gute Idee. Der Chef fährt Sie unwirsch an, ein Kunde nervt kolossal oder das Kantinenessen lässt Sie innerlich explodieren. Frustrationen gehören zum Arbeitsleben wie der Dom zu Köln. Kein Job macht immer nur Spaß. Wer sich durch die kleinsten Hindernisse mental aus der Bahn werfen lässt, wird im nächsten Job genauso schnell umknicken. Ein Jobwechsel ist dann keine Lösung. Mit der nötigen Erfahrung und Routine lernt man, mit Rückschlägen besser umzugehen.
Stellen Sie sich vor einem möglichen Jobwechsel lieber diese Fragen und machen Sie Ihre Antworten zur Entscheidungsgrundlage:
- Sind sie mit Ihrem Aufgabenbereich zufrieden?
- Sind Sie im aktuellen Job überfordert oder unterfordert?
- Streben Sie eine Position mit mehr (oder mit weniger) Verantwortung und Gestaltungsspielraum an?
- Wollen Sie mehr oder weniger arbeiten?
- Ist Ihr aktuelles Gehalt angemessen?
- Wie gut können Sie Beruf und Familie vereinbaren?
- Wie gut kommen Sie mit Ihren Arbeitskollegen klar?
- Möchten Sie Wohnort oder Standort wechseln?
- Welche Aufstiegsmöglichkeiten haben Sie in Ihrem Unternehmen?
- Identifizieren Sie sich mit Ihrem Arbeitgeber und Ihrem Job?
- Reizt Sie eine andere Branche oder ein anderes Unternehmen?
- Wie hat sich Ihre Aufgabenprofil – und ihre Zufriedenheit damit – in den vergangenen Jahren verändert?
- Schafft Ihr Job einen Mehrwert?
Was muss ich bei einem Jobwechsel beachten?
Haben Sie sich für eine berufliche Neuorientierung entschieden? Dann sollten Sie diese wichtigen Aspekte bedenken:
- Über potenzielle Arbeitgeber und Optionen informieren
- Mit Familie abstimmen
- Genügend Zeit für Bewerbungsprozess einplanen
- Bewerbungsunterlagen auffrischen
- Kündigungsfrist beachten
- Mögliches Wettbewerbsverbot beachten
- Diskret bewerben
In 4 Schritten: So gelingt der Jobwechsel
In 4 Schritten zum Jobwechsel — so geht’s:
Wie lange sollte man bei einer Firma bleiben?
In Deutschland bleiben Arbeitnehmer nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) durchschnittlich 10,8 Jahre in demselben Job — eine lange Zeit. Zu lange?
Zu viele Jobwechsel entwerten den Lebenslauf. Dieser Zusammenhang gilt nach wie vor. Wer jedes halbe Jahr oder jedes Jahr die Stelle switcht, steigert nicht unbedingt den eigenen Marktwert. Arbeitgeber assoziieren damit Sprunghaftigkeit, Illoyalität, fehlende Ausdauer und Durchhaltevermögen — vielleicht ja nicht ganz zu Unrecht? Außerdem entstehen Unternehmen durch Jobhopper Kosten; immerhin muss jede Neueinstellung durch viele einzelne Arbeitsschritte eingeleitet werden. Viele Jobwechsel im Lebenslauf senden daher das Signal aus, dass der Arbeitgeber mit Mehraufwand rechnen muss — klar negativ.
Jobwechsel nach Betriebszugehörigkeit:
Ein volles Jahr sollten Arbeitnehmer im neuen Job durchhalten, auch bei kleineren und mittelschweren Widrigkeiten (bei eklatanten Problemen können sie selbstverständlich sofort die Reißleine ziehen). Dadurch signalisieren sie Resilienz und ein gewisses, gesundes Pflichtbewusstsein. Zudem sind viele erst nach einigen Monaten eingearbeitet, können ihren Job dann überhaupt erst zufriedenstellend ausfüllen. Wer immer frühzeitig die Brocken hinschmeißt, entwickelt sich nur schwerlich weiter — fachlich wie persönlich. Arbeitgeber schätzen Loyalität — das kann sich auch in Beförderungen oder Gehaltserhöhungen ausdrücken. Alle drei bis fünf Jahre den Job zu wechseln ist für Arbeitnehmer hingegen völlig unkritisch. Aber auch hier gilt: Sieht ein interessiertes Unternehmen in den ständigen Jobwechseln ein Muster, sucht aber einen Leistungsträger auf lange Sicht, nimmt es womöglich Abstand von einer Verpflichtung.
Jobwechsel nach Alter:
Speziell Berufseinsteiger müssen mitunter überdurchschnittlich oft den Job wechseln, bis sie eine Stelle gefunden haben, die ihren Erwartungen und Fähigkeiten entspricht. Am Anfang der Karriere sind häufige Stellenwechsel daher anders zu bewerten als in der Blüte des Arbeitslebens mit 40 oder 45 Jahren. Andererseits: Wer im fortgeschrittenen Alter oft wechselt, aber stets auf eine höhere Position, der hat gute Argumente, um die Veränderungen zu erklären. Zudem kommt es nicht nur auf den Rhythmus an, auch auf die Gesamtzahl. Ein Lebenslauf mit zehn Stationen in 15 Jahren — das könnte nach dem Geschmack mancher Firmenlenker ein bisschen zu viel des Guten sein.
Auch wenn der Zeitgeist in die andere Richtung läuft: Nicht spricht dagegen, lebenslang einer Firma treu zu bleiben, wenn man das denn möchte. Insbesondere in größeren Unternehmen haben Arbeitnehmer zudem Möglichkeiten, neue Aufgaben zu übernehmen oder in eine andere Abteilung zu wechseln. Hier sind auch Naturell und Lebenssituation entscheidende Parameter: Ein Typ, der risikobereit und ungebunden ist, wechselt sicherlich eher als ein risikoaverser Mensch, der auch privat fest in am Standort seines Arbeitgebers verankert ist…































