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Das deutsche Energiesystem 13.07.2026, 10:00 Uhr

Batteriespeicher in Deutschland erreichen fast 30 GWh Speicherkapazität

Batteriespeicher in Deutschland erleben einen Boom.  Seit Juni 2025 stieg die Speicherkapazität von Batterien in Deutschland von 21,8 GWh auf 29,8 GWh. Das ist ein Anstieg von rund 37 %, so das Ergebnis einer aktuellen Analyse.

Ein flächendeckender Rollout

Foto: 1KOMMA5°

Der Ausbau von Batteriespeichern in Deutschland nimmt weiter Fahrt auf. Innerhalb eines Jahres ist die installierte Speicherkapazität um rund 8 GWh gestiegen. Inzwischen verfügen die in Deutschland installierten Batteriesysteme über eine Gesamtkapazität von 29,8 GWh. Das zeigt eine Analyse des Energieunternehmens 1Komma°5 auf Basis der Battery Charts der RWTH Aachen University und eigenen Berechnungen. Das entspricht einem Zuwachs von rund 37 % . Die installierte Batteriekapazität nähert sich damit der Marke von 30 GWh. Nach Angaben von 1Komma5° hat sich das Wachstum in den vergangenen Monaten nochmals leicht beschleunigt.

Das zeigt, welche Bedeutung Stromspeicher inzwischen für das deutsche Energiesystem haben. Über viele Jahre spielte die Speicherung von Strom in Batterien lediglich eine untergeordnete Rolle. Erst im Herbst 2018 überschritt die gesamte installierte Speicherkapazität erstmals die Schwelle 1 GWh. Seit der Energiekrise im Jahr 2022 hat der Ausbau deutlich an Tempo gewonnen. Seither hat sich die in Deutschland verfügbare Speichermenge mehr als versechsfacht.

Heimspeicher dominieren den Markt

Der größte Teil der installierten Batteriekapazität entfällt auf private Haushalte. Fast 22 GWh und damit rund 75 % der gesamten Kapazität sind in Heimspeichern installiert. Die übrigen Kapazitäten verteilen sich auf Gewerbespeicher und große Batteriespeicher, die direkt an das Stromnetz oder an Erzeugungsanlagen angeschlossen sind.

Batteriespeicher und Photovoltaikanlage als Kombi

Die wachsende Zahl privater Stromspeicher hängt eng mit dem Ausbau von Photovoltaikanlagen zusammen. Viele Haushalte kombinieren ihre Solaranlage inzwischen mit einer Batterie, um einen größeren Anteil des selbst erzeugten Solarstroms vor Ort zu nutzen. Überschüssiger Strom, der tagsüber produziert wird, kann gespeichert und am Abend beispielsweise für Haushaltsgeräte, eine Wärmepumpe oder das Laden eines Elektroautos verwendet werden.

„Die Verbraucherinnen und Verbraucher haben erkannt, wie sinnvoll und gewinnbringend Batterien vor allem in Kombination mit Solaranlage, Wärmepumpe oder E-Auto sind“, sagt Jannik Schall, Produktchef und Mitgründer von 1Komma5°.

Die inzwischen annähernd erreichte Kapazität von 30 GWh würde rechnerisch ausreichen, um etwa 500 000 Elektroautos vollständig aufzuladen. Gleichzeitig könnten Batteriespeicher dazu beitragen, die zeitlichen Unterschiede zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch auszugleichen. Günstiger Solarstrom aus den Mittagsstunden ließe sich beispielsweise speichern und in den Abendstunden nutzen, wenn die Stromnachfrage steigt und die Photovoltaikerzeugung zurückgeht.

Rekordzubau bei Batteriespeichern im März 2026

Besonders stark fiel der Ausbau im März 2026 aus. In diesem Monat wurden Batteriespeicher mit einer Kapazität von insgesamt 1 099 MWh neu installiert. Damit erreichte der monatliche Batteriezubau einen neuen Allzeit-Rekord.

In den Vorjahren hatte sich der monatliche Kapazitätszuwachs überwiegend in einer Bandbreite zwischen 350 und 650 MWh bewegt. Der Wert vom März lag somit deutlich über dem bisherigen Niveau. Ausschlaggebend für den außergewöhnlich hohen Zubau war unter anderem die Inbetriebnahme neuer Großspeicher. Gleichzeitig stieg auch die Nachfrage nach Batteriespeichern für private Haushalte.

1Komma5° zufolge hatte sich die Nachfrage nach Solaranlagen mit Speicher im März gegenüber dem Vormonat verdoppelt. Das Unternehmen führt die Entwicklung unter anderem auf die gestiegene Unsicherheit an den internationalen Energiemärkten und höhere Preise für fossile Energieträger zurück.

„Wir sehen bei Verbraucherinnen und Verbrauchern eine klare Reaktion auf die globalen Ereignisse“, so Schall. Mit Beginn des Iran-Kriegs und den darauffolgenden Preissprüngen bei fossilen Energien sei das Interesse an einer größeren Energieunabhängigkeit wieder gestiegen. Wer sich vor Preisschwankungen auf den fossilen Energiemärkten schützen wolle, setze verstärkt auf die Kombination aus Batteriespeicher und intelligenter Steuerung.

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Smart Meter und intelligente Steuerung fehlen

Mit der steigenden Zahl von Batteriespeichern wächst auch deren potenzielle Bedeutung für das Stromnetz. Speicher können Schwankungen bei der Einspeisung von Wind- und Solarstrom ausgleichen, Lastspitzen reduzieren und vorhandene Netzkapazitäten effizienter nutzen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sie nicht ausschließlich zur Optimierung des Eigenverbrauchs eingesetzt werden.

Bislang arbeiten viele Heimspeicher weitgehend isoliert. Die Anlagen laden vor allem überschüssigen Solarstrom vom eigenen Hausdach und stellen ihn später für den Haushalt zur Verfügung. Auf Strompreise, Netzengpässe oder ein Überangebot erneuerbarer Energien reagieren sie häufig nicht. Dadurch bleibt ein großer Teil des energiewirtschaftlichen Potenzials der installierten Batterien ungenutzt.

Eine zentrale Voraussetzung für eine flexible Einbindung der Speicher in den Strommarkt sind intelligente Messsysteme. Smart Meter erfassen den Stromverbrauch und die Einspeisung in kurzen Zeitintervallen und ermöglichen es, Anlagen automatisiert anhand von Markt- und Netzsignalen zu steuern. In Kombination mit dynamischen Stromtarifen könnten Batteriespeicher beispielsweise Strom aufnehmen, wenn die Preise niedrig oder negativ sind und Energie in Zeiten hoher Nachfrage bereitstellen.

„Solange wir diese Speichermengen nicht durch einen flächendeckenden Roll-out von Smart Metern und intelligenter Steuerung vernetzen, fahren wir die Energiewende mit angezogener Handbremse“, sagt Schall.

Batteriespeicher könnten Stromnetz entlasten

Nach Einschätzung von 1Komma5° reicht es daher nicht aus, allein zusätzliche Batteriekapazitäten zu installieren. Entscheidend sei, die Speicher digital zu vernetzen und automatisiert in das Energiesystem einzubinden. Das gelte nicht nur für stationäre Batteriesysteme, sondern perspektivisch auch für die Batterien von Millionen Elektroautos.

„Wir haben in Deutschland zwar bereits den Anfang gemacht und erste Speicherkapazitäten geschaffen, nutzen sie aber falsch“, ist Schall überzeugt. Erst wenn Batteriespeicher und Elektroautos automatisiert auf Marktsignale reagierten, könnten sie einen größeren Beitrag zur Stabilisierung des Energiesystems leisten. Bei einem hohen Stromangebot und negativen Preisen könnten die Anlagen Energie aufnehmen. In Hochpreisphasen könnten sie ihren Stromverbrauch reduzieren oder gespeicherte Energie netzdienlich bereitstellen.

Eine solche flexible Nutzung könnte dazu beitragen, bestehende Stromnetze besser auszulasten und den Bedarf an zusätzlichem Netzausbau zu verringern. Gleichzeitig könnten mehr erneuerbare Energien genutzt werden, die ansonsten wegen Netzengpässen abgeregelt werden müssten.

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