Windrad auf dem Container: Kleinkraftwerk statt Dieselaggregat
Solarstrom, Batteriespeicher und künftig auch Kleinwindkraft: Novventos entwickelt ein mobiles Kraftwerk für Baustellen ohne Netzanschluss. Erste PV-Systeme sind bereits im Einsatz, die Windturbine soll 2027 marktreif werden.
Auf der Windenergy in Hamburg: Novventos-Mitgründer und CTO Bernhard Fellner vor dervertikalachsige Turbine „naca.boost“, die auf der Messe zu sehen war.
Foto: Elke von Rekowski
Baustellen ohne Netzanschluss werden häufig mit Dieselaggregaten versorgt. Das österreichische Unternehmen Novventos Clean Energy setzt dagegen auf ein mobiles Kleinkraftwerk im Container: Photovoltaik (PV), Batteriespeicher und künftig auch eine Kleinwindturbine sollen bei diesem Hybridsystem Strom direkt dort erzeugen, wo er gebraucht wird.
Die reine Solarvariante des Hybridsystems ist bereits im Baustelleneinsatz. Unter anderem nutzt Strabag eine mobile Einheit bei Arbeiten an Lärmschutzwänden entlang einer Autobahn in Österreich. Der Container wandert mit der Baustelle mit und versorgt unter anderem Ladegeräte für Akkuwerkzeuge. Technisch interessanter wird das Konzept durch die geplante Windkomponente. Die vertikalachsige Turbine „naca.boost“ wurde speziell für geringe Installationshöhen und turbulente Strömungen entwickelt. Anders als große Windenergieanlagen soll sie deshalb nicht auf hohe Masten angewiesen sein, sondern etwa auf Containern oder Flachdächern eingesetzt werden können. In einem Gespräch im Rahmen der Windenergy in Hamburg nannte Novventos-Mitgründer und CTO Bernhard Fellner Installationshöhen von etwa 3 bis 8 m.
Inhaltsverzeichnis
Wind und Solar sollen sich ergänzen
Die Idee hinter dem Hybridsystem: Photovoltaik liefert vor allem tagsüber und im Sommer hohe Erträge, während Windenergie auch nachts und in den Wintermonaten beitragen kann. Dadurch soll die Stromerzeugung gleichmäßiger werden und der Speicher weniger Lastspitzen abfangen müssen.
Novventos kombiniert dafür die Windturbine naca.boost mit dem PV-System sky.boost und dem Energiemanagement master.boost. Dieses System koordiniert Erzeuger, Batteriespeicher und Verbraucher. Je nach Konfiguration können auch Netzstrom oder konventionelle Generatoren eingebunden werden.
Für bodennahe, turbulente Winde entwickelt
Die Windturbine des Unternehmens basiert auf dem Savonius-Prinzip, wurde laut Fellner jedoch aerodynamisch weiterentwickelt. Rotor und Gehäuse sollen so zusammenspielen, dass sich auch wechselnde Windrichtungen und turbulente Strömungen nutzen lassen.
Das Gehäuse schirmt demnach das rücklaufende Rotorblatt teilweise vom Wind ab und lenkt die Strömung gezielt auf die antreibende Seite des Rotors. Gleichzeitig soll es die lokale Strömungsgeschwindigkeit erhöhen. Eine aktive Nachführung nach der Windrichtung sei nicht erforderlich, so Fellner.
Laut Novventos sollen sich mit dieser Kombination gegenüber einem konventionellen bodennah installierten Vertikalachsrotor mindestens 75 % mehr Energie erzeugen lassen. Unabhängige Vergleichsdaten sind allerdings dazu bislang nicht verfügbar.
Windkomponente für Hybridsystem noch im Langzeittest
Während die Solar-Container bereits genutzt werden, befindet sich die Windturbine noch in der Erprobung. Nach Angaben des Unternehmens laufen derzeit Langzeittests; die Marktreife ist für Anfang 2027 vorgesehen. Für das erste Quartal 2027 sucht Novventos bereits Projektpartner.
Ob sich das Hybridsystem wirtschaftlich lohnt, hängt stark vom Standort ab. Kleinwindkraft reagiert erheblich sensibler als Photovoltaik auf lokale Windverhältnisse, Turbulenzen und Abschattung. Für schwache Windstandorte sieht Novventos deshalb auch reine Solarkonfigurationen vor.
Ein weiterer Faktor sind die Genehmigungen. Vor allem bei dauerhaften Installationen auf Gebäuden gelten je nach Region unterschiedliche Vorgaben. Novventos-Marketing-Chef Holger Zerfass betont, dass diese Fragen lokal geprüft werden müssen. Mobile Containerlösungen könnten dabei einfacher zu handhaben sein als fest installierte Anlagen.




