Zum Tag gegen Lärm: 27.04.2022, 11:00 Uhr

Alarmsystem im Dauereinsatz

Prof. Dr. Bernd Boiting erzählt zum Tag gegen Lärm 2022 über die Auswirkungen von Lärm und wie er entsteht

Prof. Dr. Bernd Boiting ist Fachmann für Akustik an der FH Münster. Zum Tag gegen Lärm erklärt er unter anderem, wie sich eine laute Geräuschkulisse auf den Körper auswirkt. Foto: FH Münster/Frederik Tebbe

Prof. Dr. Bernd Boiting ist Fachmann für Akustik an der FH Münster. Zum Tag gegen Lärm erklärt er unter anderem, wie sich eine laute Geräuschkulisse auf den Körper auswirkt.

Foto: FH Münster/Frederik Tebbe

Der 27. April ist 2022 der Tag gegen Lärm. Er rückt ein Alarmsystem im Körper in den Fokus, das stets im Einsatz ist – das Ohr. Prof. Dr. Bernd Boiting unterrichtet an unserer Hochschule in den Bereichen der Raum- sowie Anlagenakustik und erklärt im Interview, was Lärm eigentlich ist und welche Auswirkungen er auf das Gehör und damit auf den Menschen hat.

Wie entsteht ein Geräusch, Prof. Dr. Boiting?

Prof. Dr. Bernd Boiting: Wir unterhalten uns ja gerade – und damit setzen unsere Stimmbänder durch Schwingungen die Luftmoleküle in Bewegung. Im Endeffekt ist das so, als wenn man eine Billardkugel anstößt und diese auf dem Billardtisch wiederum eine Kugel nach der nächsten trifft. Am anderen Ende des Tisches stößt dann irgendeine Kugel das Trommelfell an. Und im Ohr setzen Trommelfell, Hammer, Amboss, Steigbügel und die Hörschnecke das Ganze in eine nervliche Reaktion, in eine elektrische Spannung, um. Diese empfindet man dann. Die Schwingungen können im einfachsten Fall einzelne Töne sein, es können aber auch viele Töne sein, die zusammen einen Klang ergeben. Gehen die Töne jedoch völlig durcheinander, dann ist es ein Geräusch: Wenn ein Auto an einem vorbeifährt, ist es mehr ein breitbandiges Rauschen.

Und wann wird aus einem Geräusch dann Lärm?

Solange sich die Schalldruckpegel in der Größenordnung zwischen 30 und 35 Dezibel bewegen, empfinden wir das als relativ angenehm. Ab 40 Dezibel wird es langsam stressig, dann kann man sich nicht gut konzentrieren. Ab 50 bis 60 Dezibel ist es so laut, dass man sich in der Regel gar nicht mehr konzentrieren kann, und bei noch höheren Schalldruckpegeln müsste man einen Hörschutz tragen. Wenn man alle für uns hörbaren Frequenzen betrachtet, spricht man vom Summenschalldruckpegel, dem Gesamterlebnis der Geräusche. Wenn in diesem Klang oder Geräusch bestimmte Töne besonders dominant sind, wenn es pfeift, quietscht oder zischt, dann ist das auch unangenehm. Gut ist es, wenn es ein Grundrauschen gibt, mit ähnlichen Schalldruckpegeln auf allen Frequenzen.

Um das einzuordnen: Was entspricht etwa 60 Dezibel?

Das wäre eine unruhige Schulklasse, in der die Leute laut durcheinander sprechen. Etwas mehr ist ein Schalldruckpegel in einem Hallenbad. Wenn Autos auf der Straße vorbeifahren, entspricht das je nach Abstand zur Fahrbahn 70 bis 80 Dezibel.

Welche Auswirkungen hat Lärm auf den menschlichen Körper?

Unsere Ohren sind unheimlich empfindlich – sie können sage und schreibe 0,00002 Pascal, also unvorstellbar kleine Druckschwankungen in der Luft, wahrnehmen. Das zeigt, dass wir wohl nicht immer am Ende der Nahrungskette gelebt haben und deshalb mit unseren Ohren ständig wachsam sind. Sie sind ein Organ, das uns immer alarmieren kann, dass irgendwo etwas nicht in Ordnung ist. Anders als unsere Augen oder den Mund können wir die Ohren nicht schließen, dadurch sind wir immer unterschwellig angestoßen und Stresshormone werden bei Alarm ausgeschüttet. Wenn es nicht schön ruhig um uns herum ist, kann uns das deshalb auf die Dauer krank machen und stressen. Wer zum Beispiel den ganzen Tag in einem Großraumbüro unter sehr lauten Bedingungen arbeiten muss, nimmt das als Stressbelastung den ganzen Tag mit und das macht auf Dauer krank. 120 Dezibel sind übrigens die Schmerzgrenze, da tut es richtig weh und das Ohr kann nachhaltig geschädigt werden. Ab circa 200 Dezibel ist Schall sogar tödlich.

Kann man sich gegen Lärm irgendwie schützen?

Zunächst kann man Geräte so bauen, dass sie leiser werden. Klimaanlagen werden zum Beispiel in der Regel so stark schallgedämpft, dass man sie nicht hört, obwohl die Ventilatoren auf den Dächern weit über 90 Dezibel machen. Was genau so wichtig ist, ist, dass die Räume auch entsprechend ausgestattet werden. Etwa mit Teppichböden und Akustikdecken. Die Raumakustik in üblichen Räumen kann man zum Beispiel einfach prüfen, indem man in die Hände klatscht. Wenn der Schall länger als eine Sekunde zu hören ist, ist die Akustik nicht gut für gesundheitszuträgliches Arbeiten geeignet. Wichtige Komponenten in modernen Bürogebäuden sind Kühldecken, durch die Wasser strömt. Sie können heizen, kühlen und die Raumakustik deutlich verbessern, weil sie Schall absorbieren. In meinen Vorlesungen machen wir uns über den Schallschutz Gedanken – sowohl darüber, wie man Geräte akustisch optimieren kann, als auch, welche Absorptionsfähigkeiten bestimmte Materialien besitzen sollen, damit die Raumakustik optimal beeinflusst wird.

Hat Lärm auch Auswirkungen auf die Umwelt?

Ja, Lärm hat Einfluss auf die gesamte Tierwelt. Sie wird durch laute Geräusche aufgeschreckt und verstört. Autobahnen, Zuglinien und Flughäfen zum Beispiel können sehr laut sein. Auch da müssen akustische Maßnahmen ergriffen werden und zum Beispiel, Schalldämm-, Reflektions- und Absorptionswände aufgebaut werden.

Von www.fh-muenster.de/pressestelle

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