Lärmschutz 14.10.2022, 06:55 Uhr

Das Lärmkompendium der BGN – Basismaßnahmen im Lärmschutz

Trotz großer Anstrengungen und Fortschritte auf dem Gebiet der Lärmbekämpfung gibt es immer noch eine Vielzahl von Lärmbereichen in den Unternehmen der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie. Der Grund kann ein Altbestand an Maschinen sein, die nicht mehr dem Stand der Lärmschutztechnik entsprechen. Aber auch bei neuen Maschinen bzw. kompletten Anlagen ist trotz verbesserter Technik oft eine Erhöhung der Schalldruckpegel zu verzeichnen.

Bild 1 Mehrkopfwaage in einer Einhausung. Foto: Bilddatenbank der BGN, Oliver Rüther/BGN

Bild 1 Mehrkopfwaage in einer Einhausung.

Foto: Bilddatenbank der BGN, Oliver Rüther/BGN

Der Grund liegt meist in der Verdichtung von Maschinen auf begrenztem Raum bzw. einer Steigerung der Leistung von Maschinen und Anlagen. Bei Erreichen oder Überschreiten eines Tages-Lärmexpositionspegels von 85 dB(A) beziehungsweise eines Spitzenschalldruckpegels von 137 dB(C) sind die Unternehmen nach der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung unter anderem dazu verpflichtet, ein Lärmminderungsprogramm aufzustellen. Dabei werden sie von Aufsichtspersonen sowie Wissenschaftlichen Mitarbeitern des Messtechnischen Dienstes der BGN beraten und unterstützt. In Einzelfällen werden komplette Lärmminderungsprojekte begleitet – dies vor allem in Fällen, in denen neue Materialien getestet bzw. andere Erkenntnisse in puncto Lärmminderung gewonnen werden können, die dann allen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden können.

Verschiedene Unternehmen, ähnliche Lärmquellen

Dabei fiel auf, dass es sich in den Unternehmen oft um gleiche oder ähnliche Lärmquellen sowie damit verbundene Lärmminderungsmaßnahmen handelt. So entstand die Idee zu einem Lärmkompendium, in dem unterschiedliche Lärmquellen sowie Basismaßnahmen zur technischen Lärmminderung nach Arbeitsbereichen und Maschinen gegliedert zusammengefasst wurden. Das soll an den Beispielen der Mehrkopfwaage und Druckluftdüsen etwas näher beschrieben werden (siehe Bild 1).

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Lärmproduzent Mehrkopfwaage

Mehrkopfwaagen werden in vielen Unternehmen der Nahrungsmittelbranche eingesetzt. In Kombination mit Schlauchbeutelmaschinen werden unter anderem Bonbons, Nudeln oder pulverförmige Produkte abgewogen und verpackt. Einen großen Einfluss auf den Schalldruckpegel hat die Art des Produktes. Man kann sich vorstellen, dass harte Bonbons durch ihren Transport mehr Lärm verursachen als zum Beispiel weiche Gummibärchen. Dieses Kriterium ist nicht beeinflussbar.

Aber der Transport als solcher birgt bereits einiges an Potenzial. Dieser wird aus einem Vorratsbehälter oder direkt aus der Produktion zur Mehrkopfwaage über Fließbänder bzw. Vibrationsrinnen durchgeführt. Aus Gründen der Lärmminderung sollte zuerst der Einsatz von Fließbändern, welche sehr unterschiedliche Oberflächen aufweisen können, geprüft werden.

Einsatz von Vibrationsrinnen

In einigen Fällen sprechen Gründe für die Verwendung von Vibrationsrinnen. So wird der Transport zum Beispiel genutzt, um Produkte auf diesem Weg noch zu vermischen. Auch ist nicht jedes Produkt geeignet, um auf Fließbändern transportiert zu werden. Vibrationsrinnen geben jedoch (gewollt) Vibrationen an das Produkt weiter, wodurch Lärm entstehen kann. Auch durch eine fehlende oder schlecht umgesetzte Entkopplung der Vibrationsrinne an den Boden können Vibrationen weitergegeben und an anderer Stelle wieder in Lärm umgewandelt werden.

Material des Wägebehälters

Das abzufüllende Produkt hat auch einen großen Einfluss auf die Gestaltung der Wägebehälter. So benötigen rieselfähige Produkte andere Wägebehälter als zum Beispiel stückige Produkte. Für Stäube/Granulate sind Wägebehälter zu verwenden, die eine geschlossene Oberfläche aus Metall oder Kunststoff aufweisen. Bei stückigen Produkten kann das Material auch ein Drahtgeflecht sein. Fallen harte stückige Materialien wie zum Beispiel Bonbons auf ein Drahtgeflecht, wird dabei deutlich weniger Lärm erzeugt als beim Auftreffen auf eine geschlossene Oberfläche aus Metall oder Kunststoff.

Schließmechanismus richtig einstellen

Aber auch auf den Mechanismus des Schließens hat die Art des Produktes einen großen Einfluss. Bei Stäuben oder Granulaten muss die Klappe mit dem Wägebehälter dicht schließen. Sonst rieselt das Produkt heraus und es ist keine exakte Wägung möglich. Ist das abzufüllende Produkt stückig, muss die Klappe nicht mit dem Wägebehälter in Berührung kommen. Erfolgt die Einstellung so, dass ein kleiner Spalt zwischen Klappe und Wägebehälter geöffnet bleibt, wird das Klappern vermieden.

Das Auftreffen des Produktes in den Behälter sowie das Schließen der Klappe hat jedoch einen entscheidenden Einfluss auf den gesamten Schalldruckpegel an der Mehrkopfwaage. Es macht somit Sinn, den Hersteller der Mehrkopfwaage auf das abzufüllende Produkt anzusprechen und die geeignete Ausstattung zu wählen. Dabei ist immer ein weiteres Kriterium in der Nahrungsmittelindustrie zu beachten: die Hygiene und somit der Aspekt der Reinigbarkeit.

Fallhöhen gering halten

Der Aufbau der Produktzufuhr über die Mehrkopfwaage bis hin zur Schlauchbeutelmaschine beinhaltet auch das oft mehrfache Fallen des Produktes. Die Fallhöhen sind möglichst geringzuhalten. So kann der Lärmpegel reduziert werden und meist wird auch das Produkt geschont.

Sind die oben genannten Maßnahmen nicht oder nur teilweise umsetzbar, kann der resultierende Lärmpegel nicht immer genügend reduziert werden. Dann hat es sich in der Praxis bewährt, Mehrkopfwaagen einzuhausen. Es ist auf eine leichte Montage/Demontage sowie gute Reinigbarkeit zu achten. Dabei werden nicht nur starre Einhausungen wie in der obigen Abbildung eingesetzt, sondern gelegentlich auch Vorhänge, welche leicht angebracht und abgenommen werden können.

Kostensenkung und Lärmschutz zugleich

Ist die Lärmminderungsmaßnahme mit einem Zusatznutzen wie zum Beispiel dem Produktschutz durch Reduzierung der Fallhöhen verbunden, steigert das die Motivation zur Umsetzung einer Maßnahme. Das ist auch beim Einsatz von lärmgeminderten Druckluftdüsen der Fall, einer weiteren Lärmquelle, die im Lärmkompendium vorgestellt wird. Druckluft ist ein sehr teures Gut. Druckluftdüsen werden für verschiedene Anwendungen eingesetzt. Beispielsweise zum Ausschleusen von Ausschuss, dem Transport von Produkt oder dem Trocknen von Oberflächen. Diese Anwendungen verlangen jeweils unterschiedlich aufgebaute Düsen. Wird im Rahmen einer Lärmminderungsberatung festgestellt, dass Druckluftdüsen einen wesentlichen Beitrag zum Lärmpegel in einem Bereich liefern, erfolgt eine Beratung hinsichtlich lärmarmer Düsen. Wird bei der Umsetzung bedacht, dass meist ein geringerer Vordruck nötig ist, um die gestellte Aufgabe zu erfüllen, führt die Lärmminderungsmaßnahme sogar zu einer Kostenreduzierung.

Das BGN-Lärmkompendium ist unter folgendem Link zu finden.

Es ist auf der Homepage der BGN im Branchenwissen als eine der Praxishilfen beim Thema „Lärm im Unternehmen“ verankert. Das Lärmkompendium ist ein lebendiges Instrument der Lärmminderung, welches regelmäßig aktualisiert, vor allem aber erweitert werden soll. Anmerkungen und Ergänzungen zu bereits aufgeführten Lärmquellen bzw. die Aufnahme noch nicht behandelter Lärmquellen können per Mail unter laermschutz@bgn.de, Stichwort „Lärmkompendium“, gesendet werden. 

Dipl.-Ing. Claudia Mattke
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Prävention, Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN), Dortmund.