Anzeige

Gelsenkirchen: 30.000 Haushalte heizen jetzt mit Raffinerie-Abwärme

16. Dezember 2025

Blick auf den Standort Scholven: Hier speist das Projekt Green Heat industrielle Abwärme ins Fernwärmenetz ein
Blick auf den Standort Scholven: Hier speist das Projekt Green Heat industrielle Abwärme ins Fernwärmenetz ein. Foto: Foto: Steag Iqony Group
Die BP-Raffinerie Gelsenkirchen liefert ab sofort Abwärme für zehntausende Haushalte im Ruhrgebiet. So funktioniert „Green Heat“.
Anzeige
Anzeige


Die ehemaligen Industriehochburgen im Ruhrgebiet nutzen ihre fossilen Infrastrukturen immer öfter für die Energiewende. Das jüngste Beispiel ist heute (16. Dezember) in Gelsenkirchen gestartet: Das nach Angaben von Betreiber Iqony größte Abwärmeprojekt Nordrhein-Westfalens heizt ab sofort zehntausende Wohnungen im Revier.

Dabei soll keinerlei CO2 entstehen: „Green Heat“, so der Name der Anlage, speist die industrielle Abwärme der lokalen BP-Raffinerie in das Fernwärmenetz ein. Bislang verpuffte die wohlige Wärme in die Umgebung. Eine Verschwendung, gerade im Winter.

Anzeige
Anzeige

Inhaltsverzeichnis

Wie Green Heat verlorene Energie in Wärme unwandelt

Die schon in den 1930er Jahren gebaute Raffinerie von Ruhr Oel-BP in Gelsenkirchen-Scholven steht im Zentrum von Green Heat. Acht Wärmetauscher liefern dort jetzt bis zu 50 MW Wärmeleistung. Rund 30.000 Haushalte im nördlichen Ruhrgebiet können diese laut der Steag-Tochter Iqony nutzen; bis zu 60.000 t CO₂ ließen sich so pro Jahr einsparen.

Eine knapp 3 km lange, überwiegend unterirdische Rohrtrasse verbindet die Raffinerie mit einem neuen Pumpenhaus auf dem Gelände des Kraftwerks Scholven. Von dort speist Iqony die Wärme in sein Fernwärmenetz ein. Der Probebetrieb läuft laut Iqony bereits seit einigen Wochen mit 20 MW; 2026 soll die volle Leistung erreicht werden.

Neben Iqony und BP ist auch Uniper an Green Heat beteiligt, das am Kraftwerksstandort in Scholven einige GuD-Blöcke betreibt. Die Scholvener Raffinerie gehört inzwischen vollständig zu BP – das frühere Joint Venture mit Rosneft wurde bereits 2016/17 aufgelöst.

Anzeige
Anzeige
Wärmetauscherstation von Green Heat: Hier übertragen Wärmetauscher die Abwärme aus dem Industrieprozess auf das Fernwärmenetz von Iqony. Foto: Steag Iqony Group
Innenansicht der Wärmetauscherstation: Hier übertragen Wärmetauscher die Abwärme aus dem Industrieprozess auf das Fernwärmenetz von Iqony.

So funktioniert die Auskopplung von Abwärme

Bei der Raffination von Rohöl entstehen hohe Temperaturen. Ein Großteil davon entwich bisher ungenutzt über die Kühltürme. „Green Heat“ fängt diese Energie nun ab: Die acht Wärmetauscher entziehen den heißen Prozessströmen der Raffinerie thermische Energie und übertragen sie auf Wasser.

Das erhitzte Wasser fließt dann durch die unterirdische Rohrtrasse zum Kraftwerk Scholven und von dort ins Fernwärmenetz. Das „Abfallprodukt“ Abwärme wird so zu einem Energieträger, ohne dass zusätzlicher Brennstoff notwendig wäre.

Anzeige
Anzeige

Eine Raffinerie im Wandel

„Green Heat“ ist Teil eines rund 2 Mrd. € schweren Modernisierungsprogramms, das BP seit 2020 in dem Gelsenkirchener Stadtteil umsetzt. Dazu gehören zudem eine neue Dampfversorgung und Wasseraufbereitung, die die Steag errichtet hat. Das Auftragsvolumen zwischen BP und Steag liegt laut einem Bericht der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK) von 2020 im mittleren dreistelligen Millionenbereich.

Ferner zählt ein neuer Fernwärmespeicher zu der neuen Infrastruktur. Mit 57 m Höhe und 31 Mio. l Fassungsvermögen soll er Wärmeenergie aus Abwärme, erneuerbaren und konventionellen Quellen koppeln und so die Versorgung über mehrere Tage abpuffern können. Iqony hat für den Speicher rund 30 Mio. € investiert, davon stammen gut 7 Mio. € vom Land NRW.

Ein Pufferspeicher beim neuen Pumpenhaus auf dem Gelände des Kraftwerk Scholven. Er ist ebenfalls Teil von
Zur Anlage von Iqony gehört auch ein Pufferspeicher beim neuen Pumpenhaus auf dem Gelände des Kraftwerk Scholven.

„Einen verlorenen Energieschatz gehoben“

„Wir heben einen bislang verlorenen Energieschatz – und machen ihn zu einem wichtigen Treiber der Wärmewende“, meint Iqony-CEO Andreas Reichel. Das Unternehmen zählt mit 2.186 km Netzlänge zu den größten Anbietern von Fernwärme in Deutschland. Schon heute stamme etwa die Hälfte davon aus klimaneutralen Quellen, mit Green Heat steige der Anteil weiter.

Das Projekt demonstriert Iqonys langfristige Strategie auf dem Wärmemarkt: Kürzlich hat die Steag-Tochter das Fernwärmegeschäft von Uniper übernommen und treibt nun die Vernetzung der Fernwärmesysteme der benachbarten Ruhrgebietsstädte Essen und Gelsenkirchen voran. Weitere Projekte, darunter Großwärmepumpen und Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), sind in Planung.

FAQ: Green Heat in Zahlen

Welche Leistung hat die Anlage?

Bis zu 50 MW, laut Iqony genug für 30.000 Haushalte. Derzeit laufen 20 MW im Probebetrieb.

Woher kommt die Wärme?

Aus den Raffinerieanlagen von Ruhr Oel-BP in Gelsenkirchen-Scholven.

Wer betreibt die Anlage?

Iqony (Steag-Tochter), in Partnerschaft mit BP und Uniper.

Was kostet das Projekt?

Aktuell sind keine offiziellen Gesamtkosten bekannt. Green Heat ist aber Teil einer 2 Mrd. € teuren Modernisierung des Standorts. Der zugehörige Fernwärmespeicher kostet rund 30 Mio. €.



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

CAD-Konstrukteur (m/w/d)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG

13.09.2026
Weiler-Simmerberg
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Bauprojektleiter (m/w/d)
Allbau Managementgesellschaft mbH

13.09.2026
Essen
Ingenieur* im Anforderungsmanagement
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

13.09.2026
Langen
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d)
WipflerPLAN Planungsgesellschaft

13.09.2026
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

13.09.2026
Wedel
Professur „Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)“
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences

13.09.2026
Düsseldorf
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

13.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Dillenburg
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster, Gelsenkirchen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Netphen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bochum
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Osnabrück
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hagen
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau
SCHEIDL

13.09.2026
Moosburg/Landshut
Projektingenieur Fachplanung Versorgungstechnik (m/w/d)
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH

13.09.2026
Achim, Celle, Salzgitter, Wolfsburg
Meister (m/w/d) für die mechanische Fertigung
Montanhydraulik GmbH

13.09.2026
Gelsenkirchen
Bauingenieur (w/m/d)
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bayreuth

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige